Italienische Werkzeugmaschinenindustrie

Wie entwickelt sich die italienische Werkzeugmaschinenindustrie?

Die italienische Werkzeugmaschinenindustrie blickt nach einem schwachen Jahr 2025 vorsichtig optimistisch auf 2026. Vor allem der Inlandsmarkt und die Hyperabschreibung sollen für neue Impulse sorgen.

Italiens Werkzeugmaschinenindustrie setzt 2026 auf Erholung: Nach einem schwachen Vorjahr sollen vor allem die anziehende Inlandsnachfrage und die Hyperabschreibung neue Investitionen in moderne Produktionstechnologien anschieben.

Summary: Die italienische Werkzeugmaschinenindustrie kam 2025 trotz eines starken Inlandsgeschäfts kaum voran, weil die Exporte deutlich einbrachen. Für 2026 erwartet UCIMU eine leichte Erholung mit einem Produktionsplus von 3,9 %, während das Auslandsgeschäft schwach bleibt. Hoffnung setzt der Verband vor allem auf die Hyperabschreibung und eine Belebung der Investitionen in Italien.

Das Jahr 2025 erwies sich für die italienischen Hersteller von Werkzeugmaschinen, Robotern und Automationssystemen als ein insgesamt schwaches Jahr. Die Produktion blieb gegenüber dem Vorjahr weitgehend unverändert. Ausschlaggebend für dieses enttäuschende Ergebnis war der deutliche Rückgang des Exportes. Positiver entwickelte sich hingegen das Inlandsgeschäft, das von einer Erholung der Nachfrage profitierte. Trotz zweistelliger Zuwachsraten lagen die Werte jedoch weiterhin deutlich unter dem Niveau der Jahre 2021 und 2022.

Dennoch bestätigte die italienische Industrie des Sektors erneut ihre führende Rolle auf internationaler Ebene, wo sie den fünften Platz in der weltweiten Rangliste für die Produktion und den Konsum und den vierten Platz in der Export-Rangliste belegt hat.

Für das Jahr 2026 wird ein diskreter Aufschwung erwartet, der vor allem auf eine Verbesserung der Performance auf dem Inlandsmarkt zurückzuführen sein dürfte, Dank auch der Hyperabschreibung.  Die Auslandstätigkeit bleibt dagegen weiterhin schwach.

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Dieses Szenario wurde vom Präsidenten von UCIMU SISTEMI PER PRODURRE, Riccardo Rosa, anlässlich der Mitgliederversammlung vorgestellt. An der Veranstaltung nahmen außerdem Barbara Cimmino, Vizepräsidentin von CONFINDUSTRIA für Export und Investitionsförderung, sowie Paolo Magri, Vorsitzender des wissenschaftlichen Ausschusses von ISPI, teil. Moderiert und interviewt wurden die beiden von Rita Querzè, Journalistin der Tageszeitung Il Corriere della Sera.

Im Anschluss diskutierten die beiden jungen Unternehmer Luca Dadone und Elisa Stucchi über ihre Vorstellungen von Innovation und berichteten über den Einsatz von Künstlicher Intelligenz und Augmented Reality in der Fertigungsindustrie.

An der Versammlung nahmen mehr als 150 Gäste teil, darunter Unternehmer und Manager der Branche, Vertreter von Institutionen sowie Medienvertreter.

Bilanz 2025

Nach den vom Centro Studi & Cultura di Impresa von UCIMU erarbeiteten Daten belief sich die italienische Produktion von Werkzeugmaschinen, Robotern und Automationssystemen im Jahr 2025 auf 6.391 Millionen Euro, was einem Anstieg von 1% gegenüber 2024 entspricht.

Der Export verzeichnete einen drastischen Rückgang von -12% auf 3.760 Millionen Euro. Das Verhältnis Export/Produktion ist im Vergleich zu 67,5% im Jahr 2024 auf 58,8% gesunken .

Im Jahr 2025 waren die wichtigsten italienischen Absatzmärkte: die Vereinigten Staaten (572 Millionen, -9%), Deutschland (274 Millionen, -24,9%), Frankreich (204 Millionen, +0,2%), Polen (188 Millionen, +11,2%), die Türkei (168 Millionen, -11,5%), Indien (164 Millionen, -11,6%), Mexiko (158 Millionen, -10%), Spanien (147 Millionen, -6,5%), China (110 Millionen, -54,1%),  Brasilien (84 Millionen, +15,9%).

Nach zwei Jahren des Rückgangs stiegen die Lieferungen der italienischer Hersteller auf dem Inlandsmarkt wieder an und erreichten 2.631 Millionen Euro, was einem Plus von 28,1 % gegenüber dem Vorjahr entspricht. Ausschlaggebend hierfür war der Aufschwung des inländischen Verbrauchs, der um 22,3% auf 4.534 Millionen Euro anstieg.

