Peter Haefeli

Herr Haefeli, Sie führen gemeinsam mit Ihrem Bruder Rainer die Haefeli Diamantwerkzeugfabrik AG. Ihr Unternehmen existiert seit 1919 und stellt seit den 1950er-Jahren in der Züricher Riedenhaldenstraße Diamant- und CBN-Schleifwerk­zeuge her. Vor kurzem waren Sie mit Ihren Mit­arbeiter­innen und Mitarbeitern bei der Haas Schleifmaschinen GmbH zu Besuch. Mit welchen Erwartungen sind Sie nach Trossingen gefahren?
Das Ziel des Besuches war das gegenseitige persönliche Kennen­lernen der Mitarbeiter beider Unternehmen. Um anwenderspezifische Schleifaufgaben gemeinsam mit dem Schleifmaschinenhersteller zu entwickeln und zu lösen, muss die Zusammenarbeit mit allen Schnittstellen sehr gut sein. Für unsere Mitarbeiter, die die ausgetüftelten Schleifwerkzeuge bauen, ist es auch sehr wichtig zu sehen, wie die Werkzeuge eingesetzt werden. Worauf müssen sie bei der Produktion speziell achten? Wie könnte man die Werkzeuge noch optimieren?

Was hat Sie bei Haas am meisten beeindruckt?
Erstens die hohe Fertigungs­tiefe. Alle Schlüssel­positionen des Maschinen­­baus liegen bei Haas, von der Schleif­spindel bis zur Schleifsoft­ware. Zweitens dieser „Haas-Geist“. Die kollegiale, ziel- und anwenderorientierte Arbeitsweise der Haas-Mitar­beiter­innen und -Mitarbeiter, eben der „Haas-Geist“.

Wenn Sie als Spezialist für Schleifscheiben die Schleifmaschinen von heute mit denen vergleichen, die auf dem Markt waren, als Sie ins Unternehmen Ihres Vaters eintraten, was fällt Ihnen da am meisten auf?
Bei meinem Einstieg herrschte die Zeit des Umbruchs. Die ersten brauch­baren, aber noch recht komplizierten elektronischen Maschinensteuerungen wurden eingeführt. Dies löste die großen Entwicklungen aus. Die Fortschritte erfolgten in Etappen. Abwechselnd wurden sie von neuen Maschinen, zusätzlichen Achsen, Steuerungen, Robotertechnik, Werkstoffmaterialien oder den Schleifwerkzeugen weitergetrieben. Heute, mit den simultan bis zu sechsachsigen Schleifmaschinen stößt man schon in Sphären vor, bei denen man sich die einzelnen Abläufe fast nicht mehr vorstellen kann. Nur dank der im Hintergrund ablaufenden und anwenderfreundlich gestalteten Benutzeroberflächen der Schleifsoftware ist es überhaupt möglich, solch komplexe Schleifaufgaben lösen zu können.

Auf einen Blick

Haefeli Diamantwerkzeugfabrik AG

Das Unternehmen ist Entwickler und Hersteller von hochwertigen, gesinterten CBN- und Diamantschleifwerkzeugen von 0,20 bis 400 mm Durchmesser. Höchste Qualität, kurze Lieferzeiten, Flexibilität, Innovationsgeist und eineenge Zusammenarbeit mit dem Anwender, den Haefeli als Partner versteht, gehören zu den Vorzügen des Unternehmens. Die Anfänge der Unternehmung liegen schon zwei Generationen zurück. Im Jahr 1920 wurde eine Einzelfirma gegründet, die mit Rohdiamanten handelte. 1949 wurde daraus die Haefeli & Co., die anfing, Präzisions-Diamantwerkzeuge zu produzieren. 1985 wurde die Aktiengesellschaft gegründet, die bis heute von der dritten Generation geführt wird (Rainer & Peter Haefeli) und annähernd zwei Dutzend Mitarbeiter beschäftigt. www.haefeli-info.ch www.multigrind.de

Was ist das Besondere an den Haefeli-Werkzeugen, und wo sehen Sie zukünftig die größten Her­aus­forde­rungen für Ihr rund 20-köpfiges Team?
Unsere Werkzeuge sind für die individuelle Anwenderanforderung gebaut. Natürlich haben wir viele Standard­werkzeuge im Angebot, womit wir viele Anwendungen abdecken kön­nen. Dank unserer großen Erfahrung und den vielen verschiedenen Schleif­bin­dun­gen kann unser flexibles Mitarbeiterteam in kürzester Zeit auch prozess­getrimmte Werkzeuge für den Anwender bauen. Die hervorragenden Standzeiten und die über Jahre hinaus immer gleichbleibend hohe Qualität der Produkte sind unsere Stärke. Sie verschaffen dem Anwender Sicherheit und einen Mehrwert. Die zukünftigen Herausforderungen sehen wir in den sich immer schneller drehenden Innovationen und den weiträumigeren Absatzmärkten.

