KI-gestützte Softwareentwicklung für die Fertigung

Vibe Coding: Wenn aus Excel-Listen eigene Fertigungs-Apps werden

Vibe Coding soll individuelle Softwarelösungen auch für kleinere Fertigungsbetriebe wirtschaftlich machen – von Auswertungen und Workflows bis zu eigenen Shopfloor-Anwendungen. Im Interview mit Benjamin Neubauer, Geschäftsführer der Evomecs GmbH, geht es um sinnvolle Einsatzfelder, Grenzen der KI-gestützten Entwicklung und die Frage, wann eine professionelle Softwareplattform weiterhin unverzichtbar bleibt.

Evomecs, Anbieter der gleichnamigen Software-Plattform für den gesamten CNC-Fertigungsprozess, erweitert sein Portfolio: Ab sofort stellt das Münchner Unternehmen seine IT-Kompetenz auch für individuelle Programmieraufgaben zur Verfügung und entwickelt per Vibe Coding Lösungen für vielfältigste Business-Anwendungen. Geschäftsführer Benjamin Neumann erklärt im Interview die Vorteile für Fertigungsbetriebe.
Evomecs, Anbieter der gleichnamigen Software-Plattform für den gesamten CNC-Fertigungsprozess, erweitert sein Portfolio: Ab sofort stellt das Münchner Unternehmen seine IT-Kompetenz auch für individuelle Programmieraufgaben zur Verfügung und entwickelt per Vibe Coding Lösungen für vielfältigste Business-Anwendungen. Geschäftsführer Benjamin Neumann erklärt im Interview die Vorteile für Fertigungsbetriebe.

Als Spezialist für IT-Systeme in der Fertigung verfügt Evomecs über tiefgreifendes Wissen im Software- wie im Produktionsbereich. Hinzu kommen nun die neuen Möglichkeiten der KI-basierten Softwareprogrammierung, des Vibe Coding. Die Evomecs-Entwickler sind damit in der Lage, für nahezu jede Aufgabenstellung im Industrie- bzw. Fertigungsumfeld und darüber hinaus eine individuelle Lösung zu realisieren. Unternehmen jeder Größe sollen durch diese zusätzliche Dienstleistung von einer über Jahre gewachsenen Expertise und gleichzeitig von allen Vorteilen des Vibe Codings profitieren: So führt die Nutzung entsprechender KI-Tools laut Evomecs deutlich zielgenauer, schneller und kostengünstiger zu maßgeschneiderten, bedarfsspezifischen neuen Softwarefeatures als die klassische Programmierung. Das neue Angebot richtet sich sowohl an Nutzer der Evomecs Software-Plattform als auch an NichtNutzer. Dabei stehen unterschiedliche Lizenz- und Nutzungsmodelle zur Auswahl.

Herr Neumann, können Sie ein Beispiel aus der Zerspanungspraxis nennen, für das ein Fertigungsbetrieb Vibe Coding sinnvoll nutzen könnte – etwa eine Schnittstelle, ein Auswertungstool oder eine Automatisierung im Shopfloor-Alltag?

Benjamin Neumann: In praktisch jedem Fertigungsunternehmen gibt es Prozesse, die heute mit großen Excel-Tabellen, Listen oder anderen selbstgebauten Hilfsmitteln organisiert werden. Das können Angebotsübersichten, Kalkulationen, Projekt- und Auftragsverfolgung, Auswertungen oder interne Planungsprozesse sein.

Ich würde es so zusammenfassen: Was gestern die selbstgebaute Excel-Tabelle war, kann heute eine selbstgebaute App sein. Mit Vibe Coding lassen sich solche Lösungen inzwischen mit überschaubarem Aufwand als attraktive und einfach bedienbare Anwendungen umsetzen. Der Anwender muss dafür nicht mehr zwingend programmieren können, sondern beschreibt seine Anforderungen weitgehend in natürlicher Sprache und entwickelt die Anwendung iterativ weiter.

Wir machen diese Erfahrung auch bei Evomecs selbst: Unser CRM, unser Projektmanagement und unsere Zeiterfassung haben wir mit unserer internen Plattform Nexus auf diese Weise aufgebaut.

Schwieriger wird es, sobald die benötigten Daten nicht einfach verfügbar sind. Maschinenzustände beispielsweise muss ich zunächst zuverlässig aus unterschiedlichen Maschinen und Steuerungen bekommen. Und sobald eine Anwendung nicht nur Daten verarbeitet, sondern unmittelbar in einen Fertigungsprozess eingreift, steigen die Anforderungen an Sicherheit und Zuverlässigkeit noch einmal erheblich.

