Im Rahmen seiner 6. Technologietage zeigte Bimatec Soraluce neun Fräs-, Bohr- und Multifunktionsmaschinen unter realen Arbeitsbedingungen.  - Bild: Bimatec Soraluce/Reichenbach

Im Rahmen seiner 6. Technologietage zeigte Bimatec Soraluce neun Fräs-, Bohr- und Multifunktionsmaschinen unter realen Arbeitsbedingungen. - Bild: Bimatec Soraluce/Reichenbach

Die Technologietage 2016 waren ein gelungenes Event für die Kunden von Bimatec Soraluce. Das 77-Mitarbeiter-Unternehmen, das die Produkte des baskischen Werkzeug-maschinenherstellers Soraluce im deutschsprachigen Raum vertreibt, informierte über sein gesamtes Angebotsspektrum. Auf dem Veranstaltungsprogramm standen neben den Feierlichkeiten zum 25-jährigen Firmenjubiläum insbesondere Live-Demonstrationen, diverse tägliche Workshops sowie eine umfassende Darstellung der Serviceleistungen anhand verschiedener detaillierter Praxisbeispiele.

„Ahead of its time – seiner Zeit voraus“ lautete das Motto der Technologietage. Es brachte die während einer Woche bei Bimatec Soraluce gezeigte zukunftsweisende Technik auf den Punkt: „Wir wollen als Benchmark-Hersteller mit erstklassiger Technologie neue Standards im Fräsen, Bohren und Drehen setzen“, betonte Soraluce-Geschäftsführer Rafael Idigoras. Die 15 verschiedenen Werkzeugmaschinen-Modelle im Lieferprogramm sollen „hohe Präzision in großen Dimensionen bieten“.

Im Profil

Bimatec Soraluce – 25 Jahre in Deutschland aktiv
2016 feierte die in Limburg/Lahn ansässige Firma Bimatec Soraluce ihr 25-jähriges Bestehen. Die Geschichte des 77-Mitarbeiter-Unternehmens begann in einer Busgarage mit dem Wunsch, Produkte des baskischen Werkzeugmaschinenherstellers Soraluce im deutschsprachigen Europa einzuführen und mit einem eigenen Serviceteam zu betreuen. Soraluce (240 Mitarbeiter) hat bislang 2500 Maschinen weltweit verkauft, der jährliche Ausstoß liegt bei etwa 50 Einheiten. Das Unternhmen ist Teil der Danobat Group (1100 Mitarbeiter), der Werkzeugmaschinensparte der Mondragon Corporation, einer der bedeutendsten Unternehmensgruppen Europas. Bimatec Soraluce hat mit bislang mehr als 1100 bei Kunden installierten Einheiten eine führende Position in der europäischen Groß-Fräs- und -Drehmaschinen-Branche erreicht. Heute ist das Unternehmen das Kompetenzzentrum für Soraluce mit ausschlaggebender Bedeutung für die weltweite Strategie und Positionierung des Unternehmens mit Vertretungen in 45 Ländern. Der Erfolg in Deutschland ließ Bimatec Soraluce vom reinen Maschinenlieferanten zum Technologiepartner werden.

Unter realen Arbeitsbedingungen

Mit neun Fräs-, Bohr- und Multifunktionsmaschinen stellte der Gastgeber auf einer „Technologie-Tour“ den Besuchern Innovationen und Neuerungen unter realen Arbeitsbedingungen vor. Auf

