Reportagen + Trends

Technologie-Plattform

29.09.2009

Fertigungssysteme: Als „standardisierte Konfiguration” sieht Emag sein neues Plattform-Konzept, aus einem Komponenten-Baukasten heraus sowohl frontbediente als auch querbediente Maschinen anzubieten. Damit sollen sich individuelle Kundenforderungen einfacher erfüllen lassen.
emag1Wir werden auf der Emo 2009 in Mailand eine neue Plattform vorstellen, die in hohem Maße konfigurierbar sein wird.” Emag-Geschäftsführer Guido Hegener verspricht sich von diesem Konzept, künftig „alle Belange unserer Kunden im Bereich vertikaler Fertigungssysteme noch besser bedienen zu können”.
Zwar verfügt die Emag-Gruppe mit dem Prinzip der zentralen Basisfertigung und der kundenindividuellen Fein­anpassung („customizing”) bei ihren Technologieunternehmen bereits über eine ausgefeilte Plattformstrategie – mit dem neuen Konzept will man nun aber noch einen Schritt weiter gehen. Bekannt und bewährt sind die bisherigen Maschinen-Plattformen innerhalb bestimmter Baureihen wie etwa bei der frontbedienten Standardmaschine VL 5i und der Produktionsmaschine VSC 250.Die neue Plattformstrategie soll nun die Möglichkeit bieten, aus einem Komponenten-Baukasten heraus sowohl frontbediente als auch querbediente Maschinen anzubieten. Der Vorteil querbedienter Maschinen ist, dass sie „hervorragend für den multifunktionalen Einsatz geeignet sind”, weil alle Werkzeugmodule und Komponenten frei zugänglich an einer Wand angebracht werden können.

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„Unsere neue Plattform ist in hohem Maße konfigurierbar. Das System ist so offen, dass künftigen Entwicklungen nur wenig Grenzen gesetzt sind.“Dr.-Ing. Guido Hegener, Geschäftsführer der Emag Salach Maschinenfabrik GmbH

Technische Vorteile
„Natürlich”, so Hegener, „sind auch unsere frontbedienten Maschinen wie die VSC multifunktional.” Allerdings komme von Kundenseite des Öfteren durchaus der Ruf nach besserer Zugänglichkeit der Komponenten. Hier waren der Zugänglichkeit vom Aufbau her doch gewisse Grenzen gesetzt. Zwar habe die frontbediente Maschine prinzipbedingt eine ganze Reihe technischer Vorteile wie Steifigkeit und Wärmestabilität, gleichwohl sind aber konstruktive Nachteile in Kauf zu nehmen, wenn man sehr viele Werkzeuge im Arbeitsraum anordnen muss.
Die Vorteile der querbedienten Maschine, wie sie in größeren Bauformen wie der VLC 800 mit Futterdurchmesser 800 mm bereits gegeben sind, wollen die Salacher nun auf die kleinere Maschine VLC 250 übertragen. Ziel ist es, individuelle Kundenanforderungen aus einem Baukasten heraus optimal erfüllen zu können. Hegener: „Wer mehr Wert auf hohe Produktivität legt, ist am besten mit einer frontbedienten VL 5i oder VSC 250 bedient. Wer extreme Flexibilität will und die Möglichkeit, auch mal andere Werkzeugsysteme nachzurüsten, dem können wir mit der VLC 250 eine querbediente Maschine anbieten.” Solche im Grunde widersprüchlichen Forderungen lassen sich nur mit einem modularen Baukastensystem erfüllen.

