Gemeinsam von Röhm und Wesa entwickelt. – Bild: Röhm

Gemeinsam von Röhm und Wesa entwickelt: Revolver-Lünette für Maschinen ohne Standard-Lünette. – Bild: Röhm

| von Sabine Königl

Auch wenn im vorhandenen Werkzeug-Revolver eines Drehzentrums keine Lünette vorgesehen ist – eine nachträglich eingebaute Ölhydraulik erübrigt sich, um dennoch eine Revolver-Lünette steuern zu können. Und das geht so: Der Kühlmitteldruck als Steuersignal schließt die Lünette programmgemäß, per Federdruck wird sie geöffnet. Eine gemeinsame Entwicklung des Spannmittelherstellers Röhm und des Zulieferers Wesa.

Wer sich für Wesa, den starken Partner auf allen CNC-Fertigungs-Ebenen im schwäbischen Waldstetten entscheidet, der setzt auf hohe Qualität, schnelle Umsetzung und absolute Termintreue. Eigenschaften, auf die Johannes Weber voller Stolz blickt: „Wir sind nicht der billige Jacob“, betont der Fertigungsleiter und nennt die Stärken des Unternehmens „diffizile und komplexe Komponenten schnell in Serie fertigen.“ Für ihn steht fest: „Wenn es schnell gehen muss, dann kommen die Kunden zu uns und gehen nicht zu den Großen der Branche, die auf Großserien und somit träge ausgerichtet sind.“

Die Wesa in Waldstetten ist ein familiengeführtes Unternehmen. Als reiner Dienstleister ist man auf Metallverarbeitung ausgerichtet und beschäftigt rund 50 Mitarbeiter. Spezialisiert auf CNC-Komplettbearbeitung nutzt das Unternehmen einen umfangreichen Maschinenpark – zum Prototypenbau bis zur Serienfertigung. Ob Dreh- oder Frästeile, ob einbaufertige Werkstücke und Systeme einschließlich Härten und Oberflächenveredelung, für die unterschiedlichsten Fertigungsschritte sind die entsprechenden Maschinen und Werkzeuge vorhanden.

Die Vorgaben von Johannes Weber. – Bild: Röhm
Die Vorgaben von Johannes Weber, Fertigungsleitung Wesa: „Kleiner Revolver, begrenzter Arbeitsraum und kein Hydraulikanschluss“. – Bild: Röhm

Typische Aufträge sind zum Beispiel das Fertigen von einbaufertigen Ritzeln sowie Getriebewellen. Zu den Kunden zählen große Automobilhersteller, wie Porsche und Daimler, sowie unter anderen die Automobilzulieferer Bosch und ZF. Bei Wesa arbeitet man nicht nur hochautomatisiert, sondern schnell und flexibel. Deshalb sind zwischen den einzelnen Bearbeitungszentren zum Drehen und Fräsen jeweils Pufferstationen vorhanden.

„Fällt eine Drehzelle mal aus, dann steht nicht die ganze Produktion still“, sagt Johannes Weber und verweist stolz auf ein erst kürzlich durchgezogenes Projekt für einen in Stuttgart angesiedelten Autobauer: „Ein komplett neues Werkstück, welches mehrere Arbeitsschritte aufweist, haben wir von der ersten Zeichnung an in nur 13 Wochen gefertigt und ausgeliefert.“

Flexible Bearbeitung ist für Zulieferer wichtig

Im Maschinenportfolio von Wesa seit langem genutzt wird die CNC-Drehmaschine DMG Sprint 50, mit welcher der Zulieferer Rohmaterial flexibel bearbeiten kann – simultan und mannlos. Überwiegend in Waldstetten gefertigt werden darauf lange, dünne Komponenten. Werkstücke, die man üblicherweise mit einer Lünette abstützt, um sie hochgenau bearbeiten zu können.

Ursprünglich war im Drehzentrum Sprint 50 keine Lünette vorgesehen, merkt Weber an, aber jetzt habe man dank der Zusammenarbeit mit Röhm eine voll funktionierende Werkstückabstützung – trotz der konstruktiven Vorgaben in der Maschine: Kleiner Werkzeug-Revolver, begrenzter Arbeitsraum und kein Hydraulikanschluss. Die Rahmenbedingungen von Wesa an Röhm waren damit klar definiert. Der Fertigungsleiter damals: „Das sind die Vorgaben! Da muss die Lünette drauf! Macht mal!“ Und 18 bis 36 Millimeter waren als Spannbereich einzuhalten.

Lünette im Revolver. – Bild: Röhm
Lünette im Revolver der Drehmaschine. – Bild: Röhm

Üblich sind bei einem Standard-Werkzeugrevolver zwei Ölhydraulikanschlüsse. Aber weil Weber kein weiteres Medium in der Maschine installieren wollte, reifte die Idee, das Kühlmittel und die dafür vorhandene Leitung zum Auslösen der Steuerungsbefehle zu nutzen. Erste Marktrecherchen und Umsetzungen führten zu keinem akzeptablen Ergebnis. Der Kontakt zum Spannmittelhersteller Röhm, mit dem eine langjährige Zusammenarbeit besteht, führte dann zur erhofften Problemlösung.

