ProfiCoach für Routiniers

Beim Normteilewerk Robert Blohm in Büchen entstehen DIN-Bohrbuchsen in allen Facetten, die vor allem in den Handel gehen und in verschiedensten Branchen Verwendung finden. Neben diesem ursprünglichen Geschäftsfeld hat sich indes in den vergangenen Jahren auch die Fertigung von Zeichnungsteilen für Kunden aus unterschiedlichsten Industriezweigen etabliert, sie macht inzwischen rund 50 Prozent des Umsatzes aus. „Allen Teilen gemeinsam ist, dass sie rotationssymmetrisch sind“, erklärt Stephan Blessing, einer der Geschäftsführer. „In der Regel liegen die Außendurchmesser zwischen 4 und 100 mm, die Länge reicht bis 800 mm bei Aspektverhältnissen bis 30xD.“

Speziell die Zeichnungsteile verlangen oft nach kleinen Toleranzen – meist sind 5 µm gefordert, in Ausnahmefällen geht man in Büchen aber auch bis auf 2 µm. Die Zeichnungsteile – beispielsweise Wellen für Elektromotoren – verlangen oft hohe Oberflächengüten. „Mit unseren Studer-Rundschleifmaschinen – wir arbeiten auf einer S31, die 2007 über die Studer-Werksvertretung Otto Warncke ins Haus kam, sowie auf zwei 2010 und 2012 ebenfalls dort beschafften S33 – erreichen wir in der Serienfertigung Ra 0,2, wenn notwendig schaffen wir auch Ra 0,15“, erläutert Blessing. „Unsere Losgrößen liegen hier meist zwischen 100 und 10 000 Teilen.“

Meine Meinung

Erfahrene Schleifer definieren sich selbst oft sehr stark über ihr Können und Wissen. Kein Wunder, dass es „intelligente“ Softwaresysteme gerade hier schwer haben, gegen in langen Jahren selbst erworbene Erfahrung zu überzeugen. Es gehören ja durchaus Mut und vor allem das richtige Augenmaß dazu, die gewohnten Bahnen zu verlassen, den Vorschlägen aus dem Computer zu vertrauen und sie mit der eigenen Erfahrung so zu kombinieren, dass eine optimale Bearbeitung dabei herauskommt. Wenn man sich jedoch darauf einlässt, können überraschend große Potenziale erschlossen werden. Das kommt nicht von ungefähr – wer die Software richtig nutzt, stützt sich auf die Erfahrung zahlreicher versierter Kollegen: Schließlich steckt etwa in „StuderTechnology“ das geballte Know-how aus langjährigen Versuchen der Schleifexperten bei Studer, das zudem immer wieder über neue Experimente und vor allem auch die Rückmeldungen der Anwender aktuell gehalten wird.
Richard Pergler, Redaktion fertigung

Zwei Studer S33 (links) und eine S31 sind bei Blohm für das Rundschleifen der Zeichnungsteile im Einsatz.

Potenziale erschließen sich schnell
Blessing, dessen Familie weitere Unternehmen in Süddeutschland gehören, kannte und schätzte die Leistungsfähigkeit und Zuverlässigkeit der Studer-Maschinen bereits vorher. „Die Einführung hier in Büchen war kein Problem – die Bediener identifizierten sich sofort mit ihrer neuen Maschine und konnten sich schnell die Potenziale und die Leistungsfähigleit der Studer-Maschinen zunutze machen“, erklärt der Geschäftsführer. „Dazu haben sicher auch die intensiven Schulungen beim Hersteller und hier im Werk sowie die leichte Bedienbarkeit der iconbasierten Programmiersoftware StuderGrind beigetragen.“

Im Schleifbereich wird bei Blohm dreischichtig gearbeitet, zwei Bediener sind jeweils für die drei Maschinen verantwortlich. Die Teammitglieder – alles qualifizierte und engagierte Facharbeiter – organisieren sich selbst. Der Austausch in und zwischen den Teams läuft sehr offen. Die Programme erstellen die Schleifer selbst – entweder an einem Offline-Programmierplatz oder direkt an der Maschine.

Geschäftsführer Stephan Blessing (links) und Werksleiter Rüdiger Leo sind überzeugt von der hohen Bearbeitungsqualität, die die Studer-Rundschleifmaschinen wirtschaftlich ermöglichen.

Als die erste Studer S33 mit dem neuen StuderTechnology ins Unternehmen kam, setzten sich die Schleifexperten mit den neuen Features des Pakets, das intelligente Schleifstrategien vorschlägt sowie umfangreiche Möglichkeiten zur Simulation und zur Berechnung von Schleifzeiten und Stückkosten bietet, sehr unvoreingenommen auseinander. „Die in StuderTechnology hinterlegten Routinen sind nachvollziehbar“, erklärt Blessing. „Das System schlägt plausible Wege vor, die schnell zum gewünschten Ergebnis führen. Davon profitieren auch erfahrene Programmierer.“

Deutlich kritischer waren hingegen die Reaktionen bezüglich der vorgeschlagenen Bearbeitungsparameter: „Die waren aus Sicht der versierten Bediener oft viel zu progressiv“, erinnert sich Blessing. „Die Werte erschienen, gemessen an der eigenen Erfahrung, als viel zu hoch und wurden zunächst manuell nach unten korrigiert – schließlich war man überzeugt, dass nur so optimale Ergebnisse zu erzielen sind.“

Sehr schnell aber siegte die professio­nelle Neugier: Wenn schon, so die Überlegung, die Studer-Software so herausfordernde Werte vorschlägt, dann soll sich doch die Studer-Maschine daran die Zähne ausbeißen. So wurden die vorgeschlagenen Parameter bei der Bearbeitung übernommen, und mit großer Skepsis und dem Finger an der Notaus-Taste wartete man darauf, dass die Bearbeitung schiefging.

