Warum sensorische Werkzeuge den Werkzeugeingriff sichtbar machen
Sensorische Werkzeuge sollen den blinden Fleck der Zerspanung schließen: den Moment, in dem Werkzeug und Werkstück aufeinandertreffen. Live-Daten zu Schnittkräften, Vibrationen und Rattern machen den Prozess kontrollierbarer.
Redaktion FERTIGUNGRedaktionFERTIGUNG
Werkzeuge mit Sensoren steigern die Produktivität, indem sie den Schnitt stabilisieren und ungeplante Stillstände reduzieren.Sandvik Coromant
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Summary: Sensorische Werkzeuge erfassen in der Metallbearbeitung Schnittkräfte, Vibrationen und Rattern direkt am Werkzeug. Sie liefern Live-Daten an Bedienoberflächen oder Maschinensteuerungen und ermöglichen dadurch Korrekturen in Echtzeit. Das soll Produktivität, Standzeit, Prozesssicherheit und unbemannte Fertigung verbessern.
In den Bereichen Robotik und vernetzter Analytik hat die
industrielle Automatisierung rasante Fortschritte gemacht. In der Zerspanung
gibt es allerdings nach wie vor einen blinden Fleck. Denn obwohl Unternehmen
die Überwachung automatisiert, Maschinen vernetzt und Dashboards installiert
haben, hängt der Moment, in dem das Werkzeug auf das Werkstück trifft, oft noch
von der Intuition des Bedieners beziehungsweise der Nachbearbeitungsprüfung ab. Im
Folgenden wird erläutert, warum sensorische Werkzeuge der nächste Schritt in
der Automatisierung sind.
Die Erwartungen an die intelligente Fertigung sind hoch.
Laut der Deloitte-Umfrage 2025
Smart Manufacturing and Operations Survey sind 92 % der befragten
Unternehmen der Meinung, dass die intelligente Fertigung in den nächsten drei
Jahren der wichtigste Faktor für Wettbewerbsfähigkeit sein wird. Sie wirkt sich
positiv auf die Produktionsleistung, die Produktivität und die Kapazität aus.
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Schneller ausführende Programme einzusetzen oder Roboter um
eine Maschine herum zu installieren, reicht nicht aus, wenn der
Bearbeitungsprozess selbst weiterhin auf Gefühl oder zu konservativen
Parametern basiert. Voraussetzung für eine echte Automatisierung ist, dass man
in Echtzeit erkennt, was im Eingriff passiert, und Gegenmaßnahmen ergreift,
bevor Schäden entstehen und Ausfallzeiten eskalieren.
Sensorisierte Werkzeuge sind Zerspanungswerkzeuge, Adapter
oder Halter, die über eingebauten oder angebauten Sensoren verfügen. Diese
erfassen während der Bearbeitung wichtige Signale. Auf diese Weise kann das
System die Schnittkräfte und Vibrationen erfassen, Oberflächenrattern an der
Werkzeugspitze erkennen und diese Informationen in Echtzeit an eine
Bedienerschnittstelle oder die Maschinensteuerung übermitteln. Anomalien können
erkannt und entsprechende Korrekturmaßnahmen ergriffen werden. Dies kann eine
kurze Bearbeitungsunterbrechnung, eine Anpassung der Parameter oder einen
Werkzeugwechsel bedeuten. Der entscheidende Punkt ist jedoch, dass durch
reproduzierbare Eingriffe innerhalb des Bearbeitungsprozesses – also
Arbeitsabläufe, die bei wiederholter Durchführung stets die gleichen
verlässlichen Ergebnisse liefern – eine Kontinuität über alle Arbeitsschichten
hinweg gewährleistet wird.
Gesteigerte Produktivität
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Sensorisierte Werkzeuge sind Zerspanungswerkzeuge, Adapter oder Halter, die über eingebauten oder angebauten Sensoren verfügen.Sandvik Coromant
Werkzeuge mit Sensoren steigern die Produktivität, indem sie
den Schnitt stabilisieren und ungeplante Stillstände reduzieren. Sobald ein
Prozess wirklich sicher ist, können Fertigungsunternehmen die unbeaufsichtigten
Zeitfenster bedenkenlos verlängern. Der Fokus verlagert sich somit von einem
hohen Personalaufwand in der Fertigung hin zu einer nachhaltigen
Zeiteinsparung.
