Flugzeug fliegt in Richtung Sonne. - Bild: ©Jag_cz - stock.adobe.com

Im Aerospace-Bereich sorgt ein Park aus mehreren Millturn-Maschinen für nahezu grenzenlose Möglichkeiten. - Bild: ©Jag_cz - stock.adobe.com

| von Sabine Königl

Das brasilianische Unternehmen Eleb Equipamentos setzt bei der Fertigung seiner komplexen Flugzeug-Fahrwerkskomponenten auf fünf Millturns von WFL. Die zuletzt angeschaffte M150Y Millturn verfügt über einen Drehdurchmesser von 1.750 Millimeter und ist mit einem eigenen Schlitten für schwerste Innenbearbeitung ausgestattet. Für die Herstellung von Landebeinen eröffnet dies beinahe grenzenlose Möglichkeiten.

Eleb hat sich auf die Herstellung und Entwicklung von Landebeinen spezialisiert. Des Weiteren werden hydraulische, elektrische und mechanische Ventile, Aktuatoren und Triebwerksträger, sogenannte Pylone, erzeugt. Mit seinen 600 Mitarbeitern hat sich das Unternehmen zu einem der wichtigsten Zulieferer der Aerospace-Branche entwickelt. Das allumfassende Leistungsspektrum, beginnend bei der kundenspezifischen Entwicklung von Fahrwerkssystemen bis hin zu einem zuverlässigen Service, bringt dem Unternehmen ein hohes Ansehen in der Branche.

Das Unternehmen lässt sich gut mit einem kleinen Land vergleichen: durchgeplante Strukturen, exakte Arbeitsweisen, durchdachte Verbesserungsprozesse und sichtbare Strategien. Dieses Innovationsdenken ermöglicht durchschnittlich zwei ausschlaggebende Marktneuheiten pro Jahrzehnt. „Für uns standen von Anfang an Innovation, Qualität und Service klar im Vordergrund und nach diesen Werten leben und arbeiten wir bis heute“, erklärt Luís Marinho, Geschäftsführer von Eleb.

Gruppenbild. - Bild: WFL
Das Team von links nach rechts: Reinaldo Ponte Júnior, Eleb; Chris Jagersberger, WFL; Ivan Prando, WFL; Luís Marinho, Eleb; Paulo da Silva, Eleb; Gustavo Nogueira Emmã, Eleb; Josef Fellner, WFL; Gustavo Tureta, Eleb; rund um Luís Marinho, Geschäftsführer von Eleb lenkt das Unternehmen in eine innovative und digitale Zukunft. - Bild: WFL

In den vergangenen 35 Jahren wurden die unterschiedlichsten Herausforderungen an das Team von Eleb gestellt. In den 1990ern entwickelte und produzierte das Tochterunternehmen von Empresa Brasileira de Aeronáutica Landebeine und hydraulische Baugruppen für die Serie EMB-314, ERJ-145 und gewann seine erste Ausschreibung für die S-92 Sikorsky.

„Die nächsten Schritte passierten danach wie von selbst. Angefangen bei der Produktion von Landebeinen, Baugruppen für die E-Jet-Serie und der Entwicklung beziehungsweise Produktion eines vollständigen Shipsets für die Entry & Light -Executive-Serie in den 2000ern“, berichtet Reinaldo Ponte Júnior, Senior Manager der Fertigungstechnik. Seit 2010 wird kontinuierlich an neuen Serien gearbeitet. Daraus folgten die Entwicklung und Produktion der Landebeine für den neuen KC-390 und den Embraer E2.

Zuverlässigkeit und Flexibilität sind im Markt gefragt

Der Markt, auf dem Eleb sich bewegt, erfordert höchste Qualität und Zuverlässigkeit, aber auch sehr viel Flexibilität. Das Produzieren sehr kleiner Losgrößen zählt hier zum Standard, nach abgeschlossener Produktion stehen unzählige Tests an. Deshalb ist es bei der Herstellung der Landebeine essenziell, auf sehr kurze Rüstzeiten zu achten, um das Verschwenden kostbarer Zeit zu vermeiden.

Die Rüstzeiten, die Qualität der Bearbeitung und die Fortschrittlichkeit der Technologie waren für Eleb bei der Suche nach der ersten Komplettbearbeitungsmaschine im Jahr 2005 wesentliche Aspekte. Diese Anforderungen sind seither Jahr für Jahr gestiegen und konnten nur von wenigen Anbietern zufriedenstellend erreicht werden. Unterschiedlichste Werkstoffe wie das leicht zerspanbare Aluminium, aber auch hochfeste beziehungsweise gehärtete Stähle sowie rostfreie Materialien wie Titan, müssen wirtschaftlich bearbeitet werden.

Zum Einsatz kommt neben dem Tiefbohren auch tiefe Innenbearbeitung mit langen, gedämpften Bohrstangen. Die typischen Bauteile erfordern ein sehr hohes Zerspanungsvolumen bei gleichzeitig höchster Präzision. Neben den dafür erforderlichen extremen Stabilitätsanforderungen gehören hohe Dynamik und kurze Nebenzeiten zu den widersprüchlichen Anforderungen an das Maschinenkonzept.