Der Import belief sich auf 1.903 Millionen Euro, mit einem Zuwachs von 15,1 % gegenüber 2024. Der Anteil des inländischen Verbrauchs, der durch ausländische Anbieter gedeckt wurde, sank um drei Prozentpunkte auf 42 %.

Die Auslastung der Produktionskapazität, ist mit einem jährlicher Durchschnitt von 77,3% im Jahr 2024 auf 76,5% leicht zurückgegangen. Ebenfalls leicht rückläufig auch die Auftragslage, bei einer gesicherten Produktion von 6,3 Monaten, gegenüber den 6,5 Monaten im Vorjahr.

Der Branchenumsatz belief sich insgesamt auf 9.330 Millionen Euro.

Prognosen für 2026

Wie aus den Prognosen des Centro Studi & Cultura di Impresa von UCIMU hervorgeht, wird das Jahr 2026 einen leichten Aufschwung für die italienischen Hersteller von Werkzeugmaschinen, Robotern und Automationssystemen mit sich bringen. Sämtliche Indikatoren werden wieder in den positiven Bereich zurückkehren, auch wenn die Wachstumsraten weiterhin moderat ausfallen.

Die Produktion wird sich bei 6.640 Millionen Euro einpendeln (+3,9%). Der Export bleibt mit 3.785 Millionen Euro (+0,7 %) nahezu auf dem Niveau des Vorjahres.

Auch die Lieferungen der italienischen Hersteller auf dem Inlandsmarkt werden ihren positiven Trend fortsetzen und voraussichtlich um 8,5 % auf 2.855 Millionen Euro steigen. Getragen wird diese Entwicklung vom Inlandsverbrauch, der sich bei 4.870 Millionen Euro (+7,4 %) einpendeln wird.

Auch der Import wird ein positives Zeichen setzen und sich auf 2.015 Millionen (+5,9%) belaufen.

Italienische Werkzeugmaschinenindustrie zwischen geopolitischer Instabilität und Fördermaßnahmen

Riccardo Rosa, Präsident von UCIMU – SISTEMI PER PRODURRE, erklärte: „2025 war insgesamt ein enttäuschendes Jahr für die italienischen Werkzeugmaschinenhersteller. Ausschlaggebend war vor allem der starke Rückgang der Auslandsverkäufe. Aber auch das Inlandsgeschäft blieb trotz des Aufschwungs hinter den Erwartungen zurück – nicht zuletzt aufgrund des Durcheinanders rund um Transizione 5.0.“

„Auf internationaler Ebene hat die geopolitische Instabilität die Geschäftstätigkeit unserer von UCIMU vertretenen Branche erheblich erschwert, da die Auslandsmärkte nach wie vor den wichtigsten Absatzkanal für unsere Produktion darstellen.“

„Abgesehen davon haben die Ereignisse der vergangenen Jahre unsere Unternehmen einem permanenten Stresstest unterzogen und sie wie nie zuvor darauf vorbereitet, bei unkonventionellen oder innovativen Ansätzen in der Geschäftswelt / innovativen, unkonventionellen Geschäftsmodellen und neuen Arbeitsweisen  (business unusual) zu agieren. Deshalb stellen wir heute fest“, so Riccardo Rosa weiter, „dass nicht jedes Ereignis, das in direktem Zusammenhang mit unserer Branche steht, unsere Geschäftstätigkeit in gleicher Weise beeinflusst.“

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Zölle treffen italienische Hersteller unterschiedlich stark

„Die von der Trump-Regierung eingeführten Zölle hatten für unsere Branche insgesamt überschaubare Auswirkungen. Die Zahlen sprechen für sich: 2025“, erklärte Riccardo Rosa, „gingen die Verkäufe in den Vereinigten Staaten um 9%  zurück. Dennoch bleiben die Vereinigten Staaten mit großem Abstand der wichtigste Absatzmarkt für das Made in Italy der Branchen. Dafür gibt es mehrere Gründe: Zum einen verfügen die Vereinigten Staaten nicht über eine ausreichende eigene Produktion, um den inländischen Bedarf zu decken, und sind daher auf hochentwickelte und stark kundenspezifische Technologien angewiesen. Zum anderen verzeichnet der Verteidigungssektor, der für das Land von strategischer Bedeutung ist und deshalb von den Zöllen ausgenommen wurde, derzeit eine besonders lebhafte Nachfrage. Diese drei Faktoren haben es den italienischen Herstellern ermöglicht - und ermöglichen es ihnen auch weiterhin -  auf dem amerikanischen Markt tätig zu bleiben, der die Eigenschaften unseres Angebotes seit jeher zu schätzen weiß.“

