Helmut Glimpel und Gerhard Knienieder. – Bild: Emuge-Franken

Helmut Glimpel und Gerhard Knienieder, Geschäftsführer Emuge-Franken. – Bild: Emuge-Franken

| von Sabine Königl

FERTIGUNG: Herr Glimpel, Emuge-Franken begeht gerade das 100jährige Firmenjubiläum. Was würden Sie Ihrem Vater, der die Firma gegründet hat, gerne sagen?

Helmut Glimpel: Du hast uns eine Firma hinterlassen, die auf dem Markt schon einen sehr guten Ruf hatte. Du hast uns einen gut funktionierenden Betrieb hinterlassen, bei dem nichts fehlte. Wir mussten nur in deinem Sinne weiterschaffen. Der Betrieb steckte voller Faszinationen und Chancen, die die nachfolgenden Generationen motivierte. Vielen Dank dafür!

In 100 Jahren hat Ihr Unternehmen viele Krisen gemeistert. Worin sehen Sie die Stärken von Emuge-Franken?

Glimpel: In den 1920er Jahren gab es die extremsten Herausforderungen, die nur mit intensivstem Einsatz gemeistert werden konnten. Richard Glimpel konnte Erfahrungen sammeln, die den Betrieb in der Folgezeit stabilisierten. Unsere Stärke war und ist der Dienst am Kunden, das Streben nach höchster Präzision, bestem Kundennutzen und Zuverlässigkeit.

Wenn Sie zurückblicken, was waren für Sie die wichtigsten Meilensteine und Innovationen in der Unternehmensgeschichte?

Glimpel: Die wichtigsten Meilensteine lassen sich nach so langer Zeit nicht alle erkennen. Das gravierendste Ereignis war die Weltwirtschaftskrise im Jahr 1932 und dann der 2. Weltkrieg. Typisch für Emuge ist die Kontinuität. Unsere Produkte sind im Kern die gleichen geblieben und werden stetig verbessert. In den letzten Jahrzehnten wurde der Vertrieb durch die Internationalisierung ein wichtiger Faktor.

Herr Knienieder, welche Herausforderungen und Chancen sehen Sie auf Emuge-Franken durch neue Mobilitätskonzepte und Digitalisierung zukommen?

Gerhard Knienieder: Aus technologischer Sicht werden neue Mobilitätskonzepte und die fortschreitende Digitalisierung den Wandel in unserer Branche antreiben. Mit jedem Wandel sind Chance und Risiken verbunden. Während der Bedarf an Zerspanungswerkzeugen bei reinen E-Antrieben deutlich niedriger als bei Verbrennungsmotoren ist, wird durch neue Fahrzeugkomponenten neuer Bedarf entstehen. Nach heutigen Erwartungen wird in Summe der Werkzeugbedarf pro Fahrzeug jedoch sinken. Wir werden somit andere Märkte und neue Anwendungen erschließen, um unsere Position zu halten. Auf diesem Weg befinden wir uns bereits. Sicherlich bleiben wir unserem Emuge-Franken-Kernprogramm der Gewinde-, Fräs– und Spanntechnologie treu, jedoch sind wir offen für komplett neue Produkte, sollten neue Anwendungen dies erfordern.

Zur Digitalisierung: hier sehe ich für uns Hersteller einige Chancen: zum Beispiel können unsere Produkte mit Elektronik (IOT) „intelligent“ gemacht werden. Weiterhin bieten sich neue Vernetzungschancen mit unseren Kunden an. Jedoch muss das entsprechende Know-how in den Unternehmen, auch bei uns, noch gestärkt werden.

Emuge-Franken ist heute in 52 Ländern mit Niederlassungen und Vertriebspartnern vertreten. Gibt es noch weiße Flecken auf dem Globus, auf denen Sie präsent sein wollen?

Knienieder: Der Ausbau unseres Vertriebs hat in erster Linie das Ziel, Kunden auf der ganzen Welt einen guten Service durch unsere Fachleute zu bieten. Da sind wir mit unserem globalen Emuge-Franken-Vertriebs- und Servicenetz schon sehr weit gekommen. Echte „weiße Flecken“ haben wir nicht mehr, aber natürlich gibt es immer noch Intensivierungschancen, vor allem in Südostasien. Der Trend zu mehr Kundenberatung und -unterstützung beim optimalen Einsatz der Werkzeuge hält an und so wird auch in mancher etablierten Region eine Verstärkung unseres Teams notwendig. Obwohl die Digitalisierung, Videochats und Internet die Beratung gerade in den letzten Monaten verändert haben, sehen wir im persönlichen Kontakt mit unseren Kunden ein wichtiges Standbein.

Gibt es aktuell Innovationen in der Entwicklungs-Pipeline – mit welchen Neuheiten werden Sie die Branche zum Jubiläum überraschen?

Knienieder: Wir haben einiges in Vorbereitung, unter anderem die neuesten Entwicklungen im Serieneinsatz rund um den Taptor. Zudem werden unsere F&E-Aktivitäten nicht durch Kurzarbeit gebremst sondern laufen mit voller Intensität weiter. Wir haben vielmehr das Thema, zu welcher Gelegenheit wir 2020 in die Öffentlichkeit gehen könnten. Alle großen Messen in diesem Jahr wurden oder werden gestrichen. Unser Jubiläumsfest zum 100. Geburtstag mussten wir leider ebenso Corona-bedingt absagen. Selbst Hausausstellungen im zweiten Halbjahr sind nicht planbar. Also wird es im Jubiläumsjahr keine wirklich geeignete Gelegenheit geben und wir haben die Neuheiten aufs nächste Jahr verschoben. Sie dürfen also auf 2021 gespannt sein…!

Quelle: Emuge-Franken

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