So verändern digitale Technologien den Werkzeugmaschinenbau
Cyber-Resilienz wird für F. Zimmermann zum Kern moderner Werkzeugmaschinen. Der Maschinenbauer verbindet Sicherheit, digitalen Zwilling und KI mit Präzision.
Redaktion FERTIGUNGRedaktionFERTIGUNG
Bei F. Zimmermann entstehen aus mechanischen Komponenten funktionsfähige, prozesssichere Gesamtlösungen.
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Die
hochpräzisen Portalfräsmaschinen von F. Zimmermann sind heute komplexe digitale
Systeme. Steuerungen, Industrie-PCs und interne Netzwerke müssen so abgesichert
werden, dass weder Schadsoftware eingeschleust noch angrenzende
Unternehmensnetze gefährdet werden. Cyber-Resilienz wird damit zu einem
integralen Bestandteil moderner Werkzeugmaschinen.
Was Cyber-Security von Maschinensicherheit unterscheidet
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Maschinensicherheit schützt den Bediener vor Gefährdungen
durch die Anlage. Sicherheitsfunktionen verhindern mechanische oder elektrische
Risiken und stellen sicher, dass Personen nicht zu Schaden kommen. „Cyber-Security
hingegen betrifft das gesamte digitale Netzwerk einer Maschine“, erläutert Christian
Gaarz, Leiter Softwareentwicklung & Inbetriebnahme bei der F. Zimmermann
GmbH. „Alle vernetzten Komponenten mit IP-Adresse müssen so abgesichert sein,
dass kein unbefugter Zugriff von außen möglich ist. Ein solcher Eingriff könnte
Prozesse verändern, Produktionen ausfallen lassen und unbemerkt gravierende
Folgen haben – etwa Datenverlust oder verfälschte Fertigungsparameter.
Besonders kritisch ist das bei Bauteilen, die später in sicherheitsrelevanten
Anwendungen wie der Luftfahrt eingesetzt werden.“
Christian Gaarz ist seit
rund vier Jahren bei dem Maschinenbauer aus Neuhausen auf den Fildern
beschäftigt. In seiner Funktion verantwortet er gemeinsam mit seinem Team
alles, was die Anlagen digital zum Leben erweckt: von Antrieben über Sensorik
bis hin zu Softwarelösungen. Damit sorgt er dafür, dass aus mechanischen
Komponenten eine funktionsfähige, prozesssichere Gesamtlösung entsteht.
Stichwort „Security by Design“: Sicherheitsaspekte sind von Beginn an integraler Bestandteil der Maschinenentwicklung.Jan Potente
Die regulatorischen Anforderungen sind eindeutig definiert. Der Cyber
Resilience Act (CRA) legt verbindlich fest, wie digitale Produkte und Systeme
abzusichern sind. Gemeinsam mit der Maschinenverordnung (EU) 2023/1230 und der
NIS-2-Richtlinie entsteht ein klarer europäischer Rechtsrahmen. „Für uns als Maschinenbauer
bedeutet das: Cyber-Resilienz ist keine freiwillige Zusatzleistung mehr,
sondern regulatorische Pflicht“, berichtet Gaarz. „Diesen verbindlichen Rahmen
müssen wir schon ab 2027 erfüllen.“
Die Anforderungen greifen
bereits in der Entwicklungsphase und wirken sich unmittelbar auf Konstruktion,
Softwarearchitektur und Dokumentation aus, Stichwort „Security by Design“. Das
heißt: Sicherheitsaspekte werden nicht nachträglich ergänzt, sie sind von
Beginn an integraler Bestandteil der Maschinenentwicklung.
Wie Mittelständler Cyber-Resilienz praxisnah umsetzen
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F. Zimmermann bereitet sich
systematisch auf diese Vorgaben vor. Das Unternehmen ist in verschiedenen
Fach-Arbeitskreisen vertreten und arbeitet eng mit Steuerungsherstellern wie
Heidenhain oder Siemens sowie externen Spezialisten zusammen. Gaarz: „Gerade
für einen mittelständischen Maschinenbauer ist es entscheidend, regulatorisches
Know-how zu bündeln und praxisgerechte Lösungen zu entwickeln. Parallel dazu passen
wir interne Prozesse an und schulen unser Personal ganz gezielt.“
Wie Zimmermann Cyber-Resilienz in die Entwicklung bringt
Wie Zimmermann diese
Vorgaben praxisnah umsetzt, zeigt ein Blick in den Entwicklungsprozess. Zunächst
analysiert das Unternehmen, welche Anforderungen für die jeweilige
Maschinenkonfiguration relevant sind. Darauf aufbauend werden
Netzwerkarchitekturen überprüft, segmentiert und durch geeignete
Sicherheitsmechanismen ergänzt. Industrie-PCs werden abgesichert,
Software-Schwachstellen bewertet und klare Prozesse für Updates sowie
Dokumentation definiert. „Wir wollen digitale Angriffsflächen minimieren, ohne
Dynamik oder Präzision der Maschinen zu beeinträchtigen“, erläutert Gaarz.
Im Sondermaschinenbau bleibt die
Komplexität hoch. Jede Anlage basiert zwar auf einer Baureihe, unterscheidet
sich jedoch in Details wie Fräskopf, Peripherie, Automation oder spezifischer
Ausstattung. Damit wird auch jede
Anlage individuell konfiguriert. Aus dem Elektroplan und der jeweiligen
Ausstattung entsteht eine eigene Topologie mit mehreren Kanälen, Achsen,
Antrieben und Safety-Funktionen. Jede Achse erfordert eine präzise
Parametrierung. Mechanische Unterschiede wirken sich unmittelbar auf das Regelverhalten
aus. Cyber-Security muss daher in bestehende Strukturen integriert werden und
darf die Leistungsfähigkeit der Maschine nicht einschränken.
