Italien: Carnevale di Venezia

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fertigung-Redakteur Jürgen Gutmayr hat die aktuelle Situation recherchiert

Hand aufs Herz, liebe Leser! Haben Sie gewusst, dass Italien mit zu den Gründungsmitgliedern der EU gehört? Und dass diese parlamentarische Republik in Südeuropa eine der größten Volkswirtschaften der Welt ist? Kein Wunder, ist es doch um Italien – den touristischen Stellenwert als Urlaubsland einmal außer Betracht gelassen – in den vergangenen Jahren wirtschaftlich sehr ruhig geworden. Insbesondere der Werkzeugmaschinenmarkt verzeichnete ein deutliches Minus.

Doch inzwischen hat sich der italienische Werkzeugmaschinenmarkt erholt. Italien gilt nach Angaben des Verein Deutscher Werkzeugmaschinenfabriken e.V., kurz VDW, 2013 als zweitgrößter europäischer Produzent und belegt mit einem leichten Rückgang und einem Weltanteil von 7,3 Prozent Rang 4 der Weltrangliste. Das Produktionsvolumen im vergangenen Jahr wird immerhin mit 4,3 Mrd. Euro beziffert.

Der Exportanteil lag 2013 nach Angaben des VDW bei rund 3,2 Mrd. Euro. Das heißt Platz 3 im Weltranking. Und der Verbrauch lag im vergangenen Jahr bei 1,9 Mrd. Euro – immerhin Platz 6 weltweit. Die Verbrauchsprognose für 2014 lautet: Plus 1,8 Prozent.

Meine Meinung

Der italienische Werkzeugmaschinenmarkt hat einen Zahn zugelegt. Schön, dass unsere europäischen Nachbarn mit ihren innovativen Maschinen wieder mit vorne dabei sind. Ein Indiz für diese Entwicklung ist das Investitionsverhalten, wie es etwa DMG Mori vormacht. Mit der Fertigung der NLX 2500SY/700 in Italien schafft der Werkzeugmaschinenhersteller Vorteile, die er an seine Kunden weitergibt. Bellissimo!
Jürgen Gutmayr, Redaktion fertigung

 

Ein Wert, den auch Rüdiger Kapitza, Vorsitzender des Vorstands der DMG Mori Aktiengesellschaft, kürzlich anlässlich des Grand Opening bei Gildemeister Italiana in Bergamo, nannte. 15,5 Mio. Euro hat der Werkzeugmaschinenhersteller dort in den Produktionsstandort investiert und die Montage auf ein Top-Level gebracht. DMG Mori besitzt in Italien vier Standorte. Zwei Sales-&-Service-Zentren jeweils in Milano und Padova. Sowie zwei Werke, eines in Tortona und eines in Brembati di Sopra bei Bergamo. Insgesamt beschäftigt DMG Mori 576 Mitarbeiter in Italien. Mit insgesamt 15 808 Maschinen – 9373 von DMG und 6435 von Mori – ist das Unternehmen am italienischen Markt gut positioniert.

Und wie geht es weiter? Die Vorzeichen stehen gut. Zugpferde bei den Investitionen sind die Metallerzeugung und -verarbeitung, die Automobilindustrie, sonstige Transportmittel inklusive dem Flugzeugbau, der Schiffbau und der Eisenbahnbau.

Aufschwung im Inland

So verzeichnet der Index der Bestellungen von Werkzeugmaschinen im ersten Quartal 2014, ermittelt vom Zentrum für Studien & Unternehmenskultur von Ucimo-Sistemi per Produrre, einen Anstieg um 15,2 Prozent gegenüber dem Zeitraum Januar bis März des Vorjahres. Der absolute Wert des Index steht nun bei 152,9, somit über dem diesbezüglichen Mittelwert, wenn man 2010 als neues Bezugsjahr nimmt. Diesem Ergebnis liegt einerseits die positive Entwicklung der Nachfrage bei den Herstellern aus dem Ausland und andererseits das Wiedererwachen des italienischen Markts zugrunde.