Auslegung der Plattform
Die wichtigste Neuerung ist sicherlich die Grundauslegung der Plattform. So wurde die Plattform 250 nicht auf eine bestimmte Maschinenart ausgelegt, sondern übergreifend auf das gesamte Spektrum der Maschinenbaugröße mit Futterdurchmesser 250 mm. In diese Maschinenplattform setzen die Emag-Tüftler nun verschiedene Werkzeug-Module wie Revolver, Schleifspindel oder Fräseinheit ein. Diese Komponenten lassen sich jetzt mit der neuen Plattform 250 in alle Maschinen der Baureihen VL 5i, VSC 250 und VLC 250 einsetzen. Vorteil: Gleiche Komponenten in allen Maschinen dieser Reihe. Hinzu kommt, dass auch die Automationskomponenten für verschiedene Maschinen einheitlich aufgebaut sind. Das biete die Möglichkeit, aus einem Modulbaukasten sehr kundenindividuelle Systeme zu bauen.

Wartung und Service vereinfacht
Für den Anwender habe das den Vorteil, fügt Hegener hinzu, „dass er in unterschiedlichen Maschinen gleiche Komponenten hat”. Das reduziere die Lagerhaltungskosten und vereinfache Wartung und Service. Herzstück einer Pick-up-Maschine ist die Schlitteneinheit mit der Hauptspindel. Sie kann als Kreuzschlitten ausgeführt sein mit X- und Z-Achse und optional bei den quer-bedienten Maschinen mit einer Y-Einheit. Dieses Herzstück lasse sich nun bei verschiedenen Konfigurationen einsetzen: Bei frontbedienten VSC-Maschinen ebenso wie bei querbedienten VLC-Maschinen. Dabei gibt es bei den Schlitteneinheiten fein ausgeprägte Leistungsstufen. So reicht für einfachere Drehbearbeitungen eine Standard-Arbeitsspindel. Für zusätzliche Schleifaufgaben oder Multi-Technologie-Anwendungen, wenn C-Achsfunktionalität und mehr Leistung gefragt sind, muss dann nur noch die Arbeitsspindel ausgetauscht werden. emag2Aktuell, so Hegener, wird dieses Konzept zunächst bei der Baugröße 250 verwirklicht – andere Baugrößen werden folgen: „Das bietet uns die Möglichkeit, die Maschinen feiner zu skalieren und uns noch besser auf Kundenanforderungen einzustellen.” So biete man heute eine Wälzlagerung der Pinole nur in der VL-Baureihe an, VSC-Maschinen sind immer hydrostatisch gelagert. Künftig habe man die Wahl zwischen beiden Prinzipien: Für Standardoperationen im Weichdrehbereich „wird man sicher auch künftig mit der Wälzlagerung gut bedient sein”. Wer aber gehobene Anforderungen hat, etwa Endbearbeitung durch Hartdrehen oder Schleifen, „wird in Richtung Hydrostatik gehen”.
Vereinheitlicht wurde auch die Bedienung für alle Maschinen. Hinter dem neuen, eigenentwickelten Bedienpult kann jetzt eine Steuerung von Siemens, Fanuc oder Bosch-Rexroth liegen – der Werker hat immer das gleiche „Look and Feel”.
Das neue Plattformkonzept beinhaltet in der Basisversion zunächst die Bereiche Drehtechnologie und Zusatzbearbeitungen wie Fräsen und Bohren sowie Hartdrehen und Schleifen. Weitere Werkzeugmodule „werden in Zukunft folgen”. Eine der Maschinen in höherer Ausbaustufe ist die VLC 250 MT (MT = Multi-Technologie), die neben der X-, Y- und Z-Achse auch eine B-Achse haben wird. Und auf der B-Achse „wird eine Frässpindel sitzen, in die über einen Werkzeugwechsler unterschiedlichste Fräs- oder Bohrwerk-zeuge eingewechselt werden können”.
Das Ende der Fahnenstange sieht Hegener damit noch nicht erreicht: „Weitere Ausbaustufen werden wir im Laufe des nächsten Jahres vorstellen. Wir haben hierzu konkrete Vorstellungen. Sicherlich werden wir aber auch noch ganz neue Dinge erfinden, da das System so offen ist, dass zukünftigen Entwicklungen nur wenig Grenzen gesetzt sind.”
Walter Frick