| von Richard Pergler

Der vom Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) erhobene Index der Konjunkturerwartungen für Deutschland ist im Januar von einem Vormonatswert von 17,4 auf nun 20,4 Punkte gestiegen. Das ist zwar noch unter dem langfristigen Mittelwert von 23,7 Punkten, aber auch hier hatten die Experten eine geringere Steigerung vorausgesagt. Zudem hat sich der Index zur Beurteilung der aktuellen Lage deutlicher als prognostiziert auf 95,2 Punkte verbessert. Das ist der beste Wert seit Beginn der Umfrage im Dezember 1991.

Grafik, aktueller Auftragsbestand 2018
Auch unsere Blitzumfrage unter 260 Unternehmen ergab ein sehr positives Bild: den Betrieben geht es gut. - Grafik: fertigung

Für dieses Jahr sagen die ZEW-Ökonomen für die deutsche Wirtschaft ein Wachstum von 2,4 Prozent voraus. Auch die Wirtschaft im Euroraum insgesamt ist im dritten Quartal 2017 stärker als bisher angenommen gewachsen. Das Statistische Amt der Europäischen Union, Eurostat, revidierte den Anstieg des Bruttoinlandsprodukts (BIP) zu Jahresbeginn auf eine Quartalsrate von 0,7 Prozent. Die Wirtschaft ist damit ebenso stark wie im zweiten Quartal 2017 gewachsen.

Der Verein Deutscher Werkzeugmaschinenfabriken e.V. (VDW) konnte für das dritte Quartal 2017 einen Anstieg im Auftragseingang der deutschen Werkzeugmaschinenindustrie im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 13 Prozent vermelden. Dabei zogen die Inlandsbestellungen um 31 Prozent an, die Auslandsorders wuchsen um 5 Prozent. In den ersten drei Quartalen 2017 stieg der Auftragseingang insgesamt um 3 Prozent. Die Inlandsaufträge verloren 2  Prozent. Der Auslandsauftragseingang stieg um 5  Prozent. Dabei laufen Zerspanung und Umformtechnik gleichermaßen gut.

Euroraum setzt seine Aufschwungphase fort

Bei den ausländischen Bestellungen haben laut VDW Euro- und Nicht-Euro-Länder im dritten Quartal gleichermaßen 5 Prozent mehr als im Vergleichszeitraum 2016 geordert. Der Euroraum setzt insgesamt seine schon länger anhaltende Aufschwungphase fort. Treiber sind südeuropäische Märkte wie Spanien, Frankreich und Italien.

Auch die großen Leitmärkte China und USA laufen sehr gut. Im Kielwasser Chinas ziehen auch die anderen asiatischen Märkte wieder an. Im Oktober waren knapp 92 Prozent der Branchenkapazitäten ausgelastet. Die Beschäftigung lag zuletzt bei etwa 70 360 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern und damit 3 Prozent über Vorjahr. Auch für dieses Jahr blickt die Branche optimistisch nach vorn und erwartet für das Gesamtjahr ein Produktionsplus von 3 Prozent.

Meine Meinung

Ist Ihr Unternehmen fit für die Zukunft?

Es ist immer das Gleiche: In Zeiten voller Auftragsbücher hat man einfach keine Kapazitäten, um ans Morgen zu denken. Keine Zeit, die Axt zu schärfen, schließlich muss man ja Bäume fällen. Und dafür braucht man jeden Mann. Koste es, was es wolle. Nur die Zukunft darf es eben nicht kosten. Auch wenn es schwer fällt: Es ist eine Notwendigkeit, jetzt in Forschung & Entwicklung zu investieren, seine Mitarbeiter zu schulen, den Maschinenpark auf den aktuellen Stand zu bringen, auch einmal über den Tellerrand der aktuellen Aufträge hinaus nach neuen Geschäftsfeldern Ausschau zu halten und sich auch mit den Möglichkeiten und Chancen der Digitalisierung zu befassen. Damit der Sturm der nächsten Krise nicht die Profite der Gegenwart verweht.

Auch der Präzisionswerkzeuge-Industrie geht es exzellent. Sie hat 2017 ein Produktionsplus von 7 Prozent erwirtschaftet. Nach Auskunft des Fachverbands Präzisionswerkzeuge im VDMA hat die Branche damit die 10-Mrd.-Euro-Marke signifikant überschritten. Für 2018 erwarten die Mitgliedsunternehmen ein fünfprozentiges Wachstum. Wachstumstreiber waren 2017 die Spanntechnikhersteller mit einem Umsatzplus von 9 Prozent, gefolgt von den Zerspanwerkzeugproduzenten mit einer siebenprozentigen Steigerung. Der Werkzeugbau musste sich bei einem erfreulichen Umsatzwachstum von 5 Prozent mit dem dritten Platz zufriedengeben.

Wichtige Rohstoffe werden Mangelware

Mit Spannung blickte die Branche im Januar unter anderem auf die laufenden Tarifverhandlungen, die weltpolitische Wetterlage und die Rohstoffpreisentwicklung. Insbesondere die stark wachsende Batterieproduktion für elektrische Antriebe konkurriert mit den Werkzeugherstellern um wichtige Rohstoffe wie Wolfram oder Tantal. Dies führt zu heftigen Preissteigerungen und belastet die Unternehmen zunehmend.

Die gut gefüllten Auftragsbücher der deutschen Unternehmen bescheren der Industrie hierzulande stetig neue Beschäftigungsrekorde: Die Zahl der Mitarbeiter im verarbeitenden Gewerbe wuchs im November 2017 um 116 000 Personen – das ist gegenüber dem Vormonat ein Plus von 2,1 Prozent – auf gut 5,5 Millionen: Laut Statistischem Bundesamt markieren dieser Werte einen neuen Höchststand bei der Zahl der Beschäftigten seit Beginn der Zeitreihe im Januar 2005.

In der Teilbranche der Metallerzeuger gab es einen Zuwachs von 2,8 Prozent, bei den Maschinenbauern waren es 2,2 Prozent. Die Zahl der im September geleisteten Arbeitsstunden erhöhte sich um 1,7 Prozent auf 748 Millionen. Die Verdienste für die Beschäftigten im verarbeitenden Gewerbe lagen bei rund 29,3 Milliarden Euro, was einer Steigerung von 3,6 Prozent zum Vorjahresmonat entspricht.

Die Kehrseite der guten Beschäftigungslage: Der Arbeitsmarkt ist leergefegt, der Mangel an qualifizierten Fachkräften ist einer der gravierendsten Risikofaktoren für die deutschen Unternehmen. Nach wie vor ist in nahezu allen metallverarbeitenden Unternehmen die Gewinnung von Nachwuchskräften ein zentrales Thema. Viele Unternehmen engagieren sich in der Ausbildung in den technischen Metallberufen.

Über eine solide Ausbildung hinaus erkennen immer mehr Unternehmen auch die Bedeutung regelmäßiger Weiterbildung. Ähnlich wie der Aufwand für Forschung und Entwicklung sind Mitarbeiter, die über Wissen auf aktuellem Stand verfügen, ein wichtiger Faktor, um nachhaltig wettbewerbsfähig zu bleiben. Deshalb ist es fatal, wenn in der aktuellen Konjunkturlage Bildungsmaßnahmen vernachlässigt werden. jd

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