Wie digitales Werkzeugmanagement die Fertigung vernetzt
Digitales Werkzeugmanagement sorgt beim Pumpenhersteller Munsch für durchgängige Datenflüsse, schnellere Rüstprozesse und mehr Prozesssicherheit in der CNC-Fertigung.
Redaktion FERTIGUNGRedaktionFERTIGUNG
Digitalisierung in der Fertigung: Das Werkzeugmanagement-System WinTool ist die Datendrehscheibe, die das digitale Management von Werkzeugen, Betriebsmitteln, Maschinenprogrammen, Prozessen und Stammdaten ermöglicht.Haimer
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Summary: Die Munsch GmbH in Ransbach-Baumbach hat ihr digitales Werkzeugmanagement mit WinTool, Toolbase und Haimer-Technik ausgebaut. In der Fertigung werden ERP-System, NC-Programme, Werkzeugausgabe, Voreinstellung, Schrumpf- und Wuchttechnik eng verknüpft. Ziel ist es, die hohe Variantenvielfalt in der Pumpenproduktion effizient, flexibel und prozesssicher zu beherrschen.
Pumpenhersteller Munsch ist ein Vorreiter in Sachen
Digitalisierung, die sich mittlerweile von der Produktkonfiguration bis zur
Montage erstreckt. Innerhalb der Produktion übernimmt das Werkzeugmanagement
eine wichtige Rolle. In enger Zusammenarbeit mit Haimer hat das Zerspanungsteam
einen digitalen Prozess implementiert, der sich von der Verwaltungssoftware
WinTool, über das Ausgabesystem Toolbase, das Haimer Microset Voreinstellgerät
UNO, die Schrumpf- und Wuchttechnologie bis hin zu Werkzeugaufnahmen und
Werkzeugen erstreckt.
Geschäftsführer Stefan Munsch vor einer Chemie-Kreiselpumpe NPC Mammut, die bis zu 5.000 m3 pro Stunde fördern kann: „Da bei uns jede Pumpe ein Unikat ist, könnten wir ohne Digitalisierung und Automatisierung wirtschaftlich nicht bestehen.“Haimer
Unternehmen, die mit toxischen, hochkorrosiven und hochreinen
Medien arbeiten, legen größten Wert auf garantierte Betriebssicherheit. Kunststoffpumpen der Munsch GmbH in Ransbach-Baumbach
können diese bieten, wie Geschäftsführer Stefan Munsch erklärt: „Bei unseren
Pumpen kommt das Medium ausschließlich mit einem ausgewählten Kunststoff in
Berührung, so dass wir eine universelle chemische Beständigkeit und Toleranz
gegenüber Feststoffen gewährleisten können.“
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Die Anwendungen für solche kunststoffausgekleidete Pumpen
sind vielfältig, wobei Stefan Munsch darauf hinweist, dass „bis zur Finanzkrise
2009 unsere Kunden zu rund 70 Prozent aus der Stahlindustrie kamen. Als dieser
Markt einbrach, wandten wir uns verstärkt der chemischen, Halbleiter- und Düngemittelindustrie
sowie dem Bergbau zu.“ Das hatte Konsequenzen. Denn die Anforderungen dieser Branchen
sind sehr unterschiedlich, so dass sich bei Munsch die Varianz im Pumpenangebot
in kurzer Zeit verzwanzigfachte.
Start in die Digitalisierung
„Um die veränderten Anforderungen bewältigen zu können, fand
bei uns ein gewaltiger organisatorischer Umbruch statt“, erinnert sich der
Firmenchef. „Die große Variantenvielfalt zwang uns gewissermaßen zum Start in
die Digitalisierung.“ Munsch entwickelte damals einen ersten
Produktkonfigurator, mit dem sich aus einer Maximalstückliste in kürzester Zeit
eine individuelle, kundenspezifische Auftragsstückliste ableiten ließ. „Das
brachte uns wieder nach vorne, denn wir waren dadurch viel schneller als der Mitbewerb“,
resümiert Stefan Munsch.
