Prozesssicherheit entscheidet über Effizienz in der Zerspanung. Bei CNC-Technik Seifer wurde sie zum zentralen Hebel, um Automatisierung und Produktivität nachhaltig zu verbessern. Für stabile Bearbeitungsprozesse sorgten auch die eingesetzten Werkzeuge von Ingersoll.
Redaktion FERTIGUNGRedaktionFERTIGUNG
Jahrelang liefen zwei automatisierte Mazak-Maschinen bei Seifer nur mit Bediener, weil Prozesssicherheit in der Fertigung nicht gegeben war.Ingersoll Werkzeuge
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Summary: CNC-Technik Seifer in Eitorf optimiert 2025
gemeinsam mit Ingersoll seine Fertigung. Durch neue Werkzeuge und
Prozessanpassungen steigen Standzeiten und Stabilität deutlich. Das ermöglicht
mannlose Laufzeiten und setzt Kapazitäten frei.
Als Alexander Caevskij 2025 die Geschäftsführung der
CNC-Technik Seifer GmbH in Eitorf übernahm, hat sich der gelernte
Zerspanungsmechaniker und studierte Betriebswirt einen lange gehegten Wunsch
erfüllt: ein eigenes Unternehmen zu leiten. Dabei war er zunächst mit einer
ganzen Reihe an Problemen konfrontiert und nahm die Unterstützung der Ingersoll Werkzeuge GmbH gerne an, um die Produktion auf Vordermann zu bringen.
Mit einem einzigen Großkunden ist CNC-Technik Seifer ein
eher untypischer Lohnfertiger. Seit 1974 Firmengründer Gottfried Seifer
nebenberuflich mit der Fertigung von Drehteilen auf einer konventionellen
Drehmaschine in einem Kellerraum seines Wohnhauses begann, ist dieser Kunde der
Stoßdämpfer-Hersteller Boge, der ebenfalls in Eitorf sitzt. Mit
unterschiedlichen Eigentümern änderte sich dessen Firmenname immer wieder mal,
die Geschäftsbeziehung zu Seifer blieb aber ununterbrochen bestehen. 1992 haben
die beiden Töchter des Gründers die Firma übernommen, die dann im Mai 2025 an Alexander Caevskij ging.
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Gut 90 Prozent der von Seifer gefertigten Bauteile sind für
die Firma Boge bestimmt, die heute zum ZF-Konzern gehört. Produziert werden für
sie in erster Linie Komponenten für Schwerlast-Stoßdämpfer, die beispielsweise
für Schienenfahrzeuge und LKW gebraucht werden. Seifer stellt sie in kleinen
bis mittleren Losgrößen vor allem aus Automatenstahl und Baustahl her. Für den
Rennsport werden kleinere Stückzahlen gefertigt. „Weil wir immer schnell, pünktlich
und in höchster Qualität liefern, sind wir bei unserem Kunden AAA-Zulieferer“,
erklärt Caevskij und verweist auf eine Quote von 98
% bei der Pünktlichkeit und einen noch höheren Wert bei der Qualität.
Um diese Ergebnisse zu erreichen, musste der Lohnfertiger
aber stets einen sehr hohen Aufwand betreiben. Als Caevskij
das Unternehmen kennenlernte, stellte er fest, dass es in der Fertigung deutliche
Schwächen gab. Exemplarisch dafür stehen zwei automatisierte Maschinen, die
zwar seit Jahren im Einsatz sind, ihr eigentliches Potenzial zur mannlosen
Produktion jedoch nie ausgeschöpft haben. Weil Prozesssicherheit nicht gegeben
war, konnten die Maschinen nicht ohne Aufsicht betrieben werden. Sie liefen
nur, wenn ein Mitarbeiter sie überwachte und eingriff, wenn es zu
Plattenbrüchen, Spänestau oder mangelhaften Standzeiten kam. Zahlen belegen,
dass die automatisierten Maschinen kürzere Laufzeiten erreichten als jede andere
der insgesamt 24 im Unternehmen vorhandenen Mazak-Maschinen.
