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Deutsche Werkzeugmaschinenindustrie erwartet deutliche Nachfrageerholung für 2010

22.02.2010

Die deutsche Werkzeugmaschinenindustrie fasst für 2010 wieder mehr Zuversicht. „Zwar wird das laufende Jahr abermals sehr schwierig, jedoch erwarten wir eine deutliche Belebung des Geschäfts während der ersten Jahreshälfte“, erklärt Martin Kapp, Vorsitzender des VDW (Verein Deutscher Werkzeugmaschinenfabriken), anlässlich der Jahrespressekonferenz.

„Seit September haben sich die Bestellungen Monat für Monat verbessert“, begründet er seine Einschätzung. Im vierten Quartal 2009 hat der Auf-tragseingang auf niedrigem Niveau um 12 Prozent zugelegt. Das ist nicht nur dem Basiseffekt geschuldet. Vielmehr ist das Auftragsniveau im Ver-gleich zum Tiefstand im Juli/August um mehr als 60 Prozent gestiegen.

Wegen des Zeitbedarfs für die Realisierung im Umsatz wird das noch nicht für einen Zuwachs in der Produktion reichen. Daher geht der VDW von ei-nem Rückgang der deutschen Werkzeugmaschinenproduktion für 2010 um 10 Prozent aus, bevor die deutschen Hersteller 2011 davon profitieren kön-nen, dass der internationale Investitionsmotor wieder vollständig rund läuft.

Schwellenmärkte führen die Erholung an
Getrieben wird die Nachfrageerholung vom Ausland und vom Projektge-schäft. Die Schwellenländer China und Indien haben sich rasch von der globalen Finanz- und Wirtschaftskrise erholt. Andere wichtige Märkte wie die USA, Russland oder Brasilien kehren auf den Wachstumspfad zurück. Strukturell kommen die Bestellungen vermehrt aus dem Projektgeschäft. Die inländische Nachfrage stabilisiert sich langsamer und wird derzeit hauptsächlich durch den Lagerzyklus belebt.

Entwicklung 2009 besser als vorhergesagt
„2009 ist für die deutsche Werkzeugmaschinenindustrie besser gelaufen als befürchtet, obwohl die Branche einen Absturz erlebt hat wie nie zuvor“, berichtet VDW-Vorsitzender Kapp. Statt des noch Mitte 2009 erwarteten Rückgangs der Werkzeugmaschinenproduktion um 40 Prozent lag sie En-de des Jahres 30 Prozent unter Vorjahr bei 9,9 Mrd. Euro.

Im historischen Vergleich ist dieser Rückgang dennoch beispiellos. Alle Kennzahlen sind 2009 tief ins Minus gerutscht. Der Auftragseingang ging um mehr als die Hälfte zurück. Die Inlandsorders verloren 61 Prozent, die Auslandsorders 50 Prozent. Der Export sank in den Monaten Januar bis November um rd. 27 Prozent. Lediglich die Lieferungen nach Ost- und Südostasien konnten noch zulegen. Mit einem Zuwachs der deutschen Ausfuhren von 11 Prozent auf 1,15 Mrd. Euro ist der chinesische Markt nun fast dreimal so groß wie die USA auf Platz 2.

Deutlich unterproportional verlief der Beschäftigungsabbau. Seit dem Höchststand im Herbst 2008 sank die Mitarbeiterzahl um rd. 7 500 oder 10 Prozent auf zuletzt 65 900 Frauen und Männer Ende 2009.

„Der flexiblere Arbeitsmarkt und die Kurzarbeiterregelung haben geholfen, die Mitarbeiter solange zu halten“, ist sich Kapp sicher. Nach wie vor wol-len viele Unternehmen auch unter schwierigen Bedingungen ihre Stamm-belegschaft über die Krise hinweg retten. Das wird nicht allen gelingen, bedauert Kapp. Gleichwohl darf nicht vergessen werden, dass bereits deutliche Kapazitätsanpassungen durch den Abbau von Überstunden, Leiharbeit und die Beendigung befristeter Arbeitsverhältnisse stattgefun-den haben.

Die Kapazitätsauslastung in der Werkzeugmaschinenindustrie betrug im Januar 67,6 Prozent. Das signalisiert für die Branche, dass sich die Halbie-rung der Bestellungen nun auch ganz massiv in der Produktion auswirkt. Der Auftragsbestand lag zuletzt im Oktober 2009 noch bei 5,6 Monaten. Beide Zahlen beziehen sich auf das deutlich reduzierte Produktionsniveau.

Deutsche Werkzeugmaschinenanbieter besser aufgestellt als der in-ternationale Wettbewerb
Die deutsche Werkzeugmaschinenindustrie ist in dieser Krise viel besser aufgestellt als in früheren Abschwüngen. Das zeigt sich nicht zuletzt darin, dass die deutschen Hersteller weit an Hauptwettbewerber Japan vorbei ge-zogen sind. Deren Werkzeugmaschinenproduktion ist um 60 Prozent auf rd. 5 Mrd. Euro ohne Teile und Zubehör doppelt so stark eingebrochen wie die deutsche. Deutsche Hersteller haben ihren Weltmarktanteil leicht ge-steigert und rangieren nun rd. 7 Prozentpunkte vor den Japanern.

Liquidität insbesondere für kleinere Unternehmen sicherstellen
In der Werkzeugmaschinenindustrie mehren sich die Sorgen, dass die Fi-nanzierungssituation zunehmend eng wird. Werkzeugma-schinenhersteller mit Kunden in der Automobil- und Zuliefererindustrie werden pauschal schlechter eingestuft, müssen höhere Informationsanforderungen erfüllen und bekommen schlechtere Konditionen angeboten, wird aus dem VDW-Mitgliederkreis berichtet. Das führt zu einem massiven Anstieg der Finan-zierungskosten.

„Unsere Geschäftspartner, insbesondere die Banken, müssen die Beson-derheiten der Branche berücksichtigen“, fordert Kapp. Die Bankenkrise darf nicht dazu führen, dass ganzen Branchen, die beileibe keine Strukturkrise durchleiden, der Kredithahn zugedreht wird. Dringend geboten ist eine flä-chendeckende gemeinsame Anstrengung von Politik, Banken und Unter-nehmen in Deutschland und international, die Industrie wieder flott zu ma-chen. Dazu muss die Politik dafür sorgen, dass die Finanzinstitute ihrer Pflicht nachkommen, die Wirtschaft mit Geld zu versorgen. Es darf keine Kreditklemme für die Finanzierung von Projekten und in der Vorfinanzie-rung von Aufträgen für den Mittelstand entstehen. Der VDW drängt darauf, dass im Rahmen von Kreditverhandlungen nicht ausschließlich das Unter-nehmensergebnis des vergangenen Jahres berücksichtigt wird, sondern die mittelfristigen Entwicklungsperspektiven.

METAV 2010 zeigt intelligente Fertigungstechnik für neue Anforderungen
Für 23. bis 27. Februar 2010 rüstet die internationale Werkzeugmaschi-nenindustrie für die METAV in Düsseldorf. 680 namhafte Aussteller aus 26 Ländern zeigen dort ihre Innovationen bei Produkten und Dienstleistungen für neue Anforderungen in der industriellen Fertigung. Für neue Produkte, neue Märkte, neue Prozesse, neue Konzepte für Unternehmensstrukturen und Kostenoptimierung haben insbesondere die deutschen Hersteller viel zu bieten. Wenn der Knoten platzt und die internationale Industrie wieder investiert, wird die deutsche Werkzeugmaschinenindustrie vorne mit dabei sein, bekräftigt VDW-Vorsitzender Martin Kapp.


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