Herbsttagung Verband der Deutschen Drehteile-Industrie

Deutsche Drehteile-Industrie: Das bremst den nachhaltigen Aufschwung

Die Drehteile-Industrie meldet steigende Auftragseingänge und eine bessere Auslastung. Auf der Herbsttagung des Verbandes in Würzburg wurde jedoch deutlich: Überregulierung, unsichere Energiepreise und fehlende Fachkräfte bremsen ein nachhaltiges Wachstum aus.

Vorstand und Geschäftsführung des Verbands der Deutschen Drehteile-Industrie (v.l.): Patrick Weber, Thomas Braun, Werner Liebmann, Julius Klinke, Kathrin Heinrichs, Stefan W. Schauerte und Tobias Dittmar.
Vorstand und Geschäftsführung des Verbands der Deutschen Drehteile-Industrie (v.l.): Patrick Weber, Thomas Braun, Werner Liebmann, Julius Klinke, Kathrin Heinrichs, Stefan W. Schauerte und Tobias Dittmar.

  • Auf der Herbsttagung der Deutschen Drehteile-Industrie am 9. Oktober 2026 in Würzburg diskutierten 145 Teilnehmer über die wirtschaftliche Lage und technologische Entwicklungen.

  • Steigende Auftragseingänge, positive Exportzahlen und eine bessere Auslastung deuten auf eine Belebung hin. Das Automobilgeschäft bleibt dagegen schwach.

  • Überregulierung, unsichere Energiekosten und Fachkräftemangel bremsen die Erholung. Automatisierung und intelligentes Energiemanagement bieten Einsparpotenziale.

  • Tobias Dittmar übernimmt schrittweise die Geschäftsführung von Werner Liebmann, der Mitte 2027 in den Ruhestand geht.

Die deutsche Drehteile-Industrie sieht erste Anzeichen einer wirtschaftlichen Erholung. Steigende Auftragseingänge, eine positive Exportentwicklung und eine verbesserte Auslastung sorgen in Teilen der Branche für Zuversicht. Von einem flächendeckenden Aufschwung kann allerdings noch keine Rede sein.

Das zeigte sich auf der Herbsttagung des Verbands der Deutschen Drehteile-Industrie am 9. Oktober 2026 in Würzburg. Die 145 Teilnehmer diskutierten neben der konjunkturellen Entwicklung vor allem über regulatorische Belastungen, Energieeffizienz, neue Werkstoffe und Automatisierungslösungen.

Wie entwickelt sich die wirtschaftliche Lage der Drehteile-Industrie?

Die Berichte aus den Mitgliedsunternehmen zeichneten ein uneinheitliches Bild. Während einige Betriebe weiterhin unter schwacher Nachfrage leiden, melden andere volle Auftragsbücher und steigende Umsätze. Wachstumsimpulse kommen insbesondere aus der Medizin- und Elektrotechnik sowie aus Anwendungen für Rechenzentren. Im Automobilgeschäft zeigt sich dagegen eine stagnierende bis rückläufige Entwicklung.

Verbands-Geschäftsführer Werner Liebmann verwies auf mehrere positive Branchenkennzahlen. Der Auftragseingang verzeichnet ein deutliches Plus, die Exporte entwickeln sich weiterhin positiv. Gleichzeitig gingen die Materialkosten im zweiten Quartal leicht zurück. Auch das Geschäftsklima befindet sich seit März 2026 im grünen Bereich und zeigt einen positiven Trend. „Insgesamt verdichten sich damit die Anzeichen einer Belebung, eine durchgängige Erholung in der Branche lässt sich daraus aber noch nicht ableiten“, sagt der Geschäftsführer.

Regulierung und Fachkräftemangel bremsen die Erholung

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Trotz verbesserter Konjunktursignale bleiben die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen für viele Drehteilehersteller schwierig. Besonders die regulatorischen Anforderungen und die fehlende Planungssicherheit bei den Energiekosten beschäftigen die Unternehmen. „Engmaschige Regulierungsvorgaben verursachen weiterhin viel zu viel Aufwand. Dazu kommt mangelnde Planbarkeit, etwa in Bezug auf Energiekosten“, erklärt Liebmann.

Hinzu kommt der Fachkräftemangel. Mehrere Mitgliedsunternehmen berichteten von Schwierigkeiten, offene Stellen für Zerspanungsmechaniker und andere qualifizierte Beschäftigte zu besetzen. In einigen Betrieben begrenzt die Personalsituation bereits die Wachstumsmöglichkeiten.

Welche Folgen hat die EU-Verpackungsverordnung für Drehteilehersteller?

Neben der wirtschaftlichen Lage standen auf der Herbsttagung konkrete regulatorische Fragen im Mittelpunkt. Volker Bockskopf vom WSM-Wirtschaftsverband Stahl- und Metallverarbeitung erläuterte die Anforderungen der EU-Verpackungsverordnung PPWR, die das Verpackungsmüllaufkommen reduzieren soll. Im Zentrum der Diskussion stand die Verantwortung der Drehteilehersteller für eingesetzte Verpackungen. Bockskopf betonte, dass Unternehmen zunächst ihre konkrete Rolle innerhalb der Lieferkette bestimmen sollten, bevor sie zusätzliche Verpflichtungen übernehmen. Seine Empfehlung lautete, die Anforderungen anhand der jeweiligen Verpackungssituation sorgfältig zu prüfen und dabei einen kühlen Kopf zu bewahren.

