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Vier mal schneller

29.09.2009

Komplettbearbeitung: Vor allem der kinematische Aufbau mit der raffinierten Revolver-Konzeption überzeugte die IWN GmbH & Co. KG bei ihrem neuen Dreh-Fräszentrum Traub TNX 65/42. Das Bauteil ist eine komplexe Antriebswelle mit eingefräster Spirale für Nutzfahrzeug-Türschließsysteme. Angebotene Wettbewerbsmaschinen hätten mindestens die vierfache Bearbeitungszeit benötigt.

traub1Bei der Sondierung des Marktes stellten wir sehr schnell fest, dass die Traub-Maschine unseren Vorstellungen am nächsten kam.” Für Reinhold Schulte, Inhaber und Geschäftsführer der Bielefelder IWN GmbH & Co. KG, spielte bei der Maschinenauswahl neben Leistung und Genauigkeit vor allem die realisierbare Zykluszeit eine entscheidende Rolle.
Als Zulieferer für den Maschinen-bau, die Automobilzulieferindustrie, die Landmaschinen-, Druckmaschinen- und Verpackungsmaschinenindustrie ist IWN sehr breit aufgestellt. Als man im Herbst 2008 die ersten Anzeichen der derzeitigen Krise erkannte, wurde frühzeitig und konsequent gegengesteuert. Mit dem Abbau von Überstunden und dem Instrument Kurzarbeit konnten die schlimmsten Auswirkungen zumindest abgefedert werden. Nach der leichten Erholung im dritten Quartal rechnet Schulte „übers Jahr gesehen mit einem Umsatzrückgang von rund 30 Prozent”.
Als der IWN-Geschäftsführer im Frühjahr 2008 auf der Suche nach einer geeigneten Maschine die Messe Metav in Düsseldorf besuchte, war von Krise noch nichts zu spüren. Als Allrounder, der seinen Kunden vorzugsweise eigenentwickelte und einbaufertige Systemlösungen liefert, hatte Schulte damals ein neues Projekt „auf der Pfanne”: Ein neues, kompaktes Antriebskonzept, um Nutzfahrzeugtüren pneumatisch sicher zu öffnen und zu schließen.
Schlüsselteil dieses Antriebszylinders ist eine Welle aus Einsatzstahl 16MRCR5 mit eingefräster Spirale, ein hochgenaues und komplexes Bauteil mit ex­trem hoher Oberflächenqualität. Für die IWN-Experten war klar, dass ein solches Teil idealerweise auf einem Dreh-Fräszentrum gefertigt wird. Nun gibt es zwar im Hause IWN seit Jahr-zehnten etliche Maschinen dieser Gattung, man stellte aber sehr schnell fest, dass die vorhandenen Maschinen der neuen Aufgabe in Sachen Steifigkeit und Genauigkeit nicht gewachsen waren.
So wurde intensiv der Markt abgeklopft. Allerdings konnte aus dem Kreis der „üblichen Verdächtigen” zunächst keiner ein Konzept anbieten, das den hohen Ansprüchen der Bielefelder genügte – bis Schulte mit seinem Team auf der Metav 2008 auf das Dreh-Fräszentrum TNX65/42 der Traub Drehmaschinen GmbH & Co. KG stieß. Der „klare und robuste Aufbau” überzeugte auf Anhieb und ganz besonders, so Schulte, „die Revolver-Konzeption, ihr Aufbau und die Platzierung der Spindeln zu den Revolvern”. Als weiteren Vorteil führt er an, dass alle vier Revolver mit ausreichend Freiheitsgraden ausgestattet sind. Nun ist IWN zwar seit Jahren treuer Index-Kunde, die Tochterfirma Traub allerdings hatte man zunächst nicht auf der Rechnung. Der letzte Kauf einer Traub-Maschine, ein CNC-Kurzdreher, liegt über 15 Jahre zurück und dabei hatte man nicht gerade die besten Erfahrungen mit der Zugänglichkeit im Service- und Wartungsfall gemacht. Aber auch die Traub-Entwickler haben gewaltig dazugelernt, denn in dieser Disziplin lässt die TNX heute kaum Wünsche offen.
Vor allem die Wirtschaftlichkeit kann sich sehen lassen: Die Zykluszeiten sind gut vier mal schneller als die der angebotenen Wettbewerbsmaschinen. Die Maschine wurde als Standardmaschine gekauft, „natürlich mit gewissen Vorgaben” hinsichtlich der Werkzeugausstattung. Der einzige Sonderwunsch: Man wollte nicht mit Emulsion arbeiten, sondern mit Öl. Hinzu kam eine Feuerlösch- und eine Ölnebelabsauganlage. Die Inbetriebnahme erfolgte zum Jahreswechsel 2008/2009.