Zwei-Maschinen-Konzept: Während der Werker auf einer Seite rüstet, läuft auf der zweiten Maschine bereits die Bearbeitung der anderen Seite des Bauteils.Ingersoll Werkzeuge
Dass es Seifer dennoch schaffte, Bauteile relativ günstig in
den verlangten Stückzahlen anbieten zu können, liegt am Zwei-Maschinen-Konzept,
das sich in der Fertigung etabliert hat. Dafür stehen jeweils zwei Maschinen
parallel zueinander. Eine wird für die Vorderseite des Werkstücks gerüstet, die
andere für die Rückseite. Während eine Seite bearbeitet wird, kann für die
andere bereits wieder gespannt werden. Für die Bedienung ist nur ein
Mitarbeiter erforderlich, der das Bauteil danach auch gleich entgratet und noch
an der Maschine verpackt. „Jeder wundert sich über unseren großen
Materialumschlag mit nur 13 Mitarbeitern“, so Caevskij.
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Produktion neu aufgerollt
Zusammen mit seinem Bruder Paul Caevskij, der schon einige
Monate zuvor in das Unternehmen eingetreten war, um Produktion und Produkte
kennen zu lernen, machte sich der neue Firmenchef umgehend daran, vieles
umzustrukturieren. Die Ursache für die häufig fehlende Prozesssicherheit in der
Fertigung sah er in den bislang eingesetzten Werkzeugen. Unter der vorherigen
Firmenleitung waren durchweg billige Werkzeuge angeschafft worden. Die Meinung
von Paul Caevskij, der inzwischen als Produktionsleiter fungiert, ist dazu
eindeutig: „Langfristig wird damit gar nichts gespart, weil man dann die
Werkzeuge doppelt und dreifach kauft. Durch höhere Standzeiten bekommen wir die
höheren Kosten für bessere Werkzeuge schnell wieder rein. Sowohl Maschinenstillstände
als auch das ständige Neueinfahren verursachen Kosten und erhöhen gleichzeitig
das Risiko zusätzlicher Fehlerquellen.“
Neben den Werkzeugen selbst mangelte es auch an der
Betreuung durch den Hersteller, die laut Alexander Caevskij praktisch nicht
existent war. „Probleme entstehen meistens im Prozess und dann muss es schnell
gehen mit einer passenden Lösung dafür. Bis sich der Hersteller zurückmeldete,
hatten wir das Problem meist bereits eigenständig gelöst.“ Dass das mit Ingersoll ganz anders läuft, wusste er bereits von seiner früheren Wirkungsstätte. Bevor
er nach Eitorf kam, war er drei Jahre lang bei einem Berliner Unternehmen als
Fertigungsleiter tätig. Dort stellte sich eine ganz ähnliche Aufgabe: Bearbeitungen
sollten so stabil ausgelegt werden, dass sie anschließend auf einer
Automatisierungsanlage laufen konnten. Ingersoll hatte dabei nicht nur die Prozesssicherheit
hergestellt, sondern zudem die Laufzeit um 60 % reduziert. „Wenn bei uns
ein Problem auftrat, war Ingersoll immer gleich zur Stelle und hat sich an die
Arbeit gemacht“, so Caevskij.
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Ingersoll als Problemlöser gefragt
Mit seinem TB-Drehhalter bringt Ingersoll den Kühlschmierstoff gezielt von oben und unten an die Werkzeugschneide.Ingersoll Werkzeuge
Bei diesen positiven Erfahrungen zögerte Caevskij nicht,
seine bestehenden Kontakte zu nutzen und Ingersoll als neuen
Werkzeuglieferanten für Seifer zu wählen. In einem ersten Projekt waren
Lösungen gefragt, mit denen ein mannloser Betrieb der automatisierten Maschinen möglich ist. Dazu hat sich Christopher Hees, Anwendungstechniker bei Ingersoll,
die ganzen Prozesse in Eitorf angeschaut und auf mögliche Optimierungen hin
überprüft. Für die Fertigung von Schraubringen analysierte er die Bearbeitungsparameter.
