Vorfräsen statt Vordrehen

Als „Systempartner für Fertigungstechnik“ versteht sich das mittelständische Technologieunternehmen Seipp & Kehl GmbH, das im hessischen Gemünden seinen Sitz hat. Die Spezialisten legen sehr hohe Maßstäbe an – sowohl an sich selbst als auch an die CNC-Maschinen sowie vor allem an die Zerspanungswerkzeuge und damit an die Werkzeuglieferanten.

Auf den langjährigen Erfahrungen in der Drehteileproduktion aufbauend und weil man sich dem Wettbewerbsdruck permanent stellen muss, bleibt im Hause Seipp & Kehl nichts unversucht, um rationeller, effizienter, produktiver und qualitativ hochwertiger als mögliche Konkurrenten zu fertigen.

Nicht zuletzt deshalb setzen die Fertigungstechnikspezialisten auf eine enge Zusammenarbeit mit ausgewiesen leistungsfähigen Werkzeugherstellern und -lieferanten. Zu diesem Kreis gehört seit weit mehr als 20 Jahren auch die Iscar Germany GmbH aus Ettlingen.

„Wir produzieren unter anderem mit neun CNC-Drehmaschinen Teile im weiten Bereich ab Durchmesser 2 bis 350 mm sowie in Längen bis 1000 mm“, erklärt Marco Herzberger, Fertigungsleiter bei Seipp & Kehl. „Beim Fräsen beziehungsweise der kubischen Komplettbearbeitung auf sechs Bearbeitungszentren sind deren 500er-Paletten in etwa das Maß der Dinge.“

Automatisierte Serienfertigung
Der Schwerpunkt liegt auf Kleinserien bis 200 Stück, und ansonsten bewegt man sich im Rahmen ab 1 und bis 2000 Stück. Wann immer möglich setzt das Unternehmen auf Mehrmaschinenbedienung, wobei die Serienfertigung automatisiert und die Einzelteilfertigung mit Bedienung erfolgt. „Das Feedback und die intensive Mitarbeit unserer Fachkräfte fließen direkt in die Planungen und damit auch in die Beschaffung von Maschinen und Werkzeugen ein“, betont Herzberger. „Die Vorarbeiter und Maschinenbediener stehen im ständigen Dialog mit den Werkzeuglieferanten. So konnten wir schon manche erstaunliche Lösung zur Steigerung der Produktivität realisieren.“

Profiwissen pur

Heli-IQ-Mill-Fräser von Iscar
Die neuen Heli-IQ-Mill 390-Fräser werden mit Trigon-Wendeschneidplatten mit drei wendelförmigen Schneidkanten bestückt, also einer zusätzlichen Schneidkante im Vergleich zum bisherigen System Heli-Mill. Größere Stabilität ist ein weiteres Attribut der neuen Wendeschneidplatte. Die neue Linie verspricht hohe Oberflächengüten bei der Bearbeitung von 90°-Schultern. Heli-IQ-Mill-390-Werkzeuge sind für Wendeschneidplatten mit den Schneidkantenlängen 10 und 15 mm verfügbar. Die innovative Schneidengeometrie reduziert die Schnittkräfte sowie die Leistungsaufnahme. Hoch hitzebeständige Superlegierungen sollen ebenfalls sehr wirtschaftlich mit der neuen Werkzeugfamilie zu bearbeiten sein.