Bimatec Arbeitsraum

Blick in den Arbeitsraum des Univeral-Bettfräs- und Bohrcenters TA-M 20, das für den hochpräzisen Werkzeug- und Formenbau sowie mittelgroße Präzisionsteile in der Lohnbearbeitung konzipiert ist. – Bild: Bimatec Soraluce/Reichenbach

dieser Tour konnten sich die Interessenten anhand von Live-Demonstrationen über das Leistungsvermögen der Maschinen informieren – beispielsweise beim Einsatz des mit dem „Quality Innovation of the Year“ und dem „Best of Industry Award“ ausgezeichneten DAS-Systems (Dynamics Active Stabilizer). Dieses aktive System eliminiert die durch den Fräsprozess hervorgerufenen Schwingungen der Maschine durch den Einsatz von Gegenschwingungen und verbessert die dynamische Steifigkeit und Stabilität der Maschine während der Bearbeitung. So ist die maximale Leistung im gesamten Arbeitsbereich nutzbar. „Die Zerspanleistung lässt sich um bis zu 300 Prozent steigern und die Bearbeitungszeit bei Schruppbearbeitungen drastisch reduzieren“, betonte Andreas Lindner, geschäftsführender Gesellschafter von Bimatec Soraluce.

Bimatec „Smart Machines“

Die als „Smart Machines“ vorgestellten speziellen Fräs- und Bohrmaschinen beinhalten technologische Elemente des Konzepts Industrie 4.0. – Bild: Bimatec Soraluce/Reichenbach

Als Ergänzung des DAS-Systems wurde das neue DPS-System (Dynamics Passive Stabilizer) vorgestellt. Es eliminiert Schwingungen von Spannmitteln, beispielsweise von Aufspannwinkeln. „Die Beseitigung der Schwingungen wirkt sich nicht nur positiv auf Zerspanleistung und Werkstückoberflächen, sondern auch auf die Lebensdauer von Maschine und Werkzeug aus“, sagte Lindner.

Im Rahmen der Tour wurden weitere Technologien präsentiert, die in den Maschinen eingesetzt werden und Produktivität, Präzision und Multifunktion optimieren sollen. Ein Beispiel hierfür ist das patentierte Ram-Balance-System DBS (Dynamic Balance System), ein aktives dynamisches System zur Kompensation des Winkelfehlers aufgrund des Frässchieberdurchhangs.

Die Maschinen der FP-Reihe können zu Multitasking-Maschinen aufgerüstet werden.

Ein weiteres Beispiel ist das spezielle Pinolenwechselsystem, das Pinolen untereinander oder mit anderen Fräsköpfen der Maschine vollautomatisch austauscht und somit den Einsatz mehrerer Pinolen unterschiedlicher Durchmesser und Längen sowie verschiedener Fräsköpfe ermöglicht. „Ein

Andreas Lindner, Bimatec Soraluce

„Die Beseitigung der Schwingungen wirkt sich nicht nur positiv auf Zerspanleistung und Werkstückoberflächen, sondern auch auf die Lebensdauer von Maschine und Werkzeug aus.“
Andreas Lindner, geschäftsführender Gesellschafter von Bimatec Soraluce.
– Bild: Bimatec Soraluce/Reichenbach

Alleinstellungsmerkmal dieses Systems ist, dass beim Einsatz von Winkelfräsköpfen in der Horizontalachse kein Verfahrweg verloren geht, so dass die volle Kapazität der Anlage sowohl mit der Pinole als auch mit dem Fräskopf genutzt werden kann“, merkte Lindner an.

Weitere auf der Tour vorgestellte technische Highlights waren die automatische Vorschubkontrolle Adaptive Control, die die definierten Schnittparameter je nach Bearbeitungssituation anpasst und so die Bearbeitungszeit und Werkzeugstandzeit optimiert, sowie das DHC-System (Dynamic Head Compensation), ein neues dynamisches Kalibriersystem für automatisch schwenkende Fräsköpfe. Damit soll sich die Genauigkeit im Raum um das Sechsfache steigern lassen.

