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Oberflächenfeinbearbeitung: Honmaschine und Werkzeuge von Algi

Fehlerquote Null ist Pflicht

18.04.2011

Honen: Algi fertigt hochpräzise Komponeten für die Aufzugstechnik. Fehlerquoten können hier keinesfalls toleriert werden. Nicht nur bei der Feinstbearbeitung setzt das Unternehmen deshalb auf selbst entwickelte und selbst gebaute Honmaschinen und Werkzeuge, mit denen Rauhtiefen von Ra 0,1 μm erreicht werden.

Algi kann im Bereich Außenhonen Wellen mit einer Länge bis zu 35 000 mm und einem Außendurchmesser von maximal 500 mm mit einer Genauigkeit von weniger als 0,01 mm bearbeiten. Bilder: fertigung

Seit mehr als fünf Jahrzehnten genießt die Algi Alfred Giehl GmbH & Co. KG einen hervorragenden Ruf in der hydraulischen Aufzugstechnik-Branche. Das bereits seit 1929 bestehende Familienunternehmen ist Aufzugshersteller und Lohnfertiger zugleich. Mit einem umfangreichen Portfolio von der Antriebstechnik mit mechanischen, geregelten Steuerblöcken oder energiesparenden frequenzgeregelten Ventilen, einstufigen Hebern und mehrstufigen Gleichlaufteleskophebern sowie Fangrahmen und Kabinen für Personen- und Lastenaufzüge gilt Algi in der Szene als namhafter Zulieferer auf dem weltweiten Aufzugsmarkt für hydraulische Aufzugskomponten.

Mit Entwicklungen wie dem frequenzgeregelten hydraulischen Aufzug „Eco Spin“, der in punkto Energie- und Wärmebilanz neue Maßstäbe setzt, sorgte das Unternehmen auf der Messe Interlift vor zwei Jahren für Aufsehen.

Bei Algi gelten höchste Qualitätsanforderungen, denn Aufzugstechnik ist ein klassisches Null-Fehler-Produkt. Am Standort Kiedrich werden deshalb seit 1963 Honmaschinen selbst entwickelt und gebaut, um bei der Wellenbearbeitung sowie Rohrinnenbearbeitung im eigenen Haus höchste Oberflächengüten zu garantieren. Auch die Werkzeuge und Honahlen sind „Marke Algi“.

Beim Honen entsteht normalerweise ein Kreuzschliff. Algi kann auch homogene und glatte Oberflächen erzeugen.

Absolute Zylindrizität und Rundheit
Jörg Hilgert, Leiter CNC-Technik bei Algi, erkläutert die Besonderheiten des Algi-Honverfahrens: „Der Aufbau des gesamten Systems garantiert absolute Zylindrizität und Rundheit auch bei großen bis sehr großen Abmessungen. Unsere Maschinen wurden speziell zur Herstellung von Zylindern für hydraulische Aufzugsanlagen entwickelt und gebaut.“ Allerdings ist Honen bei Algi weit mehr als nur ein Feinstbearbeitungsverfahren. „Wir haben schon sehr früh erkannt, dass unser Honverfahren sich auch zum „Schrupphonen“ sehr abrasiver und verschleißfester Materialien eignet. Die so schon bei der Vorbearbeitung erreichte präzise Rundheit bietet die beste Voraussetzung für eine nachfolgende Drehbearbeitung“, bringt es Hilgert auf den Punkt.

Normalerweise entsteht beim Honen ein Kreuzschliff, der manchmal gewünscht ist, da er einen erhöhten Tragflächenanteil bewirkt. „Allerdings können wir durch eine spezielle Finish-Bearbeitung auch eine absolut homogene und glatte Oberfläche oder für spezielle Anwendungsfälle einen geraden Längsschliff erzeugen“, führt der Leiter CNC-Technik weiter aus. Dieser Längsschliff ist beispielsweise optimal für einige Dichtungen oder Führungsbänder in Zylindern.

