Weil Stillstand keine Option ist: Die Branche vor der AMB 2026
Vom 15. bis 19. September verwandelt sich Stuttgart wieder in den Treffpunkt der Metallzerspanung. Rund 1.150 Aussteller aus 34 Ländern zeigen unter dem Claim „Where metal comes alive", wohin die Branche steuert. Ein Überblick zu KI, Automatisierung und Konjunktur für alle, die sich auf die AMB 2026 vorbereiten.
Auf der AMB rücken die Themen Defence, Automatisierung, Künstliche Intelligenz und Kreislaufwirtschaft in den Fokus in diesem Jahr.Symbolbild - KI-generiert
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KI in der Fertigung: „Die Zeit der reinen Pilotprojekte ist vorbei"
Künstliche Intelligenz zählt neben Automatisierung und Kreislaufwirtschaft zu den drei Fokusthemen der AMB 2026. Guido Reimann, Stellvertretender Geschäftsführer des VDMA Software und Digitalisierung, ordnet den Stand ein: Laut einer VDMA-Umfrage vom Frühjahr 2026 schreiben mehr als 80 % der Maschinenbauunternehmen KI-Technologien wachsende Bedeutung zu, etwa ein Drittel setzt entsprechende Lösungen bereits produktiv ein. "Die Zeit der reinen Pilotprojekte ist vorbei", so Reimann. Der Schwerpunkt lieg in Softwareentwicklung, Konstruktion, Unternehmensführung, IT und Marketing – zunehmend aber auch im Vertrieb.
Konkrete Effizienzgewinne sieht Reimann etwa bei technischen Dokumentationen, im Einkauf durch mehr Gleichteile oder bei der Vermeidung ungeplanter Stillstände an Werkzeugmaschinen, wo Kostenreduktionen von 10 bis 20 % möglich seien. Als größte Hürden nennt er weniger die Technik selbst als Changemanagement, geringe Umsetzungsgeschwindigkeit und fehlende Personalressourcen. Für die kommenden Jahre rät er, neben KI auch Digitale Zwillinge und Open-Source-Software im Blick zu behalten.
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Automatisierung: Kollaborative Prozesse senken die Einstiegshürde
"Die Mittelstandsautomation macht gerade große Sprünge", sagt Patrick Schwarzkopf, Geschäftsführer VDMA-Fachverband Robotik + Automation.Messe Stuttgart
Auch wenn die Robotik- und Automationsbranche für 2026 laut Patrick Schwarzkopf, Geschäftsführer des VDMA-Fachverbands Robotik + Automation, mit einem Umsatzrückgang von fünf Prozent rechnet, bleibt der Trend zur Automatisierung ungebrochen. Als Treiber nennt Schwarzkopf vor allem den demografischen Wandel: Um wettbewerbsfähig zu bleiben, müssten Betriebe Tätigkeiten automatisieren, um verbleibende Fachkräfte zu entlasten. Zusätzliche Impulse liefere generative und „physische" KI, etwa durch KI-Agenten und eine einfachere Bedienung von Automationslösungen.
Besonders für kleinere Unternehmen sieht Schwarzkopf Fortschritte: Für typische „Low Volume, High Mix"-Szenarien stehen inzwischen No-Code-Ansätze zur Verfügung, bei denen sich Automatisierungsabläufe per Drag-and-Drop zusammenstellen lassen; Roboterbahnen können per Handführung angelernt werden. Cobots haben sich bereits etabliert, häufig gehe es um „Ko-Existenz" ohne Schutzzaun; eine neue Stufe sieht Schwarzkopf in der humanoiden Robotik, die aus Forschungslaboren in erste industrielle Testanwendungen wechselt.
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Zahlen des Weltroboterverbands IFR unterstreichen die Entwicklung: Die jährlichen Neuinstallationen von Robotern für das Ein- und Auslegen von Teilen an Werkzeugmaschinen stiegen von 14.500 Einheiten (2015) auf 19.000 Einheiten (2024), 2024 wurden weltweit rund 65.000 Cobots installiert – 12 % aller Industrieroboter. Auf der AMB 2026 bildet die Oskar-Lapp-Halle (Halle 6) mit dem Bereich „Automatisierung und Handhabungstechnik" den Schwerpunkt; dort zeigen unter anderem Fanuc, Kuka, Cellro und RoboJob ihre Lösungen.
Neue Formate und Ausstellerneuheiten
Neben den drei Fokusthemen bringt die AMB 2026 neue Programmpunkte mit. Mit „Defence & Security Opportunities" widmet sich die Messe gemeinsam mit dem VDMA erstmals dem Verteidigungssektor; das Format findet am 16. und 18. September in geschlossenem Rahmen statt, eine Vorabanmeldung ist erforderlich. Neu ist die „International Gallery powered by BW_i" am Eingang Ost mit zehn internationalen Wirtschaftsverbänden und länderspezifischen Happy Hours. Für Facharbeiterinnen und Facharbeiter gibt es mit der „AMB Night" am Freitagnachmittag ein Format nach Feierabend, inklusive Meet & Greet mit Content Creators aus der Branche.