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Was macht die F. Zimmermann GmbH?
Die F. Zimmermann GmbH aus Neuhausen a.d.F. bei Stuttgart ist ein
weltweit führender Hightech-Anbieter für Portalfräsmaschinen. Diese zeichnen
sich durch höchste Genauigkeit bei riesigen Arbeitsräumen, enorme Dynamik und
Zerspanleistung aus. Das Unternehmen, gegründet 1933 von Friedrich Zimmermann,
hat mittlerweile über 190 Mitarbeiter weltweit sowie ein Tochterunternehmen,
Zimmermann Inc in Wixom/USA.
Digitaler Zwilling: Weniger Risiko vor der Inbetriebnahme
Während die Cyber-Resilienz
die Sicherheit stärkt, will F. Zimmermann auch die Effizienzpotenziale weiter
heben. Dazu plant der Maschinenbauer den Einsatz digitaler Zwillinge: Durch die
virtuelle Umgebung lassen sich Kollisionsprüfungen, Parametrierungen und
Softwareanpassungen frühzeitig durchführen. Die Zeit für die Inbetriebnahme auf
dem Hallenboden reduziert sich, da ein Teil der Tests vorab digital erfolgt.
Risiken werden minimiert und Prozesse stabilisiert.
Damit ergeben sich ganz
konkrete Vorteile für den Kunden. Zudem können Bediener vorab geschult werden. Im
Servicefall lassen sich Fehlerzustände im digitalen Modell reproduzieren,
sodass Ursachen schneller identifiziert werden. Der digitale Zwilling wird
damit sowohl Produktivität als auch Prozesssicherheit unterstützen.
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Wie Zimmermann KI in Entwicklungsprozesse einbindet
Frieder Gänzle: „Wir verstehen Präzision nicht nur als mechanisches Qualitätsmerkmal, sondern als ganzheitlichen Anspruch, der Sicherheit, Digitalisierung und Ingenieurskompetenz vereint.“F. Zimmermann
Künstliche Intelligenz (KI) ergänzt diese Entwicklung. F. Zimmermann
baut eine interne Wissensdatenbank auf, die KI-gestützt ausgewertet wird. „In
Pilotprojekten mit Steuerungsherstellern untersuchen wir, wie uns KI bei der
Programmierung unterstützen oder Fehlermeldungen schneller analysieren kann“,
sagt Gaarz. „Künftig lassen sich wiederkehrende Aufgaben beschleunigen und
Lösungsvorschläge generieren.“ Die fachliche Verantwortung bleibe dabei beim
Ingenieur.
Zimmermann versteht KI als Assistenzsystem, dessen Ergebnisse
geprüft und validiert werden müssen. Entscheidend sind Transparenz und
Nachvollziehbarkeit. Mit KI ließe sich auch schneller ein digitaler Zwilling
erstellen. Damit könne auch der strukturelle Entwicklungsprozess einer Maschine
effizienter umgesetzt werden.
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Wie Cyber-Resilienz und KI Präzision erweitern
Der Leitgedanke „Beyond Precision“
beschreibt diesen Anspruch umfassend: Zimmermann zeigt, wie sich traditionelle
Präzision in einer vernetzten Industrie neu definiert – als Zusammenspiel von
Mechanik, Intelligenz und digitaler Verantwortung.
Für Geschäftsführer Frieder
Gänzle ist diese Entwicklung Ausdruck technischer Verantwortung. Wenn Bauteile
gefertigt werden, die später in hochsensiblen Anwendungen zum Einsatz kommen,
unterstreicht dies die Bedeutung einer ganzheitlich gedachten Präzision. Mit
der konsequenten Integration von Cyber-Resilienz, Simulation und KI stärkt der
Maschinenbauer seine Rolle als Technologiepartner für hochpräzise
Großbearbeitung und schafft die Grundlage für langfristige
Investitionssicherheit in einer zunehmend vernetzten Industrie.
„Wir verstehen Präzision
nicht nur als mechanisches Qualitätsmerkmal, sondern als ganzheitlichen
Anspruch, der Sicherheit, Digitalisierung und Ingenieurskompetenz vereint“,
resümiert Gänzle.
Quelle: F. Zimmermann GmbH, bearbeitet von: Annika Ostermeier
FAQ zu Cyber-Resilienz im Werkzeugmaschinenbau
Was bedeutet Cyber-Resilienz im Maschinenbau? Cyber-Resilienz beschreibt die Absicherung digital vernetzter Maschinenkomponenten gegen unbefugte Zugriffe und digitale Störungen.
Warum ist Cyber-Resilienz für F. Zimmermann wichtig? Die Portalfräsmaschinen sind komplexe digitale Systeme, deren Netzwerke, Steuerungen und Industrie-PCs abgesichert werden müssen.
Welche Rolle spielt Cyber-Resilienz ab 2027? F. Zimmermann muss nach Angaben des Unternehmens den verbindlichen europäischen Rechtsrahmen zur Cyber-Resilienz ab 2027 erfüllen.
Wie verbindet Zimmermann Cyber-Resilienz mit dem digitalen Zwilling? Cyber-Resilienz stärkt die Sicherheit, während digitale Zwillinge Inbetriebnahme, Kollisionsprüfung, Schulung und Service unterstützen sollen.
Welche Bedeutung hat KI für Cyber-Resilienz und Präzision? KI soll als Assistenzsystem Programmierung, Fehleranalyse und Entwicklungsprozesse unterstützen, bleibt aber fachlich durch Ingenieure zu prüfen.