Wolfram-Verbundwerkstoffe erschließen Anwendungen, bei denen klassische Werkstoffe an ihre Grenzen stoßen. Die Gesellschaft für Wolfram Industrie mbH zeigt in Dachau, wie sich die besonderen Eigenschaften des Metalls gezielt nutzen lassen.
Redaktion FERTIGUNGRedaktionFERTIGUNG
Das Produktportfolio basiert unter anderem auf Wolfram-Verbundwerkstoffen, Wolframschwermetallen (WSM) wie TRIAMET oder TUNGSTIT und wird durch Anoden- und Kathodenbauteile mit Wolframkern ergänzt.Gesellschaft für Wolfram Industrie mbH
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Summary: Die Gesellschaft für Wolfram Industrie mbH entwickelt am Standort Dachau gemeinsam mit der Bayerischen Metallwerke GmbH maßgeschneiderte Wolfram-Verbundwerkstoffe. Pulvermetallurgische Verfahren ermöglichen Halbzeuge und Bauteile für Elektronik, Medizintechnik und Maschinenbau. Neben den Materialeigenschaften spielen Prozesskompetenz und Recycling eine zentrale Rolle.
Wolfram gilt als hart, spröde, teuer
und unbeliebt zur Weiterverarbeitung – ist aber durch seine Eigenschaften
gerade deshalb ein Schlüsselwerkstoff für anspruchsvolle industrielle
Anwendungen. Die Gesellschaft für Wolfram Industrie mbH zeigt an ihrem Standort
in Dachau, wie sich diese Herausforderungen in konkrete Vorteile verwandeln
lassen: Mit maßgeschneiderten Wolfram-Verbundwerkstoffen, einer hohen Inhouse-Fertigungstiefe
und vor allem mit einem über reines Werkstoffwissen hinausgehenden Know-how für
Produkte, Prozesse und Anwendungen. Im Tochterunternehmen Bayerische
Metallwerke GmbH in Dachau entstehen aus Wolframpulver komplexe Halbzeuge und
Fertigteile – von Schwermetallen über Wolfram-Kupfer-Verbundwerkstoffe bis hin
zu funktionalen Bauteilen für die Elektronik, Medizintechnik und den Maschinenbau.
„Wolfram ist kein schwieriger,
sondern ein anspruchsvoller Werkstoff – und genau darin liegt auch seine
Stärke“, sagt Dr. Andreas-Gabriel Schneider, Forschung und Entwicklung sowie Leiter
QS bei den Bayerischen Metallwerken am Standort in Dachau. „Entscheidend ist,
wie und bei welchen Anwendungen man den Werkstoff einsetzt und man weiß, wie
man ihn verarbeitet.“
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Vom
schwierigen Metall zum präzisen Problemlöser
Wolfram zählt zu den technisch
faszinierendsten Metallen – und gleichzeitig zu den anspruchsvollsten. Seine
außergewöhnlichen Eigenschaften sind bekanntermaßen der extrem hohe
Schmelzpunkt verbunden mit einer sehr hohen Dichte sowie einer ausgeprägten
chemischen Beständigkeit. Doch diese Vorteile haben ihren Preis. Wolfram ist
hart und spröde, reagiert empfindlich auf mechanische Belastungen und lässt
sich nur unter hohem Zeit- und Arbeitsaufwand bearbeiten.
Bereits die Herstellung ist komplex.
Angefangen bei der Erzgewinnung, über die chemische Aufbereitung bis hin zum
metallischen Pulver als Zwischenprodukt durchläuft Wolfram zahlreiche
energieintensive Prozessschritte. Die anschließende Formgebung erfolgt nahezu
ausschließlich über pulvermetallurgische Verfahren wie das Sintern. Klassische
Umform- oder Schmelzprozesse stoßen hier nicht nur schnell an ihre Grenzen,
sondern können schlicht und ergreifend nicht eingesetzt werden.
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Werkzeuge unterliegen einem
extremen Verschleiß, und selbst kleine Fehler können zu Rissen oder zum Bruch
des Bauteils oder Werkzeugs führen und damit zu hohen Kosten durch Ausschuss.
Reines Wolfram ist häufig nur durch Schleifen bearbeitbar. Seine Sprödigkeit
macht Bohren, Drehen und Fräsen fast unmöglich. Erst durch gezieltes Einbringen,
etwa von Seltenen Erd-oxiden oder
Thoriumoxid, lassen sich weitergehende Bearbeitungsschritte wie Drehen oder
Fräsen realisieren – jedoch stets mit hoher Fachkenntnis und Prozesskontrolle. Trotz
dieser Herausforderungen birgt Wolfram viele Chancen. Denn genau dort, wo
andere Materialien versagen, beginnt Wolfram seine Vorteile auszuspielen.
