„Wir müssen mehr auf unser Handwerk aufmerksam machen“

Professor Saxler, welche wirtschaftliche Entwicklung erwarten Sie für das Jahr 2014?
I
m vergangenen Jahr waren die Mitglieder des Fachverbands Deutscher Präzisions-Werkzeugschleifer in ihrer Einschätzung noch sehr verhalten. Da die Aussichten für das Jahr 2014 gut aussehen, erwarten wir für dieses Jahr ein Niveau mindestens wie 2013 – tendenziell rechnen wir jedoch mit einem leichten Plus für die Unternehmen der Branche – wenn auch einige Risiken bleiben.

Wo sehen Sie derzeit die größten Herausforderungen für Ihre Unternehmen?
Die meisten unserer Betriebe betreiben neben dem Werkzeugschleifen auch Handelsgeschäft. Das wird sich im Prinzip auch nicht ändern. Aber es wird sicherlich eine weitere Verschiebung – am relativen Umsatz gemessen – zwischen dem Anteil „Schärfen von Werkzeugen“ und dem Bereich „Herstellen von Neuwerkzeugen“ geben. Letzteres wird in Zukunft weiter zunehmen. Wir rechnen, dass sich mittelfristig die Umsätze zu einem Drittel aus dem Nachschärfen generieren werden, aber inzwischen mehr als ein Viertel aus der Herstellung von Sonderwerkzeugen kommt. Der Rest verteilt sich dann auf den Handel und sonstige Dienstleistungen.

Wo sehen Sie mittelfristig die größten Risiken für Ihre Unternehmen?
Die Rohstoff- respektive Halbzeugbeschaffung in kleinen Mengen zu günstigen Preisen ist in Deutschland nicht realisierbar. Unsere Betriebe sind zu klein, um weltweit einzukaufen. Auch hier fehlen die großen Mengen, mit denen sich das Ganze lohnen könnte. Druck gibt es indes auch von ganz anderer Seite: Die generativen Fertigungsverfahren sind mittlerweile stark auf dem Vormarsch. Viele Endprodukte, die in kleinen Mengen benötigt werden, können direkt aus dem CAD-Modell hergestellt werden, ohne auch nur ein einziges Zerspanwerkzeug dafür eingesetzt zu haben. Dadurch werden künftig deutlich weniger Zerspanwerkzeuge auch Sonderwerkzeuge benötigt, da die konventionellen Fertigungsfolgen durch generative Methoden substituiert werden.

Was bewegt Ihre Mitglieder derzeit am meisten?
Die etablierten Werkzeughersteller haben sich in den letzten Jahren immer stärker auf die Herstellung von Sonderwerkzeugen auch in kleinen Losgrößen ausgerichtet – in diesem Bereich sind ja auch viele unserer Unternehmen aktiv, die hier zunehmend den Wettbewerbsdruck zu spüren bekommen. Nun stellen wir zunehmend fest, dass sich die Werkzeughersteller auch in der ureigenen Domäne unserer Betriebe, nämlich im Nachschärfsektor ausbreiten. Das ist eine Entwicklung, die wir derzeit mit einiger Sorge registrieren.

Können sich Ihre Mitglieder derzeit leisten, zu investieren?
Ja, das wäre grundsätzlich möglich, wenn sich die Banken nicht weiterhin so sehr sperren würden. Im Grunde genommen haben wir in unseren Betrieben einen Investitionsstau und genügend Grundlage, um Investitionen zu tätigen. In unserer Branche müssen wir allerdings relativ zu unserem Umsatz ziemlich hohe Summen investieren.

Wie sieht das konkret aus?
Ein Beispiel: Ein Werkzeugschleifbetrieb mit fünf Mitarbeitern macht einen Jahresumsatz von 600 000 Euro. Wenn dieser Betrieb dann in eine neue Werkzeugschleifmaschine investieren will, kommen da inklusive der Ausgaben für die zugehörige Peripherie schnell mal 250 000 Euro an notwendiger Investitionssumme zusammmen. Dieses Verhältnis mögen die Banken nicht so gerne, und das ist für viele unserer Betriebe ein großes Hindernis.

Wie sieht es denn mit der technischen Ausstattung der Betriebe aus?
Nun, die Art der eingesetzten Technik hängt natürlich stark von der Fertigungsstruktur des jeweiligen Betriebs ab. Wer heute leistungsfähige Fräswerkzeuge herstellen oder instandsetzen will, wird ohne CNC-Bearbeitungsmaschinen nicht auskommen. Ein anderes Feld sind etwa Maschinenmesser – hier dominieren auch heute noch Maschinen mit konventioneller Steuerung. Handgeführte Messer und Scheren werden zwar in der Serienfertigung auch auf gesteuerten Maschinen hergestellt. Dennoch gibt es hier viele Anwendungen auf manuellen Maschinen. Besonders für individuelle Werkzeuge, die nach Sonderwunsch gefertigt oder künstlerisch gestaltet werden, können Maschinen mit CNC-Steuerungen auch in Zukunft nur in Ausnahmefällen eingesetzt werden. Hier dominieren manuelle Maschinen, die in ganz besonderer Weise die Qualifikation und die Fertigkeiten der Mitarbeiter herausfordern.

