Portrait von Achim Kopp

Achim Kopp ist Geschäftsführer der Kopp Schleiftechnik GmbH. Das Unternehmen fertigt Präzisionswerkzeuge und bietet einen Nachschleifservice an. Warum das Nachschleifen einen hohen Stellenwert haben sollte, wie es funktioniert und welche Rolle die Digitalisierung dabei spielt, erläutert er im Interview mit FERTIGUNG. - Bild: Kopp Schleiftechnik

| von Julia Dusold

FERTIGUNG: Herr Kopp, Ihr Unternehmen bietet neben Neuwerkzeugen auch einen Nachschleifservice an. Welchen konkreten Nutzen hat die Wiederaufbereitung von Präzisionswerkzeugen?

Achim Kopp: Zum einen ist es eine Kostensache. Wenn ich ein Werkzeug habe, das nicht gerade ein Wegwerfwerkzeug, sondern etwas hochwertiger ist, dann wäre es einfach schade, wenn man das Werkzeug wegschmeißt, wenn die Möglichkeit besteht, es mehrmals nachschleifen zu lassen. Gerade bei modularen Werkzeugsystemen, die ja aufgrund ihrer Leistungsfähigkeit ein gewisses Geld kosten, spielt der Kostenfaktor eine wichtige Rolle. Hier kann man die Kosten extrem senken. Mitunter weiß der Kunde aber gar nicht, dass man solche Werkzeug fachmännisch nachschleifen kann und da ist ein bisschen Aufklärungsarbeit gefragt.

Der nächste Punkt ist das Thema Ressourcen. Wenn ich ein Werkzeug ein paar Mal verwenden kann und es erst dann wieder dem Kreislauf zuführe, dann geht das nicht so stark zu Kosten der Umwelt.

Ein weiteres Thema ist das Nachschleifen in Optimalqualität – sprich das Herstellen einer optimalen Geometrie und eine Beschichtung abgestimmt auf den späteren Einsatzzweck. Das sorgt für mehr Effizienz bei der Bearbeitung. Deswegen haben wir sogar Kunden, die uns neu gekaufte Werkzeuge zum Schleifen schicken, ohne dass sie vorher im Einsatz waren.

Wenn Kunden Ihnen ihre Werkzeuge zum Nachschleifen schicken, welcher Prozess läuft dann bei Ihnen an?

Kopp: Beim Nachschleifen spielt der Service eine extrem große Rolle. Deswegen wollen wir dem Kunden so viel wie möglich abnehmen. In einem gewissen Umkreis holen wir die Werkzeuge ab, die weiter entfernten Kunden schicken sie uns zu. Wir erfassen dann die Werkzeuge in unserem System und der Kunde bekommt eine detaillierte Auflistung mit allem, was er uns geschickt hat. In diesem Schritt sortieren wir auch alle Werkzeuge aus, bei denen wir aus unserer Fachkenntnis heraus sagen, dass sich das Nachschleifen nicht rentiert. Diese Werkzeuge bekommt der Kunde unbearbeitet zurück.

Für die anderen Werkzeuge erhält er entweder einen Kostenvoranschlag oder die Bearbeitung startet sofort – das machen wir individuell mit den Kunden aus. Wenn die Freigabe erteilt wird, dann gehen die Werkzeuge sternförmig an die Bearbeitungsplätze. Dort wird nach dem Nachschliff auch die Qualitätskontrolle ausgeführt. Mit dieser Werker-Selbstprüfung machen wir sehr, sehr gute Erfahrungen. Wir erfassen akribisch unsere Kundenbeanstandungen und kommen auf eine Qualitätsrate von 99,8 bis 99,9 Prozent. Das ist, denke ich, der Tatsache geschuldet, dass jeder Mitarbeiter sich auch selbst in der Verantwortung sieht, den Arbeitsschritt sauber auszuführen, zu prüfen und zu dokumentieren.

Werker an der Maschine bei Kopp Schleiftechnik
Sowohl der Nachschliff als auch die Qualitätskontrolle werden bei Kopp Schleiftechnik direkt an den Arbeitsplätzen der jeweiligen Fachkräfte ausgeführt. Dies erzeugt einen hohen Qualitätsstandard. - Bild: Kopp Schleiftechnik

Wenn die Werkzeuge fertig geschliffen sind: Wie geht es weiter?