Wolframverbundwerkstoffe
liefern entscheidende Vorteile für neue Anwendungstechnologien
Wolfram ist ein anspruchsvoller, schwer zu verarbeitender Werkstoff, schafft aber völlig neue Anwendungsperspektiven.Gesellschaft für Wolfram Industrie mbH
Die Gesellschaft für Wolfram
Industrie mbH nutzt diese besonderen Eigenschaften gezielt und entwickelt
daraus maßgeschneiderte Werkstofflösungen. Eine zentrale Rolle spielt dabei der
Standort der Bayerischen Metallwerke GmbH in Dachau. Im Fokus stehen insbesondere
Wolfram-Verbundwerkstoffe, welche die Eigenschaften des Metalls gezielt
erweitern. Unter anderem werden Wolframschwermetalle (WSM) wie TRIAMET eingesetzt.
Durch Flüssigphasensintern, in welchem nur ein Teil, die sog. Binderphase, aufgeschmolzen wird, entsteht über Löse- und
Abscheideprozesse ein stabiles, nahezu porenfreies Gefüge. Ein entscheidender
Vorteil dieses Verfahrens ist die gezielte Einstellbarkeit der Dichte. Je nach
Zusammensetzung lassen sich Werte zwischen etwa 12
und 18,8 g/cm³ realisieren.
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Damit entstehen Werkstoffe, die hohe Masse auf
kleinem Raum ermöglichen – diese eignen sich besonders für Anwendungen wie
Gegengewichte, Rotationssysteme oder schwingungsdämpfende Bauteile. Ein
weiteres zentrales Produkt ist der Wolfram-Kupfer-Verbundwerkstoff TUNGSTIT.
Hier wird die totale Unmischbarkeit von Wolfram und Kupfer im Festkörper gezielt genutzt. In einem Tränkverfahren wird ein
poröser Wolfram-Pressling mit flüssigem Kupfer infiltriert. Das Ergebnis ist
ein Verbundwerkstoff, in dem beide Materialien parallel nebeneinander vorliegen
und dabei ihre jeweiligen Eigenschaften beibehalten. Diese Struktur ermöglicht
eine einzigartige Kombination aus hoher elektrischer Leitfähigkeit und hoher
Verschleißfestigkeit. Die Zusammensetzung und die Tränkdichte werden hierbei
über den Pressdruck und somit die vorhandene Porosität eingestellt und liegen
im Bereich von 50 – 90 Gew.-% Wolfram.
Ergänzt wird das Portfolio durch
Anoden- und Kathodenbauteile mit Wolframkern. Diese werden über ein spezielles
Hintergießverfahren hergestellt, in welchem der Wolframkern in einer Graphit-
oder Keramikform platziert und mit Kupfer umgeben wird. Anschließendes
Aufschmelzen des Kupfers hat ein vollständiges Umhüllen des Kerns zur Folge. Im
Vergleich zu gelöteten oder gepressten Verbindungen entstehen so deutlich
bessere elektrische Kontakte und eine höhere Bauteilzuverlässigkeit und
-langlebigkeit.
Erweiterte
Werkstoffeigenschaften verschieben die Grenzen des Machbaren
Die Stärke von Wolfram liegt in der
Kombination seiner Eigenschaften. Hohe Temperaturbeständigkeit, chemische
Resistenz und extreme Dichte machen den Werkstoff für Anwendungen interessant,
in denen klassische Metalle wie Stahl, Aluminium oder Nickellegierungen an ihre
Grenzen stoßen. Wolframschwermetalle kommen insbesondere dort zum Einsatz, wo
hohe Massen bei begrenztem Bauraum erforderlich sind. Typische Anwendungen sind
Gegengewichte in der Automobilindustrie, rotierende Bauteile im Maschinenbau
oder Abschirmkomponenten in der Medizintechnik. Darüber hinaus bietet Wolfram
auch und gerade im Strahlenschutz eine attraktive und ungiftige Alternative zum
giftigen Blei, da es vergleichbare Abschirmwirkungen bei gleichzeitig besseren
mechanischen Eigenschaften ermöglicht.