Somit waren die Prognosen von Ucimo-Präsident Luigi Galdabini anlässlich der EMO 2013 korrekt. Rechtzeitig zur EMO 2015 hofft der Verband auf einen inländischen Aufschwung zur Messe in Milano im kommenden Jahr. Angepeilt sind

Pama  Großbearbeitungszentrum

Der italienische Werkzeugmaschinenhersteller Pama zählt mit seinen Großbearbeitungszentren weltweit zu den wichtigsten Herstellern in diesem Segment.

immerhin 7 bis 8 Prozent Wachstum für 2015 und 2016. Dabei ist die Ausgangsbasis vielversprechend. So lagen die Exporte der italienischen Hersteller 2012 bei einem Rekordwert von 3,621 Mrd. Euro – ein Plus von 11,1 Prozent. Auch an der Auslandsfront verzeichnet der Index der Bestelleingänge einen Anstieg um 5,7 Prozent gegenüber dem Vergleichszeitraum des Vorjahres und bestätigt damit die positive Tendenz, die sich seit dem letzten Quartal 2013 feststellen ließ. Der absolute Wert des Index erreicht im Zeitraum Januar bis März einen Stand von 166,5. An der Inlandsfront zeigt der Index der italienischen Hersteller einen kräftigen Anstieg mit einem Plus von 79,3 Prozent gegenüber dem ersten Quartal 2013 auf einen absoluten Wert von 127,1. „Aus der vierteljährlichen Erhebung des Studienzentrums“, erklärt Luigi Galdabini, Präsident von Ucimo-Sistemi per Produrre, „geht ein allgemeiner Wiederaufschwung der Nachfrage nach italienischen Werkzeugmaschinen hervor, der allerdings, was den Zuwachs betrifft, im Inland ausgeprägter ist.”

Nachfrage erwacht

„Während nämlich“, so Galdabini weiter, „der Auslandsmarkt nach einer Zeit der Stagnation schon seit Ende des vergangenen Jahres wieder in Branchenprodukte made in Italy zu investieren begonnen hatte, scheint die Nachfrage in Italien jetzt zu erwachen. Das ist zwar ein sehr erfreuliches Signal, dabei ist aber zu berücksichtigen, dass der Anstieg auch deswegen so spektakulär wirkt, weil hier mit einem desaströsen Zeitraum verglichen wird, den wir jetzt hoffentlich endgültig hinter uns haben.“ Die Trendumkehr bei der Inlandsnachfrage sollte überdies vom Inkrafttreten der neuen Lex Sabatini ab 31. März profitieren, hat sie doch im ersten Zeitfenster 2010 für Finanzierungsanfragen über ein Investitionsvolumen in Anlagegüter in der Höhe von 655 Mio. Euro gesorgt.

„Die Umsetzung der neuen Lex Sabatini – von Ucimo so heiß ersehnt – wird gewiss die Investitionen in Anlagegüter stimulieren“, ergänzt Galdabini. „Das reicht aber allein nicht aus, um den Aufschwung des italienischen Marktes zu sichern, der nur allzu lange Neuerwerb und Ersatz durch Hightech-Maschinen hintangestellt hat. In diesem Sinne wünschen wir uns endlich die Einführung des Systems der Liberalisierung der Abschreibungen oder zumindest eine Revision der noch immer auf 1988 zurückgehenden Koeffizienten – eine Maßnahme, welche die Kaufentscheidungen seitens der Anwender noch weiter beschleunigen könnte.”

„Neben den branchenspezifischen Maßnahmen verlangen wir – durchaus im Bewusstsein der Knappheit der verfügbaren Mittel – von den Regierungsstellen, die nun einmal gesteckten Ziele mit aller Entschlossenheit zu verfolgen, beginnend mit all den Entbürokratisierungsschritten, welche die Unternehmen von den verschiedenen Hemmnissen befreien sollten, die sich heute besonders nachteilig auf die Wettbewerbsfähigkeit unserer Volkswirtschaft im Vergleich mit der Konkurrenz im Ausland auswirkt. Dabei denke ich in erster Linie an die Arbeitskosten, an denen entschieden gearbeitet werden muss, damit die Erleichterung der Abgabenlast sowohl den Betrieben als auch den dort Beschäftigten zugutekommt, ich denke aber beispielsweise an die Reform der Gläubigerschutzgesetze.”

„Was das Auslandgeschäft angeht“, so Galdabini, „sollten angesichts der starken Exportabhängigkeit unserer Unternehmen, vorwiegend KMUs, denen nur geringe Mittel für eigenständige Marketingaktivitäten zur Verfügung stehen, die Initiativen zur Förderung des Made in Italy verstärkt werden. Dank der Zusammenarbeit zwischen Branchenverbänden und dem ICE-Agenzia wird unter anderem die Präsentation jener Sektoren ermöglicht, in denen Italien kompakt und organisch hervorragt.”

Kontakt: Ucimo-Sistemi Per Produrre, www.ucimo.it