Das fertigung-Interview

“Gut gerüstet für die Zukunft”

16.02.2010

Produktstrategie: Die Emco Gruppe gehört zur börsenorientierten, internationalen Industriegruppe A-Tec Industries AG. In den vergangenen Jahren konnte der Salzburger Werkzeugmaschinenhersteller mit guten Wachstumsraten und innovativen Maschinenkonzepten aufwarten. fertigung-Redakteur Jürgen Gutmayr befragte Stefan Hansch, Geschäftsführer der Emco Gruppe, über neue Produkte und Strategien des Unternehmens.

Emco_1Durch Zukäufe im A-Tec-Verbund, wie etwa Famup und Magdeburger Werkzeugmaschinen, hat sich Emco vom reinen Drehmaschinenhersteller zum Dreh-Fräs-Generalisten weiterentwickelt. Wie sieht die künftige Strategie aus und in welchen Bereichen will das Unternehmen noch wachsen?
Als Gruppe setzen wir den Schwerpunkt auf eine noch bessere Ausschöpfung der Synergien im Sinne von Prozessopimierung und Steigerung der Produktivität. Betrachtet man die aktuelle Produkt-Range, so gilt es, Emco über sein Image als Dreh-Fräs-Generalist hinaus verstärkt als Technologiepartner mit hoher, technischer Lösungskompetenz bekannt zu machen. Die Zukunft für die Emco Gruppe heißt: Solution Provider. Wir werden den Kunden selbstverständlich weiterhin stark im Standardmaschinenbereich unterstützen, aber wir wollen weiter im Bereich der Solutions wachsen. Der Erfolg hat sich bereits im vergangenen Jahr gezeigt, in dem wir uns die Medizintechik und Energietechnik weiter erschließen konnten und sehr gute Auftragseingänge verbucht haben. Das ist ein Weg, den wir in Zukunft stärker einschlagen wollen.

Welchen Stellenwert nimmt Emco eigentlich innerhalb des A-Tec-Verbundes ein?
In der Division Werkzeugmaschinenbau ist die Emco Group im klassischen Werkzeugmaschinenbau positioniert. Während Dörries Schaarmann Technologies, kurz DST, das Projekt- und Sondermaschinengeschäft abdeckt. Ein Bereich, der sich vor allem in der derzeitigen Krise als starkes Standbein erweist.

Welche Rolle spielt das Thema Ausbildung, das in der Vergangenheit stets stark präsent war – wenn nicht sogar eine dominierende Rolle im Unternehmen gespielt hat?
Traditionell – und zwar konkret seit 25 Jahren – ist Emco im Bereich der Produkte für die technische Aus- und Weiterbildung sehr erfolgreich tätig. Vom Gesamtumsatz betrachtet, ist der Ausbildungsbereich zwar das kleinere Stück vom Kuchen. Allerdings kann man die Bedeutung des Industrial Training, so heißt die Ausbildung bei Emco, nicht hoch genug einschätzen. Die Aus- und Weiterbildung ist gesellschaftspolitisch und für die Unternehmen von zentraler Bedeutung und junge Techniker und Facharbeiter, die auf Emco-Maschinen gelernt haben und die mit Emco-Maschinen ihre ersten Erfolgserlebnisse hatten, sind damit auch schon positiv auf die Marke eingestimmt. Sicherlich kein Nachteil für spätere Entscheidungsträger.
Außerdem engagieren wir uns beispielsweise in Schwellen- und
Entwicklungsländern, wo wir komplette Ausbildungslösungen an Universitäten und anderen Bildungseinrichtungen installiert haben. Das demonstriert unsere Stärke, nicht nur Maschinen für die technische Aus- und Weiterbildung bauen zu können, sondern auch Komplettlösungen anzubieten. Diese Märkte haben aus unserer Sicht einen enormen Nachholbedarf auch seitens der Maschinentechnik.
Den Bereich Ausbildung werden wir somit in Zukunft weiter forcieren und stärken und haben dazu einige Innovationen, wie beispielsweise im Infrastrukturbereich der Ausbildung etwa dem E-Learning, in Vorbereitung. Diese Neuheiten werden wir in der zweiten Jahreshälfte vorstellen.

Wie stark ist Emco von der derzeitgen Krise betroffen – und welche Entwicklungen erwartet das Unternehmen in den kommenden Jahren?
Im Vergleich zu den vorliegenden Zahlen der Auftragsstatistik des VDW, der für die ersten neun Monate des Jahres 2009 von einem Minus von 66 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum spricht, hat sich die Emco Gruppe besser behaupten können. Natürlich gab es auch bei uns deutliche Einbrüche auf zahlreichen Märkten.
Wir haben daher bereits im November 2008 begonnen, die Personalkapazitäten mit Aussetzungsverträgen der sich abzeichnenden Entwicklung anzupassen – unter Sicherung der Kernbelegschaft. Denn nach diesem Tief kommt zwangsläufig auch wieder ein Aufschwung und dafür benötigen wir unser qualifiziertes Personal.
Außerdem haben wir die Produktion in unserem tschechischen Werk stillgelegt und die Produktion nach Magdeburg verlegt – mit positiven Auswirkungen auf die Produktivität und Auslastung.
Die Entwicklung der nächsten Jahre ist aus unserer Sicht von vielfältigen Aspekten geprägt: Eine Verlagerung der Werkzeugmaschinennachfrage mehr und mehr nach Asien, der Trend zu mehr Elektromobilität und die damit einhergehenden Veränderungen – natürlich auch Chancen – für die Werkzeugmaschinenindustrie, die sehr zurückhaltende Investitionstätigkeit wenn es um die Erweiterung von Kapazitäten geht, die sehr schwierigen Finanzierungsbedingungen, interessante Geschäftsfelder in der Medizin- und Energietechnik. Das heißt konkret, dass es Chancen für eine Aufwärtsbewegung gibt – allerdings nur in kleinen Schritten. Und daran müssen die Strukturen in der Branche angepasst werden.
Wir gehen davon aus, dass wir das Niveau des Jahres 2008 so schnell nicht wieder erreichen werden. Bestenfalls werden wir in diesem Jahr das Niveau von 2005 oder 2006 erzielen. Insgesamt wird sich der Markt für Standardmaschinen früher beleben als der Rest. In Europa werden wir dabei keine größeren Wachstumsraten verbuchen können. Unser künftiges Wachstum werden wir aus anderen Märkten generieren.
Mit unserer neuen Fertigungsorganisation werden wir mit deutlich reduzierten Lagerbeständen agieren und das ohne die von den Emco-Kunden geschätzten kurzen Lieferzeiten zu strecken.

