Reportagen + Trends

Klammheimlich gewachsen

25.08.2009

Aufsteiger: Still und leise mausert sich der Werkzeugmaschinen- und Steuerungshersteller Hurco zum Komplettanbieter. Mit dem neuen Portal-BAZ und einer ebenfalls neuen Fahrständermaschine rundet er sein Portfolio nach oben ab. Die Anwender wird’s freuen: Können sie nun durchgängig auf die begehrte Hurco-Steuerung zurückgreifen.

hurco1Während die meisten Werkzeugmaschinenhersteller mit neuen Produkten auch eine neue Klientel erobern möchten, gibt sich der amerikanische Werkzeugmaschinenhersteller Hurco eher bodenständig. „Wir stellen vor allem bei unseren Bestandskunden eine sehr rege Nachfrage nach den neuen Maschinen fest”, sagt Hurco Deutschland-Geschäftsführer Gerhard Kohlbacher.
Der Grund dafür ist leicht zu erklären: „Die Kunden sind von der einfach zu bedienenden und schnell zu lernenden Hurco-Steuerung so begeistert, dass sie sie durchgängig auf so viel Maschinen wie möglich einsetzen wollen”, sagt Kohlbacher. Und wenn man dann noch erfolgreich Maschinen verkauft, so wie es die deutsche Tochter macht, dann hört auch die amerikanische Mutter aufmerksam zu, wenn Wünsche geäußert werden.

 

Universalität punktet
So wurde auf Anraten der Hurco GmbH bereits vor zwei Jahren die VMX 42 SR, ein fünfachsiges Schwenkkopf-BAZ, in den Markt eingeführt. Auch die neue Fahrständermaschine VTX Z wurde nur auf Drängen der deutschen Tochter konzipiert und gebaut. „Speziell für diesen Maschinentyp”, weiß Gerhard Kohlbacher, „ist in Deutschland ein großer Markt vorhanden.” Vor allem die Universalität einer Fahrständermaschine lässt die deutschen Anwenderherzen höher schlagen. So kann bei getrenntem Arbeitsraum eine Pendelbearbeitung gefahren werden: Auf einer Maschinenseite wird hauptzeitparallel gerüstet, während auf der anderen Seite die Spindel im Eingriff ist. Müssen dagegen längere Werkstücke bearbeitet werden, kann man die Trennwand entfernen und den gesamten Maschinentisch nutzen.

Meine Meinung

Mit der Portfolio-Abrundung nach oben kann Hurco mit Recht von sich behaupten, nicht nur ein Steuerungs-, sondern auch ein richtiger Werkzeugmaschinenhersteller zu sein. Das – still und klammheimlich – gewachsene Produktspektrum reicht mittlerweile von kleinen Vertikal-BAZ über 5-Achs-BAZ, Drehmaschinen und Horizontal-BAZ hin zu den großen Maschinen der DCX-Baureihe. Verbindendes Element ist die werkstattorientierte Hurco-Steuerung „WinMax” der neuesten Generation. Und gerade diese Kombination, leicht erlernbare Steuerung und breites Maschinenspektrum, könnte sich für Hurco als das Erfolgsrezept für die Zukunft erweisen.
Wolfgang Pittrich, Redaktion fertigung

 

