Kompetenz ausgebaut

Bislang fertigte Lerchenmüller aus Bernbeuren eine Vielzahl an Präzisionsteilen vor allem per spitzenlosem Rundschleifen für Branchen wie den Maschinenbau, den Werkzeugbau oder die Medizintechnik. Um flexibler auf dem Markt agieren zu können, stand eine Investition zum Spitzenschleifen an. Die Wahl fiel auf eine Kel-Viva UR 175/1000 von Kellenberger, die als CNC-Universalschleifmaschine ideal zu den Anforderungen von Lerchenmüller passte.

Ausgestattet ist sie etwa mit einem Schleifkopf mit 7,5 kW Antriebsleistung, einem wassergekühlten und feinstgewuchteten Antriebsmotor sowie einem stufenlosen Antrieb der Außen- und Innenschleifspindeln. Die Maschine kann Schleifscheiben mit einem Durchmesser 400 x 63 mm oder 500 x 80 mm aufnehmen. Im UR-Schleifkopf sind Hochfrequenz-Innenschleifspindeln verbaut.

Die integrierte B-Achse ermöglicht das automatische Anfahren beliebiger Winkelpositionen. Ein Präzisions-Schneckengetriebe und eine verzugsfreie Klemmung garantieren höchste Positioniergenauigkeit. Und die umfangreiche Software unterstützt den Bediener.

Die flexible und schwenkbare B-Achse ermöglicht Lerchenmüller das Innen- und Außenschleifen.

„Die B-Achse ist ein deutlicher Pluspunkt der Kel-Viva“, betont Richard Lerchenmüller, Unternehmensgründer und Geschäftsführer. „Damit können wir nun auch Innen- und Außenschleifen anbieten.“ Auch das Unrund-, Gewinde-, Schulter- oder Kegelschleifen soll mit der flexiblen Maschine problemlos gelingen. „Die Universalmaschine bietet eine hohe Flexibilität für unterschiedlichste Anforderungen“, beschreibt der Unternehmer.

Umfangreiches Produktspektrum
Bisher fertigte das Unternehmen ein umfangreiches Spektrum von Prototypen bis zur automatisierten Großserie mittels einer Vielfalt an Schleifbearbeitungen auf unterschiedlichen Schleifmaschinen. Auftraggeber unterschiedlichster Größe kommen aus dem Automobilbereich sowie aus dem Maschinen- und dem Werkzeugbau. „Wir bearbeiten jegliche Metalle, daneben auch Wolfram, Molybdän, Glas, Kunststoffe und Hartmetalle“, beschreibt Lerchenmüller das Teilespektrum. Die Kernkompetenz lag und liegt nach wie vor in der Spitzenlos-Bearbeitung. Sie soll jedoch mit Hilfe der Kel-Viva im Bereich des Spitzenschleifens deutlich erweitert werden.

Die Maschine verfügt über eine automatische Schleifscheibenvermessung.

Die CNC-Universalrundschleifmaschine verspricht aufgrund der hydrostatischen Führungen und der konsequenten Trennung der Maschinenbasis von wärme- und schwingungserzeugenden Komponenten höchste Präzision und Produktivität. Eine Dreipunktauflage wird erst durch die hohe statische und dynamische Steifigkeit des Maschinenbettes ermöglicht. Grundlage für die hohe Genauigkeit bilden die hydrostatischen Führungen für die Tischlängsbewegungen und die Schleifschlittenzustellung. Daher erfolgen die Bewegungen in den X- und Z-Achsen bei allen Geschwindigkeiten praktisch reibungsfrei mit verfahrbaren Schritten von 0,1 μm.

Laut Lerchenmüller gibt es nur wenige Lohnfertiger, die derart große Maschinen wie die Kel-Viva einsetzen. „Es ist wichtig, mit Besonderheiten zu punkten und sich gerade bei besonderen Teilen zu profilieren“, beschreibt er den Grund der Investition. „Nur so lässt sich die eigene Kompetenz weiter ausbauen. Es können Teile gefertigt werden, die andere Unternehmen nicht anbieten“, erläutert er weiter. Die Vielfalt an Bearbeitungsmöglichkeiten zu erhöhen und zugleich das Fachwissen des eigenen Personals zu verbessern ist für ihn daher ein wichtiger Faktor.

