Reportagen

werkstückspannen

Flexibilität im Doppelpack

25.05.2010

Schraubstöcke: Sondermaschinenbauer Kiener setzt in seiner Fertigung auf Zentrischspanner ZSG sowie NC-Schraubstöcke des Werkzeuglieferanten WNT. Damit erhöht das Unternehmen nicht nur die Flexibilität bei der Bearbeitung seiner komplexen Werkstücke, sondern reduziert gleichzeitig die Rüstzeiten um bis zu 50 Prozent.

Wenn es um Lösungen rund um die Themen Montage-, Handhabungs- und Prüftechnik geht, hat sich die Kiener Maschinenbau GmbH seit ihrer Gründung im Jahr 1980 am Markt etabliert. Waldemar Kiener jun. legte vor 30 Jahren den Grundstein als Ingenieurgesellschaft. Durch seine langjährige Mitarbeit am Fraunhofer Institut für Produktion und Automatisierungstechnik (IPA) ist der Firmeninhaber mit der Montage- und Prüftechnik stets eng verbunden gewesen. Kiener realisiert heute für die unterschiedlichsten Branchen, von der Automobilindustrie über die Holzautomatisierung bis hin zu Modeschmuck-Herstellern, innovative Automatisierungsanlagen. Von der Konstruktion, Fertigung und Montage bis zur endgültigen Kundenabnahme mit der geforderten Taktzeit, erfolgt alles im Werk Lauchheim mit rund 220 Mitarbeitern. Außerdem besitzt Kiener ein Tochterwerk in Ungarn. In Lauchheim hat der Sondermaschinenbauer eine eigene Konstruktionsabteilung wie auch eine moderne Fertigung mit zahlreichen Werkzeugmaschinen und Bearbeitungszentren, wie beispielsweise Hermle C 40 UP, Deckel DMU 50 oder CTX.

Gute Erfahrungswerte
Bei der Herstellung ihrer Anlagen für die Montage- und Prüftechnik steht Flexibilität an oberster Stelle im Pflichtenheft von Kiener. Nicht ohne Grund setzt das schwäbische Unternehmen deshalb in seiner Fertigung auf Werkstückspannsysteme von WNT.

Meine Meinung

Beim Spannen ihrer komplexen Werkstücke demonstrieren die Maschinenbediener bei Kiener Maschinenbau eindrucksvoll, wie sich die Flexibilität in der Bearbeitung mit den WNT-Schraubstöcken erhöhen lässt. Gerade Flexibilität ist eines der höchsten Kriterien bei Kiener, da bei den innovativen Montage- und Prüfanlagen die unterschiedlichsten Vorgaben seitens der Konstruktion umgesetzt werden müssen. Kurze Taktzeiten in solchen Anlagen lassen sich heute nur in einem ausgeklügelten Zusammenspiel zwischen Konstruktion und Fertigung umsetzen. Hier punktet Kiener – unterstützt durch Lösungen von WNT.
Jürgen Gutmayr, Redaktion fertigung

Gerade mit den Schraubstöcken der Typen NCG, ZSG sowie ZSG mini und ESG mini hat Gerhard Dischinger, Meister in der Fertigung bei Kiener, sehr gute Erfahrungen gemacht. „Speziell der ZSG mini 100 ist bei uns tagtäglich im Einsatz. Da wir den mini auch in den größeren NCG-Schraubstock einspannen können, gewinnen wir zusätzlich an Flexibilität auf allen unseren Fräsmaschinen“, bringt Dischinger die Vorteile der WNT-Schraubstöcke auf den Punkt. Selbst auf einer Drehmaschine verrät der Meister mit einem Schmunzeln im Gesicht, hat er schon mal einen solchen Schraubstock eingesetzt. „Das war eine absolute Sonderanwendung“, unterstreicht Jürgen Silge, Leiter Produktion und Materialwirtschaft Werksleitung Ungarn bei Kiener, die Aussage seines Meisters. Seit rund zwei Jahren – nahezu zeitgleich mit der Anschaffung eines Bearbeitungszentrums Hermle C 40 UP – setzt Kiener auf Schraubstöcke von WNT. Ursprünglich war eine Lösung als Spannturm angedacht, die sich aus mehreren DSG Doppelspannern zusammensetzen sollte. Doch diese Ver-sion scheiterte am Gewicht – es erwies sich für die Palette schlichtweg als viel zu hoch und seitens Maschinenhersteller nicht umsetzbar. Somit konzentrierte man sich bei Kiener auf Zentrischspanner und hier speziell auf den ZSG mini von WNT. Dieser stellte sich in Kombination mit dem NC-Schraubstock NCG als optimale Lösung für die komplexen Werkstückspannungen heraus.

