Preisabsprache bei Kugellager: Deutsche Firma wird abgestraft

Der Automobilzulieferer Schaeffler erwartet eine Kartellstrafe von über 370,5 Millionen Euro, da er mit fünf Konkurrenten die Preise für Wälzlager für Autos und Lastwagen jahrelang künstlich hoch gehalten hat – so berichtet Welt Online. Damit zahlt der fränkische Wälzlagerhersteller den größten Anteil der Strafe. Die Europäische Kommission hat gegen mehrere Lieferanten von Kugellagern ein Bußgeld von fast einer Milliarde Euro verhängt. Der schwedische SKF-Konzern muss 315,1 Millionen Euro bezahlen. Der Restbetrag wird unter drei japanischen Firmen aufgeteilt.

Mit der verhängten Strafe möchte der EU-Wettbewerbskommissar Joaquin Almunia andere Unternehmen warnen: “Ich hoffe, dass die verhängten Geldstrafen Unternehmen abschrecken werden, sich an solch illegalem Verhalten zu beteiligen und helfen, den Wettbewerb in dieser Branche wiederherzustellen.” Gleichzeitig lobt er unabhängige Händler von Kugellagern wie ekugellager.de, die Lager von weltweit führenden Herstellern frei von deren preislichen Vorgaben anbieten. Diese nehmen somit an den Preisabsprachen nicht teil.

Wälzlager sind ein wichtiger Bestandteil für viele Autoteile wie etwa Radlager oder Kupplung. Sie reduzieren die Reibung zwischen beweglichen Teilen in einem Fahrzeug. “Ein Auto hat im Schnitt 100 bis 150 Wälzlager – das ist also von großer Bedeutung”, so Joaquin Almunia.

Zusammenarbeit mit Behörden

Die EU-Kommission fand heraus, dass das Kartell von 2004 bis 2011 Preise abgesprochen hat. Damit hat der Markt für Kugellager in Europa auf mindestens zwei Milliarden Euro zugelegt. Trotz der hohen Summe fiel die Strafe der EU-Kommission niedriger aus, als der Bußkatalog eigentlich vorsieht. Hauptsächlich, weil die Unternehmen mit den Behörden zusammenarbeiten. Schaeffler hat beispielsweise zu Beginn der EU-Ermittlungen ihre Verhaltensregeln verschärft, um Verstöße früher zu erkennen und zu verhindern. Auch SKF hat seine Trainingsprogramme und Compliance-Regeln überarbeitet. Der Vorstandschef äußerte sich dazu: “Was geschehen ist, ist unakzeptabel und darf nie wieder passieren”. Die japanische Firma JTEKT muss mit keiner Strafe rechnen, da sie die Preisabsprachen veröffentlicht hat.

Preisabsprachen bei Autozulieferer sind nicht selten: Die EU-Kommission ermittelt bereits seit über zwei Jahren. Zuletzt wurden Razzien bei Herstellern von Sitzgurten, Airbags, Lenkrädern, Klimaanlagen und Motorkontrollsystemen veranlasst. Im letzten Jahr verhängte die Kommission eine Bußstrafe in Höhe von 142 Millionen Euro gegen Hersteller von Kabelbäumen.

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