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Durch den Erfolg motiviert, verfeinerte Munsch über die
Jahre sein Konfigurationssystem und entwickelte die Digitalisierung der
Prozesse kontinuierlich weiter. Im Wesentlichen verantwortlich dafür ist Oliver
Herz, Leiter der IT-Anwendungsentwicklung. Er betreut das ERP-System, das bei
Munsch das zentrale Element ist, um sämtliche Prozesse digital zu managen. Herz
betont: „Bei uns muss jede Software mit dem ERP-System kommunizieren können,
damit ein durchgängiger Datenfluss gewährleistet ist – vom Liefereingang, über
die Auftragsverwaltung, Entwicklung und Produktion bis hin zu Versand und
nachgelagerten Verpflichtungen.“
Einzelteilfertigung erfordert häufiges Umrüsten
Digitalisierungsmanager Oliver Herz präsentiert das an einer Werkzeugmaschine installierte Werkstattterminal. Hier kann der Maschinenbediener die NC-Mappe öffnen, die alle Informationen fürs Rüsten und Abarbeiten des nächsten Arbeitsgangs bereithält.Haimer
Aktuell baut Munsch etwa 2.500 Pumpen im Jahr. Jede ist ein
Unikat, definiert durch den Kunden und seine Anwendung. Sie unterscheiden sich nach
Fördermenge und -höhe, Fördergut, Feststoffgehalt und Anschlüsse sowie diverse branchen-
und länderspezifische Vorschriften. „Dafür stellen wir heute im ERP-System
einen Lösungsraum bereit, der alle möglichen Komponenten, Gusswerkstoffe und
Kunststoffe enthält und sich kontinuierlich erweitern lässt“, erklärt Oliver
Herz. Aus diesem Lösungsraum wird je nach Anforderung automatisch die
individuelle Pumpe konfiguriert. Zudem legt eine selbstentwickelte Software jeden
in der Produktion benötigten Arbeitsschritt fest.
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„ Wir besitzen 16 moderne, größtenteils automatisierte
CNC-Maschinen“, sagt Oliver Herz. „Aufgrund des Variantenreichtums müssen wir
jedoch bis zu 40-mal täglich umrüsten.“ Ein Aufwand, der sich nur mit digitaler
Unterstützung bewältigen lässt. Deshalb investierte Munsch vor neun Jahren in die
Werkzeugmanagement-Software WinTool, die als Datenbrücke zwischen ERP-System,
CNC-Maschinen und Werkzeugen fungiert. „Sie kann mit unserem ERP-System
kommunizieren und Daten in beide Richtungen austauschen“, erklärt Oliver Herz
eine elementare Eigenschaft. „Darüber hinaus erlaubt WinTool, dass wir die
Oberfläche unseres ERP-Systems auf einem Werkstattterminal als
Benutzerinterface verwenden. Wir können hierüber Daten und Befehle eingeben, diese
in WinTool verarbeiten, ausgeben und wieder im ERP ablegen. WinTool arbeitet
bei uns komplett im Hintergrund.“
Die Munsch GmbH aus Ransbach-Baumbach hat ihr Werkzeugmanagement digitalisiert. Im Einsatz sind WinTool, Toolbase, ein Haimer Microset Voreinstellgerät UNO sowie Schrumpf- und Wuchttechnologie von Haimer.
Digitales Werkzeugmanagement
Bei Munsch Chemie-Pumpen ist das Werkzeugmanagement-System WinTool
heute der zentrale Ort, an dem alle Einzelkomponenten eines Komplettwerkzeugs erfasst
sind: Fräser, Bohrer, Wendeschneidplatten, Werkzeugaufnahmen, Unterlegplatten, Ersatzteile
etc. Aus diesen lassen sich in WinTool die Komplettwerkzeuge als digitale
Zwillinge zusammenbauen und verwalten.
Die Brücke zu den physischen Werkzeugen schlägt ein QR-Code,
mit dem jedes Einzelteil eineindeutig gekennzeichnet ist. Beim tatsächlichen
Zusammenbau wird dieser mit einem Scanner erfasst, so dass die Zuordnung zum digitalen
Pendant gewährleistet ist. Auch die Lagerhaltung der Komplettwerkzeuge – ob im
Ausgabeschrank oder im Werkzeugmagazin in der Maschine – wird über einen
QR-Code dokumentiert und in WinTool gespeichert. „Somit wissen wir genau,
welches Werkzeug sich wo befindet. Selbst die Werkzeugstandzeit können wir
dadurch nachvollziehen“, erklärt Oliver Herz.