Ein weiterer Vorteil von sensorgesteuerten Werkzeugen ist
ihre längere Standzeit. Viele Fertigungsunternehmen legen aus Angst vor
überraschenden Ausfällen konservative Wechselintervalle fest. Dies hat jedoch
zur Folge, dass die mögliche Standzeit der Werkzeuge nicht voll ausgeschöpft
wird und die Kosten steigen. Andere wiederum überschreiten die empfohlenen
Intervalle, was zu Bruchschäden und somit zu höheren Kosten für Ausschuss und
Wiederherstellungszeit führt.
Mithilfe von Live-Signalen aus dem Prozess werden
evidenzbasierte Entscheidungen getroffen. So wird beispielsweise eine
Wendeschneidplatte ersetzt, weil die Signal-Signatur zeigt, dass sie das Ende
ihrer Lebensdauer erreicht hat – und nicht, weil ein Zähler abgelaufen ist oder
weil man es vermutet. Diese Vorgehensweise führt über eine ganze
Maschinenflotte und ein Produktionsjahr hinweg zu längeren Schnittzeiten,
weniger Unterbrechungen und einer höheren Auslastung, ohne dass zusätzliches
Personal eingestellt werden muss.
Laut der World
Manufacturing Foundation haben 74 % der Unternehmen Schwierigkeiten,
die erforderlichen Fachkräfte zu rekrutieren. Da sich dieses Problem in Zukunft
noch verschärfen wird, müssen Fertigungsunternehmen interne Schulungen
anbieten, m ihre Belegschaft weiterzubilden. Dabei können Führungskräfte in der
Fertigungsindustrie eine Reihe von Fehlern machen, wenn sie Daten nicht als
Lerninstrument nutzen.
Gelingt es nicht, das Gespür für einen optimalen
Schneidprozess in Systemen zu erfassen, kann es verloren gehen, wenn neue
Mitarbeitende ins Unternehmen kommen und erfahrene Bediener ausscheiden.
Sensorische Werkzeuge helfen dabei, jahrelange Erfahrung in explizite, lehrbare
Daten umzuwandeln, auf die sich neue Mitarbeitende in der Fertigung verlassen
können. Durch das Speichern von Signalkurven, Schwellenwerten und
Ereignisprotokollen entsteht ein Nachschlagewerk, das als Leitfaden für die
Auswahl von Parametern dient und die Fehlerbehebung über Schichten und
Standorte hinweg erleichtert.
Wenn Wissen nicht nur in wenigen Köpfen, sondern auch in
Daten und Modellen gespeichert ist, werden Entscheidungen wiederholbar und
überprüfbar. Auf diese Weise erhalten Fertigungsleiter nachvollziehbare
Schnittdaten, die Audits und Kundendokumentationen unterstützen. Gleichzeitig
haben Ingenieure eine solidere Grundlage für kontinuierliche Verbesserungen, da
die Prozesshistorie ein Datensatz und keine Anekdote ist. Vor allem aber können
sich die Maschinenbediener nun auf die Prozessoptimierung statt auf das
Wahrnehmen von auffälligen Geräuschen konzentrieren, was angesichts der
Entwicklung der Belegschaft unerlässlich ist.
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Maschinengesteuerte Entscheidungen
In vielen Fertigungsunternehmen werden die Bereiche
Visualisierung und Automatisierung häufig verwechselt. Zwar ist ein Diagramm
auf einem Tablet nützlich und bietet zweifellos einzigartige Einblicke, doch es
erfordert nach wie vor, dass ein Mensch ein Problem erkennt und unter Druck
reagiert.
Um echte Automatisierung zu erreichen, bei der das System
die Prozessgrenzen automatisch einhält, sollten sensorische Werkzeuge verwendet
werden. Übersteigt beispielsweise das Rattern einen definierten Bereich oder
steigen die Schnittkräfte so stark an, dass ein Ausfall zu erwarten ist,
unterbricht die Steuerung ohne zu zögern den Vorgang, zieht das Werkzeug
zurück, ändert den Vorschub oder löst einen Werkzeugwechsel aus. So können die
Bauteilqualität, die Werkzeuge und die Anlage unmittelbar geschützt werden, und
das, bevor Fehler entdeckt werden.
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Einblicke in den laufenden Schnittprozess schließen den
Feedback-Kreis und ermöglichen so stabile, wiederholbare Zyklen sowie
unbeaufsichtigte Laufzeiten. In der Praxis können Unternehmen dadurch ihre
unbemannte Fertigung verlässlich planen und rund um die Uhr produzieren. Die
Steuerung erkennt Bedingungen außerhalb der Grenzwerte und wendet automatisch
die konfigurierten Schutzmaßnahmen an, anstatt sich auf eine Person zu
verlassen, die einen Trend erst nachträglich bemerkt.