Bimatec Fahrständer-Fräs- und -Bohrcenter

Das optimierte Konzept des Fahrständer-Fräs- und -Bohrcenters FP 10000 sowie ein Linearwälzführungssystem stellen gleichbleibend hohe Präzision über die gesamte Lebensdauer der Maschine sicher. – Bild: Bimatec Soraluce/Reichenbach

Darüber hinaus präsentierte Bimatec Soraluce seine jüngsten Entwicklungen im Bereich Automatisierungssysteme zur Verbesserung von Produktivität und bedienerloser Bearbeitung, Multitasking-Lösungen für große Werkstücke sowie Portal-Technik. Vorgestellt wurden auch zwei neue Fräskopftypen: der H100, ein zweiachsiger NC-Fräskopf für die Simultanbearbeitung, sowie der H200T, ein 2-Achsen-Diagonalfräskopf mit Spindelklemmung und Lagerentkopplung für die fünfachsige Fräsbearbeitung und volle Drehfunktionalität. Dieser Fräskopf wurde speziell für Multitasking-Maschinen entwickelt.

Komplette Baureihen

Mit besonderer Betonung der Eigenschaften Zuverlässigkeit, Präzision und Wettbewerbsfähigkeit zeigte das Unternehmen erstmals seine kompletten Baureihen an Fräs-, Bohr- und Drehmaschinen der jüngsten Generation. „Die neue Generation basiert auf der umfangreichen Modifikation der Maschine aus Sicht des Anwenders und ist daher noch serviceorientierter ausgerichtet“, erklärte Xabier Mendizabal, Leiter der Forschungs- und Entwicklungsabteilung von Soraluce. Um die Kommunikation zwischen Mensch und Maschine im Sinne von Industrie 4.0 zu optimieren, wurden alle Baugruppen und Funktionen exakt analysiert und vervollkommnet. Spezielle Schwerpunkte waren die funktionale Effizienz und die Entwicklung des Designs der gesamten Maschine, wobei dem Arbeitsbereich des Bedieners besondere Aufmerksamkeit geschenkt wurde. Xabier Mendizabal:

Bimatec Bohrcenter

Das kompakte Starrbett-Fräs- und Bohrcenter SLP 8000 bietet einen besonders großen Arbeitsraum.
– Bild: Bimatec Soraluce/Reichenbach

„Das neue Design erleichtert nicht nur Bedienung, Wartung und Instandhaltung, sondern macht das Arbeitsumfeld des Bedieners auch ergonomischer und sicherer. Erst kürzlich wurde es mit dem Red Dot Award 2016 ausgezeichnet.“

Zu den im Technologiezentrum gezeigten Maschinen gehörten drei neue Modelle, die über die genannten innovativen Funktionen verfügen. Eines dieser Systeme war ein Universal-Bettfräs- und Bohrcenter des Typs TA-M, das für den hochpräzisen Werkzeug- und Formenbau sowie mittelgroße Präzisionsteile in der Lohnbearbeitung konzipiert ist. Die kompakte, ergonomische Multitasking-Maschine verbindet verschiedene Zerspanungsprozesse wie Drehen, Fräsen, Bohren und Gewindebohren und steigert so die Leistungsfähigkeit und Funktionalität. Charakteristisch für dieses System ist neben hoher Steifigkeit, mechanischer Stabilität und Präzision ein hohes Spanvolumen.

Vielseitig und produktiv

Die zweite Neuvorstellung war ein Fahrständer-Fräs- und -Bohrcenter der Baureihe FP, die hohe Vielseitigkeit und Produktivität verbinden soll. Dank ihres modularen Konzepts lassen sich diese Maschinen exakt an unterschiedliche Kundenbedürfnisse anpassen. Hochdynamische Achsen und ein stabiler Aufbau sollen die Grundlagen bieten, um anspruchsvolle Werkstücke gleichbleibend präzise und produktiv bearbeiten zu können.

Das ebenfalls neue, großvolumige Portal-Fräs- und -Bohrcenter PXG konnten die Besucher mittels einer Spezialbrille in virtueller Realität näher betrachten. Die modulare, flexibel anpass- und einsetzbare Multitasking-Maschine ist für Großteile etwa im Energiesektor gedacht. Auch dieses System verfügt über die jüngsten technischen Neuerungen des Herstellers wie das DAS-, das DBS- sowie das SSV-System. Zu ihrer Ausstattung gehören der für Fräs- und Dreharbeiten ausgelegte Arbeitsbereich, ein Werkzeugmagazin mit 180 Plätzen sowie ein automatisches Kopfwechselsystem.

