Metallbearbeitung neu denken mit Production Intelligence
Effizient produzieren, Qualität sichern und gleichzeitig die Kosten im Griff behalten – das ist für metallbearbeitende Unternehmen eine stetige Herausforderung. Mithilfe von Production Intelligence und gezieltem Retrofit lassen sich bestehende Maschinenparks digital aufrüsten und die Fertigung datenbasiert optimieren.
Nicolaos DebowiakNicolaosDebowiakNicolaos DebowiakCo-Founder von Prodaso und Senior Principal, Produktmanagement bei Forterro
Vom Shopfloor in die Cloud: Sensoren liefern Produktionsdaten in Echtzeit.Forterro)
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Metallbearbeitende Mittelständler stehen heute unter enormem
Druck: Steigende Energie- und Materialkosten, Fachkräftemangel sowie heterogene
Maschinenparks aus Alt- und Neuanlagen verschiedener Hersteller erschweren eine
effiziente und planbare Produktion. Viele Maschinen sind zwar technisch
einwandfrei, verfügen jedoch nicht über digitalen Schnittstellen. Daher werden
Maschinen- und Prozessdaten häufig verzögert oder manuell erfasst. Abweichungen
vom geplanten Fertigungsverlauf bleiben oft unbemerkt, was zu Stillständen,
ineffizientem Ressourceneinsatz, Werkzeugverschleiß und steigenden Kosten
führt. Entscheidungen basieren dadurch häufig auf Schätzungen statt auf
aktuellen Echtzeitdaten.
Gleichzeitig steigen die Anforderungen an Präzision,
Liefergeschwindigkeit und Rückverfolgbarkeit. Produktivität und Qualität hängen
entscheidend von präzise abgestimmten Prozessen, Werkzeugen und Ressourcen ab. Wer
weiterhin auf traditionelle Fertigungsprozesse, manuelle Datenerfassung und
isolierte Maschinen setzt, gefährdet langfristig seine Wettbewerbsfähigkeit. Eine
kostspielige Neuanschaffung ist jedoch nicht zwingend erforderlich: Die
gezielte Nachrüstung bestehender Anlagen mit Sensorik und IoT-Gateways – das
sogenannte Retrofit – ermöglicht die Einbindung älterer Maschinen in bestehende
IT-Strukturen und die Erfassung von Produktionsdaten in Echtzeit. Ein zentraler
Baustein ist dabei die Production Intelligence, also die intelligente
Verknüpfung zentraler Betriebsdaten zu einem durchgängigen Informationssystem.
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Production Intelligence: Wegbereiter der schrittweisen
Digitalisierung
Moderne Production-Intelligence-Lösungen ermöglichen
metallbearbeitenden kleinen und mittleren Unternehmen (KMU) einen pragmatischen
Einstieg in die digitale Fertigung. Sie vernetzen heterogene Maschinenparks
herstellerneutral und schaffen eine einheitliche Datenbasis, in der operative
Informationen vom Shopfloor mit Planungsdaten aus dem ERP-System
zusammenfließen. Die Maschinen werden dazu an eine industrielle IoT-Plattform
(Industrial Internet of Things, IIoT) angebunden, sodass relevante Parameter
wie Laufzeit, Spindeldrehzahl, Energieverbrauch oder Werkzeugzustand
kontinuierlich erfasst werden.
Vorausschauende Wartung, wird auch für kleinere Unternehmen wirtschaftlich umsetzbar
Nicolaos Debowiak
Durch die kontinuierliche Rückkopplung zwischen Planung und
Fertigung lassen sich Produktionskennzahlen, Energieflüsse und
Maschinenzustände dynamisch auswerten und direkt ins ERP-System zurückspielen. Abweichungen
– etwa erhöhter Energieverbrauch oder verlängerte Zykluszeiten – lösen sofort
Warnmeldungen aus. So kann das Bedienpersonal frühzeitig reagieren, bevor
Qualitätsprobleme oder Produktionsstillstände auftreten.
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„Sobald Produktions- und Planungsdaten zusammenfließen,
entsteht eine neue operative Dynamik: Prozesse werden flexibler,
Wartungsmaßnahmen gezielter planbar, und Predictive Maintenance, also vorausschauende
Wartung, wird auch für kleinere Unternehmen wirtschaftlich umsetzbar“, erklärt
Nicolaos Debowiak, Co-Founder von Prodaso
und Senior Principal, Produktmanagement bei Forterro.
Sensorik als Enabler der Production Intelligence
Der Einstieg in Production Intelligence muss kein
Mammutprojekt sein. Ein modularer Ansatz, der auf vorhandenen Infrastrukturen
aufbaut, erlaubt es, auch ältere Maschinenparks Schritt für Schritt zu
digitalisieren. In der Praxis genügt oft die gezielte Nachrüstung relevanter
Maschinen mit IIoT-Sensoren, die Anbindung an das ERP-System über Gateways
sowie die Einrichtung von Datenmodellen für Energie-, Vibrations- und
Zustandsanalysen. Moderne Sensorik erfasst fortlaufend Prozessdaten und
überträgt sie in Echtzeit an die zentrale Plattform.
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Selbst ältere Maschinen ohne digitale Schnittstellen lassen
sich durch externe Sensoren – etwa Strom-, Vibrations-, Beschleunigungs- oder
Näherungssensoren – nachrüsten. Sie messen Betriebszustände wie Laufzeiten,
Schwingungen oder Stillstände und übermitteln die Informationen über Edge
Devices direkt an das ERP-System.
