Reportagen + Trends

Silber ist Trumpf

06.07.2010

Schneidstoffe: MSB setzt als einer der ersten Anwender auf die neue Schneidstoffgeneration Tigertec Silver von Walter. Die Wendeschneidplatten stoßen auf Anerkennung, erhöht sich doch durch sie die Standzeit der eingesetzten Fräswerkzeuge um das Doppelte. Folge: Maschinen- und Werkzeugkosten sinken.

Die Länge des Werkstückes auf der großen Portalfräsmaschine der MSB GmbH & Co. KG beträgt 5 m. Dabei handelt es sich um einen Maschinentisch, der in einem Palettenwechselsystem verbaut wird. Solche Systeme gehören zum Portfolio des Maschinenherstellers. Seit kurzem kommen auf dem Fräskopf Wendeschneidplatten von Walter mit einer völlig neuartigen Beschichtung zum Einsatz. „Wir haben sofort einen enormen Unterschied bemerkt“, stellt Maschinenbediener Michael Zimmer fest, „die Standzeiten der Werkzeuge haben sich nahezu verdreifacht.“

WKP35 hieß der Schneidstoff, der bislang bei MSB für solche Bearbeitungen zum Einsatz kam. Die neue Generation heißt WKP35S; das „S“ steht für „Silver“ in der Markenbezeichnung Tigertec Silver. Unter diesem Namen hat die Walter AG in Tübingen eine weitere Weltneuheit im Bereich der CVD-beschichteten Hartmetalle auf den Markt gebracht.

Der Schneidstoff ermöglicht laut Walter Performance-Steigerungen von 50 bis 100 Prozent. Äußeres Kennzeichen der neuen Werkzeuge ist die nach wie vor schwarze Spanfläche mit silbernen Freiflächen, durch die die Funktion der Verschleißerkennung beibehalten wird, die bereits die goldenen Tigertec-Platten haben.

MSB arbeitet schon seit vielen Jahren mit dem Tübinger Werkzeuglieferanten zusammen. Fräser, Bohrer und Gewindebohrer kommen aus Tübingen. Man ist mehr als überzeugt von den Werkzeugen. Auch die kompetente Beratung durch die Außendienst-Techniker und der Service werden von dem Maschinenhersteller sehr geschätzt.

Bei MSB ist eine schnelle und zuverlässige Zerspanung von hoher Bedeutung. Das Maschinenbau-Unternehmen mit 110 Mitarbeitern stellt Peripherieeinrichtungen für Werkzeugmaschinen wie Werkstückservier- und Lagersysteme, Palettenwechsel- und Palettenspannsysteme sowie Spindel- und Fräskopfwechselsysteme her. Seit 1994 gehört auch die IBS Industriemaschinen-Bergbau-Service GmbH mit weiteren 70 Mitarbeitern zu MSB.

Diese Palette der Produkte und Dienstleistungen definiert bereits den Charakter des Unternehmens. Man bearbeitet Einzelstücke bis hin zu Kleinserien. Auch kleinere Werkstücke kommen auf die Maschinen, die Stärke liegt jedoch in sehr großen Abmessungen, wobei auch hier Präzision an vorderster Stelle steht.

Aufgrund des breiten Portfolios sieht sich MSB wirtschaftlich in einer relativ komfortablen Lage, in der es trotz der Krise keine Entlassungen und in den Geschäftsfeldern der IBS noch nicht einmal Kurzarbeit gegeben hat. Ein Thema ist aber der verschärfte Preiskampf, der nur durch eine Erhöhung der Produktivität gewonnen werden kann. Und hier kommt die Tigertec Silver-Wendeschneidplatte mit dem völlig neuartigen Schneidstoff WKP35S ins Spiel. Bei MSB sind größere Werkstücke gerne einmal zwischen 50 und 100 Stunden auf der Maschine. Die Späne, die hier abgetragen werden müssen, können leicht in Tonnen gewogen werden. „Das heißt, wir müssen Zeit sparen, die Maschinenlaufzeiten pro Werkstück senken und die Standzeiten der Werkzeuge erhöhen“, betont Norbert Gensler, Leiter der Produktion und Lohnfertigung bei MSB.

Doppelte Standzeit
Was hier auf der großen Portalfräsmaschine bereits erreicht wurde, schildert Walter-Außendienst-Mitarbeiter Stefan Ortlepp: „Durch die Erhöhung der Standzeiten der Platte um mindestens das Doppelte reduzieren sich die Maschinenstillstandzeiten erheblich, während der Maschinenbediener die Platten wechselt. Und dies schlägt bei Werkstücken, die oft tagelang auf der Maschine sind, spürbar zu Buche.“ Wolfgang Faust, der Technische Leiter von MSB und IBS, ist – auch deshalb – rundum zufrieden: „Wir hatten das Vorgängerwerkzeug von Walter, weil es eines der besten Produkte auf dem Markt war. Doch die Tigertec Silver-Technologie bedeutet noch einmal einen Quantensprung. Durch die höhere Zerspanleistung senken wir letztendlich die Kosten am Endprodukt. Das macht uns auch gerade in der jetzigen Situation, in der auf dem Markt ein starker Preiskampf herrscht, wieder ein Stück weit wettbewerbsfähiger.“

Die Grenzen der Leistungsfähigkeit sieht Norbert Gensler gegenwärtig nicht bei den neuen Tigertec Silver-Wendeschneidplatten, sondern eher bei der Leistungsfähigkeit der Maschinen: „Fakt ist, dass mittlerweile selbst leistungsfähige Maschinen die Drehzahlen und teilweise auch die Vorschübe nicht mehr erbringen, um die Werkzeuge effektiv ausnutzen zu können. Hier liegt sicher noch Potenzial, das die Maschinenbauindustrie erschließen könnte.“