Kenneth Sundberg (links), General Manager Global Business Development – Gear Milling Solutions Sandvik Coromant, und Axel Küpper, Senior Manager Marketing & Business Development Gear Milling Solutions Sandvik Coromant.

Kenneth Sundberg (links), General Manager Global Business Development – Gear Milling Solutions Sandvik Coromant, und Axel Küpper, Senior Manager Marketing & Business Development Gear Milling Solutions Sandvik Coromant.

Herr Sundberg, seit August 2009 leiten Sie den Bereich Verzahnungsfräsen bei Sandvik Coromant. Erklärtes Ziel war es, innerhalb von fünf Jahren eine führende Position in diesem Bereich einzunehmen. Wo sehen Sie sich aktuell positioniert?
Ich muss zugeben, dass das „Fuß fassen“ schwieriger als erwartet war. Vor allem zu Beginn mussten wir doch noch eine Menge lernen: über die Branche, über die Anwendungen und über die Kundenanforderungen. Außerdem war aufgrund der hohen Präzisionsanforderungen eine Optimierung unserer Fertigung notwendig. Unterm Strich haben wir aber alle Herausforderungen gemeistert, so dass wir heute von unseren Kunden als einer der führenden Hersteller im Bereich Verzahnungsfräsen wahrgenommen werden – und zwar als einer, der viele neue Lösungen und Ideen in den Markt gebracht hat und weiterhin bringt.

Herr Küpper, wie ist Sandvik Coromant heute im Bereich Verzahnungsfräsen aufgestellt?
Wir verfügen über ein 30-köpfiges Team von Verzahnungsexperten, das rund um die Uhr weltweit tätig ist. In unseren Fertigungsstätten auf der ganzen Welt fertigen spezialisierte Teams unsere leistungsfähigen Werkzeuge und Wendeschneidplatten. Das Verzahnungsfräsen ist heute also ein wirklicher Kernbereich von Sandvik Coromant.

Herr Küpper, im Fokus war die Entwicklung von Hartmetallwerkzeugen ab Modulbereich 4. Gilt dieser Bereich nach wie vor, oder haben Sie das Spektrum erweitert?
Beim Abwälzfräsen decken wir aktuell bereits den Modulbereich 4 bis 26 ab. Wir arbeiten aber bereits an einer Erweiterung auf Modul 3 bis 40. Durch Einsatz unserer Disc Cutter können wir problemlos Komponenten bis Modul 50 bearbeiten. Mit unseren flexiblen Konzepten wie beispielsweise der Verzahnungsmethode InvoMilling oder dem CoroMill 171 für die Spline-Bearbeitung erreichen wir sogar Modulgrößen kleiner 1.

Im Profil

Sandvik Coromant Gear Milling Solutions

In den letzten Jahren hat Sandvik Coromant im Bereich der Zahnradherstellung eine Vielzahl an innovativen Werkzeugen entwickelt, die speziellen Branchenkompetenzen in allen Konzernbereichen auf- und weiter ausgebaut sowie eine starke globale Verzahnungs-Organisation erfolgreich etabliert. Dabei arbeitete das schwedische Unternehmen nicht nur beim bereits herbeigeführten Technologiewandel von HSS-Werkzeugen zu Werkzeuglösungen mit Wendeschneidplatten eng mit Maschinen- und Zahnradherstellern auf der ganzen Welt zusammen. Heute unterstützt der Weltmarktführer für Werkzeuge, Werkzeuglösungen und Know-how in der metallbearbeitenden Industrie als führendes Unternehmen die Verzahnungsindustrie bei der Optimierung aller Produktionsprozesse und bietet einen noch nie dagewesenen Mehrwert: von der Beratung über fortschrittliche Werkzeug- und Schneidstofflösungen bis hin zu leistungsfähigen Fertigungsverfahren.
AMB Halle 1, Stand E52, Halle 7, Stand A01

Sie setzen ausschließlich auf Trockenbearbeitung. Was steckt hinter dieser Entscheidung?
Sundberg: Das ist nicht ganz richtig. Wir favorisieren die Trockenbearbeitung, weil Hartmetallwerkzeuge auf eine stetige Wärmezufuhr besser reagieren als auf permanente Thermoschocks. Außerdem ist, neben der enormen Einsparpotentiale, die Bearbeitung ohne Kühlschmierstoff schonender sowohl für die Gesundheit als auch für die Umwelt.
Küpper: Man muss an dieser Stelle aber betonen, dass eine Umstellung auf Trockenbearbeitung zwar immer wünschenswert, aber aufgrund von Parametern wie Maschine, Komponente oder Spanabfuhr nicht immer möglich ist.

Haben Sie sich mittlerweile auch den Automotivebereich erschlossen?
Sundberg: Ja, hier sind wir beispielsweise mit Lösungen für die Herstellung von größeren Zahnrädern für Lkw und andere Nutzfahrzeuge vertreten. Mit unserem Wälzfräser CoroMill 176 sowie unseren CoroMill 171 und 172 für die Spline-

Kuepper Sandvik Coromant

„Wir wollen die Verzahnungsindustrie mit den jeweils effektivsten Lösungen unterstützen.“
Axel Küpper, Gear Milling Solutions Sandvik Coromant

Bearbeitung bieten wir hocheffiziente Werkzeuge. Und auch im Bereich Wälzschälen verfügen wir über interessante Produktlösungen, die in den nächsten Monaten einem größeren Markt zur Verfügung stehen werden.

Sie haben sehr eng mit Voith Turbo und Heller bei den Werkzeuglösungen zusammengearbeitet. Stehen diese Kooperationen noch, oder haben Sie sich neue Partner ins Boot geholt?
Sundberg: Das stimmt, gemeinsam mit unseren Partnern haben wir eine Menge Entwicklungsarbeit geleistet. Leider hat sich die wirtschaftliche Situation in den Bereichen, in denen wir mit Voith Turbo gearbeitet haben, deutlich verschlechtert. Mit Heller arbeiten wir aber nach wie vor sehr eng zusammen. Beispielsweise ist die gemeinsam entwickelte uP-Gear-Technology für Kegelräder eine extrem leistungsfähige Technologie, die Gleason mit Sandvik Coromant als exklusiven Werkzeugpartner heute anbietet.
Küpper: Neben diesen starken, strategischen Partnerschaften ist uns die Zusammenarbeit mit innovativen Kunden enorm wichtig – gerade mit Blick auf die eigene stetige Weiterentwicklung.

Spielt das Thema Komplettlösung nach wie vor eine große Rolle?
Sundberg: Beim Verzahnungsfräsen ist das einzelne Produkt nie allein für den Erfolg verantwortlich. Denn Kunden, die zwar Spitzenprodukte einsetzen, aber die Komplettlösung außer Acht lassen, werden nicht erfolgreich sein. Es ist wichtig, dass das komplette System, also Maschine, Aufspannung, Schnittparameter und Werkzeug, betrachtet wird. Aus diesem Grund verkaufen unsere Spezialisten eigentlich keine Produkte, sondern immer Lösungen, die als Projekte betrachtet werden können. Darauf haben wir unsere gesamte Organisation, einschließlich unserer engen Beziehungen zu führenden Maschinenherstellern wie Klingelnberg und DMG Mori Seiki, ausgerichtet.

Wie steht es um Sonderlösungen?
Küpper: Mit Blick auf Effizienz und Kosten ist eigentlich alles Sonder, allerdings mit standardisierten Grundbausteinen.

Mit den CoroMill 170, 170 und 176 haben Sie innovative Lösungen für das Verzahnungsfräsen, welche die Bearbeitungszeiten reduzieren. Gibt es inzwischen neue Entwicklungen, mit denen Sandvik

Sandvik Coromant InvoMilling 1.0

Mit InvoMilling 1.0 bietet Sandvik Coromant ein
Lösungspaket mit Software, Werkzeug-Kit und
entsprechendem Know-how-Transfer.

Coromant überraschen wird?
Sundberg: Natürlich, schließlich steht der Name Sandvik Coromant in der Branche für erhebliche Investitionen in Forschung und Entwicklung. Mit InvoMilling ermöglichen wir beispielweise erhebliche Reduzierungen bei den Durchlaufzeiten – und zwar ohne Kompromisse in puncto Qualität. So kann ein neues Bauteil mit Standardwerkzeugen in nur wenigen Stunden komplett gefertigt werden. Für die Verzahnungsindustrie ist InvoMilling ein echter „Game Changer“.Und mit CoroMill 177 führen wir nach und nach innovative Lösungen für die Herstellung von Zahnrädern in den Modulgrößen 10 bis 40 ein. In der Windkraftindustrie ermöglichen wir so bereits Produktivitätserhöhungen um bis zu 50 Prozent und Verdoppelungen der Standzeiten. Weil zudem kein Schneidöl verwendet wird, können die Kosten dort drastisch reduziert werden. Wichtig ist, dass wir so dabei mithelfen, die Windkraftindustrie und damit die Windkraft als alternativer Energielieferant wettbewerbsfähiger zu machen.
Küpper: Ein weiteres großes und aktuelles Thema ist das Wälzschälen. Hier haben wir erste, bereits erfolgreich eingesetzte Lösungen, die wir in den kommenden sechs Monaten noch erweitern werden. Unser Fokus liegt auf der Massenfertigung im Modulbereich 2 bis 5. Mit Zeiteinsparungen von bis zu 80 Prozent gegenüber dem Räumen zeichnet sich ein Technologiewechsel ab, den wir gerne weiter vorantreiben.

Welche allgemeinen Trends sehen Sie auf uns zukommen?
Küpper: Unserer Meinung nach gibt es zwei Haupttrends: Zum einen wird es weitere Fortschritte in der konventionellen Fertigung von Verzahnungen geben. Beispielsweise haben wir in den Bereichen Abwälzfräsen und Disc Cutting neue Konzepte vorgelegt, die vor allem mit innovativen Wendeplattensorten überzeugen. Daneben wird die flexible Bearbeitung auf Mehrachszentren immer wichtiger. Auch hier belebt Sandvik Coromant den Markt stetig mit fortschrittlichen Ideen.
Sundberg: Ja genau, bereits heute muss allen Akteuren klar sein, dass nur diejenigen Unternehmen langfristig erfolgreich sein werden, die ihren Kunden und Partner in beiden Bereichen einen echten Mehrwert bieten können. Weil außerdem zukünftig erhöhte Anforderungen hinsichtlich der Umweltbestimmungen und der Effizienzgrade zu erwarten sind und auch die Wettbewerbssituation sicherlich nicht einfacher wird, wollen wir die Verzahnungsindustrie mit den jeweils effektivsten Lösungen unterstützen. Denn Sandvik Coromants Reise in die Welt der Verzahnung ist noch lange nicht zu Ende.