AMB 2018, Fahnen

Neue Technologien stehen bei der AMB 2018 im Vordergrund. - Bild: Messe Stuttgart

Die Zerspanung als zentrale Fertigungstechnologie ist der gemeinsame Nenner vieler erfolgreicher Branchen. Trotzdem unterscheiden sich die Anforderungen an ihre Ausrüster und Zulieferer teilweise massiv.

Variocell Uno, Chiron
Die Variocell Uno von Chiron ist eine kompakte Einheit aus Handlingroboter und Werkstückspeicher. - Bild: Chiron

Dominiert in der Automobilindustrie die Großserie, ist es beim Lohnfertiger die absolute Flexibilität bis hinunter zur Stückzahl eins. Den Universalanbieter, der alle Branchen gleichermaßen mit einem Produkt bedient, gibt es deshalb schon lange nicht mehr.

Das bestätigt der Antriebs- und Steuerungsspezialist Bosch Rexroth. Hansjörg Sannwald, Leiter Markt- und Produktmanagement CNC-Systeme: "Vor allem im Automotive-Sektor ist hohe Flexibilität wichtig, um auch kleinere Stückzahlen wirtschaftlich fertigen zu können." Die Vernetzung der Maschinen sei der erste Schritt zu Industrie 4.0. Entsprechend würden offene Schnittstellen zu gängigen Echtzeit-Ethernet-Protokollen und OPC UA immer wichtiger. "In diesem Zusammenhang unterstützen wir die vom VDW initiierte Standardisierung einer neuen Schnittstelle ‚Konnektivität für Industrie 4.0‘ auf OPC-UA-Basis." Der Standard soll in das CNC-System MTX integriert werden.

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"Unsere Kunden setzen verstärkt auf komplett automatisierte Bearbeitungszentren." Markus Flik, Chiron-Gruppe.

Markus Flik, Chiron
Markus Flik, Vorsitzender der Geschäftsführung, Chiron-Gruppe - Bild: Chiron

Rein mengenmäßig dominiert natürlich die Automobilindustrie. "Zwei Drittel des Umsatzes generiert unsere Unternehmensgruppe mit Kunden aus der Automobil- und Zulieferindustrie", sagt Markus Flik, Vorsitzender der Geschäftsführung der Chiron-Gruppe.
Dennoch bedient der Anbieter von CNC-gesteuerten vertikalen Fräs- und Drehbearbeitungszentren auch die Maschinenbauindustrie, Hersteller von Medizin- und Präzisionstechnik sowie die Luft- und Raumfahrtindustrie. Ein genereller Trend gehe zu "komplett automatisierten Bearbeitungszentren", so Flik weiter. Dem folgen vor allem die Systeme Variocell Uno und Variocell System.

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"Auf der AMB stellen wir Systemkomponenten vor, die es den Fertigungsunternehmen unter anderem ermöglichen, Wartung und Reparaturen gezielt zu planen und dadurch Produktivitätsverluste zu vermeiden." Claus Eppler, Chiron-Gruppe

Claus Eppler, Chiron
Claus Eppler, Leiter Forschung und Entwicklung, Chiron-Gruppe. - Bild: Chiron

Ein weiteres Stichwort: Vernetzung. Im Herbst soll ein Software-Modul innerhalb des SmartLine-Programms erscheinen, das den Produktionsprozess horizontal vernetzt und es erlaube, alle Bearbeitungszentren, Automationsmodule und Roboter von einem Punkt aus zu überwachen, zu analysieren und zu steuern. "Auf der AMB stellen wir der Fachwelt weitere Systemkomponenten vor, die es den Fertigungsunternehmen unter anderem ermöglichen, Wartung und Reparaturen gezielt zu planen und dadurch Produktivitätsverluste zu vermeiden", so Claus Eppler, Leiter Forschung und Entwicklung bei Chiron.

Hoher Anteil aus der Fahrzeugindustrie

Ähnlich sieht es bei der Heller-Gruppe aus. Die Fahrzeugindustrie sorgt dort für rund 60 Prozent des Geschäfts – vom Pkw über den Lkw bis hin zur Land- und Baumaschine.

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"Mit Heller4Industry haben wir uns einen Rahmen für neue Industrie-4.0-Technologien geschaffen. Kernaspekte sind dabei ergänzende Maschinenfunktionalitäten, Dienstleistungen ‚on demand‘ und erweiterte Servicemöglichkeiten." Manfred Maier, Heller-Gruppe

Manfred Maier, Geschäftsführer und COO, Heller-Gruppe.
Manfred Maier, Geschäftsführer und COO, Heller-Gruppe. - Bild: Heller

Gefragt seien laut Geschäftsführer und COO Manfred Maier ganzheitliche Fertigungslösungen, beispielsweise zur Bearbeitung von Zylinderblock und -kopf, Kurbel- und Nockenwelle, Getriebe- und Chassiskomponenten. Aber auch andere Branchen wie der allgemeine Maschinenbau, die Hydraulik- und Pneumatikindustrie, die Aerospace-Industrie, die Energietechnik, die Öl- und Gasindustrie sowie die Lohnfertigung werden mit horizontalen und fünfachsigen Bearbeitungszentren für Fräs- und Fräsdreh-Prozesse beliefert.

Breit gefächert präsentiert sich das Maschinenprogramm des japanischen Herstellers Yamazaki Mazak. Auf die aktuellen Trends wie größere Teilevielfalt, sinkende Losgrößen, zunehmend komplexere Werkstücke und oft schwer zerspanbare Materialien stellt sich Mazak mit immer ausgereifteren Maschinenkonzepten ein. So erlauben die Mazak-Multifunktionsmaschinen der Baureihen Integrex und Variaxis eine Fertigbearbeitung selbst hochkomplexer Werkstücke in nur ein oder zwei Spannlagen. Speziell an die Zukunftsbranche Energie richtet sich die Baureihe Vortex mit Fünf-Achs-Simultansteuerung und leistungsstarker Schwenkspindel-Hochleistungsbearbeitung.

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"Auch Werkzeugmaschinenhersteller denken in immer kürzeren Technologiezyklen. Wir bereiten unsere Maschinen deshalb aktiv auf mögliche spätere Upgrades vor, auch bei Produkten, die bereits beim Kunden im Einsatz sind." Marcus Otto, Starrag

Marcus Otto, Starrag
Marcus Otto, Managing Director, Starrag. - Bild: Starrag

Der Schweizer Maschinenhersteller Starrag mit mehreren Tochterunternehmen in Deutschland macht die Erfahrung, dass speziell die Automobilindustrie Lösungen wünscht, die "auf den Punkt und ohne Schnörkel befriedigt werden", wie Managing Director Marcus Otto weiß. Dem begegnet Starrag mit einer kundenindividuellen Konfigurierbarkeit seiner Produkte.

Anders sieht es in der Zulieferindustrie, dem Maschinenbau und der Metallbe- und -verarbeitenden Industrie aus.

Meine Meinung

Die Anforderungen steigen

Das Szenario Elektromobilität ist näher als es scheint. Für künftige Fertigungsstrategien stellen sich die Hersteller von Maschine & Co. heute schon auf und stellen die Weichen, wie es etwa der Werkzeugmaschinenhersteller Grob in Mindelheim demonstriert. Auf der Messe AMB präsentiert sich die Branche der Metallbearbeitung mit ihren neuesten Technologien. Ein Grund mehr, sich auf der Messe in Stuttgart umzusehen. Jürgen Gutmayr