Warum Präzisionsschleifen für Elektroautos entscheidend ist
Präzisionsschleifen entscheidet bei Komponenten für Elektroautos über Geräuschentwicklung, Wirkungsgrad und Lebensdauer. Digitale Zwillinge und Prozessdaten sollen die Fertigung zusätzlich absichern.
Redaktion FERTIGUNGRedaktionFERTIGUNG
Geschliffener Auftritt mit dem Elektroauto:
Wenn kein Verbrennungsmotor die
Geräusche überdeckt, muss die Oberfläche
der Bauteile absolut perfekt sein. Das gilt
besonders für die mechanischen
Komponenten im Inneren.Pixabay
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Summary: Der VDW zeigte im Mai 2026 auf der GrindingHub in Stuttgart, wie Präzisionsschleifen die Fertigung von Komponenten für Elektrofahrzeuge verbessert. Hochgenaue Oberflächen, Echtzeit-Sensordaten und Digitale Zwillinge sollen Geräusche und Reibung reduzieren sowie Prozesssicherheit, Effizienz und Lebensdauer erhöhen. Flexible Maschinenkonzepte sollen Komponentenhersteller zudem bei der langfristigen Transformation der Antriebstechnik unterstützen.
Elektroautos stellen besondere Anforderungen an die
Fertigungstechnik. Damit sie leise, effizient und langlebig sind, müssen ihre
mechanischen Komponenten höchste Präzision aufweisen. Beim Schleifen der
Bauteile entscheiden oft Bruchteile eines Mikrometers über Wirkungsgrad und
Geräuschentwicklung. Die Basis für die Qualitätssicherung ist eine lückenlose,
datenbasierte Überwachung der Schleifprozesse. Durch den Einsatz Digitaler
Zwillinge wird die Fertigung hochpräziser E-Komponenten zudem robuster und besser
skalierbar.
Auf der Fachmesse GrindingHub, die der VDW (Verein Deutscher
Werkzeugmaschinenfabriken) im Mai 2026 in Stuttgart veranstaltete,
konnten die Besucherinnen und Besucher mehr darüber erfahren, wie modernste
Schleiftechnologie den Weg für die nächste Generation der Elektromobilität
ebnet.
Prof. Thomas Bergs, Leiter Manufacturing Technology Institute (MTI) der RWTH Aachen und Direktor am Fraunhofer IPT.MTI der RWTH Aachen
„Bei Elektrofahrzeugen entfallen die maskierenden Geräusche
des Verbrennungsmotors. Dadurch treten Anregungen anderer Komponenten, etwa aus
dem Getriebe, deutlich stärker hervor“, erklärt Prof. Thomas Bergs, der das
Manufacturing Technology Institute (MTI) der RWTH Aachen leitet sowie als
Direktor am Fraunhofer IPT tätig ist. „Entscheidend ist deshalb sowohl die
Präzision der Zahnflanken, aber auch die Beherrschung von Systemtoleranzen“,
erklärt der Aachener Wissenschaftler weiter. Gerade bei den hohen Drehzahlen
elektrischer Antriebe sei die gesamte Toleranzkette ausschlaggebend. „Hier
können beispielsweise Mikrostrukturen konventionell geschliffener
Wellendichtflächen unerwünschte Leckagen erzeugen“, so Bergs. Im Fokus stehen
die hör- oder spürbaren Schwingungen des Kraftfahrzeugs, die in der Fachwelt
unter der Abkürzung NVH (Noise, Vibration, Harshness – also Geräusch,
Vibration, Rauigkeit) zusammengefasst werden.
„Bei Zahnflanken werden
geometrische Abweichungen unmittelbar als rotatorische Schwingungen in den
Antriebsstrang übertragen. Ein hochpräziser Schleifprozess mit minimalen
Abweichungen ist daher entscheidend, um das gewünschte NVH-Verhalten gezielt
einzustellen und störende Geräusche wirksam zu reduzieren“, erklärt Bergs.
