Produkt des Monats
Werkstückspanntechnik
Karten neu gemischt
15.06.2009
Nullpunktspannsystem: Mit ZeroClamp ist ein neuer Mitspieler auf dem Feld der Nullpunktspannsysteme aufgetaucht. Das System verspricht eine hohe Wiederholgenauigkeit durch den thermostabilen Aufbau.
Nullpunktspannsysteme gibt es mittlerweile viele. Und jeder Hersteller preist sein Produkt als sehr genau und wirtschaftlich an. Neue Player in diesem Markt tun sich daher erfahrungsgemäß schwer. Als die Zeitschrift fertigung im Rahmen einer Reportage bei der CNC-Technik Mack GmbH (siehe fertigung 3-4/09) auf ein bis dato relativ unbekanntes Nullpunktspannsystem stieß, war die Skepsis zuerst groß. Überzeugt hat dann die Aussage von Geschäftsführer Alexander Mack: „Das Spannsystem eignet sich hervorragend auch für kleine und kleinste Losgrößen – gerade dann, wenn es auf rationelles und schnelles Rüsten besonders ankommt.”
Grund genug für fertigung, sich das Nullpunktspannsystem „ZeroClamp” genauer anzusehen. Bereits beim ersten Blick fällt auf, dass die Grundplatte mit 44 mm Höhe sehr kompakt baut; ein weiterer Vorteil ist das geringe Gewicht, da sie aus hochfestem Aluminium gefertigt ist.
Die Grundplatte nimmt die Spanntöpfe auf, die nach dem HSK-Prinzip funktionieren: Der auf dem Werkstück befestigte Spannbolzen ist mit einer 20°-Schräge versehen und wird in den Spanntopf eingezogen. Betätigt wird das System recht simpel über Druckluft; 5 bar reichen aus. Die zugeführte Luft wird genutzt, um einen Schlauch aufzupumpen, der wiederum auf ein Spannblechpaket drückt, das den Sperrmechanismus löst.
25 kN Einzugskraft
Der Bolzen kann bequem eingeführt werden; aufgrund des Konus besteht kaum eine Verkantungsgefahr. Wird die Luftzufuhr entkoppelt, faltet sich der Schlauch zusammen, die Federpakete drücken auf den Einzugmechanismus und der Bolzen wird über den Konus mit einer Kraft von 25 kN eingezogen. Das System ist bewusst nicht selbsthemmend ausgeführt. Sollte die Luftzufuhr aus irgendeinem Grund defekt sein, kann das Werkstück trotzdem entfernt werden, wenn die Haltekraft von 25 kN überwunden wird.
Soweit die nackten Fakten. Interessant wird ZeroClamp erst durch die technologischen Daten, die die ZeroClamp GmbH als Hersteller garantiert. So wird die Wiederholgenauigkeit mit 5 µm und kleiner angegeben. Im Gegensatz zu anderen Herstellern, die mit Frei- und Wanderbolzen arbeiten, sitzen die Bolzen bei diesem System immer fix. Die notwendige Temperaturkompensation wird über einen Konusring ermöglicht, der in einer Radialfeder gelagert ist. Dadurch kann pro Topf in Summe bis zu 1⁄10 mm Wärmewanderung ausgeglichen werden. Der Hersteller verspricht deshalb ein thermosymmetrisches System, das den Nullpunkt immer in der Mitte hält.
Vertrieben wird ZeroClamp seit 2007 über die Hoffmann Group.pi
Vier Fragen an Jürgen Seitz, Kastner&Seitz
„Der Nullpunkt stimmt immer”
Jürgen Seitz ist Geschäftsführer des Lohnfertigers Kastner&Seitz und zudem Mitbegründer der ZeroClamp GmbH, die das gleichnamige Nullpunktspannsystem herstellt.
Herr Seitz, was ist das Besondere an Ihrem Nullpunktspannsystem?
Wir sind der einzige Hersteller, der den Nullpunkt des Werkstücks immer in der Mitte der Aufspannung hat. Das ist einzigartig. Wir verwenden keine Frei- oder Wanderbolzen, sondern immer die gleiche Bolzenart. Dazu sind unsere Spanntöpfe so aufgebaut, dass sie in sich bis zu einem Zehntelmillimeter Wärmegang ausgleichen können. Selbst wenn die Spannplatte aufgrund von Wärmeeinfluss wächst, bleibt durch den Ausgleich der Nullpunkt immer in der Mitte. Zudem ist unser System aufgrund der hohen Fertigungstiefe sehr wirtschaftlich in der Anschaffung.Ein wesentlicher Knackpunkt bei Nullpunktspannsystemen ist die Wiederholgenauigkeit. Sie garantieren Werte von 5 µm oder kleiner.
Genau. Durch diese thermosymmetrischen Eigenschaften sowie unser Spannprinzip, das ähnlich wie ein HSK-Kegel funktioniert, bekommen wir eine sehr hohe Genauigkeit in das System. Das wiederum heißt, wir können die Werkstücke beliebig um- oder ausspannen, da wir immer wieder den gleichen Nullpunkt haben. Daraus entsteht eine ganz neue Spannphilosophie.
Und die lautet?
Wir gehen total weg von einer Aufspanntechnologie, die sich in den letzten 60 Jahren kaum geändert hat: Gespannt wird umständlich und aufwändig mit Spannpratzen und Unterlegeklötzen auf einem Nutentisch. Das ist die Technik von gestern. Wir dagegen bauen auf unserem ZeroClamp-System über Adapter ganz individuell auf das Werkstück abgestimmte Spannmittel auf. Dadurch sind wir deutlich schneller, genauer und wirtschaftlicher in der Fertigung.Das ist die Theorie.
Eben nicht. Wir verwenden das ZeroClamp-System tagtäglich in unserer Lohnfertigung und können daher genau sagen, was ist machbar und was nicht. Wir haben Kundenteile bearbeitet, die mussten früher in stundenlanger Kleinarbeit auf- und umgespannt werden; die fräsen wir in zwei Aufspannungen in wenigen Minuten fix und fertig. Dabei ist es egal, ob es sich um ein großes oder ganz kleines Teil handelt. Es ist der ganz große Vorteil unseres Systems, dass wir nicht nur Hersteller sind, sondern zugleich Anwender. Wir wissen, wovon wir reden.