„Das bedeutet jedoch nicht“, fügte der Präsident hinzu, „dass alle Schwierigkeiten beseitigt sind. Für jene Maschinentypen, die auch von amerikanischen Herstellern produziert werden, stellen die Zölle offensichtlich eine erhebliche Belastung dar und haben den Absatz der italienischen Branchenprodukte eingeschränkt. Doch damit nicht genug: Die Handelspolitik Trumps hat auch einige schwerwiegende indirekte Auswirkungen mit sich gebracht. Ein Beispiel dafür ist der Anstieg der Preise für bestimmte Rohstoffe, den andere Länder als Reaktion auf die Zölle vorgenommen haben. Dieser Kostenanstieg wirkt sich ebenfalls negativ auf unsere Geschäftstätigkeit aus.“

Europa und die Automobilindustrie

„Noch schwieriger war es hingegen, die Auswirkungen der Kriege sowie der Schwäche eines so bedeutenden Marktes wie Europa zu bewältigen. Im Zusammenhang mit den Kriegen ist für uns Hersteller das deutlichste Beispiel das Verschwinden Russlands von unserem Radar. Im Jahr 2013, vor der Annexion der Krim und den ersten Sanktionen, war Russland mit Exporten im Wert von 177 Millionen Euro unser viertwichtigster Absatzmarkt.  Im Jahr 2022 war es mit 99 Millionen Euro noch unser acht-wichtigster Zielmarkt. Seit 2023 fällt Russland jedoch vollständig als Absatzmarkt aus – und vor allem haben wir dieses Marktsegment an chinesische Hersteller verloren. Wer weiß, ob es uns nach der Beilegung dieser Wunde im Herzen Europas gelingen wird zumindest einen Teil des verlorenen Terrains  zurückzugewinnen.“

„Und wenn wir von Europa sprechen“, erklärte Riccardo Rosa, „dann nähern wir uns gefährlich dem Risiko einer Deindustrialisierung. Die äußerst fragwürdigen Entscheidungen der EU-Institutionen zur Elektrifizierung des Automobilsektors zeigen zunehmend ihre konkreten Folgen. In einer Zeit, in der sich das Konzept von Transport bei den jüngeren Generationen grundlegend verändert hat und das Auto nicht länger als Statussymbol, sondern vor allem als Fortbewegungsmittel gilt, hat die dirigistische Politik der europäischen Entscheidungsträger asiatischen Anbietern faktisch den Weg geebnet, in Bereichen Oberhand zu gewinnen, die traditionell von europäischer gewerblicher Industrie geprägt waren. Bevor diese Folgen unumkehrbar werden, appellieren wir an die politischen Entscheidungsträger in Europa, ihren Kurs zu überdenken. Der notwendige Wandel muss auf dem Grundsatz der Technologieneutralität  beruhen. Nur so kann die Automobilindustrie gemeinsam mit ihrem weit verzweigten Zuliefernetzwerk den Transformationsprozess erfolgreich gestalten – mit dem Ziel, den Umweltschutz voranzubringen und zugleich, wo immer möglich, Arbeitsplätze in der Industrie zu sichern.“

„Abgesehen von der Automobilindustrie, mit der es eng verflochten ist, scheint Deutschland – der große Kranke Europas – allmählich Licht am Ende des Tunnels zu sehen. Im ersten Quartal 2026 legte der von dem deutschen Branchenverband ermittelte Auftragsindex für Werkzeugmaschinen um +15,1% zu und beendete damit eine drei Jahre andauernde Negativentwicklung.

Das vom Bundeskanzler Merz angestoßene Konjunkturprogramm sowie die Investitionen in die Verteidigung stärken das Vertrauen in den Wirtschaftsstandort Deutschland. Wir hoffen, dass sich dieser positive Trend bestätigt, denn wenn die deutsche Lokomotive wieder Fahrt aufnimmt, sind wir als erster Waggon dieses Zuges bereit anzukoppeln um weiterhin unseren Beitrag in der Produktionskette des Made in Germany zu leisten, die sich über die ganze Welt erstreckt und unsere Produktion weltweit verbreitet.“

Die Hormus-Krise

„Solange die genauen Inhalte der Vereinbarung noch nicht feststehen und uns bewusst ist, dass es einige Zeit dauern wird, bis sich der Warenverkehr wieder normalisiert, bleiben die Auswirkungen auf unsere Tätigkeit derzeit managebar und wir sind zuversichtlich, dass die Entspannung der Lage im Nahen Osten unseren Unternehmen erhebliche Vorteile bringen wird. Aus Sicht des direkten Geschäfts entfallen rund 30 % unseres Asienexportes auf diese Region. Eine Rückkehr zur „Normalität“ dürfte unserer Aktivität dort neuen Schwung verleihen, zumal insbesondere Technologien für die Metallumformung im Zuge der umfangreichen Infrastrukturprogramme  gefragt werden. Auch indirekt sind positive Effekte zu erwarten: Mit der Wiederaufnahme des regulären Warenverkehrs dürften die in den vergangenen Monaten deutlich gestiegenen Beschaffungskosten schrittweise wieder sinken.“