Der ZSG mini wird beim Sondermaschinenbauer zu 90 Prozent in der 5-Achs-Bearbeitung auf allen Fräszentren eingesetzt. „Der Schraubstock ist nicht nur klein und handlich, sondern erweist sich gerade in der 5-Achs-Bearbeitung als vorteilhaft, da das Werkstück von jeder Seite sehr gut zugänglich ist. Bei uns ist jeder Mann an der Maschine froh, wenn er einen dieser prozesssicheren und flexiblen Schraubstöcke einsetzen kann“, skizziert Dischinger den Einsatz des ZSG mini.

Ausgeklügelte Schiebergeometrie
Beim ZSG mini handelt es sich per se um einen gekapselten Zentrischspanner, der von WNT in zwei Ausführungen angeboten wird: als Standard-Version sowie als Ausführung 5A. Die Ausführung 5A ist speziell für die 5-Achs-Bearbeitung konzipiert. Eine aus­geklügelte Schiebergeometrie ermöglicht einen Spannbereich von 0 bis 152 mm. Die Kapselung schützt dabei gleichzeitg vor Spänen und Verschmutzungen. Die Backenbreite des ZSG mini reicht von 65 bis 100 mm. „Eine Version mit 125 mm ist aber auch schon angedacht“, verrät Achim Scheu, Anwendungstechniker bei WNT. Speziell für die 5-Achs-Bearbeitung bietet der Kemptener Werkzeuglieferant verschiedene Backen an. Eine 5A-Gripbacke für optimale Haltekräfte bei Rohteilen, eine 5A-Stufenbacke für optimales Positionieren bei Kleinteilen, eine 5A-Prismenbacke für kleinere Rundteilespannung sowie eine 5A-Glattbacke für die Fertigbearbeitung und 2. Seite.

Der NCG-Schraubstock bietet trotz kompakter Bauweise einen großen Spannbereich. Durch Längs- und Quernuten sowie Passbohrungen kann optimal aufgespannt und positioniert werden. Eine wichtiges Merkmal ist die gekapselte mechanische Kraftkassette, die unempfindlich gegen Verschmutzungen ist und selbst bei längerer Spanndauer keinen Druckabfall hat. Außerdem punktet die Spannmechanik hinsichtlich Störungsfreiheit: Die Außenspindel dreht sich beim Spannen nicht mit und ist daher unempfindlich gegen Schmutz und es gibt kein Verklemmen von Spänen. Wie für die anderen WNT-Spannsysteme wird auch für den NCG ein umfangreiches Backensortiment angeboten.

Optimale Partnerschaft: Gerhard Dischinger, Kiener Maschinenbau (links), wird von Achim Scheu, WNT Deutschland, bei den unterschiedlichsten Werkstückspannungen mit den Schraubstöcken ZSG, ZSG mini und NCG unterstützt und beraten.

„60 bis 70 Prozent aller bei uns zu bearbeitenden Werkstücke können wir mit den Schraubstöcken von WNT spannen“, bemerkt Dischinger. Dazu merkt Silge an, dass bei Kiener keine großen Serien, sondern Einzelteile gefertigt werden – „wenn es mal 100 Teile sind, dann ist das schon viel“ – und verweist dabei auf die geforderte Flexibilität im Haus. Ein wichtiger Aspekt ist hierbei die Möglichkeit „Schraubstock in Schraubstock“ spannen zu können.

Nach rund zwei Jahren Erfahrungen mit den WNT-Spannsystemen zieht Dischinger eine positive Bilanz: „Innerhalb kürzester Zeit konnten die Maschinenbediener mit den Schraubstöcken loslegen und haben sofort gemerkt, dass sich der Einsatz in niedrigeren Bearbeitungszeiten niederschlägt.“ In diesem Zusammenhang verweist der Meister auf die gute Partnerschaft und Unterstützung mit dem Zulieferer. Scheu berät Kiener schon seit mehreren Jahren rund ums Thema Werkzeug – einschließlich Tool-O-Mat – und hat auch in punkto Werkstückspannen immer ein Lösung parat.