Portrait von Prof. Berend Denkena, dem Leiter des Instituts für Fertigungstechnik und Werkzeugmaschinen an der Leibniz Universität Hannover

Prof. Berend Denkena ist Leiter des Instituts für Fertigungstechnik und Werkzeugmaschinen an der Leibniz Universität Hannover. Im Gespräch mit FERTIGUNG verrät er, wie die Zukunft der Spanntechnik aussehen wird. - Bild: IFW

| von Julia Dusold

FERTIGUNG: Welche Themen sind in der Spanntechnik momentan besonders aktuell?

Berend Denkena: Wie können die Potenziale der Digitalisierung für die Entwicklung und Umsetzung in der Spanntechnik genutzt werden? Dies ist eine der zentralen Fragen aktueller Forschungsprojekte. Cyberphysische Spannsysteme beziehungsweise fühlende Spannvorrichtungen geraten zunehmend in den Fokus, um zuverlässige Prognosen über den Zustand der Fertigung in Echtzeit abzuleiten. Ziel ist es, durch die Integration robuster Sensorik, die Auswertung der Sensordaten mittels Künstlicher Intelligenz und die Vernetzung der Spannsysteme mit weiteren Komponenten der Produktion, die Transparenz in der Fertigung zu erhöhen, die Produktivität zu steigern und durch intelligentes Eingreifen in den Prozess die Werkstückqualität sicherzustellen.

Was sind die momentan spannendsten Forschungsprojekte in diesem Bereich?

Denkena: Bei uns am Institut für Fertigungstechnik und Werkzeugmaschinen gibt es eine Vielzahl spannender Projekte zur Spanntechnik. Zwei Beispiele: Im Verbundprojekt TensorMill haben wir das weltweit erste Spannsystem für die intelligent vernetzte Fertigung zur effizienten und prozesssicheren Produktion von sicherheitsrelevanten Integralbauteilen entwickelt. Mit einer ganzheitlich vernetzten Produktion, von der Werkzeugherstellung bis zur End-of-Line-Messung, können wir vielfältige Ursachen für Fertigungsungenauigkeiten erkennen und kompensieren.

Die virtuelle Spannplanung ist ein weiteres Thema, das wir zusammen mit Partnern aus der Industrie angehen. Auf der Basis von CAD-Daten entwickeln wir eine Methode zur Umsetzung einer automatisierten Spannplanung. Es geht darum, den Einsatz von Spannvorrichtungen nach objektiven Gesichtspunkten anwendungsgerecht, effektiv und prozesssicher einzusetzen.

Wie werden die Spannmittel der Zukunft aussehen?

Denkena: Es wird auch in Zukunft weiterhin um die Integration intelligenter Spannsysteme in die Systemarchitektur der Produktion gehen. Es wird darum gehen, die Potenziale der Digitalisierung und die Anwendungsmöglichkeiten Künstlicher Intelligenz weiter auszuschöpfen. Und: Es wird insbesondere auch darum gehen, die in Unternehmen eingesetzten etablierten Spannmittel hinsichtlich ihrer Funktionalität zu erweitern.

Das Spannsystem der Zukunft ist nicht mehr nur notwendiges Übel in der Zerspanung. Es ist ein wichtiges Element einer ganzheitlich intelligenten Produktion, deren Funktionalität weit über das bloße Fixieren von Bauteilen hinausgeht und die Prozesssicherheit und Produktivität durch eine intelligente Anpassung der Fertigungsstrategie erhöht.

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