Schwerpunkt

Tollmanagement

Den Hebel richtig angesetzt

06.07.2010

Dienstleistung: Der Einkauf von Toolmanagement-Dienstleistungen ist heute ein durchaus lohnender Schritt. Wie sich dieser zusätzliche Produtivitätshebel richtig ansetzen lässt, skizziert die CIM Aachen in ihren praxisorientierten Seminaren, Methoden und dem Leitfaden „Dienstleistung Toolmanagement“.

Durch qualifizierte Dienstleister können sich die Vorteile eines systematischen Toolmanagements noch verstärken. Denn neben den bekannten Vorteilen bieten sich weitere Vorteile, die der betriebswirtschaftlichen Logik des Outsourcings allgemein folgen. Die Produktivitätshebel der Dienstleister liegen dabei in effizienterer Arbeitsweise, im Ausnutzen von Mengeneffekten und in der Nutzung von speziellem Know-how.

Der letzte Punkt verdient deswegen Beachtung, weil sich hier die Leistungsbreite der Dienstleister in Bezug auf die Betriebsorganisation und auf die Werkzeugtechnologie zeigt. Zur Betriebsorganisation gehören das „Aufräumen“ im Vorfeld der Einführung des Toolmanagements und der Betrieb des Toolmanagement-Systems. Zum Know-how der Werkzeugtechnologie gehört unter anderem das Aufarbeiten – wie etwa das Schleifen und Beschichten – der Werkzeuge.

Dass mit speziellem Know-how ein zusätzlicher Produktivitätshebel zur Verfügung steht, zeigt sich am Beispiel eines Getriebeherstellers, der seit langem auf qualifizierte Dienstleister für das Toolmanagement setzt. In den zwei Werken mit einem Werk-zeugumsatz von etwa 6 Mio. Euro hat zunächst ein Werkzeughersteller als Hauptlieferant den Service für das Toolmanagement übernommen.

Nach einigen Jahren durchaus erfolgreicher Zusammenarbeit ist der Folgeauftrag an einen spezialisierten Dienstleister gegangen, der nochmalige Kostensenkungen angeboten hat. Wie ist das möglich? Verschenkt da jemand etwas, um ins Geschäft zu kommen?

Fruchtbare Zusammenarbeit
Der Werkzeughersteller hatte über mehrere Jahre die typischen Dienstleistungen übernommen. Dazu gehören die Organisation der Werkzeugbeschaffung mit dem Bestellwesen, der Bestandsführung und der Abrechung gemäß des tatsächlichen Verbrauchs. Sichtbares Element des Dienstleistungskonzepts waren 12 Werkzeugausgabesysteme, die seitens des Werkzeugherstellers bewirtschaftet wurden. Der Werkzeughersteller organisierte darüber hinaus die Wiederaufbereitung der Werkzeuge (Reparaturen, Nachschleifen und Beschichten) unter Nutzung der Scharfschleiferei des Kunden beziehungsweise des Services der jeweiligen Lieferanten. Die Zusammenarbeit war mit jährlichen Einsparungen von über 15 Prozent der Werkzeugkosten durchaus erfolgreich. Dabei ist nicht zu unterschätzen, dass wesentliche Hebel zur Produktivitätssteigerung durch „Aufräumarbeiten“ im Zuge des Toolmanagements gezogen wurden. Damit die Dienstleistung überhaupt funktionieren konnte, wurden Werkzeugbestände aufgeräumt, „Ladenhüter“ eliminiert und auch Schwarzbestände aufgelöst. Es wurden definierte Lager und Bestände eingerichtet und offensichtlich nicht benötigte Werkzeuge verschrottet. In der Folge wird damit die Beschaffung neuer Werkzeuge reduziert, weil viele Beschaffungsvorgänge in der Vergangenheit durch mangelnde Transparenz im Betrieb ausgelöst worden sind.

Spezialisierter Dienstleister
Dass bei der Neuverhandlung des Dienstleistungsvertrags ein spezialisierter Dienstleister den bisherigen Werkzeughersteller als Lieferanten ersetzt hat, ist unter anderem auf eine veränderte Leistungstiefe zurückzuführen.

Weil der Dienstleister die Wiederaufbereitung – Schleifen, Beschichten – in der eigenen Hand hat und auf diesem Gebiet über spezielles Know-how verfügt, konnten weitergehende Kostenvorteile einkalkuliert werden. Im konkreten Fall hat der Dienstleister Projekte bei verschiedenen Kunden kombiniert. In einem Fall wurde die komplette Schleiferei eines Kunden übernommen, um dort die Kosten zu flexibilisieren. Dieser Betrieb konnte aufgrund der räumlichen Nähe dann gleichzeitig als Schleifzentrum für den anfangs genannten Getriebehersteller genutzt werden. Durch die bessere Ausnutzung des Schleifzentrums profitieren dann beide Kunden des Dienstleisters gleichermaßen. Verstärkt wurde der Einspareffekt durch spezielles Know-how beim Nachschleifen, mit dem die Anzahl möglicher Nachschliffe erhöht und somit der Verschleißersatz herausgezögert werden konnte. Der Produktivitätshebel des Werkzeugherstellers, der „nur“ die logistische Abwicklung der Wiederaufbereitung übernommen hat, war dementsprechend kürzer.