Beim Schleifen von Komponenten für die Elektromobilität gilt
es zudem, Fehler in der Serie zu verhindern. Bei hochbelasteten Komponenten wie
den Zahnrädern in E-Mobilitäts-Getrieben sei vor allem die
Oberflächenintegrität entscheidend, weil sie die Lebensdauer maßgeblich
beeinflusst, sagt Bergs. „Wir entwickeln deshalb neue Methoden, um Rauheit und
Eigenspannungen datengetrieben und auf Basis eines Digitalen Zwillings
vorherzusagen. So lassen sich kritische Effekte frühzeitig erkennen und
gezielte Prozessoptimierungen für die Serienfertigung ableiten.“ Durch die
Verknüpfung von Echtzeit-Sensordaten der Maschine mit physikalischen Modellen
im Digitalen Zwilling lässt sich die Qualität der Bauteile bereits während der
Fertigung abschätzen und bei Bedarf sofort optimieren. „Mit modellbasierten,
digitalen Methoden lassen sich höchste Qualitätsanforderungen bereits in der
frühen Prozessauslegung berücksichtigen“, erklärt Bergs. „Das schafft die
Voraussetzung, Präzision wirtschaftlich und prozesssicher umzusetzen.“
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Unter Haaresbreite: Präzision als Erfolgsfaktor
Mit Blick auf künftige Investitionen in Produktionsmaschinen
ist es eine zentrale Frage, welche Neuerungen beim Schleifen die E-Mobilität
künftig besonders stark voranbringen können. Auch die Wissenschaft beschäftigt
sich intensiv damit. Hochfeine Oberflächen sind ein zentraler Hebel, um die
Effizienz von Komponenten in der E-Mobilität weiter zu steigern. „In der
Zahnradfertigung von Elektrogetrieben erscheinen optimierte Prozessketten in
Kombination mit dem Polierwälzschleifen vielversprechend“, sagt Bergs. Die
Hersteller von Schleifmaschinen sind also gefordert, Präzision im Mikrometer-
und sogar im Nanometerbereich zu gewährleisten. Zum Vergleich: Menschliche
Haare haben einen Durchmesser von etwa 50 bis 100 Mikrometern. Ultrafeiner
Staub, wie er in Abgasen vorkommt, ist mit rund 100 Nanometern bis zu
tausendmal kleiner.
Christoph Plüss, Chief
Technology Officer (CTO) von United
Machining Solutions mit Sitz im
schweizerischen Bern.United Machining Solutions
Der Werkzeugmaschinenbauer und GrindingHub-Aussteller United
Machining Solutions stellt sich dieser Herausforderung.
„Als Anbieter von Hochpräzisions-Schleiftechnologien leisten wir einen
entscheidenden Beitrag zur Erfüllung der steigenden Qualitätsanforderungen in
der E-Mobilität“, sagt Christoph Plüss, Chief Technology Officer (CTO) von
United Machining Solutions mit Sitz im schweizerischen Bern. „Unsere Lösungen
ermöglichen Oberflächen im Mikro- und Submikrometerbereich und sorgen so für
minimale Geräuschentwicklung, reduzierte Reibung und höchsten Wirkungsgrad.
Gleichzeitig gewährleisten stabile und reproduzierbare Prozesse eine konstant
hohe Bauteilqualität in der Serienfertigung“, bekräftigt Plüss.
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Weniger Reibung, höhere Reichweite, längere Lebensdauer
„Neben der Akustik sind vor allem Effizienz und Lebensdauer
entscheidend“, sagt der Technikchef von United Machining Solutions weiter.
„Hochpräzise geschliffene Komponenten reduzieren Reibungsverluste und tragen
damit direkt zur Reichweitenoptimierung bei“, so Plüss. Zudem erhöhten sie die
Zuverlässigkeit und Langlebigkeit zentraler Bauteile im elektrischen
Antriebsstrang. Moderne Antriebstechnologien wie Hybrid- und Elektroantriebe,
die beim Bremsen rekuperativ elektrische Energie zurückgewinnen, stellen die
spanende Fertigung vor zusätzliche Herausforderungen. „Die steigende
Komplexität moderner Antriebssysteme erhöht die Anforderungen an Präzision,
Prozesssicherheit und Flexibilität in der spanenden Fertigung deutlich“,
erklärt Plüss. Denn schließlich müssten unterschiedliche Materialien, neue
Geometrien und kombinierte Funktionen in gleichbleibend hoher Qualität
bearbeitet werden.