Hier wurden Optimierungen in Bezug auf Spanformer und Schneidstoff vorgenommen.
Die bisher eingesetzte Wendeschneidplatte war für den bestehenden Prozess nicht
passend zur Bearbeitung ausgelegt. Weiterhin war die Umstellung auf
innengekühlte Werkzeuge, um die Spanabfuhr zu verbessern, sehr wichtig. Christopher
Hees realisierte das mit TB-Drehhaltern aus dem Programm von Ingersoll. Die
passenden Wendeschneidplatten brachten auch Verbesserungen für den nachfolgenden
Schlichtprozess.
Mit diesen Maßnahmen konnten Standzeiten verdoppelt werden. Eine
noch höhere Zeiteinsparung wurde bei der Gewindebearbeitung erreicht. Mit einem
Werkzeug hatte man gerade mal eine Palette mit 24 Schraubringen geschafft.
Danach war das Werkzeug so verschlissen, dass die Gewinde zu eng wurden. Zu
Prozessoptimierung setzte Ingersoll eine zweischneidige Gewindeplatte ein, mit
der die Werker das Sechsfache an Standzeit herausbekamen.
Machen die Produktion Schritt für Schritt prozesssicherer (v.l.): Alexander Caevskij (Geschäftsführer CNC-Technik Seifer GmbH) Christopher Hees (Anwendungstechniker Ingersoll), Paul Caevskij (Produktionsleiter CNC-Technik Seifer GmbH) und Jochen Cramer (Handelsvertreter Ingersoll).Ingersoll Werkzeuge
Ein weiteres Problemteil waren Gewindebolzen mit einer
harten Walzkruste am Rohling. Paul Caevskij berichtet über häufige
Plattenbrüchen bei der Bearbeitung: „Wir wussten nie, wie viele Teile
problemlos laufen, bevor die Maschine wieder steht.“ Auch hier hat Christopher
Hees den Prozess komplett überdacht und eine neue Strategie ausgearbeitet. Zunächst
wird mit einer Nebenschneide die Walzkruste abgetragen und danach kommt das
eigentliche Werkzeug mit der Hauptschneide im glatten Schnitt zum Einsatz.
Durch Umstellung des Arbeitsablaufs konnte so neben einer höheren Prozesssicherheit
auch eine fünffache höhere Standzeit der Hauptschneide erzielt werden.
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Hohe Stabilität, niedrige Taktzeiten
Im Laufe der Monate wurde die automatisierte Fertigung von
immer mehr Bauteilen ermöglicht. „Wir waren sehr oft hier vor Ort, um die
Prozesse einzufahren und zu optimieren“, berichtet Christopher Hees. „Die
Herausforderung haben wir schnell und gut in den Griff bekommen.“ Prozesssicherheit
stand dabei jeweils an erster Stelle, doch ergaben sich als Nebeneffekt in der
Regel auch deutliche Taktzeiteinsparungen. Ingersoll hat dafür viele Werkzeuge
aus praktisch jeder seiner Produktlinien eingebracht.
Als sehr nützlich hat sich dabei die Innenkühlung erwiesen. „Im
Prozess hatten wir nie genau gesehen, wo der Kühlschmierstoff hinkommt“,
erläutert Paul Caevskij. „Bei den Werkzeugen von Ingersoll mit Innenkühlung ist
nun gewährleistet, dass der Kühlschmierstoff immer perfekt auf die Schneide
gelangt. Wir können damit sicher sein, dass optimal gekühlt wird und eine
saubere Spanabfuhr erfolgt.“ Zum Erfolg tragen auch Wendeschneidplatten bei,
die mit Spanformer und Substrat an die Bearbeitung angepasst sind und kurze
Späne erzeugen.
