Neue Forschungseinrichtung stärkt den Werkzeug- und Formenbau
Der VDWF warnt aktuell in einem offenen Brief vor dem Niedergang des deutschen Werkzeug- und Formenbaus – Produktion eingebrochen, Aufträge wandern nach China. Die TH Deggendorf antwortet darauf mit einem neuen Forschungsinstitut für Werkzeug-, Formen- und Modellbau, das Wissenschaft und Industrie eng verzahnen soll. Wird damit aus der Krise doch noch eine Chance?
Redaktion FERTIGUNGRedaktionFERTIGUNG
Die Institusgründer und -leiter von links nach rechts: Prof. Dr.-Ing. Nikolaus Urban, Prof. Dr.-Ing Andrey Prihodovsky, Prof. Dr.-Ing. Anton Schmailzl und Prof. Dr.-Ing Ludwig Gansauge.
Anzeige
Summary: Die TH Deggendorf eröffnet das Institut für Werkzeug-, Formen- und Modellbau (IWFM), um dem massiven Druck auf den deutschen Werkzeug- und Formenbau mit gezielter Forschung entgegenzuwirken. Der VDWF hatte zuvor in einem offenen Brief an die Bundesregierung auf einen Produktionsrückgang von 34 Prozent seit 2018, steigende Kosten und die Verlagerung von Aufträgen nach China hingewiesen. Das neue Institut setzt auf Digitalisierung, Automatisierung und engen Wissenstransfer zwischen Wissenschaft und Industrie, um die Wettbewerbsfähigkeit der Branche langfristig zu sichern.
Mit der Eröffnung des Instituts für Werkzeug-, Formen- und Modellbau (IWFM) an der
Technischen Hochschule Deggendorf wird für die Branche ein wichtiges Zeichen für
Innovation, Forschung und Wissenstransfer gesetzt. Gerade in einer Zeit, in der der
deutsche Werkzeug- und Formenbau unter massivem wirtschaftlichen Druck steht, wird
deutlich: Zukunftsfähigkeit entsteht nicht allein durch Investitionen in Maschinen,
sondern vor allem durch technologischen Fortschritt, unternehmensübergreifender
Kollaboration und intelligente Nutzung von Daten.
Der offene Brief des VDWF fordert von der Regierung Maßnahmen zur Rettung des deutschen Werkzeug- und Formenbaus.VDWF
Der aktuelle offene Brief des Verbands Deutscher Werkzeug- und Formenbauer e.V.
(VDWF) an die Bundesregierung unterstreicht die Dringlichkeit. Darin weist der Verband
auf die dramatische Lage der Branche in Deutschland hin: steigende Energie-, Materialund Personalkosten, verschärfter internationaler Wettbewerb und ein Rückgang des
Produktionsvolumens um rund 34 % seit 2018 setzen viele Unternehmen massiv
unter Druck.
Anzeige
Gleichzeitig ist der Werkzeug- und Formenbau ein zentraler Bestandteil der
industriellen Wertschöpfung – ohne Werkzeuge und Formen gäbe es keine
Serienfertigung in Automobilindustrie, Medizintechnik oder Konsumgüterproduktion.
Weltweit wächst der unikatfertigende Markt, verlagert sich strategisch allerdings nach
China und wird dort voraussichtlich fest verankert bleiben – „was weg ist, ist weg“.
Forschung als Schlüssel zur Wettbewerbsfähigkeit
Genau hier setzt das neue Institut der TH Deggendorf an. Ziel ist es, aktuelle
Entwicklungen systematisch zu erforschen und schnell in industrielle Anwendungen zu
überführen. Im Fokus stehen insbesondere datenbasierte Prozessoptimierungen,
Automatisierung entlang der gesamten Prozesskette (CAD, CAPP, CAM, Fertigung, CAQ)
sowie neue Ansätze zur interorganisational digital orchestrierten Kollaboration.
Bei der Institutseröffnung wurden konkrete Lösungsansätze präsentiert, die einen
Paradigmenwechsel im Werkzeug- und Formenbau unterstützen: weg von einer reinen
Hardwareorientierung hin zu einer intelligenten Datennutzung.