Christian Vietmeyer, Hauptgeschäftsführer des WSM, stellte anschließend die politische Interessenvertretung des Wirtschaftsverbands in Berlin und Brüssel vor. Ziel sei es, die Perspektiven der Zulieferindustrien aus der Stahl- und Metallverarbeitung stärker in politische Entscheidungs- und Gesetzgebungsprozesse einzubringen.

Neue Werkstoffe und mobile Cobots für die Fertigung

Auch technologische Entwicklungen in der Zerspanung waren Bestandteil des Tagungsprogramms. Dr. Heiko Haupt-Peter von Steeltec präsentierte neue Ergebnisse zur Entwicklung bleifreier beziehungsweise borhaltiger Stahlvarianten. Dabei knüpfte er an seinen Vortrag aus dem Jahr 2024 zu Blei in zerspanbaren Legierungen an. Die vorgestellten Untersuchungen zeigten, dass sich der sichere Prozessbereich bei borhaltigen Stählen durch höhere Schnittwerte vergrößern lässt. Bei einer Werkstoffvariante fiel der Werkzeugverschleiß sogar geringer aus als beim bleihaltigen Vergleichswerkstoff.

Eine weitere Lösung für die Fertigung stellte Joachim Burkert von wbt-Automation vor. Seine kompakte, mobile Roboterzelle auf Cobot-Basis kann Kleinteile selbstständig entnehmen, prüfen und ablegen. Eine Schnittstelle zur Werkzeugmaschine ist dafür nicht erforderlich.

Wie lassen sich Energiekosten um mehr als 50 % senken?

Welche Einsparpotenziale ein ganzheitliches Energiemanagement eröffnet, erläuterten Amadea Hilleke und Thomas Kerner vom Reglas Ingenieurbüro. Unter dem Titel „Energiemanagement – Einsparpotenziale eines ganzheitlichen Energiekonzepts“ zeigten sie anhand konkreter Beispiele, wie Unternehmen ihre Energiekosten um mehr als 50 % reduzieren können.

Voraussetzung ist eine detaillierte Analyse der Lastprofile und der jährlichen Kosten einzelner Energieverbraucher. Entscheidend sei, sämtliche Komponenten als Gesamtsystem zu betrachten.

Messkonzepte, Schnittstellen und unterschiedliche Betriebszustände müssen deshalb bereits in der Planungsphase berücksichtigt werden. Ein kontinuierliches Monitoring und intelligentes Energiemanagement sollen die erzielten Einsparungen langfristig sichern und zusätzliche Optimierungspotenziale im laufenden Betrieb erschließen.

Führungswechsel beim Verband der Deutschen Drehteile-Industrie

Neben den fachlichen Themen stand auch die künftige Führung des Verbands auf der Tagesordnung. Werner Liebmann und Tobias Dittmar führen die Geschäfte bereits seit einigen Wochen gemeinsam. Liebmann, der den Verband seit vielen Jahren als Geschäftsführer prägt, wird Mitte 2027 in den Ruhestand wechseln.

Dittmar stellte sich den Mitgliedsunternehmen auf der Herbsttagung vor. Der Jurist verfügt über langjährige Erfahrung in der Führung von Industrieverbänden, im Aufbau verbandlicher Netzwerke und in der politischen Interessenvertretung. Ein Schwerpunkt seiner bisherigen Arbeit liegt auf den Auswirkungen regulatorischer und wirtschaftspolitischer Entwicklungen auf mittelständische Industrieunternehmen.

„Ich möchte auf der erfolgreichen Arbeit des Verbands aufbauen und ihn gemeinsam mit dem Vorstand und den Mitgliedsunternehmen weiterentwickeln“, sagte Dittmar. „Dabei sind mir eine verlässliche Zusammenarbeit sowie der direkte Austausch mit den Unternehmen wichtig. An ihren Anliegen und Herausforderungen soll sich die Verbandsarbeit auch künftig ausrichten.“

Branchentreffen 2027 in Darmstadt, Essen und Großbritannien

Wie aus der Verbandsmitteilung hervorgeht, stehen auch die nächsten Branchentermine bereits fest. Die Frühjahrstagung 2027 soll in Darmstadt stattfinden, während Essen als Veranstaltungsort für die Herbsttagung vorgesehen ist. Darüber hinaus steht im kommenden Jahr der Internationale Drehteile-Kongress in Stratford upon Avon in Großbritannien auf dem Programm.

Die wichtigsten Fragen zur Lage der Drehteile-Industrie

Wie entwickelt sich die Drehteile-Industrie 2026?
Steigende Auftragseingänge, positive Exporte und ein verbessertes Geschäftsklima deuten auf eine Belebung hin. Eine flächendeckende Erholung ist jedoch noch nicht erkennbar.

Welche Herausforderungen belasten die Drehteile-Industrie?
Hohe regulatorische Anforderungen, unsichere Energiekosten und fehlende Fachkräfte erschweren die Planung und begrenzen teilweise das Wachstum.

Welche Technologien beschäftigen die Drehteile-Industrie?
Im Fokus stehen borhaltige Stahlvarianten für die Zerspanung, mobile Cobot-Lösungen sowie intelligentes Energiemanagement zur Senkung der Betriebskosten.

Welche Einsparpotenziale bietet Energiemanagement für die Drehteile-Industrie?
Laut den auf der Herbsttagung vorgestellten Praxisbeispielen lassen sich durch ganzheitliche Energiekonzepte mehr als 50 % der Energiekosten einsparen.

Welche personellen Veränderungen gibt es im Verband der Deutschen Drehteile-Industrie?
Tobias Dittmar führt den Verband derzeit gemeinsam mit Werner Liebmann. Dieser wird Mitte 2027 in den Ruhestand gehen.