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Werkzeuge mit ChipSurfer-Anbindung setzt Seifer in verschiedenen Ausführungen ein. Mit seinen Schraubköpfen bietet das System hohe Wechselgenauigkeit und reduziert mögliche Fehlerquellen für die Mitarbeiter.Ingersoll Werkzeuge
Ideal für die automatisierte Fertigung ist der ChipSurfer in
Verbindung mit der von Ingersoll angebotenen Spannzangenanbindung. Durch diese
Anbindung wird ein Herausziehen des Fräsers beim Schruppen, was bei Seifer immer
wieder mal passierte, verhindert. Direkte Kühlmittelübergabe, weniger
Schnittstellen und hohe Wechselgenauigkeit sind weitere Vorteile. Auch das
Abstechsystem WinCut haben die Fertiger in Eitorf schätzen gelernt. Das 3D-gedruckte
Werkzeug erzeugt mit seiner optimalen Kühlung nicht nur bessere Oberflächen bei
höherer Standzeit sondern spart auch Material ein. Bei Losgrößen bis 1.000
Stück bringt die Reduzierung der Abstechbreite von 3 auf 2 mm eine jährliche
Materialeinsparung von etwa 20 m. Für das Toolmanagement hat sich Seifer einen
Matrix-Schrank von Ingersoll zugelegt. „Damit passieren weniger Fehler und wir
laufen nicht Gefahr, dass uns Werkzeuge ausgehen, weil wir nicht rechtzeitig
nachbestellt haben“, erläutert Paul Caevskij den Nutzen.
Zwei Maschinen eingespart
Je nach Artikel laufen Bauteile auf den beiden
automatisierten Maschinen inzwischen 5 bis 6 Stunden mannlos durch. Dadurch
werden Kapazitäten auf anderen Maschinen frei. Das hat sich bereits auf den
Einsatz von zwei Maschinen aufsummiert, die jetzt für andere Aufgaben zur
Verfügung stehen. Unterdessen schreiten die Optimierungen in der Fertigung
voran. Alexander Caevskij möchte gerne weitere Maschinen automatisieren, um so
auch dem Fachkräftemangel entgegenzuwirken.
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Zum Ablauf hat er konkrete Vorstellungen: „Der erste Schritt
ist immer, Prozesssicherheit zu erreichen. Es nützt nichts, einen Roboter
hinzustellen, wenn das nicht zuverlässig funktioniert. Erst wenn das Bauteil
stabil läuft, kann man einen Roboter einsetzen. Das ist dann einfach.“ Stabile
Prozesse sind für ihn auch eine Voraussetzung, um neue Kunden zu akquirieren
und künftig auch andere Bauteile herzustellen.
Warum ist Prozesssicherheit in der Zerspanung entscheidend?
– Prozesssicherheit verhindert Maschinenstillstände, reduziert Fehler und
ermöglicht stabile sowie automatisierte Abläufe.
Wie verbessert Prozesssicherheit die Wirtschaftlichkeit? –
Höhere Standzeiten und weniger Stillstände senken Kosten und steigern die
Produktivität.
Welche Rolle spielen Werkzeuge für Prozesssicherheit? –
Angepasste Werkzeuge mit optimierter Geometrie und Kühlung sind zentral für
stabile Bearbeitungsprozesse.
Wie hängt Prozesssicherheit mit Automatisierung zusammen? –
Erst stabile Prozesse ermöglichen einen mannlosen Betrieb und den sinnvollen
Einsatz von Automatisierungstechnik.
Welche Ergebnisse erzielt CNC-Technik Seifer durch mehr
Prozesssicherheit? – Längere Standzeiten, mannlose Laufzeiten von bis zu 6
Stunden und freigesetzte Maschinenkapazitäten.