Die hoch positiv ausgelegte Trigon-Wendeschneidplatte mit drei wendelförmigen Schneidkanten verfügt über eine Schneidkante mehr im Vergleich zu bisherigen Schneidplatten

Früher vor allem im Bereich Werkzeuge zum Einstechen/Abstechen/Stechdrehen im Geschäft, wurde das Portfolio an Zerspanungswerkzeugen von Iscar erfolgreich Zug um Zug in die Anwendungsbereiche Fräsen und Bohren erweitert. Ein sehr gutes Beispiel dafür ist die alternative Bohrzirkular-Fräsbearbeitung an einem Hydraulikblock von Seipp & Kehl. Dieser Hy-

draulikblock ist ein immer wiederkehrendes Werkstück, das längere Zeit durch Vorbohren mit einem Vollbohrer 50 mm Durchmesser auf 120 mm Tiefe und Ausdrehen auf 120 mm Durchmesser auf einer Drehmaschine bearbeitet wurde. „Mit der klassischen Bearbeitung Vorbohren und Ausdrehen waren wir eigentlich nie richtig glücklich, weil das sehr unwuchtige Teil keine hohen Schnittwerte erlaubte“, berichtet Herzberger. „Wir brauchten allein für die Bearbeitung der großen Bohrung mittels Bohren und Ausdrehen rund 20 min, was doch einen erheblichen Anteil an der Gesamtbearbeitungszeit ausmachte.“

Von Iscar kam der unkonventionelle Vorschlag, es doch einmal mit einem Technologiewechsel vom Bohren und Ausdrehen zum Bohrfräsen zu versuchen. Als Lösungsvorschlag präsentierte der Hersteller das neue Fräswerkzeugsystem Heli-IQ-Mill. Das als Weichschneider ausgelegte Fräswerkzeug ist mit Trigon-Wendeschneidplatten bestückt und wird von Iscar auch für den Einsatz auf leistungsschwächeren Maschinen empfohlen. Damit ist es möglich, solche Teile wie die Hydraulikblöcke nun auch auf den vorhandenen Bearbeitungszentren zu fräsen, was vorher kaum produktiv zu bewerkstelligen war.

Das modulare Fräswerkzeugsystem Heli-IQ-Mill ist hervorgegangen aus der Fräserfamilie Heli-Mill. Es besteht aus dem Werkzeugtyp HM390 FTP D050-6-22 sowie Trigon-Wendeschneidplatten HM390 TPKT 1003PDR aus dem Schneidstoff IC830.

Dreh-Schlichtbearbeitung
Der Fräsvorgang am Hydraulikblock aus dem Werkstoff 42CrMo4 läuft sehr ruhig, was auch wegen der abnehmenden Wandstärke des Bauteils von großem Vorteil ist. Mit dem neuen Fräswerkzeugsystem Heli-IQ-Mill mit Durchmesser 50 mm und sechs Zähnen (effektiv sechs Zähne) konnte die Vorbearbeitungszeit gegenüber dem bisherigen Vorbohren und Ausdrehen von ehemals 20 auf nunmehr 6 min reduziert werden. Und dies mit einem Vorschub pro Zahn von 0,23 mm und trotz langer Auskragung von 150 mm.

Abschließend erfolgt noch die Dreh-Schlichtbearbeitung in entsprechend kurzer Zeit, so dass bei durchschnittlich 20 Hydraulikblöcken pro Charge ein erheblicher Zeitvorteil erzielt und die Durchlaufzeit spürbar verkürzt wird.

„Wir sind immer bestrebt, neue Werkzeuge auszuprobieren und Anregungen aufzunehmen“, erklärt Herzberger. „Manche Dinge müssen wir wieder verwerfen, andere setzen sich durch, und am Ende kommen wir eben doch immer ein Stück weiter. Die Kombination aus motiviertem Personal, wozu auch die Mitarbeiter der Lieferanten zu zählen sind, modernen Maschinen und hoch leistungsfähigen Zerspanungswerkzeugen ist schlichtweg gesagt die Voraussetzung für wettbewerbsfähige Preise. Wer wie wir im 2,5-schichtigen Betrieb hauptsächlich als Fertigungstechnik-Dienstleister mit hohem Qualitäts- und Termintreue-Anspruch unterwegs ist, muss sich auf zuverlässige Partner verlassen können. Und einer davon ist der Werkzeuge-Lieferant Iscar.“