Der italienische Markt und die Fördermaßnahmen

„In einer entscheidenden Phase wie der gegenwärtigen, die von einer deutlich schwächeren Auslandsnachfrage geprägt ist, gewinnt der Inlandsmarkt für unsere Unternehmen noch stärker an Bedeutung. Die verfügbare Maßnahme der Hyperabschreibung im Rahmen des neuen Programms Transizione 5.0, heute voll operationsfähig, stellt ein wirksames Instrument zur Förderung der italienischen Nachfrage nach neuen Werkzeugmaschinen dar.“

„Wir müssen feststellen, dass das Jahr 2026 ausgesprochen schwierig begonnen hat: Der Auftragseingang auf dem Inlandsmarkt lag im Zeitraum Januar-März 2025 um 29% unter dem Vorjahresniveau. Gleichzeitig hatten wir jedoch den Eindruck, dass die Nachfrage auf Eis gelegt war.

Bereits im ersten Monat nach dem tatsächlichen Inkrafttreten der Hyperabschreibung, nachdem die GSE-Plattform operativ geworden war, konnten wir eine deutliche Veränderung im Verhalten unserer italienischen Kunden feststellen. Dies bestätigt, was wir schon seit Langem sagen: Die Nachfrage in Italien ist vorhanden, doch die Kunden warteten auf Klarheit, um ihre Bestellungen tatsächlich zu platzieren.“

„Die Fördermaßnahme zeigt nun Wirkung. Bei dem Ende Juni vom Ministerium für Unternehmen und Made in Italy (MIMIT) einberufenen Branchengipfel der Maschinenbauindustrie wurde deutlich, dass rund 90% aller über die GSE-Plattform eingereichten Förderanträge auf Investitionen in Werkzeugmaschinen entfallen. Das ist ein ermutigendes Signal! Dem MIMIT ist zugutezuhalten, dass es – wenn auch mit Verspätung – eine praxisnahe und auf drei Jahre angelegte Fördermaßnahme auf den Weg gebracht hat. Italienische Unternehmen verfügen damit endlich über ein industriepolitisches Instrument, das Herstellern eben sowie Investoren  Planungssicherheit über einen mittelfristigen Zeitraum bietet. Nun gilt die Hoffnung, dass die Maßnahme die Inlandsnachfrage wieder auf das hohe Niveau der Jahre 2021 und 2022 anheben wird und somit auch eine Modernisierung unserer Industrie gewährleistet, die kontinuierlich in Innovation investieren muss, um im internationalen Wettbewerb bestehen zu können, wo Digitalisierung und Künstliche Intelligenz die Spielregeln der globalen Industrie grundlegend verändern.

Im Rahmen der UCIMU-Mitgliederversammlung wurden auch die Verbandsorgane für die Amtsperiode 2026–2027 neu gewählt. Als einziger Kandidat für das Präsidentenamt trat Riccardo Rosa an. Die Details erfahren Sie hier.


Quelle: UCIMU, bearbeitet von: Sabine Königl

FAQ: Italienische Werkzeugmaschinenindustrie

Wie entwickelte sich die italienische Werkzeugmaschinenindustrie 2025? Die Produktion stieg um 1 % auf 6.391 Mio. EUR, während die Exporte um 12 % auf 3.760 Mio. EUR zurückgingen.

Welche Prognose gibt es für die italienische Werkzeugmaschinenindustrie 2026? UCIMU erwartet ein Produktionsplus von 3,9 % auf 6.640 Mio. EUR und eine stärkere Entwicklung des Inlandsmarktes.

Welche Rolle spielt die Hyperabschreibung für die italienische Werkzeugmaschinenindustrie? Sie soll Investitionen in neue Werkzeugmaschinen fördern und der inländischen Nachfrage zusätzlichen Schwung verleihen.

Wie wichtig ist der Export für die italienische Werkzeugmaschinenindustrie? Auslandsmärkte bleiben ein zentraler Absatzkanal, auch wenn das Verhältnis von Export zu Produktion 2025 auf 58,8 % sank.

Welche Märkte sind für die italienische Werkzeugmaschinenindustrie besonders wichtig? Die Vereinigten Staaten waren 2025 mit 572 Mio. EUR der größte Absatzmarkt, gefolgt unter anderem von Deutschland, Frankreich und Polen.