Europas Werkzeugmaschinenbauer unter Druck

Italien und Deutschland: Ähnliche Probleme, unterschiedliche Rezepte

Während Deutschland vorsichtig auf Stabilisierung hofft, zeigt sich Italien deutlich kritischer. Beide Länder leiden unter schwachem Inlandsgeschäft und geopolitischen Unsicherheiten – doch die Lösungsansätze unterscheiden sich erheblich.

Im vierten Quartal 2025 verzeichnete die italienische Werkzeugmaschinenindustrie laut Verband UCIMU einen Auftragsrückgang von 13,6 %. Auslandsaufträge brachen um 17,1 % ein, das Inlandsgeschäft um 2,9 %.
Im vierten Quartal 2025 verzeichnete die italienische Werkzeugmaschinenindustrie laut Verband UCIMU einen Auftragsrückgang von 13,6 %. Auslandsaufträge brachen um 17,1 % ein, das Inlandsgeschäft um 2,9 %.

Die europäische Werkzeugmaschinenindustrie durchlebt turbulente Zeiten. Ein Vergleich der beiden wichtigsten Produktionsstandorte Deutschland und Italien offenbart ein zwiespältiges Bild: Während der VDW für 2026 ein Produktionsplus von 1 % prognostiziert, fällt das Fazit des italienischen Verbands UCIMU deutlich ernüchternder aus.

Auftragseingang: Ernüchterung auf beiden Seiten der Alpen

Im vierten Quartal 2025 verzeichnete Italien einen Auftragsrückgang von 13,6 %. "Das Gesamtergebnis ist erneut enttäuschend", konstatiert Riccardo Rosa, UCIMU-Präsident. Auslandsaufträge brachen um 17,1 % ein, das Inlandsgeschäft um 2,9 %.

Deutschland zeigt sich robuster. Nach einem Produktionsrückgang von 8 % auf 13,6 Mrd. EUR meldet der VDW erstmals seit drei Jahren Pluszeichen. "Die Inlandsnachfrage bleibt schwach, Impulse kommen aus dem Ausland", so Franz-Xaver Bernhard, VDW-Vorsitzender.

Fördermaßnahmen: Fluch und Segen

"Der Industrie-5.0-Plan hat nicht wie vorgesehen gewirkt", kritisiert Rosa. "Die Unterbrechungen haben für mangelnde Planungssicherheit gesorgt." Italien wartet auf eine neue Fördermaßnahme bis 2028. "Die Verordnungen müssen zeitnah erlassen werden", fordert Rosa. Bernhard mahnte Verbesserungen bei der Forschungszulage an: weniger Bürokratie, schnellere Auszahlung. In beiden Ländern gilt: Staatliche Förderung hilft nur, wenn sie verlässlich ist.

Geopolitische Instabilität, Trumps Handelspolitik, die Automobilkrise und Deutschlands wirtschaftliche Schwäche belasten beide Länder gleichermaßen. "Die große Unsicherheit belastet unsere Performance erheblich", erklärt Rosa. "Konflikte, Handelspolitik und die Schließung von Märkten wie Russland und China schränken unsere Exporttätigkeit massiv ein." Deutschland verlor 2025 erstmals die Exportweltmeisterschaft an China. Mit 18 % Zuwachs setzte sich China an die Spitze. Deutsche Ausfuhren gingen in fast allen Weltregionen zurück, besonders in den USA und China.

Unterschiedliche Strategien für die Zukunft

Bei den Lösungsansätzen gehen die Wege auseinander. Italien begrüßt das Freihandelsabkommen mit Indien. "Mit 135 Mio. EUR Exportvolumen in den ersten neun Monaten 2025 ist Indien unser viertgrößter Absatzmarkt", so Rosa. Gleichzeitig kritisiert er scharf die Verzögerungen beim EU-Mercosur-Abkommen: "Ein schwerer Rückschlag für die verarbeitende Industrie." Italien hat seine Aktivitäten in Lateinamerika intensiviert, von Brasilien bis zur Einrichtung der Oficina Italiana de Promotiòn Mexico Anfang 2025.

Deutschland setzt stärker auf Europa und Local-for-Local-Produktion. Über 60 % des Absatzes fließen in die europäische Region. Zwölf größere Hersteller produzieren in 43 Niederlassungen weltweit über 3 Mrd. EUR – mehr als 40 % ihrer Gesamtproduktion. "Unternehmen haben so eine bessere Chance, trotz Handelshemmnissen am lokalen Marktwachstum zu partizipieren", betonte Bernhard.

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Technologieführerschaft als Trumpfkarte

Bei aller Unterschiedlichkeit eint beide Länder die Überzeugung, dass nur technologische Spitzenleistungen langfristig Erfolg versprechen. "Unsere Position als zweitwichtigster Lieferant weltweit verdanken wir unserer Technologieführerschaft", erklärte Bernhard. Innovationen werden durch Automatisierung, Effizienzsteigerung, Digitalisierung und Künstliche Intelligenz vorangetrieben.

Deutschland setzt auf Diversifizierung der Kundenbranchen – Rüstung, Luftfahrt, Medizintechnik, Energie. Italien verweist auf qualitativ hochwertige, kundenspezifische Lösungen, besonders in Schwellen- und volatilen Märkten. "Wir dürfen nicht zulassen, dass das große Potenzial unserer Unternehmen durch eine vollkommen unsinnige Entscheidung zunichtegemacht werden", warnt Rosa. "Die Wettbewerbsfähigkeit der europäischen Industrie steht auf dem Spiel." Und Bernhard appelliert: "Wir erwarten wirtschaftspolitische Reformen, die Wachstum voranbringen. Wir erwarten klare Prioritäten und vor allem Tempo."

Ob deutsche Zuversicht oder italienische Kritik der Realität näher kommt, wird sich 2026 zeigen. Fest steht: Beide Branchen stehen vor gewaltigen Herausforderungen – und beide wissen, dass nur entschlossenes Handeln den Weg aus der Krise weisen kann.