Effizientes Raumwunder

Mit dem Rotationsladesystem, kurz RLS, bietet Liebherr den kostengünstigen Einstieg in die hocheffiziente Produktion mit ein oder zwei Maschinen – für eine Auslastung von über 90 Prozent. Die Laufzeiterweiterung einer Maschine durch das RLS macht in manchen Fällen die Investition in eine weitere Maschine komplett überflüssig. Die Lösung ist deutlich wirksamer als marginale Produktivitätssteigerungen, die beispielsweise durch Optimierungen der NC-Programme oder der Werkzeuge von handbeladenen oder teilautomatisierten Maschinen entstehen könnten. Es können ein oder zwei BAZ angedockt werden.

Ab Losgröße 1 setzt das RLS erhebliche Effizienzpotenziale frei. Der Bediener kann die Laufzeit der Maschine für andere Aufgaben in der Produktion nutzen – die Rüstkosten gehen daher nicht in den Maschinenstundensatz ein. Das System ist ausgelegt für Werkstückgewichte bis 800 (RLS 800) beziehungsweise 1500 kg (RLS 1500) und Abmessungen bis Durchmesser 1300 mm.

„Die Formel ist einfach“, rechnet Stefan Jehle, Gebietsverkaufsleiter Automationssysteme bei Liebherr-Verzahntechnik: „Optimale Maschinenauslastung und reduzierter Personalbedarf ergeben sinkende Stückkosten – bis zu 20 Prozent.“ So amortisiert sich die Investition in der Regel in weniger als zwei Jahren. Zudem verbessert das System die Lieferfähigkeit und ermöglicht kurzfristige und flexible Reaktionen auf anwenderseitige Nachfrageveränderungen.

Kostengünstige Einstiegslösung
Das RLS ist für Anwender mit sehr kleinen Losgrößen (ab Losgröße 1) beziehungsweise Kleinserienfertiger eine kostengünstige Einstiegslösung. „Das sind beispielsweise Lohnfertiger mit 20 bis 30 Mitarbeitern oder Werkzeug- und Formenbauer, die individuelle Bauteile mit sehr langen Lauf- und Rüstzeiten sowie sehr hohen Zerspanleistungen fertigen“, beschreibt Stefan Sattelmayer, Vertrieb Automationssysteme bei Liebherr-Verzahntechnik, das Spektrum der Anwender, zu dem beispielsweise auch Betriebe zählen, die erste Erfahrungen in der automatisierten Fertigung sammeln möchten.

Die Lösung ist auch für Einbindung von Bestandsmaschinen ausgelegt. Mit geringem Aufwand auf Maschinenseite lässt sich das System für ältere Maschinen anpassen. Liebherr prüft dies im Vorfeld anhand des bestehenden Produktions- und Maschinenlayouts. Meist sind es einige wenige mechanische Anpassungen, um die Zugänglichkeit herzustellen. Bearbeitungsparameter wie NC-Programme und Werkzeugdaten verbleiben im gewohnten Umfeld auf der Maschine und werden unkompliziert über eine Profibus-Schnittstelle mit dem RLS verbunden.

Kompakte Abmessungen
Es besteht eine gute Relation zwischen Grundinvest und Speichervolumen. Die innovative Rundspeicherlösung von Liebherr eignet sich aufgrund ihrer kompakten Abmessungen und der hohen Speicherdichte auch für Anwender, für die ein lineares System nicht infrage kommt. Die Regalspalten des Systems sind modular konzipiert, so dass auch individuelle Anwenderwünsche bedient werden können. Auch die Auslegung der Regale erfolgt mit Blick auf die jeweilige Anforderung. Bis zu 24 Speicherplätze auf der minimalen Grundfläche sichern ausreichenden Arbeitsvorrat für die Überbrückung einer kompletten dritten Schicht. Anwender, die in ihrer Fertigung möglicherweise nur einen Anwendungsfall haben, der infrage kommt, profitieren von der Einstiegslösung – dort, wo beispielsweise nicht die gesamte Produktion auf die Automation ausgerichtet werden soll.

Das RSL deckt mit den beiden Baugrößen eine große Bandbreite von Maschinen unterschiedlicher BAZ-Hersteller ab. Bilder: Liebherr

Auch nach der ersten Inbetriebnahme bleibt das RLS flexibel. Der nachträglich ergänzbare Rotationsspeicherturm RST erhöht die Anzahl der Speicherplätze auf kleinstem Raum. „Diese Flexibilität erlaubt die einfache Erweiterung des Systems für mehr Speicherplätze oder eine zweite Maschine – bei nur minimal höherem Platzbedarf schafft er Raum für bis zu 18 weitere Speicherplätze. Zu der Flexibilität bei der grundsätzlichen Auslegung kommt somit noch der wichtige Faktor Zukunftssicherheit – ein Punkt, an dem vergleichbare Systeme am Markt eingeschränkt sind“, erläutert Sattelmayer. Alle Komponenten sind für das Einbinden beliebiger Maschinenkonturen bereits vorkonfiguriert. Bei Bedarf können die Anwender bis zu zwei Speichertürme nachrüsten. Die Form des Speichermoduls lässt das Andocken einer zweiten Maschine an verschiedenen Positionen zu – je nachdem, an welcher Stelle Platz zur Verfügung steht. Das Baukastensystem besteht aus vier Grundelementen: Regalmodul, Rüstmodul, Liftmodul sowie dem optionalen Rotationsspeicherturm RST.

Das spezielle Design des Systems ermöglicht dem Anwender eine gute Zugänglichkeit der Automation. In Verbindung mit der übersichtlichen Bedienoberfläche erlauben die Fenster rund um die Anlage einen Überblick des Ist-Standes in und um die Automation. Der integrierte Rüstplatz befindet sich direkt neben der Bedienseite der Maschine – die daraus resultierenden kurzen Wege schaffen Freiräume und reduzieren die Belastung für die Bediener.

Graphische Benutzeroberfläche
Die Bedienung der Software, die auch eine integrierte Auftragsplanung ermöglicht, läuft intuitiv per drag-and-drop über die graphische Benutzeroberfläche. „Bei der Steuerungssoftware setzen wir auf Fachkompetenz vom Experten. Wir sind keine Softwareentwickler – daher liefert der Spezialist für Steuerungen in der Automationstechnik, Soflex, diesen wichtigen Baustein des Systems“, sagt Sattelmayer und ergänzt: „Das bringt zwei entscheidende Vorteile mit sich: Zum einen ist die Production Control Software (PCS) offen und geeignet für eine große Bandbreite an Maschinenherstellern. Zum anderen erhält der Anwender eine Software, die aus dem Stand heraus funktioniert und einfach zu bedienen ist, da sie sich schon über Jahre bewährt hat. Sogenannte Kinderkrankheiten der Software kommen daher kaum vor.“

Wie das gesamte System ist auch die Software modular aufgebaut. Auf dem Grundpaket satteln verschiedene weitere Zusatzpakete auf. Neue Anwendungsfälle kann Liebherr daher prozesssicher realisieren – ohne besonderen Änderungsbedarf mit Blick auf den bestehenden Rechner. Zentraler Ansprechpartner für die Anwender ist immer Liebherr. Das Unternehmen übernimmt dann die Abstimmung mit den Softwareentwicklern.