Anzeige
Durch die Verknüpfung
von Produktionsdaten mit Algorithmen und Automatisierungstechnologien können
bislang ungenutzte Effizienzpotenziale erschlossen werden. Ziel ist es, komplexe
Fertigungsprozesse prozessual und datentechnisch beherrschbarer zu machen und
damit die Gesamtanlageneffektivität nachhaltig zu steigern.
Von der Forschung direkt in die industrielle Praxis
Ein besonderes Merkmal des neuen Instituts ist die konsequente Ausrichtung auf den
Transfer in die industrielle Anwendung. Viele der vorgestellten Lösungen basieren auf
langjährigen Forschungs- und Validierungsarbeiten und verfügen bereits über einen
hohen technologischen Reifegrad.
So werden beispielsweise Ansätze zur Automatisierung komplexer 3DProgrammierprozesse entwickelt, die bisher als besonders zeitaufwendig und
wissensintensiv gelten. Erste Pilotprojekte wurden bereits gestartet, um diese
Technologien in realen Produktionsumgebungen zu erproben und weiterzuentwickeln. Parallel werden neue Fertigungstechnologien wie additive Verfahren (SAAM) für
großvolumige Stahlbauteile untersucht, die künftig zusätzliche Gestaltungsspielräume
im Werkzeug- und Formenbau eröffnen könnten.
Anzeige
Kooperation mit der Industrie ausdrücklich erwünscht
Die Initiatoren des Instituts setzen dabei bewusst auf eine enge Zusammenarbeit mit
der Industrie. Ziel ist es, Forschungsvorhaben nicht isoliert im akademischen Umfeld zu
entwickeln, sondern gemeinsam mit Unternehmen aus dem Werkzeug-, Formen- und
Modellbau umzusetzen. Dadurch können neue Technologien schneller validiert und
direkt in den Produktionsalltag integriert werden.
Unternehmen der Branche sind daher ausdrücklich eingeladen, sich als Partner an
laufenden und zukünftigen Forschungsprojekten zu beteiligen und ihre praktischen
Fragestellungen in die Entwicklungsarbeit einzubringen.
Ein positives Signal für die Branche
Anzeige
Die Gründung des Instituts kommt zu einem entscheidenden Zeitpunkt. Während der
VDWF im offenen Brief eindringlich vor einer schleichenden Deindustrialisierung in
Deutschland warnt, zeigt die Initiative der TH Deggendorf, dass die Branche aktiv an
ihrer technologischen Zukunft arbeitet.
Forschung, Digitalisierung und enger Wissenstransfer zwischen Wissenschaft und
Industrie werden entscheidend dafür sein, die Wettbewerbsfähigkeit des europäischen
Werkzeug- und Formenbaus langfristig zu sichern.
Das neue Institut in Deggendorf kann
dabei eine zentrale Rolle übernehmen – als Innovationsplattform, als Impulsgeber für
technologische sowie prozessuale Entwicklungen und als Brücke zwischen
akademischer Forschung und industrieller Praxis.
FAQ zu TH Deggendorf neues Forschungsinstitut
Was ist das IWFM?
Das Institut für Werkzeug-, Formen- und Modellbau der TH Deggendorf erforscht datenbasierte Prozessoptimierung und Automatisierung – mit dem Ziel, Ergebnisse schnell in die Industrie zu übertragen.
Wie ernst ist die Lage der Branche?
Seit 2018 ist das Produktionsvolumen um 34 % eingebrochen. Der VDWF warnt in einem offenen Brief an die Bundesregierung vor drohender Deindustrialisierung.
Können Unternehmen mit dem Institut zusammenarbeiten?
Ja, ausdrücklich. Das IWFM sucht Industriepartner, die konkrete Fragestellungen in Forschungsprojekte einbringen und neue Technologien gemeinsam erproben.
Welche Technologien werden entwickelt?
Schwerpunkte sind die Automatisierung komplexer 3D-Programmierprozesse und additive Fertigungsverfahren für Stahlbauteile. Erste Pilotprojekte laufen bereits.