Sechs Fragen an den Software-Chef bei Haas-Schleifmaschinen

Wolfram Hermle Interview
Kann stundenlang über komplexe Algorithmen nachdenken und das Ergebnis verständlich erklären: Wolfram Hermle. - Bild: Kraas & Lachmann

Herr Hermle, wann haben Sie begonnen, die Haas-Schleifsoftware Multigrind Horizon auf 64-Bit-Architektur auszulegen?
Eigentlich von der Stunde 0 an. Wir legen bei Haas großen Wert auf Kompatibilität. Wir verwenden prinzipiell keine exotischen Datenstrukturen, die einen Umstieg auf andere Datenbandbreiten erschweren.

Ist die gesamte Schleifsoftware von Haas auf 64 Bit ausgelegt?
Nahezu! Wir arbeiten noch an der Kompatibilität der Datenstrukturen von Bestandskunden, die zum Teil noch Daten in 32- oder gar 16-Bit-Struktur haben.

Wie wirkt sich die 64-Bit-Architektur auf die tägliche Arbeit der Haas-Anwender aus?
Eigentlich soll der Nutzer bewusst nichts davon mitbekommen – außer dem Genuss, dass er eben nicht so schnell an Grenzen stößt, dass die Graphiken und Simulationen brillanter werden und dass eben alles etwas schneller gehen kann.

Wolfram Hermle
Wolfram Hermle, Software-Chef, erklärt Funktion und Vorzüge der Haas-Schleifsoftware Multigrind Horizon. - Bild: Kraas & Lachmann

Gibt es Schleifaufgaben, die besonders von 64 Bit profitieren?
Bei der Bearbeitung komplexer Strukturen, die eventuell als CAD Solid vorgegeben werden, konnte man bis dato schon mal die Grenzen erfahren. Da sollte das Arbeiten auf der großen „64-Bit-Autobahn“ viel mehr Spaß machen.

Was ist aus Ihrer Sicht wichtiger, die Schleifsoftware oder die Mechanik der Schleifmaschine?
Wir bewegen uns mit unseren Produkten in einer realen Welt. Wir haben reale Werkstücke, reale Werkzeuge, reale Prozesse und eben auch reale Maschinen. Solange wir uns in der realen Welt bewegen, stellt sich diese Frage eigentlich nicht. Zweifellos müssen immer beide Faktoren, Schleifsoftware und Schleifmaschine, höchsten Ansprüchen genügen und mit den Herausforderungen „wachsen“.

Wissen Sie eigentlich noch, wie groß die Festplatte Ihres ersten Computers war?
Festplatten waren schier unerschwinglich. Floppylaufwerke waren die Antwort. Ich hatte zwei Stück davon, da passten ganze 364 kB drauf. Aus heutiger Sicht ein Witz. Wir haben wirklich die Bytes gezählt, um Platz zu sparen. 1 MB Speicher kostete damals rund 5 Mark (2,56 Euro), und es wurde ernsthaft behauptet, dass man an diesen Preisen nichts mehr ändern könne. Arbeitsspeicher war damals schon 1 MB. Aber das ist ja auch schon 1,7 × 213 Tage her.