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In Toolbase-Ausgabeschränken sind sämtliche Werkzeuge und Komponenten abgelegt. Jedes Einzelteil ist mit einem QR-Code eineindeutig gekennzeichnet und damit digital verfolgbar.Haimer
Um die Durchgängigkeit von WinTool zum Werkzeugausgabesystem
zu optimieren, entschlossen sich die Verantwortlichen bei Munsch, letzteres auf
Toolbase-Schränke und die entsprechende Software umzustellen. Denn WinTool und
Toolbase stammen aus demselben Haus, so dass die standardisierte Schnittstelle innerhalb
eines Tages eingerichtet war. Das Ergebnis: optimierte Prozesse. Wenn Munsch-Mitarbeiter
neue Komponenten in WinTool anlegen, können sie diese zusammen mit Bildern an
Toolbase übertragen. Sie bekommen einen Lagerplatz in einem Toolbase-Schrank
zugewiesen, der nach der Belegung an WinTool rückbestätigt wird.
Fürs Werkzeugmanagement bei Munsch zuständig ist Marcel
Weiner. Zu seinen Aufgaben gehört es, in enger Zusammenarbeit mit Oliver Herz
den digitalen Wandel in der Zerspanung umzusetzen. „Mit WinTool und Toolbase
haben wir eine solide Basis geschaffen, die unsere Fertigung flexibel und
prozesssicher macht“, berichtet der gelernte Zerspanungsmechaniker.
Auch die NC-Programme sind in die digitalen Abläufe und in
WinTool eingebunden. Marcel Weiner erklärt: „Wenn wir ein NC-Programm für ein
Bauteil schreiben, legen wir es parametrisch für alle möglichen Varianten an
und speichern es in unserem NC-Pool, der mittlerweile über 5000 solcher
Programme enthält.“ Steht ein Bauteil beziehungsweise ein Arbeitsgang zur
Fertigung an, zieht die Konfigurationssoftware automatisch das passende NC-Programm
aus dem Pool. Das ERP-System setzt die entsprechenden Parameter ein, und dann
wird es in einer NC-Mappe zur Abarbeitung an die Maschine geschickt.
„Diese NC-Mappe ist bei uns 1:1 einem Arbeitsgang an einer
Maschine zugewiesen“, erklärt Marcel Weiner. Steht der Arbeitsschritt an, kann
sie der Bediener auf dem Werkstatt-Terminal aufrufen. In ihr findet er die
benötigten Rüstdaten, also Werkzeugliste, Zeichnungen, Dokumente, Links, etc. –
sprich alle erforderlichen Mittel, um die Maschine zu rüsten und den
Arbeitsgang abzuschließen. „Mit WinTool sowie der damit verbundenen
Digitalisierung und Automatisierung haben wir Fehlerquellen eliminiert und den
Rüstvorgang enorm beschleunigt“, freut sich Zerspanungsfachmann Weiner.
Ein verlässlicher Partner für das gesamte Werkzeugmanagement
Seit einigen Jahren baut Munsch die Digitalisierung im
Werkzeugbereich weiter aus. Dazu steht den Verantwortlichen mit der Haimer GmbH
ein Partner zur Seite, den Geschäftsführer Stefan Munsch besonders schätzt:
„Ich kenne die Firma Haimer seit 2018, als ich im Rahmen einer
VDMA-Veranstaltung an einer Werksführung in Igenhausen teilnehmen durfte. Das
war für mich ein eindrucksvolles Erlebnis: Im ganzen Unternehmen und in den
Gesprächen mit der Inhaberfamilie konnte ich den Innovationsgeist und die
Kundenorientierung spüren. Da war ich mir sicher, dass Haimer auch für uns ein
perfekter Partner ist.“
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Oliver Herz (links), Leiter der IT-Anwendungsentwicklung, und Marcel Weiner (rechts), verantwortlich fürs Werkzeugmanagement bei Munsch, loben die Zusammenarbeit mit Haimer, vertreten durch den zuständigen technischen Verkaufsrepräsentanten Karl-Heinz Adelbrecht.Haimer
Als bei Munsch wenig später die Investition in ein neues
Werkzeugvoreinstellgerät anstand, fiel die Wahl auf das Haimer Microset-Gerät
UNO 20/40, das – ausgestattet mit einem entsprechenden Postprozessor – sich
perfekt ins Werkzeugmanagement bei Munsch integrieren ließ. Jedes
zusammengebaute Komplettwerkzeug wird damit gegenüber Soll-Daten geprüft und
die gemessenen Ist-Daten an WinTool übermittelt.