Effektivität der Anlage war wichtiger Faktor

Auch heute liegt das Hauptaugenmerk auf der täglichen Kontrolle der Gesamtanlageneffektivität (GAE) oder auch Overall Equipment Effectiveness (OEE). Diese Kennzahl ist ein generelles Maß, um die Wertschöpfung einer Maschine für ein Unternehmen zu messen. Die GAE wird durch drei Faktoren bestimmt: Verfügbarkeit, Leistung und Qualität. Dank der täglichen Überprüfung dieser Kennzahl gibt es eine klare Transparenz des Wertschöpfungsanteils der WFL Maschinen bei Eleb.

Der Durchschnittswert der GAE für die WFL Maschinen liegt weit über dem globalen Vergleichsindex für Maschinen. „Dieser Index ist einer der bedeutsamsten Faktoren, welcher für die Investition in fünf Komplettbearbeitungszentren von WFL sprach“, verrät Paulo da Silva, Prozessanalytiker bei Eleb.

Die erste Millturn läuft im Dauerbetrieb. - Bild: WFL
Die erste Millturn läuft im Dauerbetrieb in der Fertigung. Auf dieser Maschine werden vor allem Zylinder, Teile des Hauptgehäuses und das Schiebegehäuse hergestellt. - Bild: WFL

Vor der Anschaffung einer Millturn waren die Bearbeitungsschritte sehr aufwendig. Verglichen mit der heutigen Situation wurden die Teile damals sehr oft bewegt, wodurch das Risiko einer Beschädigung sehr hoch war. Die vielen unterschiedlichen Einspannungen waren ein Qualitätsrisiko und die Rüstzeiten waren dementsprechend sehr lange.

Nach der Einführung der ersten M120 Millturn im Jahr 2005, konnte nach kurzer Zeit festgestellt werden, dass diese Faktoren um ein erhebliches Maß verringert oder gar eliminiert wurden. Auch die Fertigbearbeitung nach dem Härten konnte nun im eigenen Hause durchgeführt werden. Dies ermöglichte es Eleb, in neuen Dimensionen zu denken und neue Landebeine zu entwickeln.

Weitere Maschinen machen flexibler

Um die erfolgreiche Technologie auf ein breiteres Spektrum an Teilen anzuwenden, wurde in den beiden darauffolgenden Jahren in zwei M65 Millturns investiert. Kleinere Fahrwerksteile werden bis heute auf den beiden M65 gefertigt, auf der M120 werden zum Beispiel Zylinder, Hauptgehäuse und Schiebegehäuse hergestellt. Aufgrund der erhöhten Auslastung und dem fortwährenden Innovationsgeist wurde 2007 in eine weitere M120 investiert.

„Der große Vorteil bei der Bearbeitung auf den Millturns ist, dass der Einsatz von verschiedenen Winkelköpfen im Vergleich zu anderen Bearbeitungszentren vermieden werden kann. Dank der Vielzahl an Technologien und dem flexiblen Zugang zum Werkstück ist es möglich, die optimalen Werkzeuge zu verwenden und den Bearbeitungsprozess zu perfektionieren“, so Reinaldo Ponte Júnior über die Möglichkeiten des Komplettbearbeitungszentrums.

Mit der E2-Serie erreicht der Flugzeughersteller Embraer eine neue Spitzenklasse und Eleb ein neues Spitzenmaß der Landebeinproduktion. „Diese Maschinen arbeiten seit ihrer Einführung im Unternehmen auf Höchstleistung und ermöglichen es dem Unternehmen, Rüstzeiten zu senken und die Qualität der Teile durch die exakte Präzision zu steigern“, berichtet Luís Marinho.

Im Jahr 2017 investierte Eleb in eine weitere Maschine von WFL. Die M150Y Millturn verfügt über einen Drehdurchmesser von 1.750 Millimeter und ist mit einem eigenen Schlitten für schwerste Innenbearbeitung ausgestattet. Dieser Umstand bedeutet in der Herstellung von Landebeinen beinahe grenzenlose Möglichkeiten. Um ausreichend Platz für die neue Maschine zu schaffen, wurde eine neue Produktionsstätte in Taubaté errichtet. Diese soll der Schaffungsort für zukünftige Innovationen werden.

Teleservice erhöht technische Verfügbarkeit

Die Implementierung und die Inbetriebnahme der Maschinen wurde von Eleb bei jeder einzelnen Millturn als einwandfrei erachtet. Die technische Verfügbarkeit der WFL-Maschinen liegt seit 2014 bei fast 100 Prozent. Damals beschloss WFL in Brasilien eine Niederlassung mit ortsansässigen Servicetechnikern und einem eigenen Ersatzteillager zu eröffnen. „Wir hatten kaum Schwierigkeiten und wenn, dann nur minimal. Manche Themen konnten sehr schnell durch den WFL-Teleservice behoben werden.

Für den Fall, dass wir Ersatzteile benötigen, steht das Serviceteam immer bereit. Hier sahen wir eine gewaltige Verbesserung seit 2014 – wir waren damals erster Servicekunde hier in Brasilien“, berichtet uns Paulo da Silva. Des Weiteren rechtfertigt vor allem die Flexibilität der Maschine die Investition. Bei neuen Bauteilen oder Versuchen auf dem Komplettbearbeitungszentrum überzeugt dieses mit einer sehr schnellen, präzisen und universellen Bearbeitung.

Quelle: WFL MIllturn Technologies GmbH & Co. KG

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