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Auch die Aussteller haben bereits Neuheiten angekündigt, einige davon: Chiron zeigt die Maschinen MILL 2000 und MT 715, Grob-Werke präsentiert nach eigenen Angaben das 5-Achs-Bearbeitungszentrum GP1350 samt Roboterzelle GRC-M60. Die Index Group stellt mit der TRAUB MS12-4 einen vierspindeligen Langdreher vor, Fanuc Deutschland zeigt laut Unternehmensangaben eine KI-Anwendung zur Bauteilerkennung am Roboter, und Mapal kündigt ein Einstellsystem für Feinbohrwerkzeuge an, das die Einstellzeit um rund 50 % reduzieren soll.
Werkzeugmaschinenbau: Talsohle durchschritten
Doch wie steht es um die einzelnen Teilbranchen der Metallbearbeitung, in denen die Aussteller der AMB zuhause sind? Nach mehreren schwächeren Jahren zeichnet sich beispielsweise beim Verein Deutscher Werkzeugmaschinenfabriken (VDW) eine Stabilisierung ab. Auf einen Produktionsrückgang von sieben Prozent im Jahr 2025 auf 13,8 Mrd. EUR folgt für 2026 laut VDW-Prognose nur noch ein leichtes Minus von einem Prozent auf 13,6 Mrd. EUR – weiterhin spürbar unter dem Höchstwert von 17 Mrd. EUR aus dem Jahr 2018. Deutlich optimistischer liest sich der Auftragseingang: Für Januar bis Mai 2026 meldet der VDW ein Plus von 13 % gegenüber dem Vorjahr, nach einem Rückgang von drei Prozent im Gesamtjahr 2025. Regional zeigt sich ein durchmischtes Bild: Amerika legte im ersten Quartal 2026 um 51 % zu, Europa und Asien blieben mit jeweils minus fünf Prozent rückläufig. Global bleibt China mit 35,8 % Weltmarktanteil klar vor Deutschland (12,5 %) und Japan (zehn Prozent) führend.
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Im Vergleich zu 2015 geht heute weniger als die Hälfte der Aufträge aus der deutschen Werkzeugmaschinenindustrie in die Automobilindustrie.VDW
Auch die Kundenstruktur hat sich verschoben: Ging laut VDW 2015 noch fast die Hälfte der Produktion (48,3 %) an die Automobilindustrie, sind es 2025 nur noch 22,8 % – während Maschinenbau (26,7 %) und Luft- und Raumfahrt (10,7 Prozent) gewachsen sind. Als Handlungsfelder nennt der VDW die Diversifizierung der Absatzmärkte mit Fokus auf Europa sowie den Ausbau der Technologieführerschaft.
Der VDMA-Fachverband Präzisionswerkzeuge rechnet für 2026 mit einer Produktion von rund 8,4 Mrd. EUR – auf Vorjahresniveau, aber weiterhin deutlich unter den über 11 Mrd. Euro der Jahre 2017 bis 2019. Bei den Exporten zeigt sich 2025 ein uneinheitliches Bild: In die USA gingen Waren im Wert von rund 878 Mio. EUR, in die Niederlande rund 539 Mio. EUR und nach China rund 469 Mio. EUR – in mehreren wichtigen Märkten leicht rückläufig gegenüber 2024. Die Geschäftslageumfrage für das erste Quartal 2026 fällt regional unterschiedlich aus: gut bis befriedigend in Nordamerika und Zentral-/Südasien, verhaltener in Deutschland und der übrigen EU.
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Belastend wirkt vor allem die Rohstoffpreisentwicklung: Der Preis für Wolfram (Ammoniumparawolframat, FOB China) ist seit August des Vorjahres laut Fastmarkets um mehr als 500 % gestiegen – ein Faktor, der angesichts der Bedeutung von Hartmetall die Kalkulation vieler Hersteller belastet.
Digitalisierung: Der Maschinenbau hat noch Luft nach oben
Eine aktuelle VDMA-Umfrage zeigt, dass 59 % der befragten Maschinenbauunternehmen bereits eine Digitalisierungsstrategie verfolgen, weitere 19 % planen dies bis Ende 2026. Im Werkzeugmaschinenbau liegt der Anteil mit 57 % ähnlich hoch, der Anteil ohne konkrete Pläne ist mit 29 % aber größer als im Maschinenbau insgesamt (22 %). Bei den eingesetzten Technologien liegt die Branche vorn: Simulationslösungen sind mit 72 % deutlich weiter verbreitet als im Maschinenbau insgesamt (49 %), digitale Zwillinge kommen mit 48 statt 22 % häufiger zum Einsatz. KI und maschinelles Lernen befinden sich in beiden Gruppen dagegen noch überwiegend in der Pilotphase.
Mehr zur AMB 2026 lesen Sie in unserem großen AMB-Spezial weiter hinten in dieser Ausgabe.
Über die AMB
Seit 1982 präsentiert die AMB die Highlights der internationalen Metallbearbeitungsindustrie. „Where metal comes alive“: Auch 2026 ist sie fester Bestandteil in den Terminkalendern der Branche, in diesem Jahr vom 15. bis 19. September. Sie ist Marktplatz und Treffpunkt der spanabhebenden Metallbearbeitung, auf dem in sämtlichen Facetten neueste Produkte, Technologien, Innovationen, Dienstleistungen und Konzepte präsentiert werden. Unterstützt wird die AMB von den ideellen Trägerverbänden VDMA Präzisionswerkzeuge, VDMA Software und Digitalisierung sowie VDW Verein Deutscher Werkzeugmaschinenfabriken e.V. www.amb-messe.de