Seit dieser Investition hat sich der Kontakt zu Haimer intensiviert. Karl-Heinz Adelbrecht, der zuständige technische
Verkaufsrepräsentant von Haimer berät das Zerspanungsteam um Marcel Weiner
umfänglich. Schließlich ist Haimer der führende Komplettanbieter rund um die
Werkzeugthematik. Karl-Heinz Adelbrecht berichtet: „Gemeinsam haben wir die
Werkzeugbestände gesichtet, Vorschläge für Werkzeugaufnahmen gemacht und die
Schrumpftechnik eingeführt. Das führte bereits zu spürbaren Verbesserungen, die
wir nach entsprechenden Versuchen in Kombination mit Haimer Hartmetallwerkzeugen noch weiter ausbauen konnten.“ Marcel Weiner wird konkret:
„In der Gussbearbeitung ist es uns gelungen, mit Schrumpftechnik und 20er
Sonderfräsern, Radius 4 und 5, teilweise bis zu 40 Prozent Zeitersparnis zu erzielen.“
Wuchtgerät für Werkzeuge und kleine Laufräder
Netzwerkfähig und Industrie 4.0-ready: die Haimer Auswuchtmaschine Tool Dynamic i4.0 und das Schrumpfgerät Power Clamp NG.Haimer
Auch für das Haimer Wuchtgerät Tool Dynamic TD Comfort i4.0
zeigte sich Marcel Weiner aufgeschlossen. Schließlich lassen sich durch die
optimierte Wuchtgüte eines Komplettwerkzeugs verschiedene Verbesserungen
realisieren. „Die Standzeit von gewuchteten Werkzeugen erhöht sich durchschnittlich
um 20 Prozent“, wie Werkzeugfachmann Adelbrecht erwähnt. Außerdem erlauben gewuchtete
Werkzeuge mindestens um zehn bis 15 Prozent höhere Drehzahlen, ohne dass sich
die Werkzeugstandzeiten verkürzen. Argumente, die Munsch kurz darauf
verifizieren konnte. Dabei ergab sich noch ein weiterer Benefit, wie Marcel
Weiner bestätigt: „Wir können mit dem Haimer Wuchtgerät auch die kleinen Pumpenlaufräder
wuchten, für die unsere große Wuchtanlage nicht geeignet ist.“
Die Digitalisierung wirkt sich hier ebenfalls positiv aus.
Zum einen erhält das Wuchtgerät alle benötigten Daten über das ERP-System, so
dass der Bediener nur noch auf den Startknopf drücken muss. Nach
abgeschlossenem Wuchtvorgang erzeugt das Gerät ein Wuchtprotokoll, das dem
jeweiligen Laufrad automatisch zugeordnet wird.
Digitalisierungsexperte Oliver Herz ist mit den
Fortschritten in der Fertigung sehr zufrieden: „Mit Wintool und Toolbase haben
wir perfekte Systeme für unser Werkzeugmanagement beschafft. Da sich Haimer im März
2024 mit 25 Prozent an der WinTool AG beteiligt und eine strategische
Partnerschaft mit der TCM-Gruppe vereinbart hat, ist unser ganzes
Werkzeugequipment noch enger zusammengewachsen. Jetzt bekommen wir Unterstützung
für alle Bereiche aus einer Hand.“
• Was leistet digitales Werkzeugmanagement bei Munsch? – Es verbindet ERP-System, WinTool, Toolbase, CNC-Maschinen, Werkzeugdaten und physische Werkzeuge zu einem durchgängigen Fertigungsprozess.
• Warum ist digitales Werkzeugmanagement für Munsch wichtig? – Die hohe Variantenvielfalt der Pumpen führt zu häufigem Umrüsten und erfordert sichere, aktuelle und eindeutig zugeordnete Werkzeugdaten.
• Wie unterstützt digitales Werkzeugmanagement die CNC-Fertigung? – Es stellt Werkzeuglisten, Rüstdaten, NC-Programme, Dokumente und Zuordnungen digital bereit und reduziert dadurch Fehlerquellen.
• Welche Systeme gehören zum digitalen Werkzeugmanagement bei Munsch? – Eingesetzt werden unter anderem WinTool, Toolbase, das Haimer Microset UNO 20/40 sowie Schrumpf- und Wuchttechnik von Haimer.
• Welche Effekte bringt digitales Werkzeugmanagement in der Produktion? – Genannt werden beschleunigte Rüstvorgänge, höhere Prozesssicherheit, nachvollziehbare Werkzeugstandzeiten und Zeitersparnisse in der Gussbearbeitung.