Mit dem Wandel zur E-Mobilität wird sich das Spektrum an
Bauteilen langsam und kontinuierlich über mehrere Jahre oder sogar Jahrzehnte
verändern. Die wesentliche betriebswirtschaftliche Herausforderung für die
Komponentenhersteller ist es daher, sich darauf mit zielgerichteten
Investitionen optimal einzustellen. United Machining Solutions setzt laut Plüss
dazu auf flexible Maschinenkonzepte und modulare Produktionslösungen, die sich
schnell an neue Anforderungen anpassen lassen. Ergänzt werde dies durch digitale
Technologien, die eine datenbasierte Prozessoptimierung ermöglichen sollen. „So
schaffen wir die Grundlage für wirtschaftliche und zukunftssichere Fertigung
über den gesamten Transformationszeitraum hinweg“, sagt Plüss.
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Bei der Fertigung von Ritzelwellen im E-Antriebsstrang
kommt es auf Perfektion
an. Höchste Ansprüche an die
Oberfläche minimieren Reibung und
Geräusche, während eine lückenlose
Kontrolle während der Fertigung und
perfekte Passmaße maximale Effizienz
garantieren.MTI der RWTH Aachen
Vielfalt im Antriebsstrang sichert Bedarf
In den kommenden Jahrzehnten ist von einer Koexistenz
verschiedener Antriebsarten auszugehen. Neben batterieelektrischen Systemen
werden weiterhin optimierte Dieselmotoren, Wasserstoff- Verbrennungsmotoren,
Hybridantriebe sowie Brennstoffzellen-Technologien zum Einsatz kommen. „Die
technologische Vielfalt im Antriebsstrang wird den Bedarf an hochpräzisen
Komponenten langfristig sichern, da jede Antriebsform spezifische Anforderungen
an Fertigung und Qualität stellt“, erklärt Plüss. Gleichzeitig erwartet der
Manager durch den Hochlauf autonomer Fahrzeuge zusätzliche Impulse, etwa durch
steigende Anforderungen an Präzision, Sicherheit und Systemintegration.
„Insgesamt eröffnet diese Entwicklung nachhaltige Wachstumschancen für die
Fertigungstechnologie“, sagt Plüss.
Quelle: VDW (Verein Deutscher Werkzeugmaschinenfabriken), bearbeitet von: Sabine Königl
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𝐅𝐀𝐐 𝐳𝐮𝐦 𝐏𝐫ä𝐳𝐢𝐬𝐢𝐨𝐧𝐬𝐬𝐜𝐡𝐥𝐞𝐢𝐟𝐞𝐧
Warum ist Präzisionsschleifen für Elektroautos wichtig? Präzisionsschleifen reduziert geometrische Abweichungen, Reibung und störende Geräusche und unterstützt damit Effizienz, Lebensdauer und Bauteilqualität.
Wie beeinflusst Präzisionsschleifen das NVH-Verhalten? Präzise geschliffene Zahnflanken verringern rotatorische Schwingungen, die auf den elektrischen Antriebsstrang übertragen werdenWelche Rolle spielt der Digitale Zwilling beim Präzisionsschleifen? – Er verbindet Sensordaten mit physikalischen Modellen und ermöglicht die Vorhersage von Rauheit, Eigenspannungen und Bauteilqualität.
Welche Rolle spielt der Digitale Zwilling beim Präzisionsschleifen? Er verbindet Sensordaten mit physikalischen Modellen und ermöglicht die Vorhersage von Rauheit, Eigenspannungen und Bauteilqualität.
Welche Genauigkeit erreicht modernes Präzisionsschleifen? Die beschriebenen Lösungen ermöglichen Oberflächen im Mikro- und Submikrometerbereich; die Anforderungen reichen teilweise bis in den Nanometerbereich.
Warum bleibt Präzisionsschleifen langfristig gefragt? Unterschiedliche Antriebsarten und steigende Anforderungen an Sicherheit, Effizienz und Systemintegration sichern den Bedarf an hochpräzisen Komponenten.