Mit drei besonders kompakten und mobilen Brikettieranlagen vom Typ Formika der Ruf Maschinenbau GmbH & Co. KG presst Carl Zeiss Sports Optics Aluminiumspäne aus der Zerspanung zu nahezu trockenen Briketts. Damit verringert das Unternehmen in Wetzlar den Handlingaufwand massiv und erzielt deutlich höhere Erlöse beim Verkauf der wertvollen Produktionsreste.
Redaktion FERTIGUNGRedaktionFERTIGUNG
Leicht zu handhaben: Durch das Pressen zu Briketts mit Brikettieranlagen von RUF kann Carl Zeiss Sports Optics das Volumen von Drehspänen auf 1:15 bis 1:18 reduzieren.Carl Zeiss Sports Optics GmbH
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Die Carl Zeiss Sport
Optics GmbH ist bekannt für ihre optischen Premiumprodukte, die bei Kunden in
der ganzen Welt begehrt sind. Etwa 130 Mitarbeitende fertigen und vertreiben in
Wetzlar unter anderem Ferngläser mit und ohne integrierte Entfernungsmesser,
Monokulare, Spektive, Nachtsichtgeräte, Wärmebildkameras, Zielfernrohre und
Reflexvisiere. Hier in Wetzlar sind zudem Kundendienst einschließlich
Reparaturservice, Qualitätssicherung und Logistik für diese Produkte
angesiedelt.
Gehäuse und andere
Funktionsteile für optische Premiumprodukte werden vor allem per Drehen und
Fräsen aus Aluminium hergestellt. Zielfernrohr-Gehäuse entstehen beispielsweise
aus massiven Aluminiumzylindern, wobei bis zu 85 % des Materials
abgetragen werden, das als wertvoller Sekundärrohstoff erneut zum Einsatz
kommen kann.
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Nasse Späne verursachten hohen Handlingaufwand
Die Rückführung der
Alu-Späne in den Wertstoffkreislauf war für die Zerspanungsexperten bei Carl
Zeiss Sports Optics allerdings lange Zeit mit hohem Aufwand verbunden. Die mit
Kühlschmierstoff behafteten Späne wurden an den Bearbeitungszentren in
Containern gesammelt. Vor allem die Drehspäne beanspruchten viel Volumen. Drei-
bis viermal pro Tag mussten daher die gefüllten Spänebehälter per Gabelstapler
abtransportiert und in einen großen Container im Hof entleert werden.
Michael Schurek,
Leiter der mechanischen Bearbeitung, erinnert sich: „Damit waren am Ende jeder
Schicht zwei Mitarbeiter beschäftigt.“ Der große Sammelcontainer wurde
wöchentlich, teils auch zweimal pro Woche abgeholt und durch einen leeren
ersetzt. „Sowohl innerbetrieblich als auch extern war der Transport sehr
aufwendig“, erläutert Schurek. Zudem sorgten die KSS beim Transport für
Verschmutzungen im Betrieb.
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Flexible Presse speziell für geringe Spänemengen
Mobiles System: Drehspäne lässt Carl Zeiss Sports Optics zunächst von einem Zerkleinerer (links) schreddern, bevor sie in der Presse vom Typ Ruf Formika brikettiert werden.Carl Zeiss Sports Optics GmbH)
Diese Nachteile
waren den Verantwortlichen schon lange ein Dorn im Auge. Und so nutzten sie im
Jahr 2023 eine Umgestaltung der Produktion, um auch das Späneproblem nachhaltig
zu lösen. Dass Brikettieren in solchen Fällen den Königsweg darstellt, war den
Zerspanungsexperten bereits bekannt. Der Weg zu Ruf lag damit auf der Hand – zumal
Brikettpressen des Maschinenbauers aus Zaisertshofen bereits an anderen
Standorten von Carl Zeiss erfolgreich im Einsatz waren.
Zudem hatte Ruf 2022
gerade für Fertigungsbetriebe mit geringerem Späneaufkommen wie Carl Zeiss
Sports Optics eine besonders preisattraktive und mobile Brikettpresse vom Typ Formika
eingeführt, die Aluminium und andere Metalle verarbeitet. Passend zu den
konkreten Anforderungen von Carl Zeiss Sports Optics entwickelte Ralf Lorbach,
technischer Berater der Firma Ruf, mit den Zerspanungsexperten das schließlich
umgesetzte Anlagenkonzept mit drei Formika-Pressen von Ruf und drei
Spänezerkleinerern.
Eine der Pressen ist
direkt an ein Fräszentrum angebunden, so wie es bei fast allen Anwendern der Formika-Anlagen
der Fall ist. Speziell für diese Konstellation haben die Entwickler von Ruf sie
gezielt so niedrig konstruiert, dass die Späne von einem Bearbeitungszentrum
problemlos direkt in den Einfülltrichter der Presse geleitet werden können.
Zudem ist die Presse äußerst flexibel einsetzbar, da sie nur 650 kg wiegt
und auf Rollen steht, sodass sie leicht an unterschiedliche Einsatzorte gebracht
werden kann.
Wenn ausreichend
Material im Trichter ist, startet die Presse automatisch. Mit ihrem
energieeffizienten 2,2-kW-Motor erzeugt die Anlage einen spezifischen
Pressdruck von 1.300 kg/cm2. Beim Komprimieren der Späne werden
Kühlschmierstoffe nahezu vollständig herausgepresst. Danach liegt die
Restfeuchte in den Briketts meist bei etwa 3 Prozent. Diese sinkt später noch
weiter, da die Briketts nachtrocknen. Die kompakten Alu-Briketts fördert die
Formika in eine bereitstehende Box. Jedes zylindrische Brikett hat einen Durchmesser
von 60 mm, eine Höhe von 20 mm und eine Masse von rund 110 g.