Auch manuelle Arbeitsplätze lassen sich
integrieren: Mitarbeitende erfassen Produktionsfortschritte und Störungen in
Echtzeit über Tablets, Eingabegeräte oder Pick-by-Light-Systeme. Auf diese
Weise entsteht eine lückenlose Datengrundlage, die alle Ebenen der Fertigung
miteinander verbindet und die Basis für eine transparente, datengestützte
Produktionssteuerung bildet.
Visualisierung des Produktionsprozesses: Maschinenzustände und LeistungsverlaufForterro)
„Die Implementierung erfolgt schrittweise: Einzelne
Maschinen oder Prozessschritte werden zunächst digitalisiert, das System
sukzessive erweitert. Dabei sollte die Einführung nicht nur als IT-Projekt
betrachtet werden, sondern als strategische Veränderung, die alle Ebenen - vom
Shopfloor bis zur Managementebene - einbezieht“, betont Debowiak.
Prozessstabilität durch intelligente
Temperaturüberwachung
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In der metallverarbeitenden Industrie spielt die
Temperaturüberwachung von Kühlschmierstoff eine zentrale Rolle für die Qualität
und Prozessstabilität der CNC-Bearbeitung (Computerized Numerical Control –
also rechnergestützte Werkzeugmaschinensteuerung). Schon geringe Schwankungen
in der Kühlschmierstoff- oder Umgebungstemperatur können die Maßhaltigkeit,
Werkzeugstandzeit und Oberflächenqualität beeinflussen. Fehlende Kontrolle
führt häufig zu thermischer Drift der Maschine, ungleichmäßigem Werkzeugverschleiß
oder Maßabweichungen bei Präzisionsteilen – Faktoren, die Ausschuss und
Nacharbeit deutlich erhöhen können.
Durch die Integration von Temperatursensoren in
Kühlschmierstoffkreisläufen und in der Maschinenumgebung lässt sich dieses
Risiko deutlich reduzieren. Die Sensoren erfassen kontinuierlich die
Kühlschmierstofftemperatur, die Hallentemperatur sowie den Maschinenzustand und
übermitteln die Daten in Echtzeit über ein IoT-Gateway an eine zentrale
Plattform. Dort erfolgt die Verknüpfung mit Produktionsparametern wie
Zykluszeiten oder Bauteilnummern. Sobald Abweichungen von definierten
Sollwerten erkannt werden, können automatische Warnungen ausgelöst werden –
noch bevor Qualitätseinbußen auftreten.
Auf dieser Grundlage lassen sich thermische Einflüsse
frühzeitig identifizieren und gezielte Gegenmaßnahmen einleiten. Das sorgt für
stabile Prozesse über mehrere Schichten hinweg, reduziert Ausschuss und
verlängert die Lebensdauer von Werkzeugen und Maschinenkomponenten.
Gleichzeitig ermöglichen die gewonnenen Daten eine klare Korrelation zwischen
Temperaturverhalten, Zykluszeiten und Qualitätskennzahlen und bilden die Basis
für kontinuierliche Prozessoptimierungen.
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Planungssicherheit durch KI-gestürzte Analysen
Die Kombination aus Echtzeitdatenerfassung, IIoT-Anbindung
und ERP-Systemen schafft eine durchgängige Informationskette zwischen Planung
und Fertigung – die Basis für fundierte, datenbasierte Entscheidungen. Voraussetzung
dafür ist die intelligente Verknüpfung von Echtzeitdaten aus der Produktion mit
den Planungsinformationen des ERP-Systems, das umfassende Informationen zu
Maschinenzuständen, Produktionsmengen und Beständen liefert. Moderne
Production-Intelligence-Lösungen verarbeiten diese Daten zu einer belastbaren Grundlage
für KI-gestützte Analysen.
Nicolaos Debowiak, Co-Founder von Prodaso und Senior Principal, Produktmanagement bei ForterroForterro)
Auf dieser Basis lassen sich Optimierungen wie Predictive
Maintenance oder Prozessbenchmarking umsetzen: Produktionsprozesse
werden vorausschauend gesteuert, Ressourcen effizient eingesetzt und
Wartungsmaßnahmen gezielt geplant. KI-Analysen liefern präzise Prognosen zu
Rüstzeiten, Durchlaufzeiten oder Wartungsbedarf. Die Fertigung wird flexibler,
Termintreue steigt und ungeplante Stillstände lassen sich minimieren. Production
Intelligence verbindet so Mensch, Maschine und Planungssystem und ebnet den Weg
von der traditionellen Werkhalle zur datengetriebenen Smart Factory.
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„Eine datengetriebene Fertigung entsteht nicht über
Nacht. Aber durch den Einsatz von Production Intelligence in Kombination mit
gezieltem Retrofit lassen sich Produktionsprozesse schrittweise digitalisieren,
Maschinen effizient vernetzen und Daten in Echtzeit auswerten. Auf dieser
Grundlage ermöglichen KI-gestützte Analysen präzisere Prognosen und
Planbarkeit, selbst in einem Umfeld, das traditionell stark von
Erfahrungswerten geprägt ist“, erklärt Nicolaos Debowiak.
bearbeitet von: Annika Ostermeier
FAQ: Fünf Antworten, die jede Fertigungsleitung zur Production Intelligence kennen muss
1. Was ist Production Intelligence?
Echtzeitvernetzung von Planung und Produktion
Zentrale Datenbasis für fundierte Entscheidungen
Grundlage für mehr Flexibilität und Effizienz
2. Warum ist Retrofit entscheidend?
Anbindung alter Maschinen an digitale Systeme
Kein teurer Neukauf notwendig
Datenbasierte Produktion auch mit Bestandsanlagen möglich
3. Wie verhindert Production Intelligence Stillstände?