Meine Meinung

Enttäuschte Kunden sind nachtragend. So hat die Bielefelder IWN GmbH & Co. KG über 15 Jahre lang keine Traub-Maschinen mehr gekauft, weil sie einmal mit der Maschinen-Zugänglichkeit schlechte Erfahrungen gemacht hatte. Erst die mehr oder weniger zufällige Entdeckung des vierrevolvrigen Alleskönners TNX zeigte, dass auch Maschinenentwickler gewaltig dazu lernen können. Ein Paradebeispiel dafür, wie wichtig es ist, im Gespräch zu bleiben – auch und gerade, wenn der Kunde zögert. Ein gutes Produkt kann schlechte Erfahrungen sehr schnell beiseite schieben.
Walter Frick

 

Bearbeitung von der Stange
Was Reinhold Schulte zusätzlich von seinem Neuerwerb überzeugte: „Dass man damit, neben dem aktuellen Bauteil, auch Teile fertigen kann, die nicht zum klassischen Werkstück-Spektrum eines Dreh-Fräszentrums gehören.” So denke man darüber nach, auch Ventilgehäuse aus Rechteck-Material auf der Maschine herzustellen. Solche Teile werden normalerweise auf einem Bearbeitungszentrum gefertigt. Deshalb habe man den Stangenlader bewusst so gewählt, dass man auch rechteckige Querschnitte zuführen kann. Die Hauptbohrungen solcher Ventilgehäuse müssen hochgenau und möglichst gratfrei sein. Da biete die Bearbeitung von der Stange einfach Vorteile, weil man die Bohrungen problemlos mehrfach abfahren kann. Auch die Kontur solcher Bohrungen kann sehr komplex sein, sodass bestimmte Steuerkanten oder Hinterschnitte direkt auf der Maschine gefertigt werden können.
Für die aktuelle Bearbeitung, erläutert der IWN-Chef, „brauchen wir eigentlich nur drei Revolver. Aber wir entwickeln uns ständig weiter und wollen auch für die Anforderungen der Zukunft gerüstet sein.” Deshalb legt er Wert auf die Komplettbearbeitung der immer komplexer werdenden Teile. Dafür seien die vier Revolver einfach unschlagbar: „Sie sind seitenunabhängig, wir können sogar mit drei Revolvern auf einer Seite gleichzeitig arbeiten.” So kann man die Bearbeitungszeiten optimal auf die Spindeln verteilen und damit die Zykluszeiten reduzieren.
Traub-Vertriebsleiter Hans-Joachim Koschig verweist ebenfalls auf „die einzigartige Maschinenkinematik, die es erlaubt, mit jedem Revolver jeden Punkt im Arbeitsraum anzufahren”. So können bis zu vier Werkzeuge simultan unabhängig in Eingriff gebracht werden. Hinzu komme die hervorragende Steifigkeit der TNX.

Basis-Version mit Hybridlagern
Die Maschine hat bereits in der Basisversion Hybridlager in beiden baugleichen traub2Arbeitsspindeln sowie großdimensionierte Rollenführungen, Kugelrollspindeln und Kreuzschlitten. Koschig: „Wir haben Revolverköpfe mit einem sogenannten Kompaktschaft-System, mit dem wir Werkzeughalter direkt im Revolver aufnehmen, eingesetzt.” Optimiert wurden lediglich die Werkzeughalter. Diese wurden, bezogen auf die extreme Radialbelastung, lagertechnisch angepasst.
Unter dem Strich ist Buschkamp mit dem neuen Dreh-Fräszentrum vollauf zufrieden. Die üblichen „kleineren Anlaufprobleme” konnten allesamt gemeinsam mit dem Hersteller schnell beseitigt werden. Mittlerweile arbeitet die Maschine absolut prozessstabil. Auch bei der früher bemängelten Zugänglichkeit der Traub-Maschinen „hat sich sehr viel getan”. Die Schaltschrankrückseite dient als Abdeckung zum Maschinenraum. Mit einem einfachen Umschwenken des Schaltschranks hat man sofort die volle Zugänglichkeit zu allen Baugruppen.
Derzeit werden im Zweischichtbe-trieb monatlich rund 600 Teile gefer-tigt. Im Dreischichtbetrieb könnten es bis zu 1000 Teile/Monat sein.
Die momentane Überkapazität erklärt IWN-Geschäftsführer Schulte so: „Als ich bei ersten Anfragen bei anderen Anbietern realisierbare Zykluszeiten für die Antriebswelle genannt bekam, haben wir die Maschinenauslastung entsprechend höher kalkuliert.” Weil die TNX nun aber die Zykluszeiten nahezu geviertelt hat, „freuen wir uns über die Möglichkeit, weitere Bearbeitungen auf die Maschine nehmen zu können”.Walter Frick