Oswald Berger, Geschäftsführer Berger Holding GmbH & Co. KG

Oswald Berger, Geschäftsführer Berger Holding GmbH & Co. KG

Als Kaufmann hat er in den technischen Bereichen schnell erkannt, dass vieles besser gemacht werden kann

Er verband das kaufmännische mit dem technischen und sichtete Potenziale für eine effizientere Produktion. Bereits mit 22 Jahren startete er zusammen mit seiner Frau Edith sein eigenes Unternehmen. Beginnend im Bereich der Schmuckherstellung entwickelte sich die Produktvielfalt sehr rasch bis zur heutigen enormen Vielfalt an Präzisionsdrehteilen. Das schnelle Wachstum war auch geprägt durch einen raschen Wechsel bei den Maschinen. Mein Vater setzte von Beginn an auf neueste Technologie, um die Produktivität stets zu verbessern.

Welche Märkte bedient Berger heute, in Deutschland und weltweit?
Unser größter Markt ist der Automotivsektor für Pkw und Lkw. Hier liefern wir im Bereich Powertrain Bauteile für Diesel- und Benzineinspritzung, Turbolader oder auch Abgasnachbehandlung. Ebenfalls fertigen wir Präzisionsdrehteile für Bremsen und andere Nebenaggregate. Weitere Märkte sind zum Beispiel der allgemeine Maschinenbau und die Elektroindustrie. Während im Automotivebereich teils sehr hohe Stückzahlen gefordert werden, sind es im Maschinenbau deutlich kleinere Losgrößen. In allen Branchen ist uns eine hohe Wertschöpfung wichtig. Wir sind überall dort vertreten, wo Feinmechanik in hoher Präzision gefordert wird. Wir produzieren im µm-Bereich. Zudem haben wir bereits früh die Internationalisierung vorangetrieben. Bereits 1979 eröffneten wir in Kanada eine Zweigstelle. Unsere Auslandsstandorte in Polen, China, USA und Kanada entwickeln sich aktuell sehr gut. Für China und Nordamerika haben wir für die nächsten Jahre Investitionen in Millionenhöhe geplant. Insgesamt entwickelt sich die Zulieferbranche in diesen Ländern, in denen es Wachstum gibt, positiv.

Ist China für ihr Unternehmen eher Konkurrenz oder eher Chance?
Das ist leicht zu beantworten, als eindeutige Chance. Wir sehen in China einen sehr großen Markt, der trotz des aktuell dort abflauenden Wachstums dennoch viele Möglichkeiten bietet. Wir sind seit 2012 dort vor Ort und werden die Produktionsfläche auf 9500 m2 vergrößern. So können wir den asiatischen Markt besser bedienen. Dabei gilt derselbe Qualitätsanspruch wie in Europa. Das schaffen wir mit demselben Maschinenpark wie in den anderen Standorten. Lediglich die Prozessentwicklung verbleibt in Europa.

Welche Ziele hat Berger für die nahe bis mittelfristige Zukunft?
Im Bereich der Produktion wollen wir die Chancen nutzen, die uns die Industrie 4.0 bietet. Die Herausforderung besteht darin, die Vielzahl an Daten zu erfassen und sinnvoll zu verarbeiten. In Kanada entsteht derzeit eine neue Linie mit verketteten Maschinen, die alle Bearbeitungsschritte vom Drehen über Schleifen bis ECM und Inprozessmessen umfassen. Dadurch sollen sich Durchlaufzeiten von vormals 36 h auf etwa 1 bis 2 h reduzieren. Hier sollen alle Daten in Echtzeit erfasst und weiterverarbeitet werden. Dafür ist ein entsprechend leistungsstarkes Netzwerk erforderlich, um mit den sogenannten Big Data umgehen zu können. Zudem forcieren wir die weitere Internationalisierung und sondieren neue Märkte wie etwa die Luftfahrtindustrie.