Wo verläuft die Grenze zwischen dem, was die Evomecs-Plattform bereits modular abdeckt, und dem, was künftig als individuelle Vibe-Coding-Lösung entwickelt wird? Wann lohnt sich das eine, wann das andere?

Neumann: Unsere Philosophie ist: Standardisieren, was standardisierbar ist – individualisieren, wo es einen echten Mehrwert bringt.

Evomecs bietet bereits ein Set an Standardanwendungen, das einen großen Teil der typischen digitalen Prozesse in der Zerspanung abdeckt. Gleichzeitig stellen wir die Konnektivität zu Maschinen, Werkzeugvoreinstellgeräten, Messsystemen und weiteren Komponenten her. Gerade diese Integrationsschicht ist technisch anspruchsvoll und für einen zuverlässigen Produktionsbetrieb kritisch.

Evomecs stellt seine IT-Kompetenz nun auch für individuelle Programmieraufgaben zur Verfügung
und entwickelt per Vibe Coding Lösungen für vielfältigste Business-Anwendungen.
Evomecs stellt seine IT-Kompetenz nun auch für individuelle Programmieraufgaben zur Verfügung und entwickelt per Vibe Coding Lösungen für vielfältigste Business-Anwendungen.

Darauf wollen wir mit Evomecs Create eine neue Ebene schaffen. Wenn Daten und Funktionen über die Evomecs Softwareplattform sicher und strukturiert zur Verfügung stehen, können Anwender darauf mit Vibe Coding eigene Anwendungen entwickeln – beispielsweise individuelle Auswertungen, Visualisierungen oder Workflows. Sie müssen sich dabei nicht darum kümmern, wie sie mit unterschiedlichen CNC-Steuerungen oder anderen Systemen kommunizieren.

Vibe Coding übernimmt also die individuelle Anwendung, die Evomecs -Plattform stellt das stabile Fundament darunter bereit. So verbinden wir die Vorteile einer professionellen industriellen Softwareplattform mit der neuen Freiheit, Anwendungen sehr viel individueller und schneller zu entwickeln.

Das Angebot richtet sich explizit auch an Nicht-Nutzer der Plattform – was bedeutet das konkret für einen mittelständischen Zerspanungsbetrieb ohne bestehende Evomecs -Infrastruktur? Welche Einstiegshürden entfallen?

Neumann: Vibe Coding kann völlig unabhängig von der die Evomecs -Plattform interessant sein. Gerade bei Anwendungen, die heute typischerweise mit Excel, Access oder anderen selbstgebauten Lösungen abgedeckt werden, ist die Einstiegshürde inzwischen sehr niedrig.

Wir haben selbst viel Erfahrung damit gesammelt und können Unternehmen deshalb bei der Konzeption und Umsetzung solcher Anwendungen unterstützen. Gleichzeitig stellen wir fest, dass viele Kunden und Mitarbeiter in den Unternehmen bereits selbst erstaunlich gut mit diesen Werkzeugen umgehen können. Deshalb sehen wir unsere Rolle hier nicht unbedingt als klassische Softwareagentur. Beratung, Konzeption und insbesondere die Frage, wo Vibe Coding sinnvoll und verantwortbar eingesetzt werden kann, werden aus unserer Sicht wichtiger.

Sobald es allerdings um die Integration von Maschinen und anderen Produktionssystemen geht, verändert sich die Situation. Dann benötigt eine individuelle Anwendung zunächst einen zuverlässigen Zugang zu diesen Systemen. Genau hier kann Evomecs die notwendige Infrastruktur bereitstellen.

Wie läuft ein Vibe-Coding-Projekt bei Evomecs ab, und wie stellen Sie sicher, dass die KI-generierten Lösungen den Anforderungen an Zuverlässigkeit und Sicherheit in der Fertigung genügen?

Neumann: Ein wichtiger Punkt ist zunächst: KI-generierter Code ist nicht automatisch produktionsreife Software. Vibe Coding kann Entwicklung enorm beschleunigen, aber es nimmt einem nicht die Verantwortung für das Ergebnis ab.

Das erleben wir auch bei unseren eigenen Anwendungen: CRM, Projektmanagement oder Zeiterfassung entwickeln wir inzwischen sehr weitgehend mit Vibe Coding. Von finanz- und steuerrelevanten Anwendungen lassen wir dagegen derzeit bewusst die Finger. Wenn dort etwas falsch berechnet oder verbucht wird, können die Konsequenzen erheblich sein.