Tat sie aber nicht, ganz im Gegenteil: Mit den progressiven Parametern ging die Maschine optimal zu Werk und lieferte in einer Zeit, die die Bediener vorher nie für möglich gehalten hatten, sehr brauchbare Ergebnisse. Das kommt nicht von ungefähr: In das Softwarepaket StuderTechnology fließt kontinuierlich die Erfahrung aus zahllosen Schleifversuchen bei Studer ein. Die Experten des Schleifmaschinenherstellers optimieren die Parameter ständig, so dass sich aus den Vorschlägen des Systems eine sehr solide Grundlage für die Bearbeitung ergibt.

Profiwissen pur

Software-Suite StuderGrind
Die Schleifprogrammiersoftware StuderGrind lässt sich je nach Bedarf modular erweitern und auf den gewünschten Anwendungsfall hin abstimmen. So kann der Bediener seine Maschine für nahezu jede Bearbeitung optimal konfigurieren. Hier die einzelnen Module:

  • StuderTechnology bietet Know-how zu Schleiftechnologien, berechnet Schleifzeiten und Stückkosten und erlaubt umfassende Simulationen
  • StuderDress unterstützt rationelles Profilieren und Umprofilieren von Schleifscheiben
  • StuderContour ermöglicht einfaches und wirtschaftliches Schälschleifen, Balligschleifen und Konturlängsschleifen
  • StuderThread verwandelt die Universalrund- in eine Gewindeschleifmaschine
  • StuderForm ist eine Unrund-Schleifsoftware zur Bearbeitung von Kurven und Polygonen (auch als StuderForm HSM für High-Speed-Machining erhältlich)
  • StuderPunch ist eine sehr flexible hochautomatisierte Lösung zum Schleifen von Press- und Stanzstempeln

Screenshot Zyklenmaske: Per Pictogramm lassen sich sehr leicht die Grundfunktionen in einem Programm anlegen.

„Heute sind die Vorgaben aus der Software bei uns die Grundlage nahezu einer jeden Schleifprogrammierung“, erklärt Blessing. „Rund 80 Prozent der Arbeit sind hier schon getan, die restlichen 20 Prozent sind die Optimierungen auf den konkreten Anwendungsfall hin, bei der die Bediener ihr Know-how sehr zielgerichtet für die Prozesse einsetzen können, die für Bearbeitung und Qualität entscheidend sind.“

Umfassende Simulation
Nicht nur bei der Bearbeitung bringt das Technologie-Modul Vorteile: Neben umfassenden Möglichkeiten zur Simulation, die insbesondere mit dem virtuellen Maschinenraum das Einrichten rationeller gestalten und die Nebenzeiten auf ein Minimum reduzieren, erlaubt es auch eine sehr genaue Berechnung der Schleifzeiten und Kosten für das Werkstück. „Und zwar inklusive der sehr realistisch angesetzten Nebenzeiten“, erklärt Blessing. „So können wir schon im Vorfeld mit Daten kalkulieren, die sehr nahe an den tatsächlichen Werten liegen.“

Die Simulation ermöglicht dem Bediener eine genaue Beurteilung der Bearbeitung bereits im Vorfeld des Schleifvorgangs.

Die Software hat das Know-how der Bediener deutlich nach vorn gebracht: „Das ist wohl in vielen Unternehmen so“, glaubt Blessing. „Irgendwie bleiben einem Bediener die Limits der Maschinen, mit denen er früher gearbeitet hat, im Hinterkopf. Auch, wenn die neuen Maschinen viel leistungsfähiger sind – man tastet sich da sehr vorsichtig an vermeintlich optimale Strategien heran und lässt doch das Potenzial der Maschinen weitgehend ungenutzt. StuderTechnology ist für uns ein wichtiger Schritt, diese Hürden zu überwinden und die Potenziale unserer neuen Maschinen umfassend zu erschließen. Auf unserer neuesten S33 nutzen wir deshalb die Online-Version StuderTechnology Integrated direkt zur Programmierung auf der Maschinensteuerung.“

Die „Optimierungszyklen“ nach dem Einrichten sind nahezu verschwunden, die Bediener verwenden inzwischen weitestgehend die von der Schleifsoftware vorgeschlagenen Werte. „Wir haben nicht nur unsere Rüstzeiten deutlich verkürzen können“, zieht Blessing Bilanz. „Das Vertrauen in die Parameter aus StuderTechnology zahlt sich aus – in vielen Fällen konnten wir damit die Schleifzeit glatt halbieren.“