Algi Alfred Giehl GmbH & Co. KG, D-65399 Kiedrich, Tel.: 06123/608-0, E-Mail: hilgert@algi-hydraulic.de

Im Außenhonen kann Algi 35 000 mm lange Wellen bis zu einem Maximaldurchmesser von 500 mm auf eine Genauigkeit von weniger als 0,01 mm bearbeiten. Die erreichbare Rauhtiefe liegt nach Aussage von Hilgert weit unter Ra 0,1 μm. Allerdings ist die geforderte Rauhtiefe meist nicht so gering, da ein gewisser Tragflächenanteil verlangt wird. „Eine Rundlaufabweichung ist durch die von uns entwickelten Honwerkzeuge und Honahlen mit herkömmlichen Messmitteln fast gar nicht mehr messbar“, meint Hilgert. Doch auch hier hat das Unternehmen inzwischen investiert und ein mobiles Messsystem von Faro angeschafft. „Damit können wir nicht nur Rundheit, sondern auch präzise Form- und Lagetoleranzen komplementärer Bohr- und Fräsbearbeitungen messen.“

Im Bereich Innenhonen bearbeitet Algi bis zu einem Maximaldurchmesser von 800 mm und einer maximalen Bearbeitungslänge von 12 000 mm. Die qualitativen Leistungsdaten sind mit dem Außenhonen identisch.

Große Wellen beziehungsweise Rohre müssen vor einer präzisen Bearbeitung erst gerichtet werden. Oftmals ist es aber nicht zulässig, Materialien thermischer Beeinflussung, wie zum Beispiel beim Richten mittels Brennern, auszusetzen. Auch die so entstehendenMaterialspannungen könnten sich negativ auf das Bearbeitungsergebnis auswirken. „Deswegen richten wir auch bei großen Durchmessern und großen Längen die Werkstücke kalt, mittels starken Pressen mit einer Presskraft bis zu 300 t, vor. Auch diese Richtpresse und die dort verwendeten Aufnahmen und Werkzeuge sind selbst entwickelt und hergestellt“, skizziert Hilgert den Bearbeitungsprozess.

Der Aufbau der Maschinen garantiert auch bei großen Werkstückabmessungen absolute Zylindrizität und Rundheit.

Bohren und Fräsen
Bei Rohrinnenbearbeitungen kann das Unternehmen bis zu einem Durchmesser von 500 mm Tieflochbohren, bei etwas kleineren Durchmessern auch im gleichen Bearbeitungsgang rollieren. Im Bereich Drehen wird bis zu einem Umlaufdurchmesser von 1110 mm und einer reinen Bearbeitungslänge von 20 000 mm bearbeitet. Auch die Lünetten, die bei der Drehbearbeitung zum Einsatz kommen, werden selbst gebaut.„Eine sehr große Stärke ist hierbei, dass wir in der gleichen Aufspannung auch Bohren und Fräsen können“, erklärt Hilgert. „Und natürlich können wir Bauteile dieser Größe auch hier im Hause schweißen.“ Die Großteilebearbeitung ist nach seiner Aussage eine besondere Herausforderung und eine „eigene Welt“, bei der Erfahrungwerte von extremer Wichtigkeit sind. „Einige wenige Parameter lassen sich aus Tabellen ableiten, oftmals erfordern aber die sehr speziellen Zerspanungsbedingungen eben auch spezielle Problemlösungen – und dafür gibt es kein Nachschlagewerk.“

So kam es auch zur Entwicklung eigener Verfahren, Werkzeuge und Maschinen. Für Algi ist die Auftragsfertigung eine Ergänzung zum Eigenprodukt. Der Kunde, der bei Algi fertigen lässt, profitiert von einem Unternehmen, das von ganz klein bis ganz groß Fertigungsmöglichkeiten hat. So hat zum Beispiel die kleinste, spanend hergestellte Bohrung einen Durchmesser von 0,2 mm, die größte 500 mm. „Wir haben nicht nur die Fertigungsmöglichkeit, sondern auch eine mehr als fünzigjährige Erfahrung in der Bearbeitung großer Teile und decken natürlich die komplette Prozesskette bis zur Auslieferung des Fertigteiles ab“, erklärt Hilgert abschließend.