Sogar Hartbearbeitung möglich
Die VTX Z verfügt über eine Gesamtaufspannfläche von knapp 2300 mm bei einem X-Weg von 2030 mm. In der Pendelausführung, also bei getrenntem Arbeitsraum, beträgt der X-Weg 2 x 760 mm. Die Maschine bringt stolze 17 t auf die Waage, was durchaus für einen massiven Maschinenbau und damit auch einer steifen Konstruktion spricht. Auch die weit auseinander liegenden Linearführungen versprechen eine stabile Auflage des Fahrständers. Nicht umsonst weist Gerhard Kohlbacher darauf hin, dass mit der VTX Z auch mittlere bis schwere Zerspanung, ja sogar Hartbearbeitung möglich ist.
Die Spindelleistung mit 18 kW und das Drehmoment von 240 Nm liegen mit dem Wettbewerb in Augenhöhe; das gilt auch für die Drehzahl von 12 000 min-1. Als Werkzeugaufnahme stehen SK-40 oder optional SK-50 zur Verfügung. In Summe traut man sich deshalb bei Hurco durchaus zu, auch mit einem aufgespannten 55er Bohrer ins volle Material zu fahren.
Gediegen geht es bei den Verfahrgeschwindigkeiten zu, die mit einem Eilgang von 35 m/min in allen Achsen zwar keinen Schnellläufer versprechen, aber auch keine Schnecke erwarten lassen. Ist die Fahrständermaschine bereits eine deutliche Produktausweitung nach oben, lassen sich mit der neuen Portalfräsmaschine DCX 32 die wirklich großen Brocken bearbeiten. Dafür sprechen zum einen die Verfahrwege von 3200 mm in X-, 2100 mm in Y- und 920 mm in Z-Richtung. Zur Sache geht es aber auch bei der Spindel, die mit 60 kW Leistung und 570 Nm Drehmoment die Richtung vorgibt. Bei einer Tischlast von maximal 11 t sicherlich eine berechtigte Wahl. Die Drehzahl von 6000 min-1 ist für eine Maschine dieser Größenordnung ausreichend.

 

Serienmäßig mit Kettenmagazin
Standardmäßig steht ein 40er Kettenmagazin zur Verfügung, das ausschließlich SK-50-Werkzeuge aufnimmt. Die DCX-Baureihe wird durch eine kleinere Schwester, die DCX 22, nach unten abgerundet. Sie verfügt über einen X-, Y- und Z-Weg von 2200 x 1700 x 750 mm und ist wahlweise mit einer 8000er, 10 000er oder 15 000er Spindel erhältlich.

 

Vier Fragen an Gerhard Kohlbacher, Hurco
„147 Prozent Wachstum”
hurco_interviewAuch an Hurco geht die momentane Krise nicht spur-los vorüber. Trotzdem wirkt Gerhard Kohlbacher, Geschäftsführer der deutschen Tochter, relativ entspannt.
Herr Kohlbacher, ich denke, auch Hurco ist von der dramatischen Konjunkturentwicklung der letzten Monate nicht verschont geblieben.
Natürlich hat es in der Vergangenheit mehr Spaß gemacht, Werkzeugmaschinen zu verkaufen. Aber man muss auch sehen, von welchem Niveau die Branche kommt. Dass es nicht ewig so weitergehen würde wie 2007 und 2008 war klar; was überrascht hat, war der tiefe Fall.

 

Wie sehr ist Hurco davon betroffen?
Wir rechnen in Summe in diesem Jahr mit einem Umsatzrückgang von gut 40 Prozent; würden also auf das Niveau von 2006 fallen, aber immer noch schwarze Zahlen schreiben. Hier hilft uns die sehr schlanke Struktur, mit der wir operieren. Angenehm ist sicherlich auch, dass unsere Muttergesellschaft in den USA über eine Eigenkapitalquote von 70 Prozent verfügt. Wir sind also nicht gezwungen, gewisse, nicht nachvollziehbare Geschäftspraktiken wie Maschinenzahlungsziele von einem halben Jahr oder länger einzugehen.

 

Hurco war zudem in den letzten Jahren überaus erfolgreich unterwegs.
Die Hurco GmbH ist in den Jahren 2003 bis 2008 um 147 Prozent gewachsen, deutschlandweit um 123 Prozent. Ich glaube, dass andere, größere Marktbegleiter nicht annähernd diese Wachstumsraten erreicht haben.

 

Wenn man sich die neue Produktoffensive ansieht, fällt auf, dass sich eigentlich nur noch im Bereich Dreh-Fräs-Zentren ein schwarzes Loch auftut.
Daran wird bereits in den USA gearbeitet. Ich denke, dass es zur EMO in Mailand erste Umsetzungen zu sehen geben wird.