Potenzial Toolmanagement

fertigung-Redakteur Martin Droysen recherchierte aktuelle Themen zu Toolmanagementsystemen

Wie eine Werkzeugversorgung effizient umgesetzt und von der digitalen auf die reale Fabrik verknüpft werden kann, lag im Fokus der diesjährigen Veranstaltung der CIM-Aachen. Der Einladung von Götz Marczinski, dem Geschäftsführer der CIM Aachen, nach Ulm folgten etwa 70 Teilnehmer aus Fertigungsbetrieben unterschiedlichster Branchen.

Parallel zu den Vorträgen zeigten ausgesuchte Anbieter wie Storetec, Exapt, Zoller, Cimsource und TDM Systems ihre Dienstleistungen, Toolmanagement-Softwarelösungen und Werkzeugautomaten in einer Ausstellung.

„Die Zielsetzung von Toolmanagement ist nach wie vor, die Hauptzeit zum Engpass zu machen“, verdeutlichte Marczinski in seinem Initialvortrag. Das beginnt mit dem Blick aus der Nutzerperspektive und der konsequenten Wirtschaftlichkeitsbewertung. Operative Ansatzpunkte des Toolmanagements (TM) bieten dann die Planung, die Werkstatt und die Beschaffung. „Alle Aspekte gehören dazu“, beschrieb der CIM-Geschäftsführer den Nutzen sowie die Aufgaben und Bestandteile eines Toolmanagementsystems.

Damit keine Produktivitätspotenziale rund um die kapitalintensiven Werkzeugmaschinen ungenutzt bleiben, benötigt seiner Meinung zufolge ein Fertigungsunternehmen ein effizientes Toolmanagementsystem. Das Vermeiden von Maschinenstillständen und höhere Prozesssicherheit sind wesentliche Faktoren des Toolmanagements.

Meine Meinung

Götz Marczinski bringt es mit dem Jahresauftaktseminar erneut auf den Punkt – Toolmanagement ist nicht nur Mittel zum Zweck, moderne Unternehmen benötigen neben modernen Maschinen auch eine Werkzeugverwaltung, die bereits in der digitalen Phase von Aufträgen für mehr Effizienz sorgt. In vielen Unternehmerköpfen wird Toolmanagement nur als eine Art Werkzeugschrank wahrgenommen, in immer mehr allerdings setzt sich der Nutzen dieser Thematik durch. Dennoch bleibt noch viel Überzeugungsarbeit, die attraktiven Potenziale von Toolmanagement in den Betrieben zu verankern.
Martin Droysen, Redaktion fertigung

Und vermeiden heißt für Marczinski, im Vorfeld der Fertigung Prozesse abzusichern. Toolmanagement beginnt also bereits in der Digitalen Fabrik. „Diese muss aber wirksam mit der realen Welt verknüpft werden“, sagt der Aachener Experte. Toolmanagement verfügt über attraktive Potenziale und beginnt bereits in einer frühen Phase, so sein Fazit. „Wichtig ist, neue Technologien im Blick zu behalten, wie die 3D-Technik, RFID oder Cloud Computing. Toolmanagement erfordert Führung“, betont er: „Vertrauen schaffen in Systematik und System sind Garanten für ein erfolgreiches Toolmanagement.“

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Götz Marczinski, Geschäftsführer der CIM Aachen, moderierte die Jahresauftaktveranstaltung von Toolmanagement in der Praxis. Etwa 70 Teilnehmer folgten seiner Einladung nach Ulm. Bilder: fertigung

Toolmanagement integrieren
Die Integration von Toolmanagementsystemen sowohl in die Engineering IT als auch mit den Werkstattsystemen war der rote Faden der weiteren Praxisvorträge. Ein Mehr an Kapazität in der Fertigung lässt sich nur erreichen, wenn teure Nebenzeiten reduziert werden können. Wie das im Einzelnen für einen Hersteller von Präzisionsteilen aussehen kann, erläuterte Thomas Löhn, GDS Präzisionszerspanungs GmbH aus Ofterdingen. Vor gut 12 Monaten führte GDS ein Toolmanagementsystem von Zoller für effizientere Fertigungsprozesse ein. „Am Workflow ist der Erfolg zu sehen“, berichtete Löhn: „Heute ist zu jedem Zeitpunkt bekannt, wo welche Werkzeuge auf welcher Maschine sind. Dieser Quantensprung bringt uns nach vorne.“ Insbesondere die hohe Systemintegrität des Toolmanagementsystems von Zoller entlang des Auftragsabwicklungsprozesses erweist sich als Kernelement der Durchsatzerhöhung. Dabei, so Löhns Fazit, ist es sehr hilfreich, wenn alle Beteiligten an einem Tisch sitzen: „Oft wird in der Mitte der Umsetzung abgebrochen, doch der Aufwand lohnt sich enorm, da die Systeme besser ineinandergreifen.“

Markus Schoor, Consultant bei CIM, stellte die Werkzeugausgabesysteme in den Gesamtzusammenhang des Toolmanagements. Schoor: „Der Einsatz und die Art eines Werkausgabesystems sind unternehmensspezifisch und bedarfsorientiert auszulegen. Toolmanagement kann auch eine Dienstleistung sein, oder eine Kombination aus verschiedenen Lösungen.“

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Die im Seminar integrierte Fachausstellung wurde vom Fachpublikum rege genutzt. Hier präsentierte Storetec ein völlig neuartiges Ausgabesystem.

Im Kontext der Betreuung der Produktionsstätten präsentierte Rainer Hartmann, Engineering IT/CAM bei Schaeffler, die Rolle des zentralen CAM-Teams und zeigte Einblicke in die Systemlandschaft von Produktion und Toolmanagement. „Das Zusammenspiel aus Betriebsmittel- und Produktionsdatenorganisation gelingt uns mit dem Tool-Lifecycle-/Logistik-Management in der zentralen Exaptpdo-Datenbank“, beschrieb Hartmann die Fähigkeiten des Exapt-Systems.

Für die ZF Friedrichshafen war die Verlagerung von Produktionsprozessen an weitere Standorte ohne die NC-Quelle zu verändern eine Herausforderung im internationalen Produktionsverbund. „Auf Basis eines Feature-Skelett-Modells gelang es uns, diese neuen Fertigungsansätze zu realisieren“, erläuterte Peter Robl, Leiter Produktionsdienstleistung bei der ZF.

Bereits 2005 führte Liebherr-Components mit Unterstützung von TDM ein Werkzeugverwaltungssystem ein. Armin Vieweger, Teamleiter CAE Support bei Liebherr-Components in Biberach beschrieb die Vorteile: „Wir wissen immer über Werkzeugverbleib und Bestand Bescheid und konnten unseren Lagerbestand deutlich reduzieren.“ Und die neue Werkzeugorganisation hat weitere Vorteile: „Das System hilft uns auch, Kosten und Aufwand bei der Verwaltung von Verzahnungswerkzeugen im Rahmen von Werkzeugaufbereitungsprozessen sowie der Vorrichtungsverwaltung zu reduzieren.“

In der abschließenden Fragerunde stellte Marczinski die individuelle Betrachtungsweise von TM heraus.