Produkt des Monats

Der Trick mit dem Dreh

16.12.2009

Werkzeugsystem: Bis zu vierfach höhere Standzeiten sollen mit dem neuen Werkzeugsystem Spinworx von Pokolm möglich sein. Der Clou: Spinworx dreht sich mit und macht das manuelle Weiterdrehen überflüssig.

Pokolm_1Die neue Technologie verabschiedet sich vom bisherigen starren, stehenden System der Wendeschneidplatten. „Die herkömmliche Technik macht je nach Material- und Bearbeitungsparametern nach 20 bis 45 Minuten einen Maschinenstopp nötig“, erklärt Firmengründer Franz-Josef Pokolm. „Dann ist die Verschleißgrenze der Schneidkante im Fräsbereich der Platte erreicht und die Wendeschneidplatte muss manuell weitergedreht werden.“ Mangels Alternativen mussten die relativ geringen Standzeiten und die damit verbundenen hohen Maschinenstillstand- sowie Nebenzeiten in Kauf genommen werden. Mit Spinworx gehört das händische Weiterdrehen der Wendschneidplatten der Vergangenheit an: Sie dreht sich von selbst während des Fräsprozesses mit. Denn sie wird nicht mehr durch Verschraubung absolut starr im Trägersitz fixiert, sondern mit einem eingedrehten Stehbolzen an Ort und Stelle gehalten. Die Spielpassung des Bolzens und die Aufnahme im Träger sind dabei so definiert, dass Spinworx ohne weitere Klemmelemente auskommt und sogar ohne Prüfung der Befestigungsschraubenvorspannung sicher sitzt und exakt arbeitet.

Die Bestätigung, dass sich die Wendeschneidplatten tatsächlich weiterdrehen, erbrachten Aufnahmen mit einer Hochgeschwindigkeitskamera des WZL der RWTH Aachen, mit der Pokolm bereits seit längerer Zeit in verschiedenen Projekten zusammenarbeitet. „Die Umdrehungsgeschwindigkeit, die durch die Kamera sichtbar wurde, ist abhängig von den Fräsparametern wie Drehzahl, Vorschub und Frästiefe und äußerst gleichmäßig“, beschreibt Pokolm das Ergebnis. „Dadurch wird ein ebenso gleichmäßiger Verschleiß der Wendeschneidplatte durch die nicht mehr punktuellen Belastungen erreicht.“ Die Folge: Die Hartmetallalterung verlangsamt sich deutlich, weil sie sich ausgeglichen über den gesamten Umfang der Schneidkante verteilt. Gleichzeitig wird durch die Drehung das Potenzial der Wendeschneidplatte zu 100 Prozent ausgenutzt, während beim manuellen Weiterdrehen eines herkömmlichen Systems nie der gesamte Umfang der Platte zum Einsatz kam.

„In der Summe ergeben sich unter optimalen Bedingungen beim drehenden Spinworx-System im Vergleich zu konventionell befestigten Wendeschneidplatten bis zu vierfach höhere Standzeiten“, betont Produktmanager Sven Rahmlow die Resultate. Und ergänzt weiter: „Im gleichen Maß steigt das gesamte Zerspanvolumen, weil der Fräsprozess nicht unterbrochen werden muss. Und die sonst unerlässlichen Nebenzeiten während einer kompletten Schicht entfallen.“

Wie bei den herkömmlichen Wendeschneidplatten reicht das Spektrum der Fräsdurchmesser beim Spinworx von 25 bis 200 mm. Das System ist je nach Wahl des Hartmetalls und der Beschichtung insbesondere für das Fräsen von Stahl und Guss geeignet. Weitere Platten sind in Vorbereitung.