Peter Haefeli

„Unsere Werkzeuge sind für individuelle Anforderungen gebaut.“ Peter Haefeli, Haefeli Diamantwerkzeugfabrik AG

Gab es in der Vergangenheit anwenderseitige Anforderungen, die Sie und Ihr Team an die technologischen Grenzen gebracht haben?
Da wir täglich Sonderlösungen erarbeiten, stoßen wir immer wieder an Grenzen, die wir regelmäßig versetzen. Das jüngste Beispiel sind unsere weltweit kleinsten gesinterten Diamantschleifstifte von nur 0,2 mm Durchmesser. Jetzt haben wir es geschafft, diese um nochmals 10 Prozent zu verkleinern, das heißt auf Durchmesser 0,18 mm – und dies, wohlverstanden, in gesinterter Qualität!

Gibt es Markenprodukte, die auch außerhalb der Fachwelt bekannt sind, von denen Sie genau wissen, da war eine Haefeli-Scheibe bei der Herstellung im Spiel?
Wenn täglich zehntausende Dieseldüsen mit unseren Werkzeugen geschlif­fen werden, so kann es gut sein, dass mancher Automobilist in seinem Diesel-Pkw mit uns fährt. Vielleicht hat er auch einige medizinaltechnische Schrauben in seinem gebrochenen Bein, und wenn er auf seine hochwertige Schweizer Armbanduhr schaut oder den Verschluss einer PET-Flasche öffnet, dann begleitet ihn unser Know-how auch im Alltag.

Glauben Sie, dass Schleif­ma­schinen­bauer und Schleif­scheiben­hersteller in Zukunft noch enger zusam­menarbeiten müssen, um die An­sprü­che der Anwender zu befriedigen? Wie kann so eine Zusammenarbeit aussehen?
SchleifenDa sich die Innovationsspirale immer schneller dreht und die Maschinenhersteller gegenüber ihren Anwendern als Gesamtanbieter die Schleif­lösungen suchen müssen, ist es wichtig, das Wissen über die verschiedenen Zusammenhänge und Erfahrungen noch besser und schneller auszutauschen. Ein offenes Aufeinanderzugehen ermöglicht die am Markt gewünschten Lösungen schnellstens und bestmöglich gemeinsam zu erarbeiten.

Ihr Motto bei der Arbeit?
Immer eine Nasenlänge voraus! A votre service!

Die Schweizer sind langsam. So lautet eines der bekanntesten Vor­urteile über die Schweizer. Emil Steinberger, der auch in Deutschland sehr beliebte Schweizer Kabarettist, hat dazu angemerkt: „Nein, wir sind nicht langsam, wir ge­nie­ßen nur länger – ob dies nun ein langfädiges Käsefondue (Schweizer Nationalgericht) oder ein Glas kühles Rivella (Schweizer Nationalgetränk) ist. Aber ich gestehe, wir drehen jedes Problem mehrmals herum als andere, bevor wir einen Entscheid fällen.“ Sind die Schweizer wirklich langsam, Herr Haefeli?
Im Käsefondue rühren vier bis sechs Menschen aus verschiedenen Positionen und mit unterschiedlichen Ansichten in derselben Suppe. Sie löffeln sie gemeinsam aus. Dieses Bild charakterisiert unseren konsensorientierten gelebten und politischen Prozess ganz treffend. Nur weil die Schweizer ein oft nicht so verständliches und langsameres Hochdeutsch sprechen, heißt es nicht, dass die Schweiz sich nicht rasant, flexibel weiterentwickelt. Schauen Sie die vielen Patente, Innovationen und nicht zuletzt den flexiblen Arbeitsmarkt mit all den Neuzuzügern an! So etwas Dynamisches kann nicht langsam sein! Aber es ist schon so, dass wir es uns gerne nochmals überlegen und so die Qualität und Präzision pflegen und nicht die Eintagsfliegen bevorzugen.