Wo will Emco in Bezug respektive Kontext zum Wettbewerb in fünf Jahren stehen?
Die Entwicklung der kommenden Jahre wird sich aus unserer Sicht sehr unterschiedlich je nach Markt darstellen. Wir sehen gewisse Emco-Heim- oder Kernmärkte, wo wir die bestehende Marktposition festigen und ausbauen werden. Gleichzeitig bieten sich mit unserer technischen Lösungskompetenz und dem breiten und extrem modular aufgebauten Produktspektrum gute Chancen, wie China, Indien und Russland weiter zu erschließen.
Zudem wollen wir künftig mehr automatisierte Maschinen anbieten – bis hin zu kompletten Prozesslösungen. Dafür haben wir eigene Konzepte, von der Portallösung bis hin zum Schwenklader. Außerdem bieten wir Roboterzellen an. Der Trend geht hier zu einfachen Lösungen.

Emco forciert zwei Ansätze: „Made in the Heart of Europe“ und „Design Emco_2to Cost“. Was ist eigentlich darunter zu verstehen und welche Auswirkungen hat das auf Maschinen und Anwender?
Das Produktversprechen „Made in the Heart of Europe” können wir als Gruppe, in der zum Beispiel zentrale Maschinenkomponenten und Ersatzteile von Emco Magdeburg gefertigt werden, unseren Kunden geben. Damit ist neben der Teilequalität auch eine hohe Unabhängigkeit und damit Sicherheit bei der Verfügbarkeit gegeben. Und wir haben direkten Einfluss auf die Kosten. Sämtliche Baugruppen, Bauteile und Aggregate für unsere Hightech-Maschinen werden dem hohen europäischen Standard entsprechend in Mitteleuropa hergestellt. Mit dem „Design-to-Cost-Prinzip“ legen wir bereits beim Start eines Entwicklungsprozesses fest, was die Maschine können muss und was sie maximal kosten darf. In einer modularen Bauweise konzentrieren wir uns bei der Basisversion einer Maschine auf das Wesentliche. Dabei können zahlreiche Optionen modulartig je nach Anforderung ergänzt werden.

Die Produktpalette beim Drehen ist mittlerweile relativ breit – von der zyklengesteuerten Drehmaschine bis hin zum komplexen Dreh-Fräszentrum auch für große Teile. Was noch fehlt ist der Bereich des Vertikaldrehens. Gibt es Überlegungen, dort mit einer Maschine einzusteigen?
Diese Überlegungen sind schon sehr konkret. Wir werden am 12. März im Rahmen einer 10-Jahre-Jubiläumsfeier und Hausausstellung in Magdeburg die vertikale Drehmaschine VT 250 vorstellen.
Diese Drehmaschine ist dort im Werk der neu firmierten Emco Magdeburg AG entwickelt und gebaut worden. Es wird eine sogenannte „Design-to-Cost-Einstiegsmaschine“ mit integrierter Automation sein, die vor allem für Jobshopper sehr interessant ist. In Punkto Automation bietet das vertikale Konzept sehr gute Voraussetzungen seitens des Handlings. Die Maschine ist speziell für Futterteile konzipiert und verfügt über die Siemens-Steuerung 828D ShopTurn.

Und wie wird Emco diese breite Produktpalette künftig vertriebs- wie auch servicetechnisch stemmen?
Unser Service ist zentral hier in Hallein konzentriert. Aber wir setzen auch auf die Eigenständigkeit unserer Tochterunternehmen, respektive Servicetöchter. Entsprechende Serviceleistungen werden über diese sowie deren kompetente Ansprechpartner abgewickelt.
Im Vertrieb setzen wir weiterhin auf die bewährte Kom-bination aus Emco-Mitarbeitern im Außendienst undHändlern.

Wo sieht Emco in Zukunft die technologischen Herausforderungen im europäischen Raum und wie wird das Unternehmen darauf antworten?
Wie bereits erwähnt, verstehen wir uns mehr und mehr als Solution-Provider. Außerdem werden wir uns in Zukunft verstärkt den Auslandsmärkten widmen. Auch dort wird man nicht mit Standardmaschinen punkten können – und hier sehen wir die Herausforderung als Solution-Provider.
Das heißt, wir werden dem Kunden künftig mehr Technologie-Know-how über das reine Maschinen-Know-how hinaus anbieten. Teil davon sind weitere, effiziente Lösungen in der Automatisierung. Denn künftig wird nur mehr derjenige Erfolg haben, der an seinen Maschinen einfache wie auch flexible Automatisierungslösungen bieten kann.