Schwerpunkt
Toolmanagement
Kleingedrucktes sorgfältig lesen
06.07.2010
Umfrage: Seriöses Toolmanagement kann zu deutlichen Einspareffekten in der Produktion führen. werkzeuge ist der Frage nachgegangen, auf was man bei der Umsetzung achten muss und welche Schätze wirklich zu heben sind.
Der Trend ist eindeutig: Toolmanagement wird von immer mehr Werkzeugherstellern als zusätzliche Umsatzquelle erkannt. Speziell der Bereich Werkzeugeausgabeautomaten boomt. So erfasste die Zeitschrift werkzeuge in ihrer Marktübersicht „Werkzeugeausgabeautomaten“ vom Jahr 2007 15 Anbieter; in der aktuellen Ausgabe (siehe Seite 26) sind es bereits 22 Unternehmen, die sich von den aufgepimpten Cola-Automaten ein neues Geschäftsfeld erhoffen. Mithin eine Zunahme von fast 50 Prozent.
Doch was bringt externes Toolmanagement wirklich? Götz Marczinski, Geschäftsführer der Beratungsgesellschaft CIM GmbH, Aachen, beobachtet das Thema bereits länger und sieht folgende Vorteile für den Anwender: Verbesserte Kostenstruktur durch variable Fixkosten und optimierte Auslastung der Infrastruktur Reduzierung der Werkzeugkosten, da die Lagerbestände aufgeräumt werden; zudem reduziert sich der Aufwand im Einkauf aber auch in der Wiederaufbereitung der Werkzeuge.
Gewisses Engagement notwendig
Toolmanagement muss man primär als fließenden Prozess begreifen, der den Beteiligten ein gewisses Engagement abfordert. Dazu gehört für Marczinski auch, sich permanent um die Weiterentwicklung zu kümmern: „Die Inhouse-Lösung funktioniert in manchen Fällen gerade deshalb nicht, weil das System nicht kontinuierlich gepflegt wird.“ Aus dieser Einschätzung wird deutlich, dass externes Toolmanagement mit der Datenpflege durch den Anwender steht und fällt. Übersteigt dieser Aufwand seine Möglichkeiten, wird es kritisch.
Der externe Toolmanager ist also gewissermaßen der Stachel im Fleisch des Anwenders. Doch in welcher Ausprägung macht Toolmanagement überhaupt Sinn? Hier gehen die Meinungen inzwischen weit auseinander.
Die Profis von der Kromi AG, einer der wenigen unabhängigen Dienstleister auf diesem Gebiet, verstehen darunter „das Managen des Zerspanungswesens eines Unternehmens von der Spindel bis zur Werkzeugvoreinstellung“.
Steigerung ohne Know-how-Verlust
Für den Anwender zahlt sich diese Dienstleistung in Euro und Cent aus, so sieht es jedenfalls Jörg Schubert, Vorstandsvorsitzender der Kromi AG: „Im Ergebnis bedeutet das drastische Kostenreduzierung bei optimaler Verfügbarkeit der Werkzeuge ohne Know-how-Verlust und deutliche Steigerung der Wirtschaftlichkeit der Produktion.“
Einen ähnlich umfassenden Ansatz wie Kromi verfolgt auch die TCM International GmbH, die seit 1998 als einer der ersten Dienstleister in großem Stil Toolmanagement praktiziert. Manfred Kainz, CEO von TCM International, erkennt in dieser Ausrichtung ebenfalls ein deutliches wirtschaftliches Potenzial für seine Anwender: „In der Gesamtheit realisieren sie im Laufe von fünf Jahren Einsparungen im Bereich von 35 Prozent und mehr.“
Wachstumsfelder für sein Unternehmen sieht er übrigens unter anderem im stark expandierenden Aerospace-Bereich: „Diese Branche kommt immer mehr unter Kostendruck. Hier können wir helfen und unser Know-how maßgeschneidert einsetzen.“ Erste erfolgreiche Projekte, so Kainz, laufen bereits.
Die drei Todsünden
„Die drei Todsünden beim Einstieg in ein Toolmanagementsystem sind:
1. Möglichst viele Automaten kaufen, um das vorhandene Werkzeugchaos in den Automaten zu ,verstecken‘ und damit nur den Eindruck einer neuen Ordnung zu erwecken.
2. Sich an einen einzigen Werkzeugehersteller zu binden und von diesem dann ein optimales, das heißt herstellerneutrales Toolmanagement erwarten.
3. Toolmanagement im Sinne einer inselartigen ,Einkaufspreissenkungs-Aktion‘ zu verstehen. Zielführend kann hier nur ein integrierter Ansatz zur Senkung der Gesamtkosten im Werkzeugebereich sein. Nur so lassen sich damit letztlich die Kosten pro Bauteil optimieren.“
Jörg Schubert, Vorstandsvorsitzender Kromi AG
Achtung Fallstricke!
„Folgende Fallstricke können bei der Umsetzung eines externen Toolmanagements in den Unternehmen lauern: Unklare Aufgabenteilung und/oder unscharfe organisatorische Schnittstellen Kostenvorteile werden nicht erschlossen, weil die eigene Organisation unverändert bleibt. Abrechnung der Dienstleistung über Handlingszuschläge: Wenn als Basis die Werkzeugkosten gewählt sind – anstatt die Werkzeuge –, werden bei teuren Werkzeugen wie Räumnadeln überproportionale Kosten fällig. Was ist mit Versuchswerkzeugen? Bisher von den Herstellern bereitwillig geliefert mit Aussicht auf Folgeauftrag, müssen diese jetzt gegebenenfalls gekauft werden, wenn nicht im Dienstleistungskontrakt enthalten.“
Götz Marczinski, Geschäftsführer CIM GmbH
Ausgabeautomaten und mehr
„Werkzeugeausgabeautomaten sind heute ein wichtiger Bestandteil einer professionellen Werkzeugeversorgung. Allerdings wird es für den Kunden und die Fertigung erst dann richtig interessant, wenn damit auch ein Versorgungskonzept einhergeht. Damit erhält die Fertigung einsatzbereite Werkzeuge am Point of use und kann damit Kosten sparen. Selbstverständlich sind auch die damit verbundene Kostentransparenz und der geringere administrative Aufwand für den Kunden sehr wichtig. Im Idealfall bezieht der Anwender ein Servicepaket, das aus dem Schrank sowie der kompletten Werkzeugeversorgung inklusive Schleif- und Reparaturservice besteht. Einsparungen von über 30 Prozent sind damit durchaus üblich.“
Manfred Kainz, CEO TCM International
Umdenken notwendig
„In der Praxis kann Toolmanagement nur mit gepflegten Daten erfolgen. Das heißt, ein Werk-zeug benötigt eine eindeutige Identnummer, Lieferantendaten, Beschichtungshinweise, Geometriedaten, Grafiken, Lagerort. Die Anwender müssen zum Umdenken bewegt werden.“
Heinz Wührer-Kirner, Produktionsplanung, Krones AG
www.cim-aachen.de
www.kromi.de
www.krones.com
www.tcm-international.com




