Hartmetall wird für die Zerspanungsindustrie zum strategischen Thema. Steigende Preise, unsichere Lieferketten und längere Lieferzeiten erhöhen den Druck auf Drehteilehersteller und Werkzeuganbieter.
Redaktion FERTIGUNGRedaktionFERTIGUNG
Präzise Werkzeuge sind die Voraussetzung für anspruchsvolle Zerspanungsprozesse in der modernen Fertigung des Drehteilherstellers Kowe.Kowe CNC
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Summary: Der Verband der Deutschen Drehteile-Industrie diskutierte auf seiner Frühjahrstagung die angespannte Lage bei Wolfram und Hartmetall. Steigende Werkzeugkosten, volatile Rohstoffpreise und die starke Abhängigkeit von China erschweren Kalkulation und Beschaffung. Die Unternehmen reagieren mit effizienteren Werkzeugkonzepten, Wiederaufbereitung, Nachschärfen und diversifizierten Lieferketten.
Zwischen Kostendruck und Versorgungssicherheit blickt die
Zerspanungsbranche derzeit besonders auf die Verfügbarkeit von Wolfram und
Hartmetall. Steigende Werkzeugpreise und anfällige Lieferketten erhöhen den
Druck auf die Unternehmen. Gleichzeitig rücken effiziente Prozesse, alternative
Werkzeugkonzepte und stabile Beschaffungsstrategien stärker in den Fokus. Auf
der Frühjahrstagung des Verbands der Deutschen Drehteile-Industrie wurde
deutlich, wie intensiv sich die Branche mit diesen Entwicklungen
auseinandersetzt.
Was auf den internationalen Rohstoffmärkten beginnt, wirkt
sich inzwischen direkt auf die Kalkulationen der Drehteilehersteller aus.
Wolfram ist ein zentraler Bestandteil moderner Hartmetallwerkzeuge und für
Zerspanungsprozesse unverzichtbar. Hohe Schnittgeschwindigkeiten,
wirtschaftliche Standzeiten und Prozesssicherheit lassen sich in zahlreichen
Anwendungen ohne Hartmetall kaum erreichen.
Entsprechend aufmerksam verfolgen auch die Mitglieder des
Verbands der Deutschen Drehteile-Industrie die Preis- und
Verfügbarkeitsentwicklung. Es zeigt sich ein einheitliches Bild: Es geht längst
nicht mehr nur um steigende Rohstoffpreise. Die starke Konzentration von
Wolframförderung und -verarbeitung in China macht die europäischen Industrien
verwundbar. Politische Spannungen, Handelskonflikte oder Exportbeschränkungen wirken
sich unmittelbar auf Lieferketten und Märkte aus.
Julius Klinke, Geschäftsführer der Julius Klinke GmbH & Co. KG und Vorstandsmitglied im Verband der Deutschen Drehteile-Industrie.Julius Klinke
„Die massiven Preissteigerungen der vergangenen Monate sind
leider nicht mehr zu kompensieren“, sagt Markus Horn vom Werkzeughersteller
Horn. „Das Vertrauen in die Lieferkette hat massiv gelitten.“ Damit entwickelt
sich ein früher operatives Beschaffungsthema zunehmend zu einer strategischen
Herausforderung für die gesamte Wertschöpfungskette.
Preisdruck und begrenzte Spielräume
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Die Auswirkungen sind in den Fertigungen deutlich spürbar. Werkzeug-
und Hartmetallpreise steigen teils erheblich, der Wettbewerbsdruck ist hoch,
viele Kunden erwarten stabile Preise. „Während wir uns auf der einen Seite
nicht gegen diese Erhöhungen wehren können, ist es kaum bis gar nicht möglich,
sie wiederum an unsere Kunden weiterzugeben“, beschreibt Julius Klinke vom Drehteilehersteller
Julius Klinke die Situation. Viele Betriebe sehen sich gezwungen, einen Teil
der Mehrkosten selbst zu tragen.
Auch andere Unternehmen spüren den Druck. Der sächsische
Präzisionsdrehteilehersteller SUSA Sauer berichtet von einem erheblichen
Aufwand, um Preisentwicklungen laufend zu bewerten und in die Kalkulation einzubeziehen.
Ständige Kostenanpassungen und kurze Angebotsfristen erschweren die Projektierung
und binden zusätzliche Kapazitäten. Vergleichbare Herausforderungen meldet
Maier, ebenfalls ein Spezialist für Präzisionstechnik. Insbesondere die
schwankenden Rohstoffkosten erschweren eine verlässliche Einpreisung, während
gleichzeitig die Anforderungen an Reaktionsgeschwindigkeit steigen. Beim Hartmetall-Sonderwerkzeughersteller
Prinzbach zeigt sich ein ähnliches Bild. Das Unternehmen verweist auf die hohe
Volatilität an den Rohstoffmärkten. Aufträge müssten deutlich häufiger neu
kalkuliert werden, während langfristige Preiszusagen und belastbare Planungen
dadurch immer schwieriger würden.