Röhm, das Unternehmen gilt als international agierender Spezialist für Spann- und Greiftechnik, hat sein Stammwerk in Sontheim an der Brenz, beschäftigt rund 1300 Mitarbeiter weltweit in über 60 Niederlassungen und Vertretungen. Röhm fertigt hochwertige Spanntechnik – vom kleinsten Bohrfutter bis zur Hightech-Kraftspanneinrichtung. Stets im Fokus des Unternehmens: Themen wie Industrie 4.0, Leichtbau, Energieeffizienz und additive Fertigung.

Geöffnete Lünette im Bauraum. – Bild: Röhm
Geöffnete Lünette im Bauraum der Drehmaschine. – Bild: Röhm

Besonderes Werkstück erfordert besondere Lösung

Zwar haben die Spannmittelprofis aus Sontheim eine breite Palette an Lünetten im Standardprogramm, aber bei Wesa galt es, eine besondere Lösung zu finden. „Gefordert war eine kleine, leichte, funktionelle Lünette“, erinnert sich Röhm Sales Engineer Richard Sedlak rückblickend. Denn das Nachrüsten der Drehmaschine mit einer Lünette war der Besonderheit eines neuen Werkstücks geschuldet. Dabei forderte nicht nur das Verhältnis von Durchmesser zu Länge des Werkstücks – ein Teil der Hinterradlenkung beim Sportwagen eines Premiumherstellers im Schwäbischen – die Fertigung heraus, sondern erschwerend kommen verschiedene Rundläufe hinzu. „Ein solches Teil können sie nicht so einfach in jeder Werkstatt fertigen“, verdeutlicht Weber die Situation.

Geschlossene Lünette im Bauraum. – Bild: Röhm
Geschlossene Lünette im Bauraum der Drehmaschine. – Bild: Röhm

Das Besondere an dem Projekt: Per Kühlmitteldruck wird die Lünette geöffnet, per Federkraft wieder geschlossen. Sedlak erklärt: „An der Maschine gab es keine hydraulische Anbindung. Und der Revolver gab zudem die Einbauschnittstellen vor: ein genormter VDI-Schaft für die Aufnahme der Lünette und eine Anschluss-Bohrung fürs Kühlmittel“. Die Lösung an der Maschine: Die CNC-Steuerung fährt die geöffnete Lünette auf Position, es folgt das Signal „Kühlmittel an“. Die Spannarme der Lünette schließen sich, und das Werkstück ist jetzt sicher abgestützt und für den kommenden Bearbeitungsschritt bereit. Die Rückstellfederkraft öffnet daraufhin wieder die Spannarme der Lünette.

Ein Bypass ist die Lösung

Was so einfach klingt, in der Praxis stellt es sich oft anders dar. Da haben vorhandene Kühlmittelleitungen ein Rückschlagventil, das den Rückfluss des Kühlmittels verhindert. So war es auch bei der Sprint 50. Die Folge: Der Druck stand weiter an der Rückleitung fürs Kühlmittel an, die Feder musste gegen den Kühlmitteldruck ankommen, was wiederum das Abfließen des Kühlmittels behinderte, Störungen im Ablauf waren die Folge.

Eine pragmatische Lösung musste her, und zwar ein Bypass. Der CNC-Dienstleister Wesa und der Spannmittelhersteller Röhm entwickelten gemeinsam ein entsprechendes Entlastungsventil. Der Nutzen dieser Lösung: Das Kühlmittel konnte jetzt ungehindert abfließen.

Präsentieren das Ergebnis der guten gemeinsamen Zusammenarbeit. – Bild: Röhm
Präsentieren das Ergebnis der guten gemeinsamen Zusammenarbeit: Johannes Weber (links), Wesa, und Richard Sedlak, Röhm. – Bild: Röhm

Der Projektverlauf ist schnell geschildert. Im Juli 2015 ermittelte Sedlak, als Sales Engineer von Röhm für Baden-Württemberg zuständig, den Bedarf und die Aufgabenstellung bei Wesa. Im Januar 2016 bestellte Wesa dann zwei Revolver-Lünetten, die erste davon wurde im April 2016 ausgeliefert. Im Juni erfolgte der Umbau auf ein zusätzliches Entlastungsventil mit Ablaufbohrung. Zwei Wochen später lieferte Röhm die Lünette aus. Im Juli 2016 vermeldet Wesa: Die Lünette funktioniert! Vom ersten Kontakt bis zur Freigabe des Produkts verging somit nur knapp ein Jahr.

Das Fazit über das gemeinsame Projekt fällt einhellig aus. Sedlak und Weber bekräftigen: „Wir arbeiten sehr gut zusammen.“

Quelle: Röhm GmbH

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