Für die Fertigung gilt das in besonderem Maße. Ein individuell entwickeltes Dashboard ist eine andere Risikoklasse als eine Anwendung, die unmittelbar eine Maschine oder eine automatisierte Fertigungszelle beeinflusst. Außerdem darf man die Folgekosten nicht vergessen: Wer eine individuelle Anwendung selbst entwickelt, übernimmt damit auch Verantwortung für Tests, Betrieb, Wartung und zukünftige Anpassungen.

Deshalb verfolgen wir mit Evomecs Create einen klaren Ansatz: Wir wollen nicht die Maschinenanbindung vibe-coden. Wir wollen die Maschinen zuverlässig anbinden, damit unsere Kunden darauf ihre eigenen Anwendungen vibe-coden können. Die kritische Integrationsschicht bleibt damit Bestandteil der professionell entwickelten EVOMECS-Infrastruktur.

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Sie sprechen von schnelleren, kostengünstigeren Lösungen gegenüber klassischer Programmierung – können Sie das an einem realistischen Beispiel aus der Zerspanung greifbar machen, etwa in Bezug auf Entwicklungszeit oder Kosten?

Neumann: Ich würde das weniger an einer pauschalen Prozentzahl festmachen. Der entscheidende Unterschied liegt aus meiner Sicht darin, welche Anwendungen plötzlich wirtschaftlich entwickelt werden können.

Nehmen wir eine Excel-Tabelle, mit der ein Fertigungsunternehmen heute beispielsweise Angebote, Projekte oder bestimmte Auftragsinformationen verwaltet. Eine professionelle Individualsoftware dafür entwickeln zu lassen, würde sich häufig überhaupt nicht rechnen. Also bleibt man bei Excel – obwohl die Lösung irgendwann unübersichtlich und fehleranfällig wird.

Mit Vibe Coding kann derselbe Anwender heute in relativ kurzer Zeit eine richtige Anwendung mit Datenbank, Benutzeroberfläche, Such- und Filterfunktionen oder individuellen Auswertungen aufbauen und anschließend selbst weiterentwickeln.

Im Shopfloor gilt das gleiche Prinzip, sobald die technische Basis vorhanden ist. Wenn Evomecs beispielsweise die notwendigen Maschinen-, Werkzeug- oder Messdaten bereits strukturiert zur Verfügung stellt, muss für eine individuelle Darstellung oder Auswertung nicht jedes Mal ein klassisches Softwareprojekt gestartet werden.

Vibe Coding macht damit nicht einfach nur Softwareentwicklung billiger. Es macht Individualisierung wirtschaftlich, die sich früher oft gar nicht gelohnt hätte.

Welche Lizenz- und Nutzungsmodelle stehen zur Wahl, und wie unterscheiden sie sich hinsichtlich Aufwand, Kosten und Bindung für kleinere versus größere Fertigungsbetriebe?

Neumann: Bei Evomecs bleibt unser grundsätzliches Geschäftsmodell bestehen: Unsere Plattform und die Standardanwendungen können je nach Kundenanforderung klassisch erworben oder als SaaS genutzt werden.

Für Evomecs Create planen wir ein ergänzendes Modell. Hier denken wir an einen monatlichen Tarif, dessen Umfang sich unter anderem nach der tatsächlichen Nutzung der KI-Funktionen richtet. Damit können Unternehmen mit überschaubarem Umfang einsteigen, während Unternehmen mit vielen eigenen Anwendungen oder intensiver Nutzung entsprechend größere Pakete verwenden können. Konkrete Preise möchten wir zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht nennen.

Für uns geht die Idee aber deutlich über ein weiteres Lizenzmodell hinaus. Kunden sollen mit Create nicht nur Anwendungen für den eigenen Betrieb entwickeln können. Perspektivisch möchten wir ihnen ermöglichen, selbst entwickelte Apps auch anderen Evomecs -Anwendern über einen Store zur Verfügung zu stellen.

Damit kann schrittweise ein Ökosystem entstehen, in dem nicht mehr jede branchenspezifische Anforderung ausschließlich von Evomecs entwickelt werden muss. Ein Fertigungsunternehmen, das beispielsweise eine sehr gute Lösung für einen speziellen Planungs- oder Auswertungsprozess entwickelt hat, kann diese auch anderen Unternehmen anbieten und damit selbst Umsatz generieren.

Aus Anwendern können damit auch Entwickler und Anbieter innerhalb des Evomecs -Ökosystems werden. Evomecs stellt mit Plattform, Konnektivität und Create das Fundament bereit – und die Anwender können darauf Lösungen entwickeln, von denen anschließend auch andere profitieren.

Danke für das Gespräch!