Kopp: Dann geht es noch extern zum Beschichter. Das machen wir nicht im eigenen Haus, sondern haben Partner, die das für uns übernehmen. Anschließend werden die Werkzeuge je nach Kundenwunsch zum Beispiel mit einem neuen Durchmesser beschriftet oder mit einer Kennzeichnung versehen, wie oft das Werkzeug schon nachgeschliffen wurde. Wieder andere möchten auch eine neue Verpackung, die dann entsprechend beschriftet wird. Da gibt es eigentlich kaum etwas, das wir nicht bieten können. Und dann geht das Werkzeug eben wieder raus zum Kunden.

Sie haben nun schon Beschriftungen und damit Werkzeugdaten angesprochen. Welche Rolle spielt denn die Digitalisierung bei solch einem Nachschleifprozess?

Kopp: Bisher noch einen kleinen Part. Wir bieten es unseren Kunden an, aber sie nutzen es noch sehr selten. Prinzipiell sind wir aber in der Lage, zum Beispiel einen QR-Code auf das Werkzeug aufzulasern und es mit Werkzeug-spezifischen Informationen zu versehen. Dann kann der Anwender diesen auslesen und sehen, wann das Werkzeug das letzte Mal bei uns zum Nachschleifen war, wer es bearbeitet hat, was gemacht wurde, welchen Durchmesser es jetzt hat und so weiter. Wie gesagt, gefühlt ist es so, dass die Kunden noch verhalten sind, was das angeht.

Sie stecken aber dennoch sogar Forschungsaufwand in das Thema. Sie arbeiten mit der TU Darmstadt zusammen, um das Thema digitale Werkzeugverfolgung und Dokumentation voranzutreiben. Gehen Sie davon aus, dass die Nachfrage nach solchen Lösungen steigen wird?

Kopp: Ich gehe fest davon aus. Nicht nur bei den Kunden, sondern auch bei uns in der eigenen Fertigung. Wir wollen dort nach und nach weg vom Papier hin zu Tablets an den Arbeitsplätzen. So kann man viel mehr Informationen austauschen, Arbeitsschritte rückmelden und so weiter. Da sind wir momentan dabei: Wir installieren neue Software dafür und nehmen sie gerade in Betrieb. Wir wollen einfach nicht warten, bis der Kunde mit einer Anforderung kommt, sondern wollen proaktiv sein und sagen können: Wir haben das und können es dir auf Wunsch bieten.

Was Sie über die Wiederaufbereitung von Präzisionswerkzeugen wissen sollten

Achim Kopp hat im Interview bereits einige Punkte genannt, warum das Nachschleifen von Werkzeugen wichtig ist. Weitere Gründe, warum Sie so gut wie nie auf diese Option verzichten sollten, lesen im Artikel "Warum Sie Ihre Zerspanungswerkzeuge wiederaufbereiten sollten" bei unserem Schwestermedium PRODUKTION.

Außerdem finden Sie dort einen ausführlichen Bericht darüber, 

  • was die Voraussetzungen sind, damit Werkzeuge aufbereitet werden können,
  • was die technischen Anforderungen für eine Wiederaufbereitung sind und
  • welche Möglichkeiten es gibt, um Werkzeugen neues Leben einzuhauchen.

Hier geht's zum Beitrag "Wie die Wiederaufbereitung von Zerspanungswerkzeugen funktioniert".

Das spielt ja auch auf die Service-Komponente des Nachschleifens an, die Sie zu Beginn angesprochen hatten. Zum Schluss nochmals zurück zu der von Ihnen anfangs angesprochenen Service-Komponente. Welchen Vorteil hat ein Nachschleifservice wie Ihrer gegenüber der Wiederaufbereitung beim jeweiligen Werkzeughersteller?

Kopp: Es gibt ja durchaus viele Anwender, die ihre Werkzeuge zu den einzelnen Herstellern schicken. Aber meist haben sie fünf oder zehn Werkzeughersteller und jeder Hersteller bekommt die Werkzeuge zum Nachschleifen und das ist für den Kunden ein Wahnsinnsaufwand. Das ist beim Fachbetrieb dann der Vorteil, dass man es vom Handling her wesentlich einfacher hat. Der Fachbetrieb bereitet dann Werkzeuge verschiedenster Hersteller auf und das keineswegs in verminderter Qualität.

Wir stellen auch Neuwerkzeuge her, aber für uns ist der Nachschleifservice eine ganz, ganz wichtige Geschichte. Wir sehen, dass wir hier die Service-Komponente voll ausspielen können und das erzeugt eine sehr gute Kundenbindung. Unsere Kunden wissen, dass sie sich hier voll auf uns verlassen können.

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