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„Wir hoffen, dass wir wieder mehr Jugendliche dazu
motiviert bekommen, unser Handwerk zu erlernen.“
Wilfried Saxler, FDPW (Bilder: FDPW)

A Propos: Wie ist die Entwicklung bei qualifizierten Arbeitskräften?
Das, Herr Pergler, ist eine unserer wohl größten Herausforderungen. Nach wie vor ist es sehr schwer, gute Fachkräfte für das Schneidwerkzeugmechanikerhandwerk zu bekommen. Quereinstiege sind auch in unserem Handwerk üblich, aber es ist alles andere als einfach: Die Komplexität der Werkzeuge nimmt ständig zu, die Maschinen werden immer produktiver, und die geforderten Toleranzen sind zunehmend enger. Was wir brauchen, sind hochqualifizierte Fachleute.

Welche Möglichkeiten stehen Interessenten für den Einstieg in den Beruf offen, und welche Perspektiven können Sie ambitionierten jungen Menschen bieten?
Die beste Grundlage für diesen Beruf ist die Ausbildung zum Schneidwerkzeugmechaniker. Darauf aufbauend bietet die Ausbildung zum Schneidwerkzeugmechaniker-Meister in der Meisterschule für Schneid- und Schleiftechnik in Bad Neustadt die solide Grundlage für einen langfristigen Berufserfolg. Auch wir als FDPW bieten mit der Fachakademie für Schneid- und Schleiftechnik regelmäßig eine Vielzahl von fachspezifischen Kursen und Seminaren an, dazu kommen zahlreiche Weiterbildungsangebote seitens der Maschinenhersteller und Zulieferer.

Wie sieht es denn bei den Berufseinsteigern aus?
Um es klar zu sagen: Wir würden gern deutlich mehr ausbilden, es fehlt allerdings auf breiter Front an Bewerbern. Hier spielt die demographische Entwicklung eine große Rolle, aber auch die abnehmenden fachlichen Kompetenzen der Schulabgänger ist oft ein Hindernis. Unsere Ausbildungsstatistik zeigt noch ein Minus von 3,3 Prozent im Vergleich zum Vorjahr – wir betrachten hier das jeweilige Schuljahr. Im gesamten Metall- und Elektrohandwerk hatten wir laut ZDH Berlin ein Minus von 2,0 Prozent zu verzeichnen. Wir hoffen, dass wir wieder mehr Jugendliche dazu motiviert bekommen, unser Handwerk zu erlernen.

Aber wie wollen Sie hier die Trendwende schaffen?
Wir müssen durch spezielle Marketingaktionen mehr auf unser Handwerk aufmerksam machen. Wir müssen es attraktiver darstellen, so, wie es dieses Berufsbild auch verdient: Der Schneidwerkzeugmachaniker bietet ein interessantes, anspruchsvolles und abwechslungsreiches Aufgabenfeld. Das ist allerdings unter den Jugendlichen viel zu wenig bekannt. Hier müssen wir ansetzen: Das „Wernesgrüner Werkzeugsymposium“, die vielen Aktionen der Jakob-Preh-Berufsschule in Bad Neustadt, die „Kampagne des Deutschen Handwerks“ sind Mittel und Wege, die wir nutzen, um die Jugendlichen zu erreichen. Eine wichtige Veranstaltung, bei der wir Menschen für unseren Beruf zu begeistern wollen, ist die Messe „GrindTec“, auf der ja auch der Wettbewerb „Werkzeugschleifer des Jahres“ seinen Platz hat.

Wie sehen Sie diesen Wettbewerb?
Die Veranstaltung „Werkzeugschleifer des Jahres 2014“ ist aus unserer Sicht eine wichtige Plattform, um die Vielschichtigkeit des Berufes zu zeigen. Hier können wir den hohen Anspruch verdeutlichen, dem unsere Mitarbeiter tagtäglich gerecht werden müssen. Deshalb stehen wir auch als Partner für diesen Wettbewerb zur Verfügung – unsere Vorstandsmitglieder bringen sich beispielsweise sowohl bei der Vorauswahl der Finalisten als auch beim Finale selbst mit ihrer Kompetenz ein.