Ein praktischer Ansatz
Indem die Lücke zwischen Sensor und Steuerung überbrückt
wird, wird die Überwachung zu einem maschineninternen Prozess, der den
Zerspanungsprozess konsistent schützt. Um den unterschiedlichen
Entwicklungsstadien von Fertigungsunternehmen gerecht zu werden, wurde die
sensorische Werkzeuglösung CoroTurn
Plus mit zwei sich ergänzenden Funktionsstufen konzipiert.
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Über die Software oder den NC-Code legen die Benutzer Grenzwerte für Rattern, Werkzeugbelastung und Vibrationen fest. Tritt ein unerwartetes Ereignis ein, leitet die Steuerung automatisch Schutzmaßnahmen ein.Sandvik Coromant
Übertragt CoroTurn Plus Live-Daten an den CoroPlus Viewer
auf einem PC oder Tablet, erhalten Bediener passive Echtzeiteinblicke in
Oberflächenrattern und Schnittkräfte. Bei Überschreitung von Grenzwerten können
auch akustische Alarme empfangen werden. Darüber hinaus können sie Trends im
Vergleich zu Referenzprozessen sehen, bei Überschreitung von Grenzwerten
Warnhinweise erhalten, Werte und Abweichungen überprüfen sowie Ereignisse
markieren, um die Ursachenanalyse zu beschleunigen. Im Laufe der Zeit zeigen die
gesammelten Signale an, wann eine Wendeschneidplatte das Ende ihrer Lebensdauer
erreicht hat. Auf diese Weise können Mitarbeiter sie zum richtigen Zeitpunkt
austauschen und sowohl vorzeitige Wechsel als auch gravierende
Maschinenausfälle vermeiden.
Die nächste Stufe ist der maschinenintegrierte Schutz, bei
dem CoroTurn Plus und CoroPlus
Connected kombiniert werden. In diesem Modus werden die gleichen Signale an
die NC-Steuerung der Maschine weitergeleitet. Über die Software oder den
NC-Code legen die Benutzer Grenzwerte für Rattern, Werkzeugbelastung und
Vibrationen fest. Tritt ein unerwartetes Ereignis ein, leitet die Steuerung
automatisch Schutzmaßnahmen ein. Dazu gehören das Anhalten nach einer Blockade,
optionale Pausen sowie die Übersteuerung von Vorschub- und
Schnittgeschwindigkeit. All dies ermöglicht eine verbesserte,
maschinengesteuerte Entscheidungsfindung und echte Automatisierung.
Fazit
Bei der intelligenten Fertigung kommt es darauf an, was an
der Werkzeugspitze geschieht. Zwar verbessern Cloud-Verbindungen und Dashboards
die Sichtbarkeit, doch ein „blindes” Werkzeug führt dazu, dass der
Werkzeugeingriff die Schwachstelle des Prozesses bleibt. Sensorische Werkzeuge
schaffen hier die nötige Transparenz und ermöglichen es, direkt an der Ursache
anzusetzen. Dadurch wird der Werkzeugeingriff zu einem kontrollierbaren und
überprüfbaren Prozess, der eine unbemannte Bearbeitung mit vorhersehbaren
Ergebnissen ermöglicht.
Quelle: Sandvik Tooling Deutschland GmbH, bearbeitet von: Sabine Königl
FAQ zu sensorische Werkzeuge
• Was sind sensorische Werkzeuge? – Sensorische Werkzeuge sind Zerspanungswerkzeuge, Adapter oder Halter mit integrierten oder angebauten Sensoren, die Prozesssignale während der Bearbeitung erfassen.
• Welche Daten liefern sensorische Werkzeuge? – Sie erfassen unter anderem Schnittkräfte, Vibrationen und Hinweise auf Oberflächenrattern an der Werkzeugspitze.
• Warum sind sensorische Werkzeuge für die Automatisierung wichtig? – Sie machen den Werkzeugeingriff messbar und ermöglichen Korrekturmaßnahmen, bevor Schäden, Ausschuss oder Stillstände entstehen.
• Wie verbessern sensorische Werkzeuge die Standzeit? – Sie ermöglichen den Werkzeugwechsel auf Basis von Live-Signalen statt nach festen Zählern oder Vermutungen.
• Welche Rolle spielen sensorische Werkzeuge bei unbemannter Fertigung? – Sie unterstützen stabile, wiederholbare Prozesse und erlauben automatische Schutzmaßnahmen durch die Maschinensteuerung.