Neben den Kosten rückt die Verfügbarkeit stärker in den
Fokus. Die Versorgung mit Hartmetallwerkzeugen ist derzeit noch weitgehend stabil,
doch bei einzelnen Produkten verlängern sich die Lieferzeiten. Das bestätigen
Heinrichs Drehteile und Kößler. Die beiden Hersteller von Präzisionsdrehteilen melden
bei Standardwerkzeugen Lieferzeiten von mehr als vier Wochen und verzeichnen
erste Engpässe. Viele Unternehmen rechnen damit, dass sich die Situation im
weiteren Jahresverlauf verschärfen könnte. Entsprechend vorausschauend müssen
sie ihre Beschaffungsprozesse planen.
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Bei der Bewertung der internationalen Abhängigkeiten
herrscht weitgehend Einigkeit: Die europäische Zerspanungsindustrie ist stark
auf asiatische, insbesondere chinesische Lieferanten angewiesen. Rund 80
Prozent des weltweit gewonnenen Wolframs kommen aus China. Entsprechend wächst
der Wunsch nach diversifizierten Lieferketten, stärkeren europäischen
Recyclingkapazitäten und einer eigenständigen Rohstoffstrategie.
Technische Antworten statt Verzicht
Die Unternehmen reagieren nicht mit Abwarten. Ein Ersatz für
Hartmetall steht derzeit kaum zur Diskussion. Dafür sind die Vorteile des
Werkstoffs bei Standzeit, Produktivität und Prozesssicherheit zu groß.
Stattdessen setzen die Betriebe auf einen effizienteren Einsatz: optimierte
Schneidengeometrien, moderne Beschichtungen, mehrschneidige Werkzeuge sowie
konsequentes Nachschärfen und Wiederaufbereiten. Auch alternative
Werkstoffkonzepte wie Cermet gewinnen in bestimmten Anwendungen an Bedeutung.
„Die aktuelle Situation bei Wolfram und Hartmetall ist für
uns sehr angespannt“, erklärt Stefan W. Schauerte. „Durch die starken und
kurzfristigen Preisentwicklungen sind Werkzeugkosten derzeit kaum noch
verlässlich kalkulierbar.“ Schauerte ist Hersteller von Präzisionsdrehteilen mit
eigener Werkzeugschleiferei und setzt unter anderem darauf, Werkzeuge noch
intensiver und materialbewusster nachzuschärfen, bei Bedarf umzuarbeiten sowie nach
Möglichkeit Kronenwerkzeuge einzusetzen, die deutlich weniger Rohstoff benötigen
als komplette Vollhartmetalllösungen. Ähnlich agiert KOWE mit einem Fokus auf Ressourceneffizienz.
Das Unternehmen nutzt in seiner Drehteilfertigung moderne Beschichtungen, wiederaufbereitete
Werkzeuge und auch Wechselkopfsysteme.
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Werner Liebmann, Geschäftsführer des Verbands der Deutschen Drehteile-Industrie.Verband der Deutschen Drehteile-Industrie
Blick in die Zukunft
Wolfram und Hartmetall bleiben für die Zerspanung auf
absehbare Zeit unverzichtbar. Gleichzeitig erhöhen steigende Kosten,
geopolitische Risiken und eine starke Konzentration der Lieferketten den Druck
auf die Branche. Die Antwort lautet daher nicht Verzicht, sondern Effizienz:
längere Standzeiten, intelligentere Werkzeugkonzepte, konsequentes Recycling
und ein möglichst sparsamer Einsatz eines Werkstoffs, der für viele Anwendungen
alternativlos bleibt.
Verbandsgeschäftsführer Werner Liebmann sieht darin einen zentralen
Weg für die kommenden Jahre: „Die Unternehmen stehen weiterhin unter
erheblichem Druck, reagieren aber sehr schnell und flexibel auf die neuen
Rahmenbedingungen. Diese Innovationskraft wird entscheidend sein, um die
Wettbewerbsfähigkeit der Zerspanungsindustrie langfristig zu sichern.“
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Quelle: Verband der Deutschen Drehteile-Industrie, bearbeitet von: Sabine Königl
FAQ zu Hartmetall in der Zerspanung
Warum ist Hartmetall für die Zerspanung unverzichtbar? Hartmetall ermöglicht hohe Schnittgeschwindigkeiten, wirtschaftliche Standzeiten und eine hohe Prozesssicherheit.
Warum steigen die Preise für Hartmetall? Steigende Rohstoffkosten, volatile Märkte und konzentrierte Lieferketten erhöhen die Werkzeug- und Materialpreise.
Welche Rolle spielt China bei Hartmetall? Rund 80 % des weltweit gewonnenen Wolframs kommen aus China, wodurch eine starke Abhängigkeit entsteht.
Wie reagieren Unternehmen auf die Hartmetall-Knappheit? Sie setzen auf Nachschärfen, Wiederaufbereitung, moderne Beschichtungen, Wechselkopfsysteme und materialeffiziente Werkzeugkonzepte.
Welche Auswirkungen hat Hartmetall auf die Wettbewerbsfähigkeit? Hohe Kosten und unsichere Lieferketten erschweren Kalkulation und Planung, während effiziente Lösungen die Wettbewerbsfähigkeit stabilisieren sollen.