Der Schwenkwinkel des Schleifkopfes lässt sich beliebig einstellen, ein erneutes Kalibrieren der Schleifscheibe entfällt.

Messen auch in der Maschine
Daher ging es mit der Kellenberger CNC-Universalschleifmaschine Kel-Viva dann auch sehr schnell. Im April 2012 gekauft, fand sie schon Ende Juli ihren Platz in der neuen Fertigungshalle von Lerchenmüller. Diese war 2011 zur Vergrößerung der Produktionsfläche geplant und kurz nach Einzug der Kel-Viva im August 2012 fertiggestellt worden. Gleich neben der Kellenberger-Maschine befindet sich der neue Messraum mit einer Vielzahl an Messgeräten, um die geforderten Qualitäten sicherzustellen. Für Lerchenmüller ist es wichtig, dass seine Mitarbeiter nicht nur schleifen, sondern auch messen können. Qualitätssicherung hat bei Lerchenmüller eine große Bedeutung.

Mit dem Kel-Set bietet die Kel-Viva eine automatische Schleifscheibenvermessung. Die Messkugel und die Schleifscheiben werden automatisch angefahren und deren Position in der Steuerung gespeichert. Beim Schwenken des Schleifkopfes in beliebige Winkellagen werden die Positionen der Schleifscheibenkanten automatisch verrechnet.

Die Kel-Viva nimmt Schleifscheiben mit Durchmesser 400 x 63 mm oder 500 x 80 mm auf. Hydrostatische Führungen sorgen für die hohe Genauigkeit.

Weitere Vorteile für den Anwender sind die Programmierung mit den effektiven Maßen nach der Werkstückzeichnung und unabhängig vom Schwenkwinkel des Schleifkopfes sowie die einfache und schnelle Erfassung der Schleifscheibendaten beim Umrüsten der Maschine. Auch ist ein erneutes Kalibrieren der geschwenkten Schleifscheibe nicht erforderlich.

In anderen Bereichen setzt der Unternehmer bereits auf ein hohes Maß an Automation. „Die Kel-Viva wird derzeit aufgrund der kleinen Losgrößen sowie den darauf gefertigten Prototypen noch manuell bestückt“, beschreibt Lerchenmüller. „Die Auslastung soll aber noch erheblich gesteigert werden.“

Die auf der CNC-Universalschleifmaschine gefertigten Teile finden ihre Anwendung neben der Medizintechnik und im Maschinenbau auch im Elektroauto. „Auch Sonderformen können kostengünstig auf der Maschine realisiert werden und bieten dem Auftraggeber dadurch Fertigungsvorteile“, sagt der Geschäftsführer.

Die Voraussetzungen dafür bringt die Maschine aufgrund der robusten Konstruktion auf schwenkbarem Unterteil mit. So verhindern zum Beispiel Sperrluftdichtungen das Eindringen von Schmutz und Wasser sowie die Bildung von Kondenswasser. Durch vorgespannte, hochgenaue Wälzlagerung erreicht die Maschine eine hohe Rundheit- und Formengenauigkeit. Und beim Fliegendschleifen etwa liegt die Rundheit am Werkstück in der Regel < 0,5 μm.

„Mit den Bearbeitungsmöglichkeiten der Universalschleifmaschine Kel-Viva wollen wir die Kompetenz des Unternehmens auf eine breitere Basis stellen, um so als Lohnfertiger noch flexibler auf dem Markt agieren zu können“, zieht Lerchenmüller sein Fazit. Die Kel-Viva kann einen großen Bereich an zu fertigenden Teilen abdecken. Das Ziel ist eine Diversifikation in neue Teile und Bearbeitungsmöglichkeiten dank der neuen Möglichkeiten der Kellenberger-Maschine. Diese soll im 2- oder gar 3-Schicht-Betrieb eine deutlich höhere Auslastung erfahren.