Reportagen + Trends

Trends bei Messmaschinen

Taktil oder Digital?

25.04.2012

Trendbericht: Taktile Koordinatenmessmaschinen sind aus der Fertigung kaum wegzudenken. Gleichwohl scheint ihr Genauigkeitsvorsprung zu schrumpfen – so machen etwa digitale Laserscanner in Sachen Präzision kontinuierlich Boden gut. Einen großen Bedarf sieht man in der Branche auch an kleinen, kostengünstigen optischen Messgeräten und Multisensor-Messgeräten.

Kompaktes Koordinatenmessgerät: Außenverzahnung mit Verzahnungstasterkit. Bild: Zeiss

Kompakte Koordinatenmessgeräte, kurz KMG, für die Werkstatt kommen dem Wunsch vieler Anwender entgegen, beispielsweise die Verzahnungsmesstechnik möglichst nah am Produktionsprozess zu orientieren. Solche Verzahnungsmessgeräte eignen sich zur Überwachung der Fertigung, zur schnellen Überprüfung kleiner Werkstücke und zur Prüfung von Serienteilen direkt in der Fertigung sowie für zahlreiche Anforderungen der Verzahnungsmesstechnik.

Genauigkeitsvorsprung schrumpft
Gleichwohl scheint der Genauigkeitsvorsprung taktiler Messsysteme kontinuierlich zu schrumpfen. So stellt etwa Nikon Metrology einen digitalen Laserscanner vor mit einer Genauigkeit, „die derjenigen taktiler Messsysteme ebenbürtig ist“. Er ist eine wirtschaftliche Alternative zum taktilen Messtaster, einsetzbar in einer wachsenden Zahl von KMG-Anwendungen, einschließlich Spritzformen, kleiner Turbinenschaufeln, medizinischer Geräte und anderer komplexer Geometrien, heißt es bei Nikon Metrology in Alzenau. Für Situationen, in denen die Einzeltastermessung den Messanforderungen nicht genügt, kann der Laserscanner mit einem taktilen Messtaster und Wechselmagazin zu einem vielseitigen vollautomatischen Multisensor-Koordinatenmessgerät kombiniert werden. Je nach Anwendung können beide Technologien unabhängig voneinander oder gemeinsam innerhalb desselben Prüfprogramms verwendet werden.

Koordinatenmessgerät mit innovativem Messtaster für schnelle und hochgenaue Messungen. Bild: Wenzel

Einen „nach wie vor großen Bedarf an kleinen, kostengünstigen optischen Messgeräten und Multisensor-Messgeräten“ sieht CMO (Chief Marketing Officer) Uwe Keller von der Dr. Heinrich Schneider Messtechnik GmbH in Bad Kreuznach. Auf der anderen Seite gibt es auch noch einen großen Nachholbedarf an komplexen, vollausgestatteten Messmaschinen. In den letzten Jahren, so Keller, „haben wir unser Portfolio mit Neuentwicklungen gezielt an die Marktanforderungen angepasst und können heute unseren Kunden Pakete anbieten, die individuell an die Produktionsumgebung angepasst werden können“.

Zu den für 2012 geplanten Neuheiten gehört unter anderem eine komplett neue Geräteserie: Die rein taktile Messmaschine TMM 600 mit einem Messbereich von 600 mm x 600 mm x 600 mm. Uwe Keller: „Wir werden die Messe Control im Mai 2012 gezielt für diese Markteinführung nutzen. Neben dieser rein taktilen Messgeräte-Innovation werden wir auch die Messsoftwarepakete M2 und M3 für manuelle Geräteausführungen vorstellen.“ Mit diesen Messsoftwarepaketen bietet Schneider Messtechnik hochinnovative Lösungen für Werkstattmikroskope und Projektoren, gerade für die kamerabasierten Geräte, aber auch für Geräte mit Kantensensor. Tendenziell ins gleiche Horn stößt Produktmanager Stefan Staab, KMG-Experte der Wenzel Group GmbH & Co. KG in Wiesthal: „Es zeichnet sich ein unübersehbarer Trend in Richtung berührungslose Messtechnik ab – vor allem optische Systeme, die rückführbare Ergebnisse zu taktilen Systemen erzeugen, werden verstärkt eingesetzt.“ Um eine Multisensorik-Lösung für alle Messaufgaben zu bekommen, werden neben neuen Anlagen auch bestehende Geräte mit optischen Sensoren auf- oder umgerüstet.

Uwe Keller, CMO der Dr. Heinrich Schneider Messtechnik GmbH, Bad Kreuznach: „Wir sehen nach wie vor einen großen Bedarf an kleinen, kostengünstigen optischen Messgeräten und Multisensor-Messgeräten.“ Bild: Schneider

Eine besondere Ausprägung berührungsloser Systeme, die im letzten Jahr einen enormen Zuwachs verzeichnen konnten, sind außerdem industrielle Computertomographen, mit denen sowohl Innen- und Außenkonturen als auch Feature-Ermittlungen und Materialüberprüfungen durchgeführt werden können. Hierbei stehen vor allem leistungsstarke und gleichzeitig platzsparende Geräte im Mittelpunkt des Interesses.

Wenzel präsentiert auf der Control hierzu die CT-Baureihe in drei unterschiedlichen Größen – aber auch das Koordinatenmessgerät der LH-Serie mit dem Messtastsystem „Revo“ und der Messsoftware „Metrosoft Quartis“ für noch mehr Messdurchsatz.

Schnelles und hochpräzises 5-Achsen-Scannen
Die LH Koordinatenmessgeräte bieten mit dem Messtaster „Revo“ von Renishaw schnelle und hochgenaue Messungen, die den Messdurchsatz signifikant verbessern. Ein Merkmal des Systems ist, dass große Mengen präziser Messdaten mit äußerst hohen Abtastgeschwindigkeiten erfasst werden können. Es wird nur eine einzige Kalibrierung für alle Messpositionen benötigt.

Produktmanager Stefan Staab, KMG-Experte der Wenzel Group GmbH & Co. KG, Wiesthal: „Es zeichnet sich ein unübersehbarer Trend in Richtung berührungslose Messtechnik ab.“ Bild: Wenzel

Außerdem muss das Prüfteil nicht mehr mechanisch fixiert werden, weil das Messtastsystem in Verbindung mit der Messsoftware Metrosoft die Ausrichtung entsprechend dem Koordinatensystem des Teils automatisch einstellt. Dadurch werden mehrere Stunden Zeit eingespart, die sonst zum Einstellen nötig wären. Wegen der außergewöhnlichen Flexibilität und Zugänglichkeit des Messtasters reduziert sich auch die erforderliche Anzahl der Messkopfkonfigurationen.

Das steigert wiederum die Leistungsfähigkeit, weil weniger Zeit zum Kalibrieren und zum Wechseln der Messköpfe nötig ist. Gemeinsam mit der anwenderfreundlichen Messsoftware „Metrosoft Quartis“ bietet die Steuerungstechnologie eine „noch nie da gewesene Scan-Geschwindigkeit und Messflexibilität“.
Walter Frick