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Wolfram-Kupfer-Verbundwerkstoffe
werden vor allem in der Elektrotechnik eingesetzt. Sie finden Anwendung in
hochbelasteten Schaltkontakten, Erodierelektroden oder Bauteilen, die sowohl
hohe thermische als auch elektrische Belastungen aushalten müssen. Die
Kombination aus Leitfähigkeit und Abbrandfestigkeit sorgt für eine hohe
Lebensdauer und zuverlässige Funktion.
Wolfram bleibt unter extremen
Temperaturen stabil und ermöglicht präzise Prozesse, die mit anderen
Materialien nicht realisierbar wären. „Unsere Aufgabe ist es, die Eigenschaften
von Wolfram und anderen Materialien so zu kombinieren, dass daraus konkrete
Vorteile und ein eindeutiger Nutzen für den Kunden entstehen“, erklärt Dr.
Schneider. „Das betrifft nicht nur den Werkstoff selbst,
sondern die gesamte Prozesskette in allen ihren Facetten.“
Hohe
Materialkompetenz und breiter Erfahrungsschatz ermöglichen passgenaue Lösungen
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Während sich viele Anbieter auf
einzelne Produkte oder Anwendungen konzentrieren, deckt die Wolfram Industrie weite
Anwendungsbereiche ab – von der Schweißtechnik bis hin zu komplexen
Konstruktionsbauteilen. Der Standort Dachau spielt dabei eine gewichtige Rolle,
da hier insbesondere Anwendungen außerhalb der bekannten, klassischen
Schweißtechnik bedient werden. Die Fertigung reicht von standardisierten
Halbzeugen bis hin zu hochspezialisierten, kundenspezifischen Bauteilen. Viele
Produkte entstehen im Kundenauftrag, sind in zahlreichen technologischen
Schlüsselprozessen im Einsatz und erfüllen ihre Aufgabe, ohne dabei sichtbar zu
sein.
Ein weiterer zentraler Punkt, der
für die Verwendung von Wolfram spricht, ist die Ressourceneffizienz, denn der
Werkstoff besitzt eine hohe Recyclingquote. Ein hoher Anteil des eingesetzten
Materials stammt aus wiederaufbereiteten Quellen wie Werkzeugen, Elektroden
oder Produktionsrückständen wie Schlämmen oder Bohrköpfen. Selbst Pulverreste mit
niedrigem Wolframanteil (sog. Kehrpulver) werden wiederverwertet und dem
Materialkreislauf zugeführt.
Diese konsequente Nutzung von
Ressourcen trägt nicht nur zur Wirtschaftlichkeit bei, sondern sichert auch die
langfristige Verfügbarkeit des Rohstoffs. Gerade vor dem Hintergrund steigender
Nachfrage gewinnt dieser Aspekt zunehmend an Bedeutung, da die Anforderungen an
industrielle Werkstoffe kontinuierlich steigen. Höhere Temperaturen, steigende
Leistungsdichten und zunehmende Miniaturisierung erfordern Materialien, die
über klassische Eigenschaften hinausgehen. Wolfram und seine Verbundwerkstoffe
werden in diesem Umfeld auch künftig eine zentrale Rolle spielen. „Wer an die
Grenzen des technisch Machbaren geht, braucht Werkstoffe, die genau dort ihre
Stärken ausspielen“, so Dr. Schneider.
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FAQ: Wolfram-Verbundwerkstoffe
Warum gelten Wolfram-Verbundwerkstoffe als Schlüsselwerkstoffe? Sie kombinieren hohe Temperaturbeständigkeit, chemische Beständigkeit und hohe Dichte mit anwendungsspezifischen Materialeigenschaften.
Wo werden Wolfram-Verbundwerkstoffe eingesetzt? Unter anderem in Elektronik, Medizintechnik, Maschinenbau, Automobilindustrie und Elektrotechnik.
Wie werden Wolfram-Verbundwerkstoffe hergestellt? Die Fertigung erfolgt überwiegend über pulvermetallurgische Verfahren wie das Sintern sowie spezielle Infiltrations- und Hintergießverfahren.
Welche Vorteile bieten Wolfram-Verbundwerkstoffe gegenüber klassischen Werkstoffen? Sie ermöglichen Anwendungen, bei denen herkömmliche Metalle aufgrund thermischer, mechanischer oder elektrischer Anforderungen an ihre Grenzen stoßen.
Welche Bedeutung hat Recycling für Wolfram-Verbundwerkstoffe? Wiederaufbereitetes Material aus Werkzeugen, Elektroden und Produktionsrückständen wird erneut dem Materialkreislauf zugeführt und trägt zur Ressourceneffizienz bei.
Quelle: Gesellschaft
für Wolfram Industrie mbH, bearbeitet von: Annika Ostermeier