Die Dichte liegt bei etwa 2 kg/dm3.
Der Brikettbehälter
muss erst nach vielen Schichten durch einen leeren ersetzt werden. So können
Bearbeitungszentren mannlos 24/7 arbeiten. Die KSS werden von der integrierten
Kühlschmierstoffpumpe in einen Sammelbehälter gefördert. Die KSS können in
vielen Fällen – gegebenenfalls nach einer Filterung – erneut verwendet werden,
was für Nachhaltigkeit und Kosteneinsparung sorgt. Die Ausgaben für das
Konzentrat sinken dadurch um ca. 70 %.
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Volumenreduzierung bis auf 1:18
„Der Aufwand für das Spänehandling ist dank der Brikettpressen Formika von Ruf auf einen Bruchteil gesunken. Alles, was jetzt noch manuell zu tun ist, lässt sich nebenbei erledigen“, berichtet der Leiter der mechanischen Bearbeitung bei Carl Zeiss Sports Optics.Carl Zeiss Sports Optics GmbH)
Die
Volumenreduzierung durch das Pressen ist enorm. „Bei Aluminium-Drehspänen ist
der Vorteil besonders groß. Die Schüttdichte der Briketts ist 15- bis 18-mal so
hoch wie die der Späne“, erläutert Ruf-Experte Ralf Lorbach. Bei Alu-Frässpänen
ist der Unterschied etwas geringer.
Bei der Einbindung
der beiden weiteren Ruf-Pressen in die Produktionsabläufe musste Carl Zeiss
Sports Optics Kompromisse eingehen. Die Option zur direkten Anbindung an die
Bearbeitungszentren – eine große Stärke der Formika-Anlagen – ließ sich hier
nicht nutzen. Denn diese beiden Pressen verarbeiten die Späne von zwei
Drehmaschinen und einem Dreh-Fräszentrum, die oft so lang und dick sind, dass Carl
Zeiss jeweils einen Spänezerkleinerer vorgeschaltet hat. Von den
Bearbeitungsmaschinen fallen die Späne zunächst in die Schredder, werden
zerkleinert und in Sammelbehältern aufgefangen. Auch diese können das Material
aus mehreren Schichten aufnehmen, bevor ein Mitarbeiter sie zur in der Nähe
stehenden Formika-Presse rollt und die Späne in deren Sammeltrichter füllt.
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Arbeitsaufwand auf einen Bruchteil verringert
Nach rund zwei
Jahren Erfahrung mit den Ruf-Pressen ist Michael Schurek mit der neuen Lösung
rundum zufrieden. „Der Aufwand für das Spänehandling ist auf einen Bruchteil
gesunken. Alles, was jetzt noch manuell zu tun ist, lässt sich nebenbei
erledigen“, berichtet der Abteilungsleiter.
Auf der anderen
Seite schlägt sich die Veredelung der nassen Späne zu trockenen Briketts auch
in erhöhten Erlösen beim Verkauf als Sekundärrohstoff nieder. Den Vorteil
möchte man bei Carl Zeiss Sports Optics zwar nicht genauer beziffern. Aber andere
Ruf-Kunden berichten von 160 bis 200 Euro je Tonne.
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Auch die
Inbetriebnahme der Pressen verlief sehr zügig, weil sie dank des
Anlagenkonzepts quasi als Plug-and-Play-System funktionieren. „Die Anlagen
ließen sich extrem flexibel aufbauen. Wir haben für den Stromanschluss gesorgt,
kleine Behälter für die KSS aufgestellt – und damit waren die Pressen
betriebsfertig“, erläutert Michael Schurek.
Pflegeleicht sind
die Pressen auch im Betrieb. „Der Wartungsaufwand ist sehr gering. Wir
schmieren lediglich einige bewegliche Teile in festen Intervallen und
kontrollieren die Anlagen sporadisch auf Verunreinigungen“, betont der
Abteilungsleiter und ergänzt: „Die Zusammenarbeit mit Ruf ist wirklich sehr
gut. Wenn Fragen aufgetaucht sind, haben wir stets schnell Unterstützung
bekommen.“
Quelle: Ruf Brikettiersysteme, bearbeitet von Annika Ostermeier
Warum hat Carl Zeiss Sports Optics die Späneentsorgung umgestellt? - Weil die mit Kühlschmierstoff (KSS) behafteten Aluminiumspäne zuvor einen hohen Handlingaufwand verursachten: Container mussten mehrmals täglich per Stapler geleert werden, zusätzlich entstanden Transportaufwand, Verschmutzungen und regelmäßige Abholfahrten.
Welche Lösung kommt jetzt zum Einsatz? - Carl Zeiss Sports Optics nutzt drei mobile Brikettieranlagen vom Typ Formika von RUF sowie drei Spänezerkleinerer. Die Späne werden zu nahezu trockenen Briketts gepresst und dadurch deutlich einfacher zu lagern und zu verkaufen.
Was bringt die Brikettierung technisch und wirtschaftlich? - Die Briketts haben nur noch etwa 3 Prozent Restfeuchte, sind sehr kompakt und reduzieren das Volumen massiv – bei Aluminium-Drehspänen bis zu 1:18. Gleichzeitig steigen die Erlöse beim Verkauf als Sekundärrohstoff und die KSS können häufig wiederverwendet werden.
Welche Auswirkungen hat das auf den Betrieb der Maschinen? - Der manuelle Aufwand sinkt stark, weil Brikettboxen erst nach vielen Schichten gewechselt werden müssen. Dadurch können Bearbeitungszentren mannlos im 24/7-Betrieb laufen – bei gleichzeitig deutlich saubereren Abläufen in der Fertigung.