Werkzeugmaschinenindustrie: Warum China davonzieht
Die Werkzeugmaschinenindustrie zeigt erste Stabilisierungstendenzen nach zwei Jahren schwacher Investitionen. Gleichzeitig verschieben sich die globalen Kräfteverhältnisse deutlich – vor allem zugunsten Chinas.
Nach zwei Jahren mit spürbarer Investitionszurückhaltung zeigt die deutsche Werkzeugmaschinenindustrie erste Anzeichen einer Stabilisierung.gorodenkoff - stock.adobe.com
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Summary: Die Werkzeugmaschinenindustrie verzeichnet 2025 einen leichten Rückgang beim Auftragseingang, während sich gegen Jahresende eine Belebung andeutet. Parallel baut China seine Führungsrolle bei Produktion und Export weiter aus. Neue Nachfrageimpulse kommen zunehmend aus Elektronik-, Halbleiter- und Rechenzentrumsindustrien.
Wie entwickelt sich der Auftragseingang der Werkzeugmaschinenindustrie?
Nach zwei Jahren mit deutlicher Investitionszurückhaltung zeigen sich erste Stabilisierungstendenzen in der Werkzeugmaschinenindustrie. Dennoch blieb der Auftragseingang im Jahr 2025 leicht unter dem Niveau des Vorjahres.
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Insgesamt gingen die Bestellungen um 3 % zurück. Dabei entwickelte sich die Nachfrage im Inland und Ausland sehr unterschiedlich. Während die Bestellungen aus dem Ausland um 3 % zunahmen, brach der Auftragseingang aus Deutschland um 16 % ein.
Diese Entwicklung spiegelt die schwierige Situation wichtiger Anwenderbranchen wider. Vor allem die Automobilindustrie und ihre Zulieferer agierten zurückhaltend bei Investitionen.
Zum Jahresende zeichnete sich jedoch eine leichte Trendwende ab. Im vierten Quartal 2025 lagen die Auftragseingänge insgesamt um 4 % über dem Vorjahreswert.
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China baut Produktion von Werkzeugmaschinen deutlich aus
Parallel zur konjunkturellen Entwicklung verschieben sich die globalen Kräfteverhältnisse im Werkzeugmaschinenbau weiter.
Besonders dynamisch entwickelt sich die Produktion in China. Die Maschinenfertigung – ohne Teile und Zubehör – erreichte dort 2025 mit rund 30 Mrd. EUR ein neues Rekordniveau. Damit baut die Volksrepublik ihre dominierende Stellung im weltweiten Maschinenbau weiter aus.
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Deutschland blieb dagegen erneut unter der Marke von 10 Mrd. EUR Produktionsvolumen. Die Fertigung lag mit 9,4 Mrd. EUR nur geringfügig über dem Niveau der Pandemiejahre 2020 und 2021.
Insgesamt konzentriert sich die globale Produktion weiterhin stark auf wenige Länder. China, Deutschland und Japan stehen gemeinsam für 58 % der weltweit produzierten Werkzeugmaschinen. Davon entfallen 37 % auf China, 12 % auf Deutschland und 10 % auf Japan. Dahinter folgen die USA mit 9 % und Italien mit 7 %.
Warum verändert sich der weltweite Handel mit Werkzeugmaschinen?
Auch im internationalen Handel zeigen sich deutliche Verschiebungen. Das weltweite Exportvolumen für Werkzeugmaschinen erreichte 2025 rund 41,4 Mrd. EUR und lag damit etwa 3 % unter dem Vorjahresniveau.
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Besonders markant ist der Rollenwechsel an der Spitze des Exportrankings. China überholte Deutschland erstmals als weltweit größten Exporteur von Werkzeugmaschinen.
Während deutsche Hersteller ihre Ausfuhren um 10 % reduzierten und auf ein Exportvolumen von 7 Mrd. EUR kamen, steigerten chinesische Anbieter ihre Exporte um 13 %. Mit 8,6 Mrd. EUR erreichte China damit einen neuen Rekordwert.
Gleichzeitig bleibt China auch der größte Absatzmarkt weltweit. Das Marktvolumen wuchs 2025 um 5 % auf 25,2 Mrd. EUR. Damit entfallen rund 32 % des globalen Verbrauchs auf die Volksrepublik.
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Die USA folgen mit 11,1 Mrd. EUR und einem Marktanteil von 14 %. Deutschland liegt mit 5,7 % knapp vor Indien, das 5,4 % erreicht.
Welche Branchen treiben die Werkzeugmaschinenindustrie künftig an?
Für die kommenden Monate rechnen Branchenexperten mit einer weiteren Belebung der Nachfrage. Wie aus der Mitteilung des Vereins Deutscher Werkzeugmaschinenfabriken (VDW) hervorgeht, dürfte sich die Dynamik insbesondere in der zweiten Jahreshälfte verstärken.
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Neue Impulse kommen dabei zunehmend aus anderen Industrien als den klassischen Kundenbranchen. Neben Rüstungs- und Luftfahrtindustrie profitieren Werkzeugmaschinenhersteller aktuell vor allem von der Elektronik- und Halbleiterindustrie.
„Hintergrund sind der fortschreitende Digitalisierungsschub, der KI-Boom und der weltweite Ausbau von Rechenzentren“, erläutert Dr. Markus Heering, Geschäftsführer des VDW.
Auch das Geschäft mit den USA entwickelt sich trotz handelspolitischer Unsicherheiten weiterhin stabil. Investitionen könnten dort in den kommenden Monaten weiter zunehmen.
Für den chinesischen Markt haben sich die Perspektiven zuletzt ebenfalls leicht verbessert. Grund dafür sind verstärkte staatliche Investitionen in Zukunftstechnologien. Zudem stuft die chinesische Regierung Werkzeugmaschinen im neuen Fünfjahresplan als kritische Kerntechnologie ein.
„Die veränderten geopolitischen Rahmenbedingungen führen zu einer stärkeren Neuordnung wirtschaftlicher Partnerschaften. Das zeigen etwa die geplanten Freihandelsabkommen mit Indien und dem Mercosur“, so Heering.
• Wie entwickelte sich der Auftragseingang der Werkzeugmaschinenindustrie 2025? – Der Auftragseingang der Werkzeugmaschinenindustrie lag 2025 insgesamt 3 % unter dem Vorjahr. Während die Auslandsnachfrage um 3 % stieg, sank der Inlandsauftragseingang um 16 %.
• Warum gewinnt China in der Werkzeugmaschinenindustrie an Bedeutung? – China baute 2025 seine Produktion auf rund 30 Mrd. EUR aus und überholte Deutschland erstmals als größten Exporteur von Werkzeugmaschinen.
• Welche Rolle spielt Deutschland in der globalen Werkzeugmaschinenindustrie? – Deutschland bleibt einer der wichtigsten Produzenten weltweit mit einem Anteil von 12 % an der globalen Produktion.
• Welche Branchen treiben die Werkzeugmaschinenindustrie aktuell an? – Vor allem Elektronik-, Halbleiter- sowie Rechenzentrumsindustrien sorgen derzeit für Nachfrageimpulse.
• Welche Entwicklung erwartet die Werkzeugmaschinenindustrie in den kommenden Monaten? – Branchenexperten erwarten eine Belebung der Nachfrage insbesondere in der zweiten Jahreshälfte.