Dank der steifen Konstruktion und der Multitasking-Konfiguration lassen sich auf dem neuen PXG große Werkstücke präzise bearbeiten.

Bimatec Fräsköpfe

Verschiedene Fräsköpfe des Fahrständer-Fräs- und Bohrzentrums. – Bild: Bimatec Soraluce/Reichenbach

Unter den Vorführungen, die während der Technologietage stattfanden, nahmen die „Smart Machines“ eine Sonderstellung ein. Diese Fräs- und Bohrmaschinen beinhalten technologische Elemente des Konzepts Industrie 4.0, die in einem kompletten Reporting- und Monitoring-Paket auf Grundlage des „Cloud Computing“ genutzt werden können. Dazu gehören Funktionen wie die Visualisierung des Maschinenstatus in Echtzeit und das Senden von E-Mails für den Fall einer Störung. Gleiches gilt für das Erstellen von Berichten zu anwenderrelevanten Themen wie Produktion oder Prozess, Energieverbrauch und Produktivität der Anlage oder die Diagnose und Analyse von Störungen und Informationen für die Wartung der Anlage. „All diese Funktionen werden über eine sichere Verbindung in eine Cloud übermittelt und können über PC, Tablet oder Smartphone mit einem gewöhnlichen Internetzugang überall und ständig abgerufen werden“, erläuterte Thilo Borbonus, technischer Geschäftsführer von Bimatec Soraluce. „Künftig wird dieses System auch zum Überwachen der Maschine für proaktive Servicetätigkeiten und somit zur Vermeidung ungeplanter Stillstände genutzt. Ausfallzeiten werden reduziert, die Maschinenverfügbarkeit und Produktivät gesteigert.“

Die Technologietage waren auch die Plattform für die weltweite Präsentation der „Soraluce Academy“. Damit sollen die Kenntnisse und das Wissen der Kunden, Mitarbeiter, Vertriebsorganisationen und Zulieferer gefördert werden. „Die Academy ist ein Ort, an dem sich Kunden und Experten aus unterschiedlichen Bereichen treffen können, um zu lernen, Erfahrungen auszutauschen sowie Lösungen und Projekte umzusetzen“, machte Borbonus deutlich. „Alle hierfür erforderlichen Einrichtungen stehen zur Verfügung.“ Dazu gehören ein Fräskopflabor, eine Forschungs- und

Thilo Borbonus, Bimatec Soraluce

„Die Soraluce Academy ist ein Ort, an dem sich Kunden und Experten aus unterschiedlichen Bereichen treffen können, um zu lernen,
Erfahrungen auszutauschen
sowie Lösungen und Projekte
umzusetzen.“
Thilo Borbonus, Bimatec Soraluce – Bild: Bimatec Soraluce/Reichenbach

Entwicklungsabteilung, Räume für Seminare und Versuche mit Maschinen im Technologiezentrum von Bimatec Soraluce sowie ein Forschungszentrum und die entsprechenden Abteilungen bei Soraluce in Bergara.

Soraluce erstellt ein Jahresprogramm und organisiert weltweit Workshops und Versuchsreihen, damit alle Kunden Erfahrungen im Bereich der Maschinen, Werkzeuge und Prozesse austauschen können. Darüber hinaus wird den Kunden in Versuchen und Tests aufgezeigt, welche Möglichkeiten neue Entwicklungen und Optionen in den Bearbeitungsprozessen im Hinblick auf optimierte Wirtschaftlichkeit bieten.
Bernhard Reichenbach

Kontakt: Bimatec Soraluce Zerspanungstechnologie GmbH, www.bimatec.de