Firmenchef Clemens Güntert (Mitte) erläutert den FDPW-Mitgliedern, wie die prozessorien-
tierte Produktion bei Schwanog läuft.

Firmenchef Clemens Güntert (Mitte) erläutert den FDPW-Mitgliedern, wie die prozessorien- tierte Produktion bei Schwanog läuft.

Die beste Bildung, hat Goethe einmal geschrieben, findet ein gescheiter Mensch auf Reisen. Diesen plakativen Satz schienen die Teilnehmerinnen und Teilnehmer der diesjährigen FDPW-Inforeise im Gepäck zu haben, als sie am Freitag, den 25. Oktober 2015 in Villingen-Schwennigen ihre schon traditionelle Herbsttour mit einem Besuch beim Präzisionswerkzeughersteller Schwanog, Siegfried Güntert GmbH, eröffneten. Los ging es am Nachmittag mit einem spannenden Vortrag, in dem Geschäftsführer Clemens Güntert erklärte,

wie man im Hochlohnland Deutschland präzise Zerspanungswerkzeuge zu absolut wettbewerbsfähigen Preisen herstellen kann. Mehr als 400 000 Profile für Formwendeplatten und Stechplatten sind bei Schwanog abruf- und produzierbar.

„Dabei liegen die üblichen Losgrößen, die unsere Kunden ordern, zwischen drei und 50 Profilplatten“, erklärt Güntert. „Bei mehr als 10 000 Einzelaufträgen pro Jahr steht für uns der optimal

Clemens Güntert und Prof. Dr. Wilfried Saxler

Clemens Güntert (links), Geschäftsführer
Schwanog, und Prof. Dr. Wilfried Saxler vom FDPW bei der Begrüßung in Obereschach.

durchorganisierte Produktionsprozess im Fokus. Einen modernen Maschinenpark hinstellen kann jeder, das Know-how für den Erfolg von Schwanog liegt im Prozess und in der Qualität!“

Hochpräzise Zerspanungswerkzeuge

1946 vom Großvater Oscar Güntert gegründet, konzentriert sich Schwanog seit 1997 ausschließlich auf die Produktion hochpräziser Zerspanungswerkzeuge. Der Schwerpunkt liegt dabei auf

Profilplatten. Mehr als 100 qualifizierte Spezialisten sorgen am Stammsitz Obereschach und in Niederlassungen in den USA, Frankreich und China dafür, dass jeder Kunde genau das Werkzeug bekommt, das er braucht.

Angesprochen auf das Stichwort Industrie 4.0 lächelt der Firmeninhaber verschmitzt: „Die vernetzte Fertigung ist bei uns längst Alltag. Anders könnten wir ab Losgröße 1 niemals wirtschaftlich fertigen. Vom Auftragseingang über die Konstruktion bis zur Steuerung unserer Maschinen und der Auftragsabrechnung haben wir einen durchgängigen Datenfluss.“ Während also gerade überall die Industrie-4.0.-Taskforces aus dem Boden sprießen, sprechen bei Schwanog die Maschinen schon lange miteinander.

Die FDPW-Mitglieder waren sichtlich beeindruckt von der prozessorientierten Produktion, aber auch von der Offenheit, mit der Güntert seine Gäste informierte. Der professionelle Eindruck

Clemens Güntert

„Neben einer exzellenten Hardware, sprich Schleif- und Erodiermaschinen, kommt es für eine effiziente Produktion vor allem auf die Software an.“
Clemens Güntert

setzte sich beim Betriebsrundgang fort. Herzstück der Schwanog-Fertigung ist das Schleifzentrum, wo rund 20 zum Teil vollautomatisierte 5-Achs-CNC-Schleifmaschinen von Haas sowie diverse Erodier- und Fräsmaschinen für Präzision und Produktivität in der Fertigung sorgen.

Abschließende Diskussion

In der abschließenden Diskussion im Schwanog-Konferenzzentrum war Firmenchef Güntert sehr auskunftsfreudig zu den technischen und organisatorischen Fragen der FDPW-Mitglieder. Drei Aspekte hob er besonders hervor, ohne die Schwanog nicht so erfolgreich wäre, auch gerade im Wettbewerb mit asiatischen Firmen: „Neben einer exzellenten Hardware, sprich Schleif- und Erodiermaschinen, kommt es für eine effiziente Produktion vor allem auf die Software an. Das geht von der Schleif- und Steuerungssoftware bis hin zu unseren ERP-Systemen, die von unseren Maschinensteuerungen mit den benötigten Fertigungsdaten versorgt werden.“

Haas-Vorführraum

Am liebsten immer dicht an der Maschine: Die Schleifprofis vom FDPW im Haas-Vorführraum.
Bilder: Kraas

Und dann, betont Güntert, „sind da noch unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die wir hegen und pflegen. Was nützt uns die beste Schleifmaschine, wenn der Maschinenbediener nicht weiß, wie man das Maximale aus der Maschine rausholt?“

Gute Leute zu bekommen, ist auch für einen Spitzenbetrieb wie Schwanog nicht einfach, weshalb das Unternehmen viel in Aus- und Weiterbildung investiert. Wie wichtig der Unternehmensleitung die Pflege des Teamgeists ist, zeigen auch zahlreiche Aktivitäten außerhalb des Arbeitsalltags. Man geht beispielsweise zusammen Joggen, Ski fahren, auf die Fasnet oder unternimmt auch mal einen Ausflug in den Europapark.

Nachdem die FDPW-Mitglieder am ersten Tag ihrer Inforeise gesehen hatten, wie man Präzisionswerkzeuge mit modernden CNC-Schleifmaschinen wirtschaftlich herstellt, konnten sie sich am Samstag ein Bild davon machen, wie und wo diese Schleifmaschinen entwickelt und gebaut werden. Gerade mal 14 Kilometer vom Schwanog-Firmensitz befindet sich der neue Hauptsitz der Haas Schleifmaschinen GmbH.

In der Trossinger Adelbert-Haas-Straße produziert Haas auf rund 5000 m2 Fläche rund 80 Multigrind-Schleifmaschinen pro Jahr. Die jüngste Entwicklung, das kompakte Schleifzentrum Multigrind

Georg Pirthauer und Thomas Bader

Schleifexperten unter sich: Georg Pirthauer (hinten links) vom FDPW und Thomas Bader, Geschäftsführer Haas Schleifmaschinen GmbH.

CU, richtet sich dabei gezielt an die Hersteller von Präzisionswerkzeugen für die Zerspanung, sprich auch an zahlreiche Mitglieder im FDPW. Aufgrund der geringen Stellfläche und der geschlossenen Seitenflächen kann die CU auch in Reihe als Produktionsstraße aufgestellt werden. Dies dürfte wiederum die Volumenhersteller von Zerspanungswerkzeugen interessieren.

Flaggschiff Multigrind CB

Die mittlere Maschine, Multigrind CA, ist darüber hinaus prädestiniert für die Hersteller von Bauteilen für die Medizintechnik, Energiebranche und die Luft- und Raumfahrttechnik. Das Flaggschiff der Familie, die Multigrind CB, findet man hauptsächlich bei den Herstellern von Implantaten, medizinischen Werkzeugen, Turbinenkomponenten, Wälzfräsern und Getriebeteilen. „Wer präzise und wirtschaftlich schleifen will, braucht aber nicht nur eine gute Schleifmaschine, sondern auch eine leistungsstarke, aber einfach zu handhabende Schleifsoftware”, so Thomas Bader in seinem kurzweiligen Einführungsvortrag. Deshalb habe sich Haas dazu entschlossen, eine eigene, völlig neue und geometriebasierte Schleifsoftware zu entwickeln.

Claus Itterheim und Dirk Wember

Anregender Austausch zum Thema Schleifsoftware: Claus Itterheim (links), ISBE, und Dirk Wember von Haas.

Eingeführt wurde die Schleifsoftware Multigrind Horizon im Jahr 2012 auf der Messe GrindTec. Mittlerweile läuft die Software auf allen Haas-Maschinen und ist bis auf ganz wenige Ausnahmen für alle Anwendungen einsetzbar. Die Leistungsfähigkeit dieser Software hat sich übrigens nicht nur bei Haas-Kunden herumgesprochen, sondern auch bei anderen Schleifmaschinenherstellern. Was es mit der Haas-Schleifsoftware genau auf sich hat, ließen sich die FDPW-Mitglieder vom Haas-Software-Chef Wolfram Hermle erklären.

Das Team von Haas hatte sich für den FDPW richtig ins Zeug gelegt und ein gehaltvolles Programm erstellt. Angeboten wurden: Ein Vortrag zum Thema Schleifsoftware, ein Referat zum Thema Spann-Technologie, Schleifvorführungen an der Maschine sowie die Möglichkeit, sich die getaktete Fließfertigung erklären zu lassen. Im Zentrum der Arbeit bei Haas steht dabei immer der passende Schleifprozess, den die Haas-Ingenieure mit ihren modular aufgebauten Maschinen, der Schleifsoftware und ihrem Technologie-Know-how entwickeln und implementieren.

Für alle Fragen der Besucherinnen und Besucher hatten die beiden Geschäftsführer Thomas Bader und Dirk Wember sowie die anwesenden Haas-Mitarbeiter ein offenes Ohr. Im Laufe des Vormittags ergaben sich so immer wieder interessante Fachgespräche. So verging der Vormittag mit einem dichten Programm in angenehmer, offener Atmosphäre. Georg Pirthauer und Wilfried Saxler vom FDPW-Vorstand bedanken sich für Gastfreundschaft und Offenheit beim FDPW-Fördermitglied Haas Schleifmaschinen GmbH. Alles in allem war die von Sabine Saxler organisierte FDPW-Inforeise 2015 eine sehr